Nach unserer vorgestrigen Runde um den Felsberg, die ja teilweise am Rand des oberen Lautertals entlangführte, wollten wir heute mal den unteren Teil des besagten Tals erkunden. Und das ausnahmsweise sogar mal vormittags.
Treffen gegen 10:15 Uhr, mit dem Auto nach Auerbach auf den Parkplatz unterhalb vom Fürstenlager. Wetter bestens (ca 20 Grad, Sonnig mit ein paar Wolken, vielleicht etwas hohe Luftfeuchtigkeit, war aber noch erträglich). Über eine Treppe an der Bergwand ca. 20 m. nach oben auf einen Waldweg, dort kurz gedehnt und losgelaufen.
Erster Teilabschnitt durch den Staatspark Fürstenlager, einem schönen Park, der früher mal Sommerresidenz der Landgrafen von Hessen-Darmstadt war. Über eine kleine Brücke auf die zentrale Allee am Teich entlang (Markierung: Nibelungenweg = gelbes Quadrat), durch die Gruppe hübscher barocker Häuschen vorbei am Herrenhaus, dann den mäßigen aber stetigen Anstieg durch das Langezogene Wiesental (halb Schafweide, halb englischer Garten) hinter dem Fürstenlager.
Am Ende des Tales kurz hinter der Eremitage kurz vom Nibelungenweg ab, nach rechts auf den Höhenrücken oberhalb der Weinberge (wunderbare Aussicht aufs Ried bis Mannheim). Dort dann links, der Steigung folgend einen blumengesäumten Pfad bis zum Waldrand und wieder auf den Nibelungenweg (immer noch Gelbes Quadrat). Der war hier ein ganzes Stück steiler, als ich ihn vom Wandern in Erinnerung hatte, liess sich aber trotzdem noch angenehm joggen, zumal das Teilstück eine hübsche Mischung aus Hochwald und offenen Wiesen bot, von denen man je nach Position ebenfalls wieder sehr schöne Aussichten sowohl nach Norden (Melibokus, Auerbacher Schloss, nördliche Rheinebene) als auch nach Süden (Starkenburg, Bergstrasse, MA/LU) hatte. Dazwischen die Wegkreuzung “beim toten Mann”, wo ein auf Schild die stimmungsvolle Geschichte des Ortes hinweist (Kurzfassung: “Hier hat eine Frau im 16. Jahrhundert ihren Mann mit der Axt erschlagen. Dummerweise fiel der Leichnam so, dass er genau auf der Grenze zwischen den Fürstentümern Hessen-Darmstadt und Erbach lag. Deshalb konnte man sich nicht einigen, wer die Mörderin jetzt hängen dürfe, und so wurde sie sieben Jahre abwechselnd in Zwingenberg [He-Da] und Schönberg [Erb] eingekerkert, bis man genug von dem Terz hatte, und sie “aus versehen” entkommen liess. Was aus ihr geworden ist, weiss keiner, doch man sagt, in dunklen Nächten würde der Stein am toten Mann von ihrem blutigen, wehklagenden Geist heimgesucht. Ende.” Cool, oder?).
Am Selterswasserhäuschen (auf der Karte der Knick in der Strecke mitte oben) hatten wir den Punkt erreicht, wo wir auf unserer Felsbergtour auch schon vorbeigekommen waren, doch dieses Mal liefen wir nicht weiter den Berg hoch, sondern bogen dafür rechts ab ins Tal hinein (Roter Balken – Weitwanderweg Odenwald-Vogesen). Ein langestreckter Abstieg (angenehm nach der ganzen Kletterei bisher) vorbei an Obstwiesen und Viehweiden und dem Naherholungsgebiet Strietteich (das in Echt wesentlich mehr hermacht als auf der Wanderkarte) in den kleinen Ort Elmshausen im Talgrund.
