Hinter Darmstadt (25,9 km)

26. August 2007

Prinzipiell machen wir die ganze Lauferei ja nicht zum Spass (ok, na gut, irgendwie schon, aber eben nicht nur) – das eigentliche Ziel ist unsere erste erfolgreiche Marathonteilnahme, und da braucht´s zum Training natürlich auch längere Strecken, die wir in den letzten Wochen und Monaten – meist aus Zeit- und Termingründen – insgesamt etwas vernachlässigt haben.

Das sollte sich heute aber ändern – wenigstens 25 km waren geplant. Ursprünglich wollten wir eigentlich mit der Fähre über den Rhein und den Rheinhöhenweg entlanglaufen, aber das hat von den Fährzeiten nicht geklappt, zudem war´s mit 28 Grad und praller Sonne ein bisschen zu warm, um nachmittags durch die offenen Weinberge zu laufen. Glücklicherweise hatten wir auch noch eine Ausweichroute parat, nämlich von Eberstadt aus durch das Hügelland hinter Darmstadt nach Norden bis zum Oberwaldhaus, und wieder zurück.

Startzeit: 17:28.
Startpunkt: Parkplatz/Wiese/Parkplatzwiese am Mühltalbad in Eberstadt. Von dort aus rechts auf den Steigertsweg (Markierung: Eb2) dann nach ein- oder zweihundert Metern halbrechts ab (Markierung: Weisses V). Weiter in Richtung Anhöhe und Wald, durch die wunderschönen und idyllischen Streuobstwiesen über Eberstadt auf einem sehr sanft ansteigenden und entsprechend angenehm joggbaren Weg (unterwegs den großartigen Fernblick genossen – das Gebiet liegt zwar nicht sonderlich hoch, aber es gibt eben keine anderen Hügel mehr davor, die die Aussicht verdecken könnten, grandios. Wenn´s bloss etwas klarer gewesen wäre).

Den Waldrand entlang nach Osten, vorbei am Mathildentempel oberhalb der Bohlenmühle an der B426. Knapp hinter dem südlichsten Punkt des Wäldchens ging es auf dem Papiermüllerweg links in den Wald rein (Markierung: Gelbes V bzw. gelbe 4), der sich als angenehm kühl und schattig erwies, auch wenn´s erstmal etwas steiler bergauf ging.

Dem hübschen Waldweg folgten wir ein ganzes Stück nach Norden, entlang dem Ortsrand von Trautheim (sehr ruhig und idyllisch – kein Wunder, dass die Immobilienpreise da die höchsten im Landkreis sind). Hinter dem Forsthaus Emellinenhütte überquerten wir die Fahrstrasse in Richtung Darmstadt Böllenfalltor und liefen weiter geradaus die Waldstrasse entlang in Richtung Traisa. Immer geradeaus, schließlich am oberen Ende der Waldstrasse wieder links in den Wald auf die alte Ober-Ramstädter Strasse nach Osten (Markierung: Gelbes V). Hier eine erste kurze Pause zum Trinken, dann weiter, hinter den Traisaer Sportanlagen bis zum schön an einer Waldwiese gelegenen Forsthaus an der „Eisernen Hand“ (wo kommen eigentlich immer diese coolen Namen her?). Hier eine kurzer Abstecher auf dem falschen Weg, aber den Irrtum schnell bemerkt und nach kurzem Umweg die richtige Strecke die Dieburger Strasse entlang nach Nordosten gewählt (Markierung weiterhin gelbes V).

Die schwenkte dann nach ca. einem Kilometer an einer weiteren Lichtung ganz nach Norden und vereinigte sich dort mit dem Main-Stromberg-Weg, der mit einem roten Quadrat markiert ist, und dem wir bis fast zum Steinbrücker Teich folgen wollten. Entlang eines Trimm-Dich-Pfades voller gutgemeinter Fitness-Tipps (für so einen Schnickschnack wie Rumpfbeugen hatten wir natürlich keine Zeit, schließlich waren wir mit Laufen beschäftigt…) bis zum äußerst pittouresken und hübschen Ludwigsteich vor den Toren Rossdorfs, den wir (natürlich weiterhin dem roten Quadrat folgend) halb umquerten, und dann über eine kleine Holzbrücke weiter nach Norden liefen.

Dort überquerten wir dann erst die Landstrasse nach Darmstadt und die alte Bahnline, dann unterquerten wir die fast schon Autobahnartige B26 zwischen Darmstadt und Dieburg, wobei das Durchlaufen des stockfinsteren und ziemlich langen Tunnels irgendwie was Surreales hatte, da die Wahrnehmung sich dabei sosehr auf den hellen Punkt am Ende konzentrierte, dass man irgendwie das Gefühl hatte, in der Dunkelheit aufzugehen (schwer zu beschreiben, macht´s einfach selbst, dann wisst ihr, was ich meine).

Weiter auf der schnurgeraden Bernhardsackerschneise durch den Wald. Rechts tauchte irgendenwann das Naturschutzgebiet Scheftheimer Wiesen auf, links gab´s nichts ausser ein paar Querwegen, durch die die inzwischen schon recht tiefstehende Sonne schien (hübsch). Schließlich überquerten wir in einer Talsenke an der Bernhardshütte einen kleinen Bach, und bogen links, dem Bachverlauf folgend, in Richtung Oberwaldhaus ab (Markierung: Gelbe 1). Das hübsche Bachtal entlanglaufend erreichten wir schließlich nach 1-2 km den Steinbrücker Teich von Südosten, und umrundeten ihn fast vollständig.

Auf der Wiese an der Westseite des Teiches (hier war viel los – Sonntagnachmittag und schönes Wetter) eine längere Pause, kurz frischmachen, etwas dehnen, einen Müsliriegel essen und was trinken. Ausserdem eine kurze Bestandsaufnahme: Noch halbwegs fit, aber durstig, und offensichtlich zu wenig zu trinken dabei (ein Getränkegurt mit 1050 ml für zwei Personen = 525 ml pro Person, zuwenig für drei Stunden laufen bei praller Sonne). Dummerweise hatten wir beide unser Geld vergessen (meins lag im Auto – blöd, blöd, blöd!) und konnten deswegen nichts nachkaufen, also mussten wir erstmal weitermachen und uns die letzten 175 ml pro Person einteilen.

Das Weiterlaufen viel schon ein bisschen schwerer als bei unserer ersten Pause, ging aber noch, also eine kurze Steigung durch den Wald nach Südwesten (Markierung: Weisses Andreaskreuz) aufs Oberfeld hinter Darmstadt.
Ich liebe das Oberfeld! Egal aus welcher Richtung man kommt, es taucht eigentlich immer überraschend auf – plötzlich hört der Wald/die Stadt unvermittelt einfach so auf, und man ist mitten auf einer großen, überraschend stillen Freifläche mit weiten Feldern, umsäumt von Grün. Das ganze wirkt ländlich und total friedlich, obwohl gerade mal einen oder zwei Kilometer entfernt die Großstadt losgeht, von der man jedoch lediglich die „Spitzen“, wie beispielsweise den Hochzeitsturm auf der Mathildenhöhe sieht – wunderschön, besonders an Spätsommerabenden wie heute, mit zirpenden Grillen und schräg stehenden Abendsonne.

Wir folgten dem Waldrand kurz nach Westen, bogen dann durchs Oberfeld nach Süden ab, und folgten dem Seitersweg (Markierung DA5) nach Westen bis zum Anfang von Darmstadt. Durch die Schrebergärten, dann an den ersten Häusern der Stadt nach links auf die Rosenhöhe, dem m.M.n. schönsten Park Darmstadts (nach meinem Ausbruch zum Thema Oberfeld erspare ich uns mal die euphorischen Lobeshymnen auf die Rosenhöhe, und belasse es bei einem überzeugten und empathischen „Superschön“). Eigentlich hatten wir hier gerade durchlaufen wollen, aber der unser inzwischen schon recht starker Durst bescherte uns ein paar kleine Umwege auf der Suche nach Trinkbarem – leider erwiesen sich weder die Teiche im Rosarium, noch der Springbrunnen mit Blick auf die Mathildenhöhe als geeignet, also liefen wir durstig weiter.

Wir verliessen die Rosenhöhe am Ostbahnhof und liefen nach links die Erbacher Strasse (schöne alte Allee) entlang, bogen rechts in den Molkenbachweg, dann geradeaus durch den Rubinweg (abgefahren-kubistische Architektur) und rechts in die Strasse „Am Judenteich“. Dort ging überquerten wir auf einer Fußgängerbrücke die Bundesstrasse und die Bahn und liefen am botanischen Garten der TU entlang (war noch nie drin, von hinten sieht er aber hübsch aus).

Über die Heinrichsstrasse in den Schnampelweg, dann eine letzte Pause an Darmstadts kleinem aber feinen Tierpark, dem Vivarium.
Da wir inzwischen Riesendurst hatten, fragten wir kurzerhand im Ristorante Vivarium nach, ob wir etwas Leitungswasser haben dürften. Wir durften (Deshalb an dieser Stelle noch mal: Vielen Dank! Ausserdem die Aufforderung an alle Leser [viele sind´s ja nicht, aber immerhin] bei Gelegenheit mal das Ristorante Vivarium, Darmstadt Schnampelweg 5, zu beehren, die sind nicht nur total nett, sondern haben auch richtig leckeres Essen [weiss ich von früheren Besuchen], also nix wie hin, die haben´s verdient!!!!!)!
Nachdem wir uns also auf der Toilette des Restaurants mit schönem, süßen, kühlen, erfrischendem, kristallklarem wunderbaren Leitungswasser vollgesoffen hatten, machten wir uns auf den letzten Teil unserer Tour, auch wenn das Loslaufen inzwischen schon merklich schwerer fiel.

Geradeaus, die Lichtwiese entlang nach Südosten (Auf dem Weitwanderweg Odenwald-Vogesen, der übrigens hier losgeht – Wegmarkierung: Roter Querbalken), dann am spacigen neuen Bahnhof Lichtwiese nach Süden in den (uhrzeitbedingt) finsteren Wald irgendwo hinter dem Böllenfalltor.

Wie gesagt, da war´s dunkel und wir waren schon ziemlich erschöpft, entsprechend hab´ ich da jetzt nicht mehr viele richtige Eindrücke jenseits wirrer Stream-of-Consciousness-Fetzen: Kurz verirrt, dann doch den richtigen Weg gefunden (DA1, nach Südosten), irgendwann bei der Bahn nach Süden (immer noch DA1), müde, nicht so richtig Lust, alles tut so ein bisschen weh (aber nichts so schlimm, dass es unerträglich wäre), immer dunkler, sind war bald da, nein sind wir nicht, ach verdammich, immer weiter, aua, an der Loreybuche nach Südwesten (immer noch DA1), eeeeeewig geradeaus, irgendwann über die B449 Darmstadt-Trautheim, noch mehr geradaus, hoch, runter, aua, und irgendwann dann endlich: Der rettende Waldrand über Eberstadt!

Von der Vorstellung, es bald geschafft zu haben, beflügelt weitergelaufen, noch mal durch die idyllischen Wiesen über Eberstadt (Markierung Eb2), wunderschöne Abendstimmung, links im purpurnen Himmel ein wunderbarer, riesengroßer Vollmond, rechts die letzten Strahlen des Sonnenuntergangs. Zwar zog sich das letzte Stück noch mal ungemein, aber da´s stetig leicht bergab ging, war es letztlich erträglich. Schließlich – wie üblich im letzten Tageslicht – das Mühltalbad mit wartendem Auto. Viel getrunken, kurz gedehnt, dann von einer Horde blutgeiler Stechmücken zur Heimfahrt gezwungen.

Ankunftszeit: 20:35, Also 3:07 h für insgesamt 25,9 km gebraucht – nicht besonders schnell, aber es war ja auch recht weit, dazu warm, hügelig und durstig, und wir hatten ja auch einige Pausen – alles in allem ok.

Fazit: Eine sehr schöne, abwechslungsreiche Strecke mit sowohl Stadt- auch als Landstücken und vielen schönen Punkten. Sehr angenehm laufbar, es ist zwar hügelig, aber eben doch sehr sanft, deswegen keine übermäßig langen und/oder steilen Anstiege. Viel Wald, deshalb auch bei wärmeren Temperaturen und viel Sonne gut laufbar, fast alle Wege gut markiert und entsprechend leicht zu finden.

