Projekt Nordwärts: Gross-Gerau - Mönchbruch - Nauheim (13,4 km)

26. November 2007

Projekt Nordwärts ist eine Serie von Läufen, mit denen ich in den nächsten Wochen etappenweise vom südlichen Ende des Rhein-Main-Gebietes bis nach Frankfurt am Main laufen möchte, um die Strecke des Frankfurt-Marathons an mein übriges Streckennetz anzubinden.

Lauf #4 von Projekt Nordwärts - beim letzten Mal hatte ich es bis an den Rand des riesigen Forstgebietes im südlich-zentralen Rhein-Main-Gebiet geschafft. Heute also weiter nach Norden, vom äußersten Punkt der letzten Tour nördlich von Gross-Gerau bis zum Mönchbruch, dann über Nauheim zurück. Erwartete dominante Geländeform: Wald, Wald, Wald, Wald, Wald, Wald und nochmals Wald.
Oh, und natürlich Wald.

Wetter: Unbeständig-durchwachsen, Regen, Wolken, Sonne, alles mit dabei, fluktuierte quasi im Minutenrhythmus. Dazu kalt: 2-3 Grad, leicht windig. Brr.


Start: Waldparkplatz am Woogsdamm und der B44, nördlich von Gross Gerau. Von hier aus direkt in den Wald, den “Mönchbruchpfad” (Radweg 25) entlang nach Norden.
Ewig lange gerade - vom Parkplatz bis zum Mönchbruch 4 Kilometer, einfach immer nur geradeaus. Bequemer, gut befestigter Waldweg (nach der Tortur vorgestern äußerst angenehm), so flach wie ein durchschnittliches Comedy-Programm im deutschen Privatfernsehen. Links und rechts nichts als kahle Bäume (meist dichter, mittelalter Mischwald mit wenig Unterholz). Praktisch direkt unterhalb der An- und Abflugschneise der Startbahn West, deswegen immer wieder das laute Röhren der Flugzeuge (wow, das ist echt laut, kein Wunder, dass die Anwohner keine Flughafenerweiterung wollen), ansonsten Totenstille im Wald.
Oh, das ganze übrigens bei eiskaltem Regen und Wind, der durch die kahlen Bäume nicht abgehalten wurde, recht eklig.

Fassen wir zusammen: 4 km lange flache Gerade, guter Untergrund, keinerlei Ablenkungen, kalt - ideal, um mal so richtig aufs Tempo zu drücken.
Genau das machte ich dann auch: Nach einer kurzen Aufwärmphase verfiel ich in einen schnellen, wahrscheinlich schon leicht anaeroben Semi-Sprint und raste mit einer Riesengeschwindigkeit (für meine Verhältnisse) durch den Wald.
Lief super.
Hin und wieder mal ein Wegstein oder eine Schneise, ein, zwei kleine Brücken über Bachläufe (einer davon durch ein Schild als Hegbach ausgewiesen), ansonsten: Bäume.
Nach knapp 2,5 Kilometern eine größere Schneise, daneben eine Schutzhütte, in der ganz viele Bilder und/oder Zeitungsauschnitte hingen - sah interessant aus, aber ich war mitten drin, deswegen lief ich durch, ohne mir die Hütte genauer anzusehen - schade eigentlich (Markierung übrigens immer noch Radweg 25, nach der Hütte kam der blaue Kreis der Riedlinie dazu).
Weiter, weiter, immer geradeaus, mehr Wald, dann auf einmal ein offenes Gatter, dahinter Gebäude, eine Strasse: Ich hatte den nördlichsten Punkt der heutigen Tour, die historische Häusergruppe mitten im Naturschutgebiet Mönchbruch, erreicht (und das in einer Superzeit: 19,5 Minuten für 3,92 km, das entspricht einem Durchschnitt von über 12 km/h bzw. einer Kilometerzeit von knapp unter 5 Minuten).

Äußerst hübsch hier, erst die Mönchbruchmühle mit apartem Restaurant und (saisonal bedingt geschlossenem) Biergarten, ein schönes und gepflegtes altes Fachwerkhaus mit Nebengebäuden. Dann die B44, dahinter das ebenfalls äußerst hübsche Jagdschloss und die große offene Fläche der szenischen Mönchbruchwiese (na gut, so schön wie auf dem verlinkten Foto sah sie heute nicht aus, aber trotzdem…) - wirklich alles sehr hübsch, allerdings sah ich mich nicht zu lange um, schließlich will ich alles was nördlich der Bundesstrasse liegt (und damit auch das Jagdschloss und die Wiese) erst beim nächsten Lauf erkunden, das sparte ich mir also auf.

Stattdessen hier kurze Verwirrung, eigentlich wollte ich auf einem Waldpfad am hier durchfliessenden Schwarzbach wieder nach Süden, aber den konnte ich auf Anhieb nicht finden. Also noch mal 150 m. zurück, zur Orientierungstafel am Anfang der Lichtung, dort die Existenz des Pfades verifiziert, wieder an die B44, dort dann kurz links über den Schwarzbach und auf einem kaum sichtbaren, völlig überwuchterten Pfad durch ein zu öffnendes Gattertor (die nehmen das mit dem Naturschutzgebiet hier wohl sehr ernst) wieder in den Wald zurück, Richtung Südwest.

Überwucherter, schmaler Pfad parallel zum Schwarzbach, fast schon Urwaldhaft, wurde aber bald etwas besser. Ca 400 m., dann links, auf einer rustikalen Holzbrücke über den Bach, dann gleich wieder scharf rechts, westwärts. Auch hier wieder: Wald, Wald, Wald, zur Abwechslung mal etwas kiefernlastig.
Nach einem halben Kilometer schimmerte vor mir eine riesige, offene Wiese durch die Bäume idyllisch eingefasst von noch mehr Wald (übrigens dieselbe Wiese, die man von der A67 aus in nördlicher Richtung rechts sieht, kurz bevor man das Rüsselsheimer Dreieck erreicht - also wieder ein bekannter Ort aus einer gänzlich unbekannten Perspektive!) - schöner Anblick, besonders weil inzwischen die Sonne rausgekommen war.
Der Weg selbst knickte hier auf einer Lichtung links in die “Brandsee-Schneise” ab und lief parallel zur großen Wiese ca. 1 1/4 km nach Süden (Wald, Wald Wald, diesemal viele Birken, rechts immer mal Wiese).

Schließlich eine große Querschneise, markiert mit dem Blauen Kreis der Riedlinie und dem Pyramidenpfeil des Regionalparkwegs, hier rechts, westwärts. Noch mehr Wald, wieder mehr Kiefern, von der halbverhangenen schrägstehenden Sonne von hinten schwefelgelb angestrahlt, was einen sehr interessanten, scherenschnittartigen Silhouetteneffekt erzeugte.
Nach etwas über einem Kilometer rechts ein einsames, altes Forsthaus an einer Lichtung (das “Untere Treburer Forsthaus”, Vereinsheim des Odenwaldclub Gross-Gerau), davor eine stark verwachsene Baumgruppe, von einer Plakette als Naturdenkmal “Körnerlinden” identifiziert, kurz dahinter ein kleines Eichenwäldchen das von einem Schild als der “Nauheimer Hochzeitswald” identifiziert wurde (was immer das bedeuten mag) - hübsch hier.

Noch etwas geradeaus, dann auf einer Schneise links (Radweg 12/Regionalparkweg), wo der Waldweg in eine Asphaltstrasse überging, auf der ich nach einem halben Kilometer die Autobahnbrücke bei Nauheim erreichte und die A67 überquerte (dabei Blick nach rechts auf den Taunus - ungewohntes Gefühl, beim Laufen eine nicht allzu weit entfernte Bergkette zu sehen die nicht die Bergstrasse ist…).

Dahinter eine offene Fläche umrahmt von Wald, Kleingärten, ein Freizeitgelände mit Basketballfeld, dann Nauheim, eine Reihe kleiner, weißer Häuser, ordentlich aufgereiht am entfernten Waldrand - hübsch. Ich lief noch ein Stück geradeaus auf der Strasse (”Berzallee”) weiter, vorbei an einem Spalier schöner alter Alleebäume, und bog dann am Ortseingang links in den Wald in Richtung Hegbachsee ab (Radweg 27).

300 m. auf einem frisch gepflasterten und nagelneuen Fußweg nach Süden, dann kurz vor dem See nach links in den Seeweg (Dämliches Wortspiel des Tages: Heute lege ich einen Teil meiner Joggingstrecke auf dem Seeweg zurück. Seeweg, get it? Ha! :D ), eine geschwungene Kurve entlang einer Wohnwagensiedlung, dann auf einem Parkplatz vor einem blockigen Gebäude links, über einen weiteren Fußweg und einen Spielplatz ans östliche Ufer des Hegbachsees, direkt neben der Autobahn.
Wieder so ein seltsam vertrauter aber zugleich unbekannter Ort - im Vorbeifahren auf der A67 habe ich den See schon X-Mal durch die Bäume schimmern sehen, dagewesen war ich bisher noch nie…

Vor Ort zu Fuß machte der See eigentlich einen sehr hübschen Eindruck: Große Wasserfläche, viel Wald, Enten und Kanadagänse drauf, dichter Uferbewuchs, direkt am weg gepflegte Liege- und Freizeitwiesen - lediglich die allenthalben aufsgestellten Warnschilder, die Sinngemäß darauf hinwiesen, dass der See eine Todesfalle aus Kolibakterien, Salmonellen und dünnem Eis sei, und man sich entsprechend unbedingt fernhalten solle, störten die Idylle etwas. Tja, man kann halt nicht alles haben…

Ich lief zwischen Ufer und Autobahn durch die Grünflächen und erreichte am Ende des Sees schließlich einen weiteren Parkplatz (mit weiterem blockigen Neubau) , über den ich mit einem kleinen Schlenker auf die Asphaltstrasse gelangte, die direkt neben der A67 nach Süden führt und den wunderbar prosaischen Namen “Hartmannslochschneise” trägt.
Umgebung übrigens zur Abwechslung mal: Wald.
Mal was Neues…

Nach 800 Metern eine Kurve zur Autobahnbrücke nach Gross-Gerau, wieder über die A67 rüber, dahinter dann die Feldschneise weiter nach Osten - weiterhin Asphaltierter Weg, links Waldrand, rechts die offenen Felder nördlich von Gross-Gerau mit bedingt erhebendem Blick auf die qualmenden Schlote der Zuckerrübenfabrik und die Lärmschutzmauer an der Autobahn.
600 Meter nach der Brücke bog die Strasse rechts ab, ich lief auf einem etwas schlammigen Weg allerdings weiter stur nach Osten in den Wald rein (Yayyy, Wald…), und bog schließlich kurz vor dem Waldrand, mit Blick auf die Heimstättensiedlung, nach Norden in die Loogschneise ein. Hier noch 400 Meter nordwärts, dann halbrechts in einen kleinen, zugewucherten Trampelpfad, vorbei an der Rückfront des Geländes der Ahmadiyya-Moslems (laut Wikipedia übrigens eine sympathisch liberale Glaubensgemeinschaft), und schließlich auf den Parkplatz mit dem wartenden Auto.

Wow. Sehr schnelle Tour, entsprechend am Ende etwas ausser Atem, aber ansonsten keine Probleme - gut. Sightseeing-technisch vielleicht nicht die attraktivste Strecke, die ich jemals gelaufen bin (obwohl gerade das NSG Mönchbruch bei schönem Wetter sicher einiges hermacht), aber ideal, um ein paar schnelle, ungestörte Kilometer in angenehmer Umgebung und auf gutem Untergrund zurückzulegen - sehr gute Joggingstrecke. Dazu die faszinierende Erkenntnis, dass es mitten im Herzen des scheinbar so dicht besiedelten Rhein-Main-Gebietes ein riesiges Areal mit relativ unberührter und zum Teil sehr schöner (Halb)Wildnis gibt, und das befriedigende Gefühl, wieder ein Stück mehr von der Landschaft jenseits der Autobahn erforscht zu haben - insgesamt gar kein so übler Lauf!

Strecke: 13,4 km
Zeit: 1:13 h (11,01 km/h bzw. 5:27 min/km)
Karte:
gg-moenchbruch.jpg

Interaktive Streckenkarte

M.

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2 Antworten zu “Projekt Nordwärts: Gross-Gerau - Mönchbruch - Nauheim (13,4 km)”

  1. Projekt Nordwärts: Mönchbruch - Startbahn West (15,2 km) « Laufblog Sagt:

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  2. 2007 KW 48 (16.11. - 02.12.) « Laufblog Sagt:

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