Da wir nicht das Tal runter laufen wollten, mussten wir auf der anderen Seite zwangsläufig wieder nach oben, allerdings verpassten wir dabei die richtige Abzweigung und fanden uns etwas zu weit vom Waldrand, zu dem wir eigentlich hin wollten, wieder. Wir waren – wieder mal, das gehört inzwischen schon irgendwie dazu - leicht falsch. Glücklicherweise war da ein Kiesweg rechts den Berg hoch, der offensichtlich genau dahin führte, wo wir hinwollten. Dummerweise gab´s den nur in XS (Xtra-Steil), aber irgendwie ging´s mit Hängen und Würgen – Joggen bei mehr als 15% Steigung macht auf Dauer irgendwie wenig Spass.
Im Wald wandten wir uns nach Rechts und liefen stetig aufwärts einen Seitenarm des Lautertals entlang (Wieder Weitwanderweg Odenwald-Vogesen, roter Balken). Nach ewig langer Steigung hatten wir endlich den Knodener Höhenweg auf dem Bergrücken erreicht (Gelbes Dreieck), dem wir nun – parallel zum Tal – nach Westen in Richtung Bergstrasse folgen konnten. Auch hier wieder ein ansehnlicher Landschaftsmix aus Hochwald und offenen, satten Wiesen, außerdem sahen wir eine riesengroße grünbraune Raupe mit Augenmuster und einem spornartigen Stachel, das hat mir irgendwie gefallen (deswegen isses auch auf der Karte…
) .
Weiter übers Schönberger Kreuz, kurzer Stopp zum Genießen der wirklich unglaublich grandiosen Aussicht, die man von da oben hat (WOW!!!!), dann in den Wald oberhalb von Schönberg (der sich primär durch die Horden von Handwerkern auszeichnet, die dort unerklärlicherweise Mittagspause machen) einmal mehr ins Lautertal runter, dieses mal nach Schönberg (das liegt hinter Bensheim).
Eine kurze Erfrischungsrast am Dorfbrunnen, dann die alte Schloßstrasse zum Schloss Schönberg hinauf. Dort schon wieder pausiert, um das weissgetünchte, schön restaurierte Schloss zu bestaunen (war selbst bisher noch nie da gewesen, ein echtes Versäumnis) und einen kurzen Blicke und den schönen, perfekt gepflegten Innenhof zu werfen – sehr hübsch!
Gegenüber vom Schloss in den Schlosspark, der auf den ersten Blick wie ein sehr überschaubarer Garten wirkt, sich aber nach oben immer mehr erweiteret und schließlich – fast schon überraschend – in eine große, baumumrankte Wiese öffnet – ebenfalls hübsch!
Am oberen Parkende wieder auf die Strasse gewechselt und entlang vieler Baustellen (super Wohnlage, lockt offensichtlich Neureiche an…) ein letztes Mal bergauf gehechelt, bis wir schließlich wieder auf der Anhöhe über dem Fürstenlager waren. Da wir jedoch nicht direkt runter zum Auto wollten, sind wir dann noch einen Schlenker durch die Weinberge gelaufen, haben uns kurz verirrt (wie geht das in einem übersichtlichen Weinberg? Keine Ahnung, aber es geht!), und sind dann durch den sogenannten Lößweg (benannt nach dem dort abgelagerten Löß, den Ingo mit altbekannter Todesverachtung sofort verköstigen musste. Martkierung übrigens gelbes B – Blütenweg) zur Auerbacher Bergkirche und von dort wieder runter zum Parkplatz.
Insgesamt eine sehr, sehr schöne Strecke mit einigen interessanten Sehenswürdigkeiten und markanten Aussichtsspunkten, allerdings recht anspruchsvoll zu joggen, da es teilweise recht steil ist, und das stetige Auf und Ab irgendwann ein bisschen an die Substanz geht.
Streckenlänge 16,6 km, gebrauchte Zeit irgendwas um die 135 Minuten – nicht superschnell, aber angesichts der vielen Sightseeing-Pausen und Steigungen auf jeden Fall ganz ordentlich.
Karte:

M.
Tags: Auerbach, Bensheim, Bergstrasse, Blütenweg, Elmshausen, Fürstenlager, Hessen, Joggen, Jogging, Knodener Höhenweg, Laufen, Lautertal, Nibelungenweg, Odenwald, Schönberg, Schloss Schönberg, Selterswasserhäuschen, Weitwanderweg Odenwald - Vogesen



20. August 2007 um 9:14
Klingt sehr schön… vielleicht werd ich mir das einmal anschauen- von der Länge wärs genau richtig für mich
21. August 2007 um 11:02
Hi Astrid!