Körperlich haben wir die knapp 26 km glaube ich ganz gut weggesteckt – zwar waren wir am Ende schon erschöpft und alles hat so ein bisschen wehgetan, aber nichts war wirklich unerträglich, entsprechend wäre wohl auch noch etwas mehr Strecke drin gewesen. Allerdings hat sich auch wieder mal gezeigt, wie wichtig gerade auf langen Strecken ausreichend Flüssigkeit ist – zuwenig davon, und man baut schnell stark ab. Insgesamt: Vielleicht noch nicht ganz Marathontauglich, aber auf einem guten Weg!

Karten:
- Südteil: Eberstadt-Ludwigsteich und Lichtwiese-Eberstadt

- Nordteil: Ludwigsteich-Lichwiese

- Gesamtstrecke

Interaktive Streckenkarte

M.

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10 Antworten zu “Hinter Darmstadt (25,9 km)”


  1. [...] markierten Weg verließen und dann hinab zum Eberstädter Mühltalbad liefen, wo wir bei unserer letzten Darmstadt-Tour gestartet [...]


  2. [...] in Eberstadt, auf dem Parkplatz am Mühltalbad. Als Ingo und ich das letzte Mal an dieser Stelle gestartet waren (im August), war´s hier knackvoll. Heute dagegen alles einsam, ruhig, verwaist – November ist nun [...]


  3. [...] rauchenden Kutscher) bis zum idyllisch gelegenen Forsthaus Eiserne Hand (auch hier war ich mit Ingo schon mal vorbeigekommen), noch ein kleines Stückchen weiter, und schließlich scharf links aus dem Wald hinaus, ins offene [...]


  4. [...] den kahlen Wald (dabei schwelgte ich ein bisschen in Erinnerung daran, wie es war, als ich hier das letzte mal vorbeigejoggt war: August, 28 Grad, Sommersonne, Wärme – hachje, war das schön [...]


  5. [...] diese Woche habe ich die folgenden Läufe nachgeplottet und mit Google Maps-Links versehen: – Hinter Darmstadt (Eberstadt – Trautheim – Traisa – Rossdorf – Steinbrücker Teich – Rosenhöhe – Lic… – Jugenheim – Melibokus – Balkhausen vom 28.8.07 – Auf dem Burgen- und Blütenweg vom Melibokus bis [...]


  6. [...] diese Einschätzung auch, dass ich bisher noch kaum in Darmstadt gelaufen bin (eigentlich nur zwei Mal, wenn man Eberstadt rausrechnet), und es deshalb dort noch genug weisse Flecken im Routennetz [...]


  7. [...] Ober-Modau Ober-Ramstadt Pfungstadt Raidelbach Reichenbach Riedrode Rittersheim Rodau Rohrbach Roßdorf Rosengarten Scheuerberg Schlierbach Schwanheim (bei Bensheim) Seeheim Seidenbach Seidenbuch [...]


  8. [...] aber im Rahmen) links von der Bundesstrasse ab auf die Lochschneise (Markierung Da1), die ich vor über einem Jahr schon mal mit Ingo gelaufen war (allerdings muss ich gestehen, dass ich das erst bei der Nachbereitung des Laufes gemerkt habe – [...]


  9. [...] Noch ein bisschen hoch, runter, links, rechts durch den hübschen, halbverschneiten Wald, bis O1 schließlich auf den Rand einer großen, schilfbewachsenen Lichtung mitten im Wald stiess, die mir ganz vage bekannt vorkam. Kurz nachgedacht… Hmm…. Richtig! Das hier war die alte Dieburger Strasse, hier war ich vor Urzeiten, an einem warmen, sonnigen Augustabend im Jahr 2007 schon mal mit Ingo vorbeigekommen. [...]


  10. [...] war – das gefiel mir schon mal sehr gut, und ih schwelgte ein bisschen in Erinnerungen an den heißen Augustabend vor fast zwei Jahren, als ich hier zum ersten Mal durchgejoggt war, zusammen mit Ingo für die Marathonvorbereitung. Lange [...]


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