Eine schockierende Erkenntnis: Ich bin ein Schönwetterjogger!
Bei Sonnenschein, blauem Himmel und angenehmen Temperaturen raus und ein paar km laufen, das macht so richtig Spass.
Bei Regen, grauem Depri-Himmel und/oder Kälte hingegen… meh! Natürlich geht man da dann trotzdem laufen – aber es fällt eben deutlich schwerer.
Heute war leider so ein meh-Tag: Zwar nicht kalt, aber dafür regnerisch, trüb, und es herrschte eine unglaublich hohe, neblige Luftfeuchtigkeit (ein bisschen wie in der Sauna, mit dem Unterschied, dass die Temperatur bei 17 Grad lag). Nicht gerade ideal, zumal Ingo immer noch in Berlin weilt, und ich mich somit wieder mal alleine aufraffen musste.
Humph.
Wenigstens ging´s meinem Bein wieder ein Stückchen besser. Offenbar treten die Probleme nur beim Laufen größerer Steigungen auf, entsprechend muss ich wohl erstmal auf die verzichten, auch wenn´s schwer fällt.
Also auch heute wieder – alleine und nicht so richtig doll motiviert – ins Flachland.
Nachdem ich mir beim letzten Mal Gernsheim “erlaufen” hatte, bot es sich natürlich an, heute einfach da weiter zu machen, wo ich vorgestern aufgehört hatte, und das Rheinufer ein bisschen weiter in Richtung Süden zu erkunden.
Startpunkt folgerichtig: Parkplatz am Gernsheimer Hafen/Rheinfähre. Nur kurz und vorsichtig gedehnt, und schon ging´s los.
Zuerst die Rheinpromenade auf dem Rhein-Neckar-Weg (Markierung: Rotes R) nach Süden , unter den Pfeilern der zerstörten Rheinbrücke durch, dann über die kleine Fußgängerbrücke über den Winkelbach/die Lauter (deren Quelle ich ja vor knapp zwei Wochen im Odenwald entdeckt hatte – man kommt ganz schön rum bei diesem Hobby…).
Hinter der Brücke gleich links, ca 100 m. den Deich am Bachlauf entlang, kurz rechts, vorbei an einem Bootshaus, dann wieder links auf einen asphaltierte Weg an einem Wäldchen vorbei (alles unmarkiert). Bereits hier machte sich die extrem hohe Luftfeuchtigkeit unangenehm bemerkbar, ich war nass geschwitzt und meine Atmung war etwas schwerer, als sie nach wenigen hundert Metern hätte sein sollen – blödes Wetter…
Am Ende des Wege stiess ich auf die “Natostrasse”, der ich nach rechts – also südwärts – efolgte (Markierung: Radweg R6).
Ab hier ein sehr unwirkliches Lauferlebnis: Ein überbreiter Fahrweg aus perfekt verlegten Pflastersteinen (wohl für schweres Gerät ausgelegt), ausgestattet mit einem kompletten Satz Verkehrschilder, aber mitten in der Pampa und völlig ausgestorben.
Einziger Verkehrsteilnehmer auf der breiten Piste: Ich.
Verstärkt wurde der geisterhafte Eindruck noch durch den Nebel, der die Sicht auf alles jenseits von ein paar hundert Metern verdeckte und die Umgebung in ein gedämpftes Licht tauchte – ein Lauf durch ein surreales, fahles, verlassenes Ödland aus Wiesen, Baumgruppen und Dämmen mitten im Nichts.
Nach ein paar hundert Metern tauchten die Bäume des Rosengartens im Dunst vor mir auf, einem wild wuchernden, naturbelassenen Auwald, der in der seltsamen Atmosphäre irgendwie etwas prähistorisch und leicht unheimlich wirkte.
Noch ca. 500 m. geradeaus am Waldrand entlang, dann bog ich links auf einen Feldweg ein, von dem ich hoffte, dass er nach Klein-Rohrheim führte (so ganz orientiert war ich zu diesem Zeitpunkt nicht, aber ich glaubte, irgendwo im Dunst vor mir eine schemenhafte Ansammlung von Häusern zu erkennen).
Weiter auf diesem Weg (keine Markierung), durch vereinsamte, trübselige Stoppeläcker, die – bis auf ein paar Krähen – ebenfalls wie ausgestorben erschienen. Schließlich bei einer kleinen Baumgruppe halblinks auf einen asphaltierten Weg auf einem Deich (Markierung: G2), vorbei am Gernsheimer Tierheim (für diese Lage wurde wohl der Begriff “JWD” erfunden), und schließlich nach Klein-Rohrheim hinein, das sich als kleines, bukolisches Rieddörfchen herausstellte und – angesichts der trüben Stimmung – einen eher tristen Eindruck machte.
Hier erstmal rechts, die Claus-Kröncke-Strasse entlang, vorbei an diversen Gehöften, der alten Schule, und schließlich über den kleinen, verwaisten Dorfplatz (Ein Brünnchen, ein Kruzifix, eine Tischtennisplatte) durch die Johannes-Bückler-Strasse (eine Strasse benannt nach einem Kriminellen. Mal was Anderes
) zur B44.
Auch hier keine Menschenseele, langsam wurde es mir fast ein bisschen unheimlich, aber immerhin fuhren auf der Bundesstrasse ein paar Autos, die belegten, dass ich nicht der letzte Mensch war.
Kurz über die B44 und unter der Bahn durch, um einen Berührungspunkt mit unserem ersten Lauf im Jägersburger Wald vor fast zwei Monaten zu schaffen, dann wieder zurück und das Dorf auf dem Fahrradweg neben der B44 in Richtung Gross-Rohrheim (=südwärts) verlassen (Markierung keine, aber die B44 ist in Klein-Rohrheim eigentlich nicht zu verpassen).
Etwa 1,5 km dem Verlauf der Bundesstrasse gefolgt. Keine schöne Strecke, aber immerhin hatte es ein bisschen aufgeklart, so dass man zumindest den Rand des Jägersburger Waldes jenseits der Felder im Osten erkennen konnte. Nach ca. 1 km auf der anderen Strassenseite ein kleines Denkmal für den Rheinbegradiger Claus Krönke , 500 m. weiter der Ortseingang von Gross-Rohrheim .
Immer geradaus, auf der Rheinstrasse durch den Ort, der ebenfalls eher trist wirkte (was sicherlich auch an dem einsetzenden Nieselregen lag), aber zumindest belebter als die bisherige Strecke war (Echte Menschen. Nein sowas!). Am Ende der Rheinstrasse rechts in die Jahnstrasse (hübsche alte Fachwerkhäuser, schon deutlich weniger trist) und in nordwestlicher Richtung auf wieder aus Gross-Rohrheim hinaus.
Auf einer asphaltierten Strasse, auf der ebenfalls wieder keinerlei Verkehr herrschte, vorbei an einem Rapsfeld mit Reh, einem freundlichen Rentner mit Zwergpudel (“An Ihrer Stell´ würd´ isch misch net so abrenne” – fand ich nach den Kilometern der Einsamkeit richtig nett) und diversen Vereinsheimen (Angler, Schützen, Sänger, Hundefreunde) weiter durch die Felder in Richtung der Rhein.
Linkerhand tauchten irgendwann unvermittelt die titanischen Kühltürme des AKW Biblis aus dem Dunst auf, die zum Greifen nahe wirkten, obwohl sie noch über 3 km entfernt waren, dann ging´s kurz aufwärts, einen weiteren Deich hoch, auf dessen Krone ein kleines Häuschen samt Infotafel zum Thema Hochwasserschutz plaziert war (keine Zeit zum Lesen, aber die Kernaussage war sowas wie “dieser Deich ist dazu da, um den Rhein aufzuhalten, wenn er hier vorbeikommt”).
Auf der anderen Seite des Deiches ein Wäldchen mit Gewässern drin, ich lief weiter geradaus (Markierung G2), und bog bei der nächsten Gelegenheit links ein, zwischen zwei Seen durch, durch einen weiteren urwüchsigen Auwald, über eine kleine Holzbrücke (darunter ein tümpliger Althreinarm oder sowas), dann eine Feuchtwiese, und schließlich – breit, majestätisch, und nach den ganzen dunstigen Stoppelfeldern äußerst willkommen -der Rhein.
Kurz das Panorama genossen (hier war es deutlich klarer, und es ging sogar ein leichtes, angenehmes Lüftchen), dann rechts hoch, in Richtung Gernsheim, dem Rhein-Neckar-Weg folgend (Markierung rotes R) über die Insel/Halbinsel/was auch immer Sandwert.
Links das Wasser mit Schiffsverkehr, dahinter Rheinland-Pfalz, rechts eine schöne, urwüchsige Naturlandschaft – hübsch. Nach ca. 1 km ein großer Parkplatz am Rhein (wohl der Endpunkt der Natostrasse), natürlich auch wieder völlig entvölkert, aber dafür mit einem irgendwie amüsanten Warnschild – sorry, aber wer zu blöd ist, um beim Autofahren den 200 m breiten Fluss vor sich zu bemerken, der wird wohl kaum das kleine rote Warnschild bemerken, oder?
Hier ging´s kurz rechts, auf wieder mal auf einen Damm, dort gleich wieder links, am westlichen Rand des Rosengartens entlang (Markierung weiterhin rotes R), dann wieder runter zum Rheinufer, auf weichem, angenehm Untergrund vorbei an den typischen Kieselstränden und Auwiesen nordwärts.
Nach ein paar hundert Metern kam bereits die Gernsheimer Brückenruine in Sicht, und obwohl sich das letzte Stück noch ganz schön zog, erreichte ich bald darauf wieder den Parkplatz an der Rheinfähre.
Fazit: Interessanter Lauf in ungewöhnlicher, teilweise leicht unwirklicher Atmosphäre. Wettermässig nicht perfekt aber letztlich auch nicht wirklich schlimm, vom Streckenprofil sehr gut zu laufen. Landschaftlich zweigeteilt, einerseits die eher etwas eintönigen Felder im Landesinneren, andererseits die schöne Naturlandschaft direkt am Fluss. Und das beste: Keine Probleme mit dem Bein.
Insgesamt ein netter, angenehmer Lauf, der durchaus Spass gemacht hat.
Strecke: 13,3 km
Zeit: Überraschend fix, 1:20 Stunden (9,98 km/h bzw. 6:01 min/km).
Karte:

M.



7. Oktober 2007 um 14:24
[...] Lauf am Rhein: Gernsheim – Klein-Rohrheim – Gross-Rohrheim (13,3 km) [...]
15. Oktober 2007 um 16:26
[...] Ried stand heute mal wieder der Rhein auf der Tagesordnung, genauer gesagt: Da weitermachen, wo ich vor zwei Wochen, aufgehört hatte, also weiter südwarts, von Groß-Rohrheim bisschen durchs Landesinnere, um das [...]
22. Oktober 2007 um 17:28
[...] Lauf am Rhein: Gernsheim – Klein-Rohrheim – Gross-Rohrheim [...]
26. Oktober 2007 um 15:40
[...] (ein Gewässer, von dem ich inzwischen mit Fug und Recht behaupten kann, es von der Quelle bis zur Mündung zu kennen), dann über die A5. Dahinter: Das Ried, wie üblich erkennbar an seiner überaus flachen [...]
1. Juli 2008 um 19:26
[...] Juhöhe Kelsterbach Kirchheimbolanden Kirschhausen Klein-Bieberau Klein-Gerau Klein-Gumpen Klein-Rohrheim Knoden Kolmbach Langwaden Laudenau Laudenbach Lautern Leutershausen Lichtenberg Lindenfels Lorsch [...]
10. November 2008 um 17:29
[...] Und das ging so: Überall da, wo der Rhein so eine richtig große, weite Schleife hatte, hat der Herr Tulla ´ne Abkürzung zwischen dem Anfang und dem Ende der Schleife graben lassen, so dass der Rhein dann einen viel kürzeren Weg nehmen konnte, und nicht mehr durch die Schleife durchmusste. Das war viel Arbeit und nicht alle Leute fanden´s gut, und es hat ganz lange gedauert. So lange, dass der Herr Tulla irgendwann mittenndrin gestorben ist (aber nicht an Malaria), und andere Ingenieure weitermachen mussten. Und zwar nicht nur in Baden, sondern auch in der Pfalz und in Hessen (da hat sich der Herr Kröncke drum gekümmert, für den in Groß-Rohrheim ein Denkmal steht, an dem ich auch schon mal vorbeigelaufen bin). [...]