Donnerstag – Zeit für den etwas längeren Lauf in der Wochenmitte.
Natürlich wieder im Flachland, um den (eigentlich schon fast wieder beschwerdefreien) linken Oberschenkel zu schonen. An den Rhein wollte ich allerdings nicht schon wieder, stattdessen lieber mal wieder etwas mehr Wald. Deswegen die geplante Strecke: Von Pfungstadt auf der Fußgängerbrücke über die A67 (die, die wir bei unserem Lauf um Pfungstadt nicht gefunden hatten und deshalb durch den Sandbach-Kanal kriechen mussten) nach Eschollbrücken, da nordwärts nach Griesheim, und von dort durch den Wald wieder zurück nach Pfungstadt.
Äußere Bedingungen zu Anfang eher schlecht: Trüb, neblig, extrem hohe Luftfeuchtigkeit, dazu wieder mal alleine los, denn Ingo ist immer noch in Berlin. Na ja.
Start am nördlichsten Zipfel von Pfungstadt, am Ortsausgang in der Klingsackerstrasse. Auf der kleinen Brücke über den Sandbach, dann gleich links in den Waldweg (Markierung: Weisser Kreis), das Bachufer entlang westwärts. Ein Stück geradeaus, über die neue Umgehungsstrasse (ist auf dem Google-Earth Bild noch nicht zu sehen), am Umspannwerk nördlich von Pfungstadt wieder über den Sandbach, und weiter bis Baustelle für die Autobahnbrücke in Richtung Griesheim. Als ich das letzte Mal mit David und Ingo hier vorbeigekommen war, hatten wir ja ein bisschen den Weg verloren, und mussten durch den Sandbach kriechen.
Diesmal war besser vorbereitet, und so knickte ich an der Baustelle mit einem leicht selbstgefälligen Grinsen scharf links auf die Strasse zurück nach Pfungstadt ab, folgte ihr etwas (da fand sich auch gleich wieder der weisse Kreis), und bog dann rechts in einen Feldweg ein, der unter ein paar Hochspannungsleitungen bis zu einem Wäldchen an der Autobahn führte.
So. Hier würde ich also – bequem und völlig problemlos – die A67 überqueren. Auf der Fußgängerbrücke. Jawollja. So war der Plan. Yessiree, genau vorausberechnet. Alles super. Haha.
Pffft….
Pustekuchen.
Die Brücke war aussser Betrieb. Jemand hatte alle Stufen bis zu einer Höhe von ca. 2 m abmontiert, und in den dadurch entstandenen Freiraum ein Schild gepflanzt: “BRÜCKE GESPERRT! LEBENSGEFAHR!!!” (ok, auf dem Originalschild waren vielleicht etwas weniger Ausrufezeichen).
Hätte ich mir eigentlich denken können, schließlich passiert das ja eigentlich immer, wenn ich auf so einer dämlichen Brücke über die dämliche A67 joggen will.
Seufz.
Damit war der Plan erst mal gestorben.
Ein kurzes Verharren in Unmut (um mich mal selbst zu zitieren: WELCHER IDIOT IST EIGENTLICH AUF DIE IDEE GEKOMMEN, JEDE VERDAMMTE AUTOBAHNBRÜCKE ZWISCHEN DARMSTADT UND MANNHEIM GLEICHZEITIG ABZUREISSEN?), dann entschied ich mich, erstmal zurückzulauden, und mich irgendwie parallel zur Autobahn nordwärts durchzuschlagen, auch wenn ich überhaupt keinen Plan hatte, wo und wie (die alternative wäre ein Umweg über die intakte Brücke westlich von Pfungstadt gewesen, darauf hatte ich keine Lust).
Also: Zurück. Aus dem Wäldchen raus, den Feldweg unter den Hochspannungsleitungen runter, nochmal auf die Landstrasse nördwestlich von Pfungstadt, bis zur Baustelle an der anderen Brücke, dort rechts, am Umspannwerk wieder über den Sandbach, auf den Waldweg mit dem weissen Kreis, diesmal ostwärts, mit dem Vorsatz, bei der nächsten Gelegenheit links in Richtung Norden abzubiegen.
Diese Gelegenheit bot sich auch bald, in Form eines breiten Waldweges der an einer breiten, offenen Schneise tiefer in den Wald führte (keine Markierung, laut Karte die “Pfungstädter Haus-Schneise). Die lief ich dann eban mal entlang, in hohem Tempo (war noch frustriert, das musste raus) ewig lang schnurgerade nach Norden.