WOOOHOOO!! Unser erster “Fremdkommentar”, damit hab´ ich jetzt überhaupt nicht gerechnet, das hat mir doch gleich mal ein fettes Lächeln ins Gesicht gezaubert, danke Astrid
!
Um das zu Feiern gibt´s als Bonus-Serviceleistung nur für Dich noch mal die Wegmarkierungen, vielleicht hilft´s beim Ausprobieren:
- Vom Fürstenlager bis zum Selterswasserhäuschen auf dem Nibelungenweg. markiert mit dem gelben Quadrat
- Von da durch Elmshausen bis auf die Anhöhe auf der anderen Talseite die Wege mit dem roten Querbalken nehmen
- Ab dort oben bis zum Waldrand ca. 200-300 m hinter dem Schönberger Kreuz dem gelben Dreieck folgen.
- Ab dann gibt´s keine eindeutigen Markierungen mehr, da muss man halt irgendwie rechts runter durch den Wald nach Schönberg, dann die alte Schlossgasse zum Schloss, dann durch den Schlosspark bzw. die Strasse links vom Park auf die Anhöhe über dem Fürstenlager.
Falls du die Gegend nicht wie deine Westentasche kennst, kann es hilfreich sein, die Route vorher mit einer Wanderkarte zu planen. Ich empfehle die OWK/Geo-Naturpark-Karte Nr. 5 “Bergstraße-Odenwald” im Maßstab 1:20 000 – die benutzen wir auch immer, die ist super.
Falls Du die Strecke mal abläufst kannst Du Dich ja vielleicht noch mal melden und uns wissen lassen, wie´s Dir gefallen hat. Würde mich auf jeden Fall freuen.
Cheerio
Matthias
14. September 2007 um 3:53
[...] Unteres Lautertal [...]
14. September 2007 um 3:55
[...] Einmal um den Felsberg (12-13 km) Unteres Lautertal (16 km) [...]
24. September 2007 um 8:11
[...] schon fest, fehlte nur noch die Route. Nachdem wir in den letzten Wochen schon das Modautal, das Lautertal und das Mühltal erlaufen hatten, fehlte eigentlich nur noch ein weiteres der Täler im vorderen [...]
23. November 2007 um 2:47
[...] dann über die kleine Treppe in den Schlosspark, dort eher rechts gehalten (als Ingo und ich das letzte Mal hier vorbeigekommen waren, waren wir links gelaufen, da wollte ich heute mal die andere Seite nehmen). Also aufwärts, vorbei [...]
26. November 2007 um 8:53
[...] ich genau hier schon mal vor einigen Monaten gestanden und den Ausblick genossen hatte, als ich mit Ingo ums untere Lautertal gelaufen [...]
27. Dezember 2007 um 2:29
[...] Fachwerk, auch wenn es im eisigen Dunst nicht ganz so freundlich wirkte wie im August, als ich das letzte Mal hier durchgelaufen war. Auch im Ort folgte ich weiter der Nibelungenstr., bis ich nach ca. 500 m. [...]
3. Juli 2008 um 12:32
[...] kurz vor dem Schönberger Kreuz – bekanntes Terrain, hier war ich im letzten Jahr immerhin schon zwei Mal vorbeigekommen. Folgerichtig bog ich one zu zögern links ab, runter von der Asphaltstrasse, [...]
25. Dezember 2008 um 2:50
[...] Mitte (Langaden – Klein-Rohrheim – Maria Einsiedel) am 6.8.07 – Einmal um den Felsberg am 12.8.07 – Unteres Lautertal am 14.8.07 – Seeheim – Malchen – Eberstadt am 15.8.07 – Jägersburger Wald Süd (Langwaden – Einhausen) am [...]
25. Mai 2009 um 10:22
[...] Odenwald-Vogesen (den hatte ich in der Vergangenheit schon zweimal zum Aufstieg genutzt, einmal vor beinahe zwei Jahren mit Ingo, und nochmal bei meinem allerersten Ü-30-Lauf an Weihnachten ´07. Heute würdigte ich ihn keines [...]