Und schon wieder ein Lauf alleine, meine Mitläufer sind immer noch in Berlin. Eigentlich wäre ja heute eine ganz lange Tour (25+ km) dran gewesen, aber wieder mal konnte ich micht so recht motivieren, so eine weite Strecke ganz alleine anzugehen (meine Versuche, kurzfristig ander Mitläufer aufzutun, hatten nicht gefruchtet).
Andererseits war das Wetter super, und laufen wollte ich auf jeden Fall, also entschied ich mich für einen Kompromiß, eine nicht ganz so weite Strecke, wieder mal durch den Odenwald, weil mir das als Sololäufer einfach viel mehr Spass macht.
Durch die Tour nach Neunkirchen vor drei Tagen hatten sich ein paar ganz neue Optionen aufgetan, denn der Ort ist eigentlich ein idealer Ausgangspunkt für weitere Ausflüge tiefer in den Odenwald – Start und Ziel waren also schon fest, fehlte nur noch die Route.
Nachdem wir in den letzten Wochen schon das Modautal, das Lautertal und das Mühltal erlaufen hatten, fehlte eigentlich nur noch ein weiteres der Täler im vorderen Odenwald:
Das Fischbachtal, das sich von der Neunkircher Höhe aus nach Norden in Richtung Groß-Bieberau öffnet. Sehr hübsche, idyllische Gegend, bisher noch nicht „erjogged“, also genau das Richtige für heute.
Mit dem Auto nach Neunkirchen hoch – Sonntagmittag, Sonnenschein, entsprechend war´s ratzevoll, konnte kaum einen Parkplatz kriegen.
Kurz warmgemacht und gedehnt, etwas mit dem Getränkegürtel gekämpft, dann ging´s auch schon los.
Wenn man ganz oben startet, hat das einen durchaus angenehmen Vorteil: Es geht erstmal nur abwärts (es hat übrigens auch einen durchaus unangenehmen Nachteil: Gegen Ende geht es nur noch aufwärts – aber dazu später mehr…).
Und Neunkirchen ist ziemlich weit oben… Folgerichtig erst mal ein angenehmes Eintraben bergab – vom Parkplatz am oberen Ortseingang zum kleinen Dorfplatz mit der Ohly-Büste, dort scharf rechts, der Markierung N1 folgend (Strassennamen gibt´s hier oben nicht, das ist alles nur „Neunkirchen“) weiter durchs Dorf.
Hier dann kurz orientierungslos, wegen ungenügender Memorierung der Route. Deswegen aus irgendeinem Grund rechts hoch vom Weg abgebogen, den Fehler bemerkt, um einen einzelnen Bauernhof und über den Neunkircher Campingplatz wieder zurück auf die Strasse zu N1. Erste Navigationsprobleme schon nach gerade mal 300 m., und das in einem Ort, der zu klein ist um Strassennahmen zu haben – ein wirklich vielversprechender Anfang…
Glücklicherweise wurde es danach einfach, es ging aus dem Dorf raus, und auf einem sanft abfallenden asphaltierten Weg die Hangwiese unterhalb des Neunkircher Skilifts bis in den Wald, irgendwo zwischen Neunkircher Höhe, Rimdidim, und Steinkopf. Hier dann eine Linkskurve, und dem Talverlauf folgend weiter bergab in Richtung Steinau, begleitet vom äußerst szenischen Steinbach, der sich hier – mal links, mal rechts des Weges – in einem offenen Bett mit großen Steinen und kleinen Stromschnellen talwärts windet – sehr hübsch, dazu noch angenehm kühl (hier hat jemand ein paar Bilder aus der Gegend gepostet, die Schutzhütte, die wie eine Bushaltestelle aussieht, liegt ebenfalls am Weg N1).
Nach einem knappen km angenehmen Bergablaufens erreichte ich Steinau, ein idyllisches Örtchen in einem versteckten Seitental am oberen Ende des Fischbachtals, das zwar nur aus einer Strasse zu bestehen scheint, die dafür aber ewig lang ist.
Der folgte ich dann auch erstmal weiter abwärts durchs Dorf, das gleich zu Anfang mit einer ungewöhnlichen Melange aus alten Fachwerk-Gehöften und avantgardistisch anmutenden Nurdach-Häusern (das Wort gibt´s sogar, sagt die Wikipedia – wieder was gelernt!) – die Gehöfte setzten sich in Richtung Ortsmitte aber schnell durch.
Fast einen Kilometer durchs Dorf, dann kurz vor dem Schulhaus rechts hoch, auf den Weg F1, der aus Steinau hinaus auf den Mühlberg führt – hier durfte ich dann ersmtals klettern, der Weg geht nämlich recht steil bergauf, dazu lag er in der prallen Nachmittagssonne und war somit ziemlich warm. Immerhin war unten in Steinau offensichtlich ein weiteres dieser Spätsommer/Frühherbst-Volksfeste im Gange, weswegen mein Aufstieg von den Klängen eines mittelgroßen Blasorchesters beflügelt wurde, das just in dem Moment einsetzte, als es aufwärts ging – durchaus hilfreich.
Den Hang hinauf, oben durch ein kleines, angenehm schattiges Waldstück, dann über dem nächsten Seitental wieder ins offene Gelände, wobei ich erstmals einen Blick auch den Höhepunkt (sightseeing-technisch, nicht geografisch) meiner heutigen Tour werfen konnte, denn linkerhand kam unvermittelt der weisse Kasten von Schloss Lichtenberg auf der anderen Seite des Fischbachtals in Sicht – schön!
Dann ging´s auch schon wieder abwärts, nach Meßbach. Auch dieser Ort liegt ziemlich idyllisch im Talgrund, und er ist sogar noch kleiner als Steinau. Unten auf der Dorfstrasse bog ich rechts ab und folgte weiter dem Weg F1 in Richtung Talende (eigentlich hätte ich links gemusst, und gleich die andere Talwand wieder hoch, aber dieser Weg wäre praktisch gerade den Hang hinauf gegangen, und sah zudem extrem lang und steil aus, darauf hatte ich keine Lust, deswegen lief ich spontan eine Ausweichroute).
Ca. 200 m. durch Meßbach (wie gesagt: Klein und pittouresk), dann ging es links hoch, ebenfalls bergauf, ebenfalls ein sehr ordentlicher Anstieg, aber insgesamt doch gut zu bewältigen. Erst etwas durch Obstbaumwiesen, dann einen hübschen Waldrand entlang bis auf den Höhenkamm, dort links, in das Wäldchen am Schreckskopf, und schließlich auf der anderen Seite des Wäldchens auf die Nonroder Höhe, einem offenen Hochplateau auf dem Bergrücken zwischen Fischbachtal und Fränkisch-Crumbach. Tolle Aussicht: Links das Fischbachtal und dahinter der nördliche vordere Odenwald und ein bisschen Bergstrasse, rechts das breite, tiefe Gersprenztal und dahinter die bewaldeten Höhenzüge des mittleren Odenwalds in Richtung Bad König und Michelstadt (leider war es zu diesig für eine richtig gute Fernsicht, sonst wäre sogar noch mehr zu sehen gewesen – trotzdem beeindruckend).
Geradaus auf dem Höhenweg weiter (Wegmarkierung der Stunde: Blaues Dreieck), vorbei am Parkplatz zwölf Apostel, der ebenfalls ratzevoll war, und weiter in das große Waldstück auf dem Höhenzug zwischen Fränkisch-Crumbach, Wersau und Niedernhausen. An sich äußerst angenehm zu laufen: Ein breiter, bequemer Waldweg, schattig und doch nicht zu finster, links und rechts gesäumt von einem breiten Band aus Wildblumen, dazu praktisch eben, ohne nennenswerte Höhenunterschiede.
Hätte perfekt sein können, wenn sich nicht meine rechte Ferse zu Wort gemeldet hätte. Die hatte schon den ganzen Lauf etwas gezwickt und gescheuert, jetzt fing sie an richtig weh zu tun. Ein kurzer Check bestätigte meine Befürchtung: Ich hatte mir eine große Blase gelaufen, und das, obwohl ich die Schuhe jetzt seit über einem halben Jahr benutze, und seit Monaten keinerlei Probleme mit ihnen hatte!
Mist!
Natürlich hatte ich kein Pflaster dabei, und war hier oben mitten im Nichts, also hieß es erstmal Zähne zusammenbeissen, Schuh etwas fester schnüren (erst hatte ich´s kurz mit lockerer versucht, aber das machte es nur noch schlimmer) und vorsichtig weiterlaufen, auch wenn´s äußerst unangenehm war.
Nach eineinhalb km erreichte ich eine große Wegkreuzung im Wald und folgte dem blauen Dreieck nach links, dann auf dem weiterhin sehr angenehmen Höhenweg weiter durch den Wald.
Laut ursprünglichem Plan hätte ich hier ca. 1 km weiterlaufen sollen, dann auf den Fahrradweg 26 links bergab gemusst. Das klappte allerdings nicht so richtig, denn laut einem Wegweiser bog der Weg bereits nach wenigen hundert Metern links ab (das erste Mal überhaupt, dass Wanderkarte und Beschilderung vor Ort sich aktiv widersprechen), also lief ich eben bereits da runter.
Das war aber dann doch deutlich zu früh.
Nach einem kurzen Stück wurde mir klar, dass ich den Weg, auf dem ich mich jetzt befand, von einer früheren Wanderung kannte, und dass er an einer Stelle im Fischbachtal herauskommen würde, zu der ich eigentlich nicht wollte. Also bog ich, anstatt ihm weiter zu folgen, spontan rechts auf einen unmarkierten Pfad ab, der ungefähr in die geplante Richtung führte.
Hier ging´s relativ steil bergab durch einen dunklen Nadelwald, zudem war der Weg äußerst unregelmäßig und schlecht zu laufen, was meine Blase zu einer echten Qual werden ließ. Autsch.
Wenigstens begradigte er sich nach ein paar Minuten etwas und führte graduell an den Waldrand, wo ich schließlich auf einen etwas besseren Fußweg wechseln konnte, der über eine kleine, offene Anhöhe oberhalb von Niedernhausen (mit tollem Blick ins Tal und auf Schloss Lichtenberg) grob talabwärts führte.
Vorbei an diversen eingezäunten Weiden voller Pferde, Kühe, und sogar einer großen Herde Gänse, die seelenruhig zwischen dem Hornvieh weideten, ein kleines Stück steil runter, dann rechts, und ich hatte östliche obere Ende von Niedernhausen erreicht und war damit wieder auf Kurs!
Von oben in die Wersauer Strasse, dort links durch das Wohngebiet weiter talwärts in Richtung des Ortskerns von Niedernhausen, das ja, wie der Name vermuten lässt, ziemlich niedrig und ein bisschen geduckt (aber trotzdem recht hübsch, gerade aus der Richtung aus der ich kam) direkt unterhalb von Lichtenberg liegt, das seinerseits majestätisch auf dem Bergrücken obendrüber throhnt.
Dort unten zumindest geografisch auf dem Tiefpunkt meiner Tour angekommen: Weniger als 180 m.ü.NN. (von knapp 520 in Neunkirchen), damit war der leichte Teil endgültig vorbei, von jetzt an würde es tendenziell nur noch bergauf gehen, und das nicht zu knapp. Keine ganz angenehme Vorstellung, angesichts meiner weiterhin pochenden Blase und der Tatsache, dass ich mich schon nicht mehr ganz so taufrisch fühlte.