Unterwegs kam zum ersten Mal die Sonne raus, was es (gerade angesichts der hohen Luftfeuchtigkeit) einerseits unangenehm warm machte, andererseits das bisher eher dröge wirkende Gehölz instant in einen hübschen, herbstlichen Mischwald, durchzogen von Altweibersommerwiesen, machte. Schön, da machte das Laufen gleich viel mehr Spass.
Nach etwas über einem km wurde das Terrain unerwartet hügelig, nach ca. 2 km erreichte ich unvermittelt eine Strassenkreuzung mitten im Wald. Mit Parkplätzen, einer Fußgängerampel, und einer stark frequentierten Fahrstrasse. Zivilisation (na ja, ansatzweise eben)!
Allerdings hatte ich nur eine sehr ungefähre Vorstellung, wo ich mich genau befand (nämlich irgendwo auf der Strasse zwischen Pfungstadt und dem Südwesten Darmstadts), also lief ich – einem Bauchgefühl folgend – scharf links, an der Hauptstrasse entlang (Radweg 22), in der Hoffnung, dass es da irgendwo über die Autobahn gehen würde.
Was dann auch tatsächlich so war – nach ein paar Minuten kam eine breite, volkommen intakte Brücke über die A67 in Sicht, auf der man problemlos auf die andere Seite kam. Oh Wunder!
Autobahnüberquerung: Gelungen!
Noch einen knappen km weiter, dann tauchte vor mir eine Kreuzung auf, die mir bekannt vor kam: Das “Pfungstädter Kreuz” (keine Ahnung, ob das tatsächlich so heisst, zumindest stand´s auf der Bushaltestelle, die kurz davor völlig unmotiviert in den Wald gepflanzt war), also die Kreuzung zwischen Pfungstadt, Eschollbrücken, Griesheim und Darmstadt.
Die gute Nachricht: Damit war ich wieder auf Kurs, denn hier hätte ich eh vorbeikommen sollen.
Die weniger gute: Um hier hin zu kommen war ich einen gewaltigen Umweg von mehreren km gelaufen, den ich mir hätte sparen können, wenn nur irgendeine dieser blöden Brücken funktioniert hätte.
Na ja, sei´s drum.
Ich bog jedenfalls rechts in Richtung Griesheim ab, verliess die Strasse aber gleich wieder zugunsten eines abgehenden Waldwegs (immer noch Radweg 22).
Ein Stückchen geradaus durch den Wald, dann etwas halb-offenes Gelände, schließlich vorbei am “Öko-Landbau-Zentrum Darmstadt”, einer Art Öko-Betriebs-WG mitten in der Pampa (teilweise ganz hübsch, vor allem die lange Reihe von Sonnenblumen, die hier den Weg flankierten hatte was).
Immer weiter geradeaus, wieder ein kleines Wäldchen, dann etwas aufwärts durch eine schöne, leicht mediterran wirkende Landschaft (das Naturschutzgebiet um die Griesheimer Düne), und schließlich auf die weite, offenen Ebene vor Griesheim.
Hier eine bis zwei Kilometer durch die Felder bis zum Griesheimer Ortsanfang einem leicht trostlos wirkenden Ödland aus modern-blockigen Mehrfamilienhäusern und quietschbunten Doppelhaushälften, die offensichtlich erst vor kurzem aus dem Griesheimer Sand gestampft worden sind (entsprechend tauchen sie weder auf der Wanderkarte, noch bei Google-Earth auf) – German Suburbia!
Eigentlich hätte ich mich hier schon wieder auf den Rückweg machen können, aber ich wollte auch noch mal nach Griesheim rein, also geradeaus weiter, durch die Luisenstrasse und die August-Bebel-Strasse ewig lang durch den auch weiter innen eher schmucklosen Ort, bis auf die breite Wilhelm-Leuschner-Strasse im Zentrum.
Hier rechts, ein Stück parallel zur Strassenbahn, an der Wagenhalle vorbei, und schließlich noch mal rechts in die Lindenstrasse, wieder zurück nach Süden (sah an sich genauso aus wie auf dem Hinweg; Griesheim ist – den vollmundigen Formulieren auf seiner offiziellen Website zum Trotz – einfach kein besonders ansehnlicher Ort).
Am Ortsausgang vorbei an einigen Sportplätzen, dann wieder in die Felder, halbrechts auf eine schmale ältere Landstrasse (Radweg 21). Hier ewig geradeaus durch die Spargeläcker, weiterhin in hohem Tempo, immer auf der Hut vor dem Verkehr, denn es gab weder Radweg noch Seitenstreifen.
