Heute mal wieder eine Strecke auf Seeheim-Jugenheimer Gebiet, ganz nah an Zuhause.
Auf meiner Übersichtkarte aller gebloggten Läufe hatte bisher noch eine kleine aber deutliche Lücke im und ums Stettbacher Tal geklafft – zwar war ich hier natürlich schon oft unterwegs, aber seit Start unseres Lauftagebuchs sind wir irgendwie immer drumrum gelaufen.
Höchste Zeit, dieses bisher ungebloggte Gebiet, quasi den eigenen Hinterhof, auch mal abzuarbeiten!
Ursprünglich hatte ich geplant, eine 17-km Rundroute zu laufen, von Jugenheim über die Nordflanke des Tannenbergs nach Ober-Beerbach, dann weiter auf den Steigerts, runter nach Stettbach und über Hainzenklingen und den Heiligenberg zurück nach Jugenheim.
Aber, na ja, das Wetter war arg durchwachsen, meine rechte Wade rumorte noch ein bisschen von letztem Mal, und soviel Zeit hatte ich auch nicht, deswegen schenkte ich mir einfach mal das erste Drittel und liess mich stattdessen bei Ober-Beerbach absetzen…
Start also kurz vor Ober-Beerbach, auf dem kleinen Parkplatz am oberen Ende der Strasse nach Seeheim, kurz bevor sie in die Strasse zwischen Ober- und Nieder-Beerbach mündet.
Wetter wie gesagt durchwachsen: Ziemlich kalt (5 Grad), windig (saukalte Böen), tendenziell trüb und wolkig (hin und wieder mal ein kleiner Fetzen blauer Himmel dazwischen). Aber trocken, das war gut.
Vom Startpunkt aus auf die Fahrstrasse nach Ober-Beerbach (die hier gleichzeitig auch der Fernwanderweg Odenwald-Vogesen ist, Markierung roter Balken) und ihr 200 Meter nach Süden bis zum Dorfeingang gefolgt (kein Radweg, kein Seitenstreifen, nur Fahrbahn – nicht gerade sehr Fußgängerfreundlich für einen großen Fernwanderweg). Dabei ein wunderbarer Blick durch das Ober-Beerbacher Tal hinunter in die Ebene und bis nach Rheinland-Pfalz rüber, Ried, Rheinhessen, Die Windräder bei Framersheim, der Donnersberg, alles glasklar zu erkennen. Besonders hübsch: Auf der anderen Rheinseite schien die Sonne, entsprechend strahlte alles da drüben in warmen, wunderschönen Herbsttönen (auch wenn ich´s ehrlich gesagt etwas unfair fand, dass ich mich hier durch die graue Tristesse schleifen musste, während jenseits des Rheins der schönste Sonnenschein herrschte. Verflixte Pfälzer…).
Ober-Beerbach: Einlauf am oberen südlichen Dorfrand (Eberstädter Str.), vorbei an der Gaststätte zur Waldeslust, gleich dahinter rechts, durch ein kurzes Stück Fußgängerweg hangaufwärts in den Albert-Einstein-Ring.
Puh, gleich zu Anfang ordentlich steil, Ober-Beerbach liegt nun mal mitten in einem Talkessel, wer da an den Rand will muss klettern. Dazu ein wirklich eisiger Wind, bei dem ich spontan bereute, keine Handschuhe angezogen zu haben, wärend ich frierend den Berg hochschnaufte (und das, während man sich in Rheinland-Pfälzer in der Herbstsonne aalte – skandalös…).
Am südlichen Ende des Wohngebietes wieder aus Ober-Beerbach raus, auf den Weg über den Höhenrücken am westlichen Rand der Talsenke (weiterhin roter Balken). Hübsch: Weideland und Obstwiesen, der Weg selbst mit stetiger Steigung und gut zu laufen, dazu noch mehr grandiose Ausblicke auf die gesamte Rheinebene bis Taunus und Donnersberg, zweigeteilt in ein tristes, trübes Hessen und ein strahlend sonniges Rheinland-Pfalz (der geneigte Leser merkt schon: Solche grundlegenen Ungerechtigkeiten bei der Wetterverteilung beschäftigen mich, deswegen werde ich da bis auf Weiteres noch ein bisschen drauf rumreiten) – schön!
Der Nachteil der tollen Aussicht war, dass der kalten Wind aus der Ebene hier noch ungehinderter blasen konnte, wirklich unangenehm.
Auf dem ungefähr 600 Meter nach süden, vorbei an der Mündung des Weges zur Tannenburg (beschrieben in diesem Eintrag) bis auf die Fahrstrasse nach Steigerts/Stettbach. Auch hier weiter bergauf, auf der Strasse in Richtung Steigerts.
Allerdings nur nicht lange: Kurz hinter der Abzweigung nach Stettbach knickte ich (dem roten Balken folgend) links ab, vorbei an der Schutzhütte “Sonneneck” (Das Bild ist vom Verschönerungsverein Ober-Beerbach) in das kleine Waldstück namens “Klingenwald”. Auch hier bergauf, auf einem dick mit laub bedeckten Waldweg erst ein paar hundert Meter ostwärts, dann am Waldrand nach Süden, bis ich wieder die Fahrstrasse nach Steigerts erreichte (war zwar ein Umweg, aber einerseits war ich hier noch nie vorher gewesen, und anderseits versprachen die Bäume etwas Schutz vor dem schneidend kalten Wind, das war´s mir wert).
Auf der Strasse weiter bergauf bis Steigerts (damit nach letztem Sonntag zum zweiten Mal in einer Woche hier oben), vorbei am Talblick und rechts in die Ohlystrasse, geradeaus durchs Dorf durch (wie gesagt: Hübsch hier oben), und weiter bis zum Anfang des Waldstücks auf dem Steigerts.
Hier allerdings nicht weiter geradeaus in Richtung Hutzelstrasse, sondern stattdessen rechts, am Waldrand unterhalb der Kuppe entlang in westlicher talwärts (Markierung: Gelbe 4).
Rechts Wiesen, eine paar vereinzelte Häuser, dahinter noch mehr toller Blick in die Ebene (Weiterhin Sonne jenseits, Trübsal diesseits des Rheins. Um das noch mal richtig reinzureiben hatte es inzwischen übrigens ein bisschen zu Hageln angefangen. Toll…), dann ging´s auch schon das größere Waldstück oberhalb von Stettbach.
Schöner Herbstwald, es ging bergab (immer noch gelbe 4), südlich einer Kuppe ins Stettbacher Tal hinunter. Nicht ganz angenehm zu joggen, denn der Weg war grob geschottert und mit viel Laub bedeckt, dazu recht steil. Nach etwas einem halben Kilometer ein Bogen nach Norden, bis fast auf die Landstrasse am oberen Ende des Stettbacher Tals, kurz davor jedoch auf einen etwas weiter unten verlaufenden Weg zurück nach Süden eingebogen (unmarkiert) und diesem bis auf die langestreckte Wiese oberhalb/östlich von Stettbach gefolgt.
Hier dann weiter runter, nach Stettbach rein, auf der steilen Höhenstrasse vorbei am unvergleichlichen Salon Forthuber (seit Jahrzehnten der Friseursalon meines Vertrauens!) hinab in den kleinen, beschaulich-idyllischen Stettbacher Ortskern (nette alte Häuser, gepflasterte Strasse, offener Bach – hübsch).
Die letzten zwanzig Minuten bis hierher waren ziemlich entspannt gewesen, schließlich ging´s fast nur bergab. Damit war jetzt allerdings erst mal Schluss – nicht umsonst gilt für das Laufen im Odenwald die Weisheit “What goes down must come up”. Konkret bedeutete das: Gerade erst im Talgrund angekommen, musste ich jetzt erstmal wieder ordentlich klettern, die südliche Talseite der Stettbacher Mulde rauf.
Und die hat´s ganz schön in sich.
Durch “Im Vogelherd” aus dem Dorf raus, rapide bergauf durch Weiden und Obstwiesen (auch die äußerst hübsch anzuschauen, besonders, da inzwischen auch hier die Sonne hin und wieder mal zwischen den schnell treibenden Wolken hervorlugte). Asphaltierter weg, steil aber laufbar, schaufend den Hang hoch, Schließlich eine lange Serpentine am Waldrand, und ich hatte ich den Höhenrücken zwischen Stettbach und Hainzenklingen erklommen.
WOW!!!
Was für ein Ausblick!!!
Ok, das schreibe ich hier alle Naslang, aber der hier oben ist wirklich was Besonderes!
Der kleine Höhenrücken zwischen Stettbach und Hainzenklingen hat eine Höhe von ungefähr 330 bis 340 Metern. Nach Westen hin (also zur Ebene) geht es steil bergab, wobei der Hang nur aus Wiesen besteht, also nichts, was die Sicht verdeckt. Entsprechend hat man einen perfekten Blick nach Westen die beiden Täler hinter Jugenheim entlang bis in die Ebene – ganz nah dran, gleichzeitig erhöht genug, um alles zu sehen.
Und an so einem klaren Tag wie heute ist das wirklich alles! Die Rheinebene, dahinter die sanften Höhenzüge Rheinhessens und der rheinhessischen Schweiz, immerhin ca. 50 km Luftlinie entfernt. In nördlicher Richtung der Höhenzug Hunsrück – Rheingau – Taunus, davor Mainz und Wiesbaden, das hell schimmernd am Hang liegt. Im mittleren Vordergrund das Ried, ganz nah die bunten, herbstwaldbedeckten Höhenzüge der Bergstrasse, und alles im wunderschönen Schein der Herbstsonne, die just in diesem Augenblick durch die Wolken brach und das gesamte Panorama in ein warmes Licht tauchte.
Unglaublich schön.
Und einer von diesen Momenten, wo man für ein kleines Weilchen einfach nur glücklich ist.
Davon sollte es mehr geben…
Nach ein paar Minuten, die ich einfach nur mit einem debilen Grinsen auf den Lippen die Schönheit der Szenerie genossen hatte, wurde es allerdings ordentlich kalt – der Wind hatte trotz Sonne nichts von seiner polaren Schärfe eingebüsst, also riss ich mich schweren Herzens los, und setzte meinen Weg fort, die Bergflanke hinab in den verschollenen Weiler Hainzenklingen (der eigentlich gar nicht verschollen ist, aber nachdem ich mehrere Jahre immer mal wieder dran vorbeigelaufen bin, ohne ihn richtig zu bemerken oder auch nur genau zu wissen, wo er ist, kriegt er von mir einfach mal dieses Adjektiv spendiert – klingt doch auch viel cooler als einfach nur “Hainzenklingen”, oder?), eine beschauliche Ansammlung von ein paar Häusern, ruhig gelegen in einem seitlichen Hochtal des Stettbacher Tals.
Hier hatte ich eigentlich geplant, über die Asphaltstrasse am Talgrund unterhalb des Weilers zu laufen, bis ich wieder das Stettbacher Tal erreicht hätte, allerdings stellte sich vor Ort raus, dass das nicht ging: Am Ende des Weilers war der Weg mit weiß-rotem Absperrbang gepflastert, davor ein Schild mit der Aufschrift: “Forstarbeiten – Lebensgefahr”.
Tja. Wir haben ja inzwischen schon gelernt, dass ich solchen Schildern in der Regel durchaus Beachtung schenke (z.B. hier oder hier), entsprechend war die Route damit für mich gestorben und ich musste umdisponieren.
Glücklicherweise kenne ich mich hier oben ganz gut aus, deswegen hatte ich sofort eine Ausweichroute parat: Durch den Wald oberhalb des Weilers, parallel zum ursprünglich geplanten Weg und kurz vor dem Hechlersgrund zurück auf Kurs.
Ha. Bin ich gut oder was?
Konkret bedeutete das erst einmal wieder zurück, aus Hainzenklingen raus und auf dem Weg den ich gekommen war wieder auf die Anhöhe über den Häusern, um dort auf die Ausweichroute abzubiegen.
Also zurück, bergauf (puh, beim Runterlaufen war mir das nicht so steil vorgekommen), auf den Höhenrücken mit der Wahnsinnsaussicht (Seufz. Schööön!), von da nach rechts, weiter aufwärts in den Wald am Vogelherd.
Dort dann oberhalb von Hainzenklingen westwärts, auf einem schmalen Waldweg, der unter der dicken Herbstlaubschicht furchtbar morastig und entsprechend glitschig war, bis ich die Wegkreuzung im Wald oberhalb von Hainzenklingen erreicht hatte.
Hier ´wandte ich mich rechts, abwärts auf dem Gemeindewanderweg SJ2 nach Nordwesten, in Richtung Kaiserbuche und Heiligenberg (derselbe Weg, den ich auf dem Lauf zur Neunkircher Höhe genommen hatte, bloss in anderer Richtung).
Nach ein paar hundert Metern erreichte ich das obere Ende des Hechlersgrundes, also der Hochwiese zwischen Balkhäuser und Stettbacher Tal, oberhalb des Talhofes. Eigentlich hätte ich hier direkt links zum Heiligenberg weiterlaufen können, aber da es eh schon ein recht kurzer Lauf war, und ich ausserdem noch mal ins Stettbacher Tal runter wollte, lief ich stattdessen rechts, praktisch eine Ehrenrunde um den Hügel namens “Goschenrod herum”.
Bereits nach wenigen Metern stiess ich auch hier wieder auf eine Absperrung mit Warnschild vor Forstarbeiten, dieses Mal allerdings mit den dazugehörigen Forstarbeitern, die mir auf Anfrage mitteilten, dass sie gerade keine Bäume im fraglichen Gebiet fällten und ich deshalb passieren dürfe.
Bestens.