Aber hey, was muss, das muss! Also gleich wieder bergauf, steil die Strasse „Am Schlossberg“ auf – oh Wunder – den Schlossberg rauf, oben auf die Fahrstrasse gestossen, und der dann schwitzend und schaufend rechts um den Berg herum weiter aufwärts bis nach Lichtenberg (mit dem Auto war mir dieses Stück irgendwie nie so lang und steil vorgekommen…).
Lichtenberg ist meiner Meinung einer der hübschesten Orte im ganzen vorderen Odenwald: Ein kleines Dörfchen, das spektakulär auf einem Höhenrücken sitzt und entsprechend einen tollen Blick vor allem nach Norden in die Ebene bietet. Mitten drin ein kleiner, gepflaster Marktplatz (auf dem im Dezember immer ein sehr stimmungsvoller Weihnachtsmarkt stattfindet), der von schönen, alten Häusern umrundet wird. Dominiert wird das ganze von zwei Bauwerken, die jeweils noch einmal leicht erhöht stehen, einerseits dem Bollwerk, einem wuchtigen Festungsturm, der früher als Geschützplattform diente, und natürlich dem Schloss , einem beeindruckenden und weithin sichtbaren Renaissancebau auf der äußersten Spitze der Anhöhe. Wie gesagt: Eines der lohnendsten Ziele in der ganzen Gegend.
Auch wenn ich nach dem Anstieg schon ziemlich schwer atmete, musste ich hier oben natürlich auch noch mal aufs Schloss hoch (ein weiterer Fall von „Wenn ich schon mal da bin…“), also bog ich oben angekommen gleich links ab und lief durch die kleine Altstadt weiter bergauf. Hier war sogar noch mehr los, als ich an so einem schönen Sonntagnachmittag erwartet hätte: Menschen, Menschen, Menschen, dazu waren mehrere Bierzelte und Getränkestände aufgebaut – anscheinend hatte ich den zweiten Tag des „Fischbachtal Aktiv“-Wochenendes erwischt, bei dem offensichtlich so einiges los war (das erklärte auch nachträglich die Volksfeststimmung mit Blasmusik in Steinau).
Vorbei an dem ganzen Trubel zum Schlosstor, durch den dunklen Eingangstunnel, vorbei am Marstall und der Zehntscheuer auf den eigentlichen Schlosshof, dort eine kurze Pause um was zu trinken, die Aussicht zu geniessen, und sich über immer unangenehmer auffallende Blase zu ärgern.
Weiter durch die Pforte vor dem dritten Tor, und auf den Pfad aussen ums Schloß herum, am hinteren Schlossgarten vorbei, kurz einen Blick nach unten in den Biergarten des Alt-Lichtenberg direkt an der Mauer geworfen (auch hier war´s rammelvoll, unter anderem hatte man anläßlich von „Fischbachtal Aktiv“ ein Gehege mit lebenden Krokodilen aufgebaut, ein Anblick, den ich hier jetzt wirklich nicht erwartet hätte), dann wieder runter vom Schloss zurück in die Altstadt.
Obwohl ich schon oft genug in Lichtenberg gewesen bin, hatte ich es bisher nie auf das Bollwerk geschafft, höchste Zeit, das doch auch gleich noch mal nachzuholen – Bollwerk, here I come!
Den Eintritt (50 Cent) für die Besteigung des mächtigen Turms zahlt man in dem kleinen Andenkenladen an der Ecke unterhalb des Turmes, also nix wie rein und bezahlt.
Da meine Blase inzwischen fast unerträglich war, fragte ich den freundlichen älteren Herrn an der Kasse auch gleich nach einem Pflaster, um das vermaledeite Ding zumindest notdürftig zu polstern. Und tatsächlich – er verwies mich an seine (mindestens genauso freundliche) Frau, die mir nicht nur ein Pflaster holte, sondern gleich auch noch ein Desinfektionsspray mitbrachte.
Und dafür wollten sie noch nicht mal was annehmen. Supernett!!
Soviel Hilfsbereitschaft gehört natürlich belohnt, deshalb, geneigter Leser, solltest Du mal nach Lichtenberg kommen (wie gesagt, ich kann´s nur empfehlen), begib dich doch bitte auch in den Andenkenladen „Lina´s Geschenktruhe“ und kauf´ den beiden freundlichen älteren Herrschaften dort was ab, die sind so freundlich und hilfsbereit, die haben das allemal verdient!!!!
Frisch verarztet und leicht rührselig von soviel Unneigennützigkeit konnte ich dann auch das Bollwerk erklimmen. Auch von innen sehr wuchtig, mit überraschend breiten Treppen (ist halt aus der frühen Neuzeit und nicht aus dem Mittelalter, da mochte man es schon etwas großzügiger), mit einer weiteren grandiosen Aussicht von oben.
Kurz dort oben verweilt, dann Abstieg und weiter, die Dorfstrasse hoch. Hinter dem alten Schulhaus rechts runter, und auf einem Trampelpfad am Ortsrand entlang zum Eselsbrunnen und dem Parkplatz Riedbusch unterhalb des Dorfes. Da auf dem Parkplatz eine weitere Freßbude aufgebaut war, und ich inzwischen eine gewisse Ermüdung nicht mehr verleugnen konnte, nutzte ich die Gelegenheit zu einem Becher Cola (Zucker, Koffein UND Flüssigkeit – das sind ja gleich drei gute Dinge auf einmal…), bevor ich am hinteren Ende des Parkplatzes wieder leicht bergauf in den Wald lief.
Ursprünglich hatte ich überlegt, den Berg hinter Lichtenberg („Altscheuer“) direkt zu überqueren und an der interessanten alten keltischen Ringwallanlage Heuneburg vorbeizulaufen, aber da ich mich erinnerte, dass das ein ziemlich fieser Anstieg war, verzichtete ich lieber darauf. Stattdessen nahm ich lieber den sehr angenehmen, ebenen Waldweg nördlich um den Gipfel herum (Markierung: Gelbe 5).
Nach anderthalb Kilometern hätte ich eigentlich links hoch gemusst, um in Richtung Lützelbach zu kommen (Markierung F2). Allerdings übermannte mich dort der Ehrgeiz, und ich beschloss stattdessen, einen Abstecher rechts runter ins Tal hinter Klein Bieberau zu laufen, um so an der Schnakenmühle eine Verbindung zu unserer ersten Odenwaldtour herzustellen.
Zugegeben, angesichts der Tatsache, dass es dabei erstmal bergab ging (und ich ja eigentlich bergauf wollte, also mir jeden Höhenmeter, den ich jetzt verlor, für später wieder aufbürdete) und dass ich alles andere als taufrisch war, keine besonders weise Idee, aber solang ich bergab laufen konnte, erschien sie mir auch nicht so richtig dumm (das kam dann erst auf dem Rückweg bergauf…).
Also ein paar hundert Meter runter durch den Wald, über einen völlig überfüllten staubigen Parkplatz mit hohem Verkehrsaufkommen (fahrende Autos + staubiger Weg = Dreck Fressen), bis zur Landstrasse, dort einen kleinen Schlenker bis zu dem Punkt, wo wir seinerzeit in Richtung Asbach abgebogen waren, und wieder zurück über den Parkplatz. An dessen Ende allerdings nicht mehr in den Wald hinein, sondern vorher rechts in Richtung Hottenbacher Hof.
Von der Wanderkarte hatte ich ganz dunkel in Erinnerung, dass der schnellste Weg auf meine ursprüngliche Route irgendwie zwischen Wald und offenem Gelände entlanglaufen müsse, also erklomm ich bei der nächstbesten Gelegenheit den Hang zum Waldrand, wo mich tatsächlich ein Weg erwartete.
Na ja, oder zumindest sowas in der Richtung.
Eigentlich war´s ein steinige, steile, unebene, dornenbewachsene und zuweilen kaum erkennbare grobe Furche im Boden, die sich unglaublich schlecht laufen liess – aber da sie mein einziger verfügbarer Orientierungspunkt war, folgte ich ihr dennoch, mehr schlecht als recht.
So quälte ich mich oberhalb des Hofes entlang, brach mir ein, zwei Mal fast die Haxen, verpasste mir mehrere unfreiwillige Waden-Akupunkturen mittels der abundanten Brombeerhecken – und stiess schließlich auf den Weg, den ich eigentlich hatte nehmen wollen. Der verlief etwas unterhalb der Todespiste, die ich gerade absolviert hatte, war breit, gut gepflegt, und wenn ich nicht auf besagte Todespiste eingebogen wäre, hätte ich ihn von Anfang an durchlaufen können.
Na Prima!
Immerhin ging´s jetzt deutlich angenehmer, den Berg hoch durch den Wald bis zur Anhöhe oberhalb von Billings (auch hier: „Fischbachtal Aktiv“-Festzelte mitten in der Pampa), wo ich rechts auf den Weg mit dem roten Quadrat (dem „Main-Stromberg-Weg“) in Richtung Lützelbach einbog. Ein Stück durch die Wiesen am Scheidkopf, dann wieder in den Wald, die letzte Steigung vor Lützelbach.
Hier vielleicht ein kleiner Exkurs: Lützelbach liegt unterhalb von Neunkirchen. Es ist also relativ gesehen niedriger.
Absolut gesehen liegt es aber mitten auf einer Passhöhe, und die ist immer noch hoch.
Verdammt hoch sogar.
Besonders wenn man vom wesentlich niedriger liegenden Fischbachtal kommt.
Dann ist Lützelbach nämlich auf einmal gesehen relativ hoch.
Diese an sich recht banale Erkenntnis durfte ich jetzt am eigenen Leib erfahren – die Steigung durch den Wald in Richtung Lützelbach war mörderisch steil, und wollte zudem kein Ende nehmen. Die ersten paar Meter schleppte ich mich noch bergauf, dann kapitulierte ich, und fing an zu gehen – ich war einfach schon zu erschöpft, um mir das jetzt noch um jeden Preis antun zu müssen.
Selbst oben, am Waldrand, ging es weiter bergauf, wenn auch etwas moderater, das konnte ich dann wieder Joggen. Also noch die paar hundert Meter bis Lützelbach, geradaus durchs Dorf (auch gar nicht so unansehnlich, auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt mehr mit Atmen als mit Umsehen beschäftigt war), dann links, über die Landstrasse, und schließlich zum den letzten Aufstieg nach Neunkirchen.
Ach du je. Das war mal anstrengend. Eigentlich gar nicht mehr so steil, aber mir taten die Beine weh, die Blase nervte, richtig Luft hatte ich auch keine mehr, und die verdammte Steigung wollte und wollte einfach nicht aufhören nehmen (als ich vor ein paar Tagen von Brandau kommend hochgelaufen war, war das entschieden weniger schlimm, obwohl es sogar noch weiter bergauf ging – wir sehen: Steigung ist subjektiv, und hängt u.a. von der Tagesform ab).
Also erst bis zum oberen Ende von Lützelbach, dann durch den Wald, dann wieder auf irgendeine Wiese, Blick auf Neunkirchen (Erster Gedanke: „Ach du scheisse, immer noch nicht oben“), dann plötzlich der untere Ortsrand, die letzten Meter bis zum Dorfplatz, und schließlich – auf dem letzten Loch pfeifend – der rettende Parkplatz samt Auto. Geschafft! Puuuh!
Fazit: Heidenei, das war sehr, sehr anstrengend! Ich hatte den Anstieg von Niedernhausen zurück nach Neunkirchen wohl doch etwas unterschätzt, besonders auch weil es ja auch schon zwischenzeitlich einige anspruchsvolle Kletterpartien gab (mal ganz zu schweigen von dem extrem kraftaufwändigen Umweg über die Schnakenmühle). Dazu die überraschend hohen Temperaturen und die Blase, die meinen Laufrhytmus deutlich beeinträchtigte, und vielleicht auch der letzte Berglauf, der mir womöglich noch etwas in den Knochen steckte, das alles machte den Lauf ein bisschen Unrund und kostete – gerade in der zweiten Hälfte – Unmengen an Kraft.
Andererseits war es wieder mal eine wunderschöne Route, die gerade angesichts des tollen Wetters für vieles entschädigte. Kein Zuckerschlecken, insgesamt hat´s aber doch viel Spass gemacht! Vielleicht keine perfekte Joggingstrecke, aber zumindest als potentielle Wandertour kann man´s mal im Hinterkopf behalten.
Strecke: 22,6 km
Zeit: 3:03 h (ca. 7,1 km/h bzw. ca. 8:28 min/km – sehr langsam, aber eben auch sehr anspruchsvoll, dazu mit vielen Pausen und am Ende ein bisschen Gehen).
Karte:

M.
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26. September 2007 um 14:54
[...] Sololauf: Fischbachtal (22,6 km) [...]
15. Oktober 2007 um 20:30
[...] sich von Darmstadt im Norden bis Heidelberg im Süden, und vom Kühkopf im Westen bis an den Rand des Gersprenztals im Osten. Das entspricht einer maximalen Nord-Süd-Ausdehnung von 54,2 km, sowie einer maximalen [...]
13. November 2007 um 14:49
[...] wir bis auf den langen Längsweg auf dem Höhenrücken laufen würden, den ich teilweise bei meinem Lauf um Fischbachtal erkundet hatte. Hier würden wir dann links abknicken, zurück auf den Saar-Rhein-Main-Weg, und auf [...]
28. Januar 2008 um 15:52
[...] Sicherheit in Richtung Steinbach, vermutlich auf den Weg, den ich seinerzeit bei meinem Lauf durchs Fischbachtal genommen hatte – wollte ich nicht, also liefen wir stattdessen weiter der gelben 2 nach, die nun [...]
2. Mai 2008 um 11:00
[...] Ried und Odenwald an exotischen Tieren also folgendes gesehen: Zebras, Giraffen, Kamele, Nandus und Alligatoren – schon interessant, was einem hier so alles begegnet, wenn man nur die Augen aufhält). [...]
2. Mai 2008 um 19:45
[...] runter ins Dorf. Über die szenischen Vorzüge von Lichtenberg hab´ ich mich ja schon mal an anderer Stelle ausgelassen, entsprechend beschränke ich mich heute mal auf ein erntgemeintes “hübsch hier [...]
18. August 2008 um 20:54
[...] noch die Liste exotischer Tiere, die mir seit Laufblogbeginn ungeplant beim Joggen begegnet sind (Krokodile, Nandus, Lamas, Kamele, Giraffen, Giraffen und jetzt eben Tiger – schon verrückt, was man im Laufe [...]
20. April 2009 um 21:34
[...] was Abenteuerliches. Ganz so außergewöhnlich wie die bengalischen Tiger im letzten Jahr oder die Krokodile im vorletzten ist dieser Nandu (der übrigens in einem Freigehege an der Ecke Schwimmbadstr. und [...]
25. November 2009 um 01:21
[...] das hier ist nun auch wieder bekanntes Terrain, hier bin ich schon öfter vorbeigewandert und -gelaufen, dieser Teil des Waldes ist mir trotz bedrohlich schwankender Stämme und kahler Wipfel auf [...]