Irgendwann erreichte ich ein eingezäuntes und stark gesichtertes Militärgelände der US-Army, dessen stacheldrahtbewehrter Zaun mit Schildern gepflastert war, die darauf hinwiesen, dass das Betreten streng verboten sei und bei zuwiderhandlung mit LEBENSGEFAHR drohten – somit nach der kaputten Fußgängerbrücke hinter Pfungstadt schon dass zweite Mal heute, das man mich per Schild auf die potentielle Gefährdung meiner körperlichen Unversehrtheit hinwies. Eine ziemlich gefährliche Strecke…
Am Army-Gelände vorbei, wieder in den Wald, auf einer engen, äußerst unangehnem zu laufenden (keine Strassenmarkierungen, kein Radweg, viel Verkehr) Brücke wieder über die A67, und schließlich zur der Kreuzung mitten im Wald, die ich heute schon durch die Pfungstädter-Haus-Schneise erreichte hatte. Da schau an.
Da ich nicht den selben Weg zurücklaufen wollte, folgte ich dem Radweg 22 weiter ostwärts in den Wald. Inzwischen machte sich das konstant hohe Tempo doch schon etwas bemerkbar, etwas schwere Atmung, etwas schwere Beine, aber ich hatte es ja auch fast geschafft. Noch 800 m geradaus, dann bog ich rechts in die Sandschollen-Schneise ein (Radweg 19/Gelbe 3), die wieder nach Pfungstadt führte.
Noch 2 km atemloser Endspurt durch den Wald (auch hier wieder etwas hügelig), vorbei am Pfungstädter Wasserwerk und diversen Spaziergängern/Nordic Walkern/Radfahrern (ganz schön was los hier), dann erreichte ich wieder die kleine Brücke über den Sandbach und das nördliche Ende von Pfungstadt, genau da, wo das Auto stand – perfekt.
Fazit: In weiten Teilen keine besonders schöne Strecke (obwohl es durchaus ein paar hübsche Stellen gibt), dafür aber eben und schnell – ideal, wenn man einfach nur ein paar km ohne Ablenkung runterreissen will. Allerdings ist die Route teilweise nicht besonders joggerfreundlich, gerade der Radweg 21 zwischen Griesheim und der Kreuzung im Wald erfordert aufgrund fehlender Ausweichmöglichkeiten und der relativ großen Verkehrsdichte erhöhte Vorsicht beim Laufen.
Das mit der kaputten Brücke war wieder mal ärgerlich, andererseits hatte ich – bedingt durch den daraus resultierenden Umweg – zum erstenmal seit langer Zeit wieder das Gefühl, auf gut Glück unbekanntes Terrain zu laufen, das hatte was von Abenteuer und war eigentlich auch mal wieder ganz schön (besonders, weil´s geklappt hat).
Strecke: 19,4 km
Zeit: 1:53 h (= ca. 10,3 km/h bzw. ca 5:50 min/km – schon wieder ziemlich schnell).
Karte: 
M.



11. November 2007 um 16:37
[...] ein paar hundert Metern in den Wald (der zwischen Pfungstadt, Griesheim und Darmstadt wo ich mich schon mal etwas verlaufen hatte). Rechts noch ein Stück die hohe, schroffe Mauer der JVA Eberstadt, dann nur noch kahle Bäume und [...]
19. November 2007 um 16:52
[...] mal nach Süden, auf dem Pfungstädter Weg aus Griesheim raus, dieselbe Strecke, über die ich vor ein paar Wochen nach Griesheim reingelaufen war (Radweg 20). Nach 300 Metern, am mitten in den Feldern liegenden Freizeitgelände [...]
10. März 2008 um 13:41
Ein sehr schöner Fahrradreisebericht.
Weiter so
Walter Schumacher Darmstadt, 10.03.08
10. März 2008 um 16:40
Hallo Herr Schumacher,
vielen Dank für das Lob, freut mich, wenn´s Ihnen gefallen hat (auch wenn´s technisch gesehen eigentlich kein Fahrradreisebericht ist, da ich die Strecke ja gejoggt bin
).
Gruß
Matthias
14. April 2008 um 16:44
[...] inzwischen schon gelernt, dass ich solchen Schildern in der Regel durchaus Beachtung schenke (z.B. hier oder hier), entsprechend war die Route damit für mich gestorben und ich musste [...]
1. Juli 2008 um 19:25
[...] Fränkisch-Crumbach Gadernheim Gauersheim Gernsheim Gertelsklingen Glattbach Goddelau Griesheim Gronau Groß-Breitenbach Groß-Gerau Groß-Rohrheim Großsachsen Hahn Hähnlein Harxheim Heidelberg [...]