Richtig fit war ich heute nicht – gestern kurz mit Nemo gejogged (wirklich nicht lang, eine Dreiviertelstunde im Wald hinterm Haus, nichts Bloggenswertes) und heute wollte ich schon wieder Laufen – 3 Tage am Stück ohne Regenerationpause, nicht unbedingt ideal für dicke alte Säcke mit zuviel Winterspeck auf den Rippen (ja, genau, das bin ich…
).
Aber egal, fit oder nicht, heute war ein Lauf dran, und zwar einer im Odenwald (als Kontrastprogramm zur flachig-flachen Flachlandstrecke, die Jost und ich vorgestern im flachen Flachland absolviert hatten).
Da traf sich´s gut, dass ich schon vor einiger Zeit ein Gebiet ausgemacht hatte, wo ich bisher noch nicht gelaufen war: Das südliche Mühltal, Nieder-Beerbach, Waschenbach, die Ecke. Praktisch direkt nebenan, aber bisher weitgehend unbekanntes Gelände.
Zeit, das zu ändern.
Deswegen heute: Das südliche Mühltal, vom Frankenstein nach Nieder-Beerbach und Frankenhausen, ein Stück die hohe Strasse entlang, dann über Waschenbach, das Mordachtal und den Herrnweg wieder zurück auf den Frankenstein.
Schönes Stück mit ordentlich Steigung, was zum Reinhängen…
Start ganz oben, fast am höchsten Punkt der ganzen Route: Parkplatz an der Burg Frankenstein, direkt vor dem Kriegsdenkmal.
Wetter: Hmjanajaaa, halbwegs ok. Zwar eine geschlossene Wolkendecke, aber die war dünn genug, dass die Sonne durchstrahlen konnte, insgesamt also ein hellgrauer, halbwegs freundlicher Tag. Temperaturen um Null, aber im Gegensatz zu den letzten Tagen war es nicht windstill – Stattdessen ein steifer, eisigkalter Wind aus Nordost, der einem durch Mark und Bein ging. Sehr unangenehm, da wären mir 5 Grad weniger und Winstille lieber gewesen…
Um mal wieder eine meiner liebsten nichtssagenden Lauf-Binsenweisheiten vorzukramen: Wer ganz oben anfängt, darf erstmal nur bergab laufen. So auch jetzt: Rechts am Denkmal vorbei in den Wald an der Ostflanke des Berges, auf dem schmalen Waldweg mit der gelben 2 in nördlicher Richtung unterhalb der grauen, blockingen Burgmauern abwärts. Tief rechts unten konnte man durch den winterlich-lichten Wald bereits Nieder-Beerbach sehen, überraschte mich etwas, wie nahe es wirkte. Nach ca. 300 m., unterhalb der Vorburg (da wo das Restaurant ist) ein Abzweigung, hier eine scharfe Kehre nach rechts, auf den OWK-Wanderweg HW 12 (Markierung: Weisser Doppelbalken), den in entgegengesetzter Richtung (= Süden) weiter die Bergflanke hinab; schmaler Waldweg, relativ steil, teilweise uneben, da war etwas Vorsicht angebracht.
400 m. später die nächste Serpentine, um ein Wasserhäuschen im Hang herum, 200 m. nach Nordosten, dann schließlich eine finale Kehre, noch 100 m. südwärts, und ich hatte den Waldrand oberhalb von Nieder-Beerbach erreicht.
Asphaltierte Strasse, daneben die sogenannte Lindwurmanlage, ein Spiel- und Freizeitgelände das seinen Namen von der Sage des schrecklichen Untiers ableitet, das hier einst sein Unwesen getrieben haben soll (übrigens nur eine von vielen faszinierenden und mysteriösen Geschichten, die sich um den Frankenstein ranken: Hexentanzplätze, unerklärlich magnetisierte Steine, ruhelose Geister, magische Jungbrunnen, verrückte Alchemisten – you name, they got it…).
Da ich zum ersten Mal hier war, machte ich einen kurzen Abstecher nach rechts, um mir schnell noch den Lindwurmteich anzuschauen (durchaus stimmungsvoll, ein kleines, dunkles Gewässer, halb zugeeist, eingefasst von ebenfalls vereisten Felswänden. Auffäligstes Merkmal allerdings zweifellos die etwas makabere Skuptur eines Mannes am Marterpfahl mitten im Teich – anscheinend kokettiert man hier gerne mit dem mystisch-morbiden Image des Frankenstein und seiner Umgebung).
Von hier aus dann runter ins Tal, auf der Frankensteiner Str. nach Nieder-Beerbach hinein – erst ein kurzes Stück offene Wiese, dann ein apartes Neubaugebiet, schließlich die Obergasse im alten Ortskern, auf die ich rechts einbog (Markierung: Wie gehabt, der weisse Doppelbalken). Ca. 250 m. die Obergasse entlang talaufwärts nach Süden (das ist die Einbahnstrasse, die man nur in Richtung Ober-Beerbach befahren darf), u.a. vorbei an der Dorflinde, dann links die kurze “Quergasse” in den Talgrund, an deren Ende dann halbrechts auf der kleinen Brücke über den Beerbach in die Strasse “Am Viehtrieb”, die die andere Talseite hinauf führt.
Der erste Aufstieg heute. Und der hatte es gleich mal richtig in sich: 40 Höhenmeter auf 240 m. Strecke, vom Talgrund (ca. 220 m. ü. NN) bis zum Ende des “Viehtriebs” im südöstlichsten Zipfel des Dorfes (ca. 260 m. ü. NN), also knapp 17% Steigung.
Das zog ordentlich rein, besonders angesichts meiner suboptimalen Tagesform: Bis ich endlich oben war, war ich schon ganz schön ins Schwitzen gekommen und schnaufte wie eine kaputte Dampflok. Und schwere Beine hatte ich auch schon. Das würde ja noch heiter werden…
Und dabei war der Aufstieg noch lange nicht zu Ende. Am Ortsrand geht der Viehtrieb nahtlos in die schmale Strasse nach Frankenhausen über, die weiter steil den Hang hinauf führt und den passenden Namen “Am Himmelsberg” trägt (wohl deshalb, weil sie so steil in den Himmel hinauf führt – zumindest kam mir das so vor).
Also quälte ich mich weiter aufwärts, erst durch ein kleines Wäldchen, dann über eine breite Kurve über dem Beerbachtal (netter Blick, ungefähr so, bloss trüber und winterlicher) weiter auf die offene, grasbedeckte Hochebene der Augustenhöhe oberhalb des Beerbachtals, wo der Aufstieg nach und nach auf ein erträgliches Maß verflachte.
Dafür kam jetzt der Wind ins Spiel – wie gesagt, die Augustenhöhe ist eine weite, offene Anhöhe, da konnte der frostige Nordostwind praktisch ungehindert blasen.
Was er dann auch tat.
Eiskalt.
Und frontal von vorne.
Na super, sibirischer Gegenwind.
Der sorgte nicht nur dafür, dass der Aufstieg trotz geringerer Steigung weiterhin superanstrengend blieb, sondern verwandelte mich auch noch innerhalb kürzester Zeit in einen bibbernden, laufenden Eiszapfen (Glücklicherweise hatte ich in weiser Vorausicht ein Stirnband eingepackt, mit dem ich nun wenigstens meine Ohren vor dem Abfrieren bewahren konnte. Hallelujah).
WI-DER-LICH!!
Aber immerhin trieb es an, also japsend und frierend möglichst zügig weiter. Rechts rüttelte ein Falke über der Wiese (ja ja, ganz nett. Aber warum war dem eigentlich nicht kalt, häh?), links hatte man einen imposanten Blick auf die Kahle Steilwand des Nieder-Beerbacher Steinbruchs (ja ja, auch ganz nett. Aber Windschatten wäre mir lieber gewesen), schließlich nach ein paar hundert Metern der Waldrand der “Streittanne”, dem die Strasse (und mit ihr ich) weiter ostwärts folgte (leider immer noch kein Windschatten. Brrr…).
Schliesslich, nach knapp 700 m. endlich das Ende des Wäldchens, links eine kleine Schutzhütte und ein paar Skulpturen, direkt vor mir, in ein flaches Hochtal genestelt: Frankenhausen.
Puh, na endlich!
Weiter geradeaus, auf einem Feldweg oberhalb der ersten Häuser des Ortes noch 400 m. Ostwärts, bis ich schließlich das Dorf erreicht hatte und zwischen zwei Höfen rechts in den “Siegelgrund” einbog. Leicht abwärts (aah) und vor allem windgeschützt (aaaaaahhhh. Warm…), aber nicht besonders lang, denn bereits nach 80 Metern ging es schon wieder links in die Felsbergstrasse, über die ich direkt ins Zentrum des Dorfes lief.
Halbrechts geradeaus in die Römerstrasse (ab hier: Europäischer Fernwanderweg 1, weisses Andreaskreuz), die dann wieder 200 m. Bergauf, aus Frankenhausen raus, vorbei an Kirche und Feuerwehr, letztere mit einem etwas seltsamen Wandbild verziert, das offensichtlich einen schlimmen Autounfall zeigt.
Hinter dem Dorfausgang dann wieder durch Wiesen, weiter auf dem Fernwanderweg 1.
Dabei in Erinnerungen ans letzte Mal geschwelgt, als ich hier gelaufen war: Warmer, lauer Sommerabend, kristallklarer Blick das Tal hinab in die Ebene bis zum Taunus und der Frankfurter Skyline, die scheinbar direkt vor uns in der Abenddämmerung schimmerte. Die Hügellandschaft saftig grün, zirpende Grillen, der Geruch von gemähtem Gras…
Aaah, der Sommer, das waren noch Zeiten…
Heute dagegen weiterhin alles grau, windig, kalt, die Hügel wirkten mehr öde als hübsch, und statt bis nach Frankfurt reichte der Blick gerade mal bis Trautheim, und selbst das war nur noch Schemenhaft zu erkennen.
Doofer Winter…
Ca. 300 m. nach dem Ende von Frankenhausen macht der Weg einen weiten Bogen nach Norden und fällt dabei leicht ab. Ab hier nach Norden, die Hohe Strasse entlang. Nach 300 m. in den Wald, erst etwas bergab dann eine ordentliche Steigung hoch (schon wieder kam ich gehörig ausser Puste), an der Kuppe des Rauhbergs vorbei.
Nach 1,2 km öffnete sich der Wald rechts zu einer langen Schneise, die bis hinunter ins Modautal reicht. Ackerland, frisch mit Gülle oder sowas bedeckt – dampfte noch, fragwürdiges Aroma, gut dass ich schon so ausser Atem war, dass ich eh nur noch durch den Mund atmete
. Immerhin war´s hier etwas wärmer…
Am Ende der Schneise dann wieder in den Wald hinein und noch 300 m. leicht bergab, bis zu einer Kreuzung samt Wegweisern. Hier scharf links, runter vom Fernwanderweg 1, stattdessen auf den OWK-Weg HW 10, gekennzeichnet durch einen weissen Kreis. Ein knappen Kilometer westwärts bergab, die Bergseite hinunter und schliesslich über die Strasse mit dem etwas kuriosen Namen “In der Geberstadt” von oben nach Waschenbach hinein. Erst ein Waldparkplatz links, rechts ein Teich in einem alten Steinbruch, dann links das eingezäunte Gelände des Vogel- und Naturschutzvereins, in dem sich anscheinend eine recht bekannte Quelle befindet (zumindest stand hier ein Schild, das Personen, die Wasser aus der Quelle schöpfen wollen, dazu auffordert, auf dem Waldparkplatz zu parken, und das auf Deutsch und auf Türkisch. Sowas stellt man ja nicht einfach so auf, oder?). Schließlich in den Ort selbst hinein.
Normalerweise schreibe ich bei solchen Gelegenheiten ja gerne sowas wie “hier war ich noch nie im Leben gewesen, und das, obwohl´s gerade mal ein paar Kilometer von Zuhause entfernt ist”, aber für Waschenbach geht das leider nicht, denn beim Einlaufen wühlte sich eine uralte, tief verschüttete Erinnerung an die frühen Achtziger aus den Tiefen meines Unterbewusstseins:
Der kleine Matthias, mit dem Papa im Odenwald unterwegs (warum? Woher soll ich das wissen, das ist ´ne Ewigkeit her). Mit dem Auto. Sie verfahren sich und kommen in Waschenbach raus. Fahren weiter, biegen irgendwo ab, und kommen wieder in Waschenbach raus. Möglicherweise wiederholt sich das sogar nochmal (mein Vater verfügt über eine Reihe bewundernswerter Eigenschaften, aber sein Orientierungsinn gehört nicht dazu – der entspricht ungefähr dem eines cracksüchtigen Schafes mit Alzheimer…). Der kleine Matthias beginnt darüber nachzudenken, was passiert, wenn sie nie wieder nach Hause finden und für immer durch den Odenwald irren müssen. Er macht sich Sorgen…
Hmm. Irgendwie haben wir´s dann wohl doch noch nach Hause geschafft, an mehr kann ich mich auch nicht mehr erinnern, aber es reicht, um die Behauptung, ich sei noch nie in Waschenbach gewesen, unmöglich zu machen.
Dann eben anders:
Zum ersten Mal seit einem Vierteljahrhundert war ich wieder in Waschenbach.
Gefiel mir. Kleiner, hübscher Ort, umrahmt von Hangwiesen und waldigen Höhenzügen, alte, eng stehende Häuser, alles wirkt auf eine ländlich-idyllische Art und Weise ruhig und entspannt.
Nett.
Ich folgte weiter dem weissen Kreis westwärts, durch die Ortsstr. bis zur Kreisstr., die überquerte ich und lief rechts die Friedhofsstr. in Richtung Friedhof hoch (offensichtlich war die namensgeberische Kreativität der Dorfbewohner nach “In der Geberstadt” aufgebraucht).
Der nächste Anstieg, kurz nordwärts, dann eine scharfe Kurve aus dem Dorf hinauf und bis zum kleinen Friedhof oberhalb der Häuser (dabei schöner Blick auf den gewaltigen Steinbruch am oberen Talende), um den herum zum Waldrand, dem dann links die Bergflanke hoch gefolgt.
Eigentlich gar nicht so steil, hätte normalerweise kein Problem sein dürfen.
Normalerweise. Aber heute war ich ja, wie bereits erwähnt, ziemlich schlecht drauf, und inzwischen hatte ich auch schon ein paar Kilometer in den Knochen. Entsprechend lief´s nicht besonders gut – langsam, japsend, mit dumpf schmerzenden Wade (nicht schlimm, aber nervig) schleppte ich mich den Hügel hinauf, der gottseidank nicht besonders hoch war, leicht beunruhigt von dem Gedanken, dass ich ja auch noch den wesentlich längeren Aufstieg zurück zum Frankenstein vor mir hatte.
Nach 400 m. war hatte ich´s geschafft, eine Hangwiese oberhalb von Waschenbach, an deren Rand der Weg erst kurz nach Westen führte, dann für 50 m. nach Süden abknickte, und schließlich vom Höhenrücken ab rechts in den Wald führte. Abwärts.
Der Wald hier war ist zerfurcht von Hohlwegen und kleinen Tälchen, die sich wie ein Labyrinth von Mini-Canyons den Hang hinab winden, sehr interessant. Und es passte gut zum Weg, denn der war ebenfalls tief zerfurcht, allerdings von den Reifenspuren irgendeines schweren Arbeitsfahrzeuges, so eine Art uneben-unsicherer Mini-Himalaya aus hartgefrorenem Dreck, auf dem es sich äußerst unangenehm lief. Aber immerhin ging es bergab, durch den längsten und breitesten der Mini-Canyons ca. einen Kilometer nach Westen, schließlich über einen Bach und an einer Serie von drahtüberspannten Forellenteichen vorbei bis zu den Wiesen am Weiler “In der Mordach” (auf der verlinkten Seite etwas runterscrollen). Nett, eine kleine Ansammlung hübscher Häuser,
teilweise ziemlich groß und repräsentativ, drumrum wieder mal Wiesen, auf denen sich weidende Schafe tummelten. Dahinter die bewaldete Kuppe des Kohlbergs, an der ich mich vor ein paar Wochen so fies verirrt hatte – von hier unten sah sie eigentlich ganz harmlos aus…
Aber weiter, kurz rechts an den Teichen vorbei, dann links, zwischen den Häusern durch bis runter an die Landstrasse nach Nieder-Beerbach (L3098). Kurz davor rechts das Gelände der Reha-Klinik “Haus Burgwald” am Talgrund, fast schon parkartig, mit Ententeich und gepflegtem Rasen, ebenfalls hübsch.
Schließlich die Landstrasse, hier ging´s ein paar Meter nach links bis zu einer Bushaltestelle, dann über die Strasse und auf der anderen Seite in den Wald des Frankensteinmassivs – der letzte Anstieg (und ich war jetzt schon fix und alle…). Rechts, dem weissen Kreis folgend auf einen schmalen Pfad nach Nordwesten, direkt oberhalb von, und parallel zur, Landstrasse.
Ca. 600 m. leicht aufwärts, dann eine linkskurve, ein kurzes etwas steileres Stück, und ich gelangte auf den Herrnweg, dem ich bis ganz nach oben folgen wollte (Ab hier: Weitwanderweg Odenwald-Vogesen, roter Balken).
Gute Nachricht: Sah nicht besonders steil aus.
Schlechte Nachricht: Ein Wegweiser verkündete, dass es noch 3,4 km bis zur Burg wären.
Och nööööö…
3,4 km war ja noch scheisslang, insgeheim hatte ich gehofft, dass es vielleicht noch 1,5 oder zwei wären.
Och nööööööö…
Dummerweise half es nichts, belämmert vor dem Wegweiser zu stehen, also machte ich mich nach ein paar Sekunden wieder auf den Weg, nach links den Herrnweg hoch, der sich hier in einer Reihe langer Serpentinen ganz gemