Mein erster Lauf als alter Sack: Oberes Lautertal (19 km)

25. Dezember 2007

Tja, Kinder, so geht´s: Da lebste so mehr oder weniger glücklich vor Dich hin, denkst an nix Böses, bist´n knackiger, straffer Twen, und dann, eines Tages, da wachste auf und bist 30.
Alt.
Schlaff.
Mit Tränensäcken.
Haare grau, schütter und auf dem Weg nach Norden. Bauchansatz dafür ausladend und auf stetigem Expansionskurs.
Das Leben ist quasi vorbei…

Übertrieben?

Ja, und zwar maßlos :D .

Aber ich darf das, mir ist das mit dem Dreissig-Werden nämlich gerade gestern passiert, da ist es mein gutes Recht ein bisschen medodramatisch drauf rumzureiten…. ;)

Was das Ganze jetzt genau mit dem Laufen zu tun hat?
Na ja, wie das nun mal so ist mit uns dicken, alten Männern zu Beginn des vierten Lebensjahrzehnts: Wir haben das verzweifelte Bedürfnis, uns selbst und dem Rest der Welt zu beweisen, dass wir noch nicht zum alten Eisen gehören.
Entsprechend sollte mein erster Ü-dreissig-Lauf natürlich was Forderndes sein, man will ja nicht gleich luschig anfangen. Nix da mit 10 Kilometern Flachland und gut is´ – heute musste ich mir demonstrieren, dass ich immer noch genauso tough und fit bin wie vorgestern, als ich noch 29 gewesen war (ach ja, süße Jugend…).

Ok, ok, vielleicht ist es ja auch gar nicht schlimm, 30 zu werden, und hatte ich auch einfach nur Lust auf einen langen, einsamen Lauf durch die Natur, bei dem ich nach dem Heiligabendstress samt Völlerei abschalten und mit mir selbst ins Reine kommen konnte.
Wie auch immer, auf jeden Fall wollte ich mal wieder etwas länger durch den Odenwald.

Die richtige Strecke dafür hatte ich auch schon in Petto: Oberes Lautertal, von Beedenkirchen übers Felsenmeer nach Elmshausen, auf der anderen Talseite wieder Hoch, unterhalb der Knodener Höhe bis auf die Wiesen oberhalb von Gadernheim, runter nach Lautern, dann auch die Anhöhe vor Brandau und über den Höhenweg zurück nach Beedenkirchen. Etwas unter 20 km, mindestens mal 500 Höhenmeter, eher mehr. Oh, und angemessen widrige Bedingungen herrschten auch noch, es war nämlich saukalt, so um die -5 Grad.
Perfekt!

Start auf dem Parkplatz Römersteine, am oberen Ende von Beedenkirchen. Wetter: Wunderbar. Unten an der Bergstrasse war es wieder mal grau und neblig gewesen, hier oben hatte sich den Nebel jedoch weit genug ausgedünnt, dass Sonne und blauer Himmel dominierten (Fernsicht gab´s jedoch wieder mal keine – egal), die Umgebung war durch den frostigen Nebel der letzten Tage in einen dichten, weissen Pelz aus rauhreifigen Eiskristallen gehüllt, die im hellen Licht fast wie Schnee leuchteten. Schön.

Vom Parkplatz aus lief ich erstmal westwärts in den Wald, auf dem Weg mit der gelben Vier (der rechte/obere, hier gehen zwei ab) in Richtung Felsenmeer.
Winterwunderwald.
Herrlich!
Auch hier war alles mit einer pelzigen Schicht aus weissen, gleißenden Eiskristallen überzogen, die im hellen Sonnenlicht schimmerten: Bäume, Sträucher, Felsen, alles strahlendweiss. Auf dem Boden eine Decke aus Pulverschnee, der eigentlich gar kein echter Schnee war, sondern eine dicke, geschlossene Schicht aus Eiskristallen, die im Lauf der letzten Tag aus den Baumwipfeln auf die Erde hinabgefallen und liegengeblieben waren. Himmlische, wattige Stille, neben meiner Atmung und meinen Schritten war nur ein stetiges, ganz leises Prasseln zu hören, das dadurch entstand, dass bei jedem leisen Lüftchen mehr Eiskristallen aus den Wipfeln in einem kalten Vorhang aus Eis nach unten geweht wurden. Luft eiskalt und erfrischend, jeder Atemzug enthielt den klaren, scharfen Geschmack von Frost.
Ein traumhafter Wintertag – Jeder Schritt hier oben war eine wie Frischzellenkur für die Seele…

Ich folgte dem Weg mit der gelben 4 an der Südostflanke des Felsbergs. Es ging stetig bergauf, mit einer angenehm anstrengenden Steigung die mir schnell richtig einheizte und die frostigen Aussentemperatur vergessen machte (ich war gut eingepackt, lediglich an den Knöcheln zog es etwas, da ich zu dünne Socken angezogen hatte – aber egal, da musste ich nun mit klarkommen). Nach ca. 500 m. eine kleine Lichtung am Hang mit einer baufälligen, zweistöckigen Hütte (unten Naturstein, oben Holz), 200 m. weiter eine Gabelung, an der ich rechts lief, weiterhin westwärts, weitherhin stetig bergauf, nun auf dem Weg mit der Gelben 3.
Inzwischen ragten links und rechts des Weges bereits immer mehr Findlinge und wuchtige Felsformation aus dem Waldboden, schließlich hinter einer Kurve: Das Felsenmeer.

Wie immer ein faszinierender Anblick: Unter mir das weite, offene Hauptfeld des Felsenmeeres, Steinbrocken dicht an dicht, voll in der Mittagssonne, natürlich ebenfalls mit einer stimmungsvollen Reifschicht überzogen, rechts der Hang in Richtung Kiosk und Riesensäule, mit seinen einzelnen, größeren Felsmassiven, die allenthalben wie Eisberge aus dem Waldboden hervorbrechen.
Schon wieder: Wunderschön!
Und das Beste: Ausser mir war weit und breit keine Menschenseele, das hatte ich hier oben noch nie erlebt – für den Moment gehörte das riesige, faszinierende, beeindruckende Felsenmeer nur mir allein, es gab niemandem, mit dem ich die wunderbare, fast magische Atmosphäre hätte teilen müssen.
Aaaaaah…
(Übrigens: Sorry, wenn ich hier so lang und breit vor mich hinsülze – aber es war nun mal superschön, das möchte ich gerne irgendwie rüberbringen. Für alle, die es lieber etwas nüchterner mögen: Bin aufs Felsenmeer gelaufen. War nett. Dann bin ich weiter).

Allzulange konnte ich allerdings nicht verweilen, es war einfach zu kalt um sich nicht zu bewegen. Deswegen zügig weiter geradeaus, zwischen Kiosk und “Meer” auf den Weitwanderweg Odenwald-Vogesen (Roter Balken). Dem dann lange Zeit gefolgt, auf relativ konstanter Höhe erst ein Stück westwärts, dann der Flanke des Felsbergmassivs folgend nach Süden. Nach ca. 1,7 km die Wegkreuzung im Hainzenwald, an der immer noch derselbe einsame Bauwagen steht wie vor eineinhalb Jahren, als ich hier zum allerersten Mal entlangelaufen bin (Oh Mann, was war ich damals stolz gewesen, dass ich es bis hier hoch geschafft hatte…).
Hier links, noch eine kleine Anhöhe hoch, dann abwärts, auf dem Nibelungenweg (gelbes Quadrat) auf die wunderschöne Anhöhe westlich von Reichenbach, vorbei am Karl-Schlösser-Haus und dem titanischen Felsblock des Borstein, beides ebenfalls in winterlichem weiss.
Direkt dahinter, ganz scharf rechts in einen Waldweg, dann sofort links auf einen winzigen, schlechten Trampelpfad nach Süden (so winzig und schlecht, dass ich ihn fast übersehen hätte, Markierung El1). Ein halsbrechereisches Stück, 300 m. geradewegs den Hang runter durch den Wald, sehr steil, und ziemlich rutschig, zusätzlich erschwert durch den frostigen “Schnee” und die dichte Laubdecke – nach ein paar Metern gab ich das Joggen auf und tastete mich ganz langsam und bedächtig abwärts, alles Andere wäre einfach zu gefährlich gewesen.
Glücklicherweise wurde es am unteren Ende des Wäldchens besser. Zwar ging es immer noch steil geradewegs den Hang hinab, aber immerhin gab es hier einen richtigen Weg, der sogar asphaltiert war, und weitere 600 m. bergab ins Lautertal führte. Je tiefer ich kam, desto nebliger und kälter wurde es. Bald war von Sonne oder blauem Himmel nichts mehr zu spüren, stattdessen zäher, grauer Winternebel, klebrig, feucht, und eiskalt – als ich schließlich den Talgrund an der Häusergruppe im Heckenwiesenweg zwischen Reichenbach und Elmshausen erreichte hatte, musste ich kurz Pausieren um mir mein Stirnband über die Ohren zu ziehen – war einfach zu kalt, um ohne weiterzulaufen.

Im Heckenwiesenweg links, runter an die Nibelungenstr./B47, dort rechts, talabwärts nach Elmshausen hinein. Hübsches Dorf mit viel Fachwerk, auch wenn es im eisigen Dunst nicht ganz so freundlich wirkte wie im August, als ich das letzte Mal hier durchgelaufen war.
Auch im Ort folgte ich weiter der Nibelungenstr., bis ich nach ca. 500 m. rechts in die Sachsenhäuser Str. einbog (übrigens eine interessante Ecke, hier steht eine Dinosaurierskulptur, dahinter hat man ein steinzeitliches Panorama an eine Wand gemalt), und damit gleichzeitig auch wieder auf den Weitwanderweg Odenwald-Vogesen (roter Balken) stiess. Übrigens der tiefste Punkt der heutigen Tour, gerade mal noch 170 m. ü.NN. – ab jetzt würde es lange, lange nur noch bergauf gehen…

Ostwärts durch die Sachsenhäuser Str., ein eine kurze aber steile Steigung bis zum Ortsausgang, dann am Friedhof vorbei ein kurzes Stück durch die Weiden östlich des Ortes schaufend bis zum Waldrand (mißtrauisch beäugt von zwei weidenden Schafen am Wegesrand, denen der Frost offensichtlich gar nichts ausmachte), dort schließlich eine 270-Grad-Kehre nach rechts in den Wald hinein, die Bergflanke aufwärts.

Auch dieses Stück kannte ich noch vom August , ein langer, stetig kletternder Waldweg, der zwischen der bewaldeten Flanke des Hohbergs und einer weiten Hochwiese auf 1,5 km. bis auf den Knodener Höhenweg auf dem Bergrücken führt. Damals fand ich es sehr anstrengend und zäh, deswegen machte ich heute lieber etwas langsam um micht nicht zu sehr zu verausgaben. Tatsächlich lief es dann aber wesentlich besser als erwartet – Meter um Meter arbeitete ich mich durch den Wald nach oben, erst südwärts, dann dem Talverlauf folgend ein paar hundert Meter nach Osten, ohne dass es unverhältnismässig viel Atem oder Kraft gekostet hätte. Schließlich, nach ca. 10 Minuten eine Gabelung, ich lief links, weiter bergauf den Knodener Höhenweg entlang (gelbes Dreieck).

Ab hier wieder unbekanntes Gebiet, es ging weiter bergauf durch den abwechslungsreichen Forst, mal lichter Mischwald, mal dichte, dunkle Tannenhaine. Richtung grob Ostwärts, Steigung überraschend moderat, angenehm zu laufen, um mich herum allerdings immer noch eisiger Nebel. Nach ca. 1 km. öffnete sich der Wald plötzlich, links eine hübsche Wiese in eisigem weiss, das bereits nach wenigen Metern mit dem dichten, wabernden Nebel verschmolz – sehr stimmungsvoll. Kurz danach dann der erste richtig fiese Anstieg des Tages: 40 Höhenmeter auf weniger als 200 m. Str., fast 20% Steigung. Hart, aber gottseidank nicht besonders lang, das liess sich noch ganz gut aushalten.

300 m. hinter dem steilen Stück knickte der Knodener Höhenweg schließlich links in den Wald ab, ein praktisch nicht laufbare Mischung aus Acker und Trampelpfad, sah furchtbar fies aus. Glücklicherweise wollte ich geradeaus weiter, wo der Weg zwar unmarkiert, aber nichtsdestotrotz breit, relativ eben, und in gutem Zustand war – wir sehen mal wieder: Bloss weil´s ein offizieller Wanderweg ist muss es noch lange kein guter Weg sein.
Also weiter auf dem bequemen Weg, immer noch ostwärts, die Bergflanke unterhalb des Knodener Kopfes entlang. Relativ eben, gut zu laufen, ausserdem war ich inzwischen schon wieder so hoch, dass die Sonne durch den Dunst dringen und den Wald aus Richtung der bereits durch die Bäume schimmernden Knodener Höhe in ein freundlich-helles Wechselspiel aus Licht und Schatten tauchen konnte. Schön.

Etwa einen Kilometer später ging es wieder etwas steiler bergauf und meine Strecke vereinigte sich mit einem zweiten, von oben kommenden Weg, der nun auch wieder markiert war: HW 13, blauer Balken – genau hier wollte ich hin! Noch ein-, zweihundert Meter geradeaus, dann erreichte ich eine T-Kreuzung, an der HW 13 nach rechts abknickte, und sich dann in mehreren Serpentinen weiter den Berg hinauf wand – ich folgte, allerdings nur kurz: Von Serpentine Nr. zwei ging ein kleiner Pfad links ab, ca. 200 m. durch den Wald, bis zu einem extra ausgeschilderten Aussichtspunkt, den ich von einem Spaziergang hier oben kannte. Kurzes Überlegen: Sollte ich kurz vom Weg ab und den Aussichtspunkt mitnehmen? Contra: Würde Zeit kosten, war ein Umweg, ausserdem war´s ja auch hier oben noch neblig, entsprechend wenig Sicht zu erwarten. Pro: Mir ging´s gut, die Sonne schien, warum nicht?
Pro gewann.
Also links runter, kleiner Pfad 100 abwärts, vorbei an einer kleinen Hütte, dann eine steile, felsige Erhebung hoch, laut Wanderkarte der/die/das “Köppel” (der Ausschichtspunkt hat auch einen eigenen Namen, aber den hab´ ich mir nicht gemerkt und kann ihn jetzt nirgendwo finden – “XX-Ruhe” oder so ähnlich, wobei XX ein Männername, möglicherweise mit “E” ist). Oben ein kleines Plateau, ein paar Felsen, ein Steintisch und… AUSSICHT.
Objektiv war sie tatsächlich nicht besonders gut – viel von der Umgebung sah man nicht.
Subjektiv war´s aber trotzdem ein Wahnsinnsanblick, direkt von oben auf die waberneden, in der Sonne glänzenden Nebelmassen, aus denen hier und da eine einzelne, sonnenbeschienene Kuppe mit frostigem Glitzern herausragte, umwogt von einem Meer aus scheinbar endlos tiefen grauen Dunst. Das war so schön, da musste ich einfach kurz pausieren und den Anblick geniessen. Fing zwar nach ein, zwei Minuten erbärmlich zu frieren an, aber das war´s allemal wert…

Nach kurzer Staunpause und dem Verzehr eines leicht angefrorenen Energieriegels wieder zurück auf HW 13, weiter die Serpentine hoch. Unterwegs ein leichter Windstoss, der dazu führte, das ich in eine Art Miniaturlawine aus fallenden Eiskristallen geriet, die von den umliegenden Bäumen geweht wurden – etwas unangenehm das Zeug in den Kragen zu bekommen, dafür sah´s aber wunderhübsch aus.

Am oberen Ende der dritten Serpentine schließlich eine weitere T-Kreuzung. Rechts hoch ging´s weiter nach Knoden, aber da wollte ich ja nicht mehr hin. Stattdessen also nach links, weiterhin HW 13. Da ich hier den höchsten Punkt der heutigen Tour erreicht hatte (450 m.ü.NN) ging´s ab hier wieder nach unten. Sehr angenehm, konnte man mal wieder richtig durchatmen und sich einfach treiben lassen.

600 m. in nordöstlicher Richtung abwärts, durch ein Waldgebiet das sinnigerweise “Der Forst” heisst (besonders einfallsreich ist man hier oben auchgenscheinlich nicht…), dann eine Kehre nach ganz Norden, rechts eine Schneise im Wald, auf der eine zugereifte Wiese voller knorriger Obstbäume sich den Hang hinauf zog (“in den Bicken”), ein kleiner, halb zugeeister Bach, sehr hübsch.
Direkt dahinter verliess HW 13 den bequemen, abfallenden Waldweg, stattdessen ging´s ein paar Meter rechts den Hang hoch, dann auf einem äußerst abenteuerlichen Trampelpfad (schmal, uneben, mit viel gefrorenem Schlamm) mitten durch den Wald, direkt nach Norden – nicht ganz einfach zu laufen, aber abwechslungsreich, rechts oben sah man schon den Waldrand durch die Bäume scheinen, weit links unten war das Hofgut Hohenstein erkennbar.

Nach einem knappen halben Kilometer (übrigens tendenziell wieder etwas bergauf, puh) veränderte sich der Wald, statt hohen, lichten Buchen nun ein dichtes, dunkles Nadelgehölz, dessen und Rand ich kurz nach Westen folgte, um es dann in nordöstlicher Richtung zu durchqueren. Bereits hier ein erster, sehr schöner Blick hinunter ins offene Gelände, dann war der Wald plötzlich ganz zu Ende: Vor mir lag die weitläufige, geschwungen, sanft ansteigende Wiesenlandschaft zwischen Reichenbach, Gadernheim und der Knodener Höhe, dick überzogen mit einem Pelz aus glitzernden Eiskristallen, die in der strahlenden Sonne schimmerten. Wunderbarer Ausblick, weite, offene Hänge, die sich nach unten immer mehr im Nebel der Täler verloren, dahinter, majestätisch aus dem Dunst hervorbrechend, die imposanten Höhenzüge des Felsbergs (halblinks) und der Neunkircher Höhe (geradeaus).
Boah, war das herrlich hier oben!
Gut dass ich alleine war, vermutlich hätte mein breites, glücklich-debiles Grinsen beunruhigend auf andere Menschen gewirkt…

Nachdem ich mich wieder halbwegs eingekriegt hatte (so. verdammt. schön.), lief ich noch ein Stück am Rand des Tannenwäldchens entlang, rutschte dabei einmal fast auf dem mit einem dicken Eispanzer versehehen Feldweg aus (merke: Auch wenn die Umgebung noch so schön ist, sollte man wenigstens ein bisschen Aufmerksamkeit auf die Beschaffenheit des unmittelbaren Untergrunds verwenden, sonst können schlimme Dinge passieren), und erreichte nach etwas über 200 m. eine T-Kreuzung auf der Wiese, an der ich nach rechts abbog, und dem gelben Quadrat ein komfortabel asphaltiertes Stück nach Osten folgte – ich war wieder auf den Nibelungenweg gestossen.
Lange blieb ich allerdings nicht auf ihm, bereits nach 300 m. ging nämlich ein kleinerer Feldweg nach Norden ab. Eigentlich hätte der mit Re4 markiert sein müssen, vor Ort war aber nichts dergleichen zu entdecken, doch ein kurzer abgleich mit meiner Übersichtskarte bestätigte, dass es auch ohne Markierung der richtige Weg war, also links, 250 m. zwischen Wiese und Acker, dann noch mal links bis zu einem Wäldchen (wo sich erstmalig auch die ersehnte Re4-Markierung befand, und meinen Kurs damit validierte).
Noch knapp 300 m. am südlichen Waldrand entlang (leicht unsicher, fehlte die Markierung nämlich wieder), schließlich rechts in den Wald hinein, Richtung NW.
Abstieg. Steil den Hang runter, teilweise etwas glatt. Ganz leichter Wind, da regnete es wieder leise rauschende Eiskristalle aus den Bäumen.
Nach 400 m. wieder Wiese und ein alter, rissiger, grob geteerter Wirtschaftsweg auf dem ich schließlich über mehrere Serpentinen die B47 auf Höhe des Dörfchens Lautern erreichte. Ich war wieder unten (das merkte man auch daran, dass es hier wieder neblig und klamm statt sonnig und klar war).

Über die Bundesstrasse rüber, geradeaus runter nach Lautern in den Talgrund. Wieder mal eine Neuentdeckung, den an Lautern war ich bisher immer nur vorbeigefahren. Wie nicht anders zu erwarten ein netter kleiner Ort, mit den üblichen eng stehenden alten Häusern, durchflossen von der lebhaften (und heute teilweise vereisten) Lauter. Hübsch, selbst im polaren Dunst.
Ich durchquerte den Ort relativ geradlinig, erst die Hauptstrasse bis runter in den Talgrund, dort über die Lauter, dann wieder rauf, auf der Jahnstrasse die andere Talseite hoch direkt nordwärts (Markierung: V). Nach ein paar hundert Metern links ein großer Sportplatz, dann der Ortsausgang, dahinter der letzte richtige Anstieg, durch die Äcker und Obstwiesen am hoch auf die Anhöhe zwischen Beedenkirchen und Brandau.
Noch mal ganz schön anstrengend, zwar nicht richtig steil, aber es zog sich ganz schön, ausserdem war der asphaltierte Weg so dick mit “Schnee” (bzw. Eiskristallen) aus den flankierenden Bäumen bedeckt (ca. 2 cm geschlossene Decke), dass es das Laufen zusätzlich ein bisschen erschwerte. Puh!

Glücklicherweise war der Anstieg nicht zu lang, nach etwas über 600 m. tauchte rechts die charakteristische Spitze der Kriegsgräberstätte bei Brandau auf, 100 m. weiter erreichte ich schließlich – wieder mal etwas schwerer Atmend die Kreuzung auf dem Höhenrücken, von dem aus man einen schönen, wenn auch etwas dunstigen Blick auf das Modautal und die umgebenden Höhenzüge hat.
Eigentlich kenne ich mich hier oben ja ganz gut aus, trotzdem nahm ich aus irgendeinem Grund die falsche Abzweigung und lief ein gutes Stück bergab, den Weg mit der Markierung Be1 in Richtung Landstrasse. Erst nach ein paar hundert Metern bemerkte ich den Fehler, fluchte ein bisschen leise vor mich hin, und lief dann wieder hinauf zur Kreuzung, um dieses Mal den richtigen Weg nach Beedenkirchen zu nehmen (nämlich den nach West-Südwest, HW 16, Markierung weisser Balken). Noch ein schöner Anstieg durch die Weiden, an sich vertrautes Gelände (hier war ich schon mal durchgekommen, als ich im Spätsommer auf die Neunkircher Höhe gelaufen war), aber angesichts des immer noch vorherrschenden winterlichen Eisüberzuges angenehm neuartig.
Nach 700 m. schließlich scharf rechts, den steilen Pflasterweg hinab nach Beedenkirchen runter. Dort noch vor dem Ortskern scharf links, 250 m. die steile Hechlergasse nach Süden, dann rechts durch die Wilhelmstrasse bis an die Reichenbacher Str. am oberen Ortsrand, über die ich wieder zurück zum Parkplatz Römersteine am Waldrand gelangte.

Wow! Was für ein geiler, geiler Lauf.
Wunderschöne Winterlandschaft, viel Sonne, anspruchsvolle Strecke, tolle, abwechslungsreiche Umgebung.
Und das Beste: Hinterher fühlte ich mich topfit und erfrischt, weder eisige Kälte noch Streckenlänge noch Steigungen hatten mir etwas anhaben können – ich mag zwar jetzt alt und dick sein, aber ich bin verdammt noch mal noch genauso fit wie mit 29 :D !
Ha!
Gut zu wissen!!
Auf jeden Fall noch mal ein großartiges, belebendes, inspirierendes Laufhighlight zum Jahresende. So ein schönes (wenn auch leicht verspätetes) Geburtstagsgeschenk habe ich mir selbst schon lange nicht mehr gemacht!

Strecke: 19 km
Zeit: 2:14 h (= 8,5 km/h bzw. 7:03 min/km)
Karte:
oberes-lautertal.jpg

Interaktive Streckenkarte

M.

5 Antworten zu “Mein erster Lauf als alter Sack: Oberes Lautertal (19 km)”

  1. XYZ Sagt:

    Glückwunsch zum “Dreissigsten” und weiterhin viel Spass und Ausdauer beim Laufen!!!


  2. [...] Mein erster Lauf als alter Sack: Oberes Lautertal (19 km) [...]


  3. [...] Andreaskreuz) und HW 20/Knodener Höhenweg (gelbes Dreieck treffen). Bekanntes Gebiet, hier war ich letzte Weihnachten im tiefsten Winter und bei knackigen Minusgraden schon mal vorbeigelaufen. Aber heute sah´s irgendwie ganz anders aus als [...]


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  5. [...] Elmshausen mag ich. Nicht nur, weil ich schon auf der einen oder anderen wunderbaren Tour hier durchgekommen bin, sondern auch, weil´s so hübsche alte Fachwerkhäuser [...]


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