Also den Hang runter, auf die kleine Strasse im Talgrund unterhalb von Hainzenklingen, die ich ja sowieso hatte nehmen wollen, bevor mich die Absperrungen vom Kurs abgebracht hatten. Ca. 700 m. nordwärts zum Stettbacher Tal hin. Links Wald, rechts Wiese, dazu ein bisschen Sonne, sehr apart. Am unteren Ende des Weges dann wieder links, nicht ins Stettbacher Tal rein, sondern stattdessen den Waldrand entlang wieder leicht bergauf, und auf der anderen Seite des Goschenrod in entgegengesetzter Richtung wieder zurück zum Hechlersgrund, den ich nach weiteren 700 Metern leichten Anstiegs wohlbehalten erreichte (Markierung gelbe 2).
Hier dann auf dem asphaltierten Weg rechts (schöner Blick ins Balkhäuser Tal und den dahinterliegenden Melibokus) bis zum hinteren Ende des Marienbergs (= der obere Teil des Heiligenbergs), vorbei an den traurigen Resten der Kaiserbuche in den Wald rein, und weiter geradeaus, wieder mal bergauf (Markierung: SJ2).
Knapp 1,5 km durch den Wald, an der nördlichen Bergflanke um den Marienberg herum, und schließlich kurz oberhalb des Heiligenbergs über einen kleinen Trampelpfad auf den Weg SJ1 auf Höhe des Waldrandes gewechselt und über den Heiligenberg:
Erst der sanfte Bogen am Waldrand oberhalb der Obstaumwiesen entlang, mit schönem Blick auf die Rückseite von Schloss Heiligenberg, lediglich etwas getrübt durch den Anblick des hässlichen, unnötigen Parkplatzes, der hier vor einigen Jahren vom Land Hessen ohne Rücksicht auf Verluste in die Obstaumwiesen planiert wurden, um den fetten, faulen Lehrern, die hier oben Fortbildung haben, die fünf Minuten Fußmarsch vom Parkplatz am Nonnenbrünnchen zu ersparen. Schande über Dich, Land Hessen!
Weiter runter zum Schloß, vorbei an der Terrasse mit dem netten (nach der grandiosen Aussicht über Hainzenklingen gibt´s hier einfach nicht mehr als ein “nett”) Blick in dem Ebene und dem kleinen Park mit dem Mammutbaum runter zum ruhigen, idyllischen Schlossteich. Da ich beim letzten Mal die Strasse genommen hatte, lief ich heute anders, nämlich hinter dem Teich halblinks hoch, vorbei an den weiteren Sehenswürdigkeiten des Heiligenbergs, die hier hintereinander aufgereiht sind: Die kleine aber feine Klosterruine, die uralte Zentlinde, das Alexandermausoleum (Grabstätte der Battenbergs/Mountbattons), das prächtige goldene Kreuz und schließlich die weite, offene Kreuzwiese, von der aus man einen ebenfalls sehr netten (s.o.) Blick in die Ebene hat (Markierung übrigens blaues B – der Burgenweg).
Wie immer alles ganz großartig, immer wieder schön hier oben.
Weiter die Kreuzwiese runter, den kleinen Fußweg unterhalb der Wiese bis zur serpentinigen Strasse ins Dorf runter, und dort noch einen knappen Kilometer auf dem Blütenweg (gelbes B) bis nach Hause.
Superschöne Strecke – bei der ganzen Lauferei im etwas entfernteren Umland hatte ich fast ein bisschen vergessen, wie hübsch es zuhause sein kann. Wetter insgesamt gut, keine größeren Probleme, wenn auch teilweise aufgrund der steilen Auf- und Abstiege etwas fordernd, aber das hat den Spass eigentlich nur vergrößert. Dazu im großen und ganzen annehmbares Wetter -was will man mehr?
Strecke: 12,7 km
Zeit: 1:27 h (= 8,76 km/h bzw. 6:51 min/km)
Karte:

M.



19. Mai 2008 um 00:05
[...] Aussicht nach Westen und Norden in die Ebene. Der Einfachheit halber zitiere ich einfach mal meinen letzten Blogeintrag von hier oben: [...]
19. August 2009 um 16:33
Wenn Deine Seite schon der erste Treffer für “Forthuber Stettbach” ist, solltest Du wenigstens auch die Telefonnummer veröffentlichen
19. August 2009 um 16:35
06257/903100, Montag ist Ruhetag.
20. August 2009 um 08:55
Vorbildlich! Und jetzt kannst Du Provision verlangen
20. August 2009 um 09:15
Hmmm, vielleicht sollte ich da, gerade wo ich nachher einen Termin dort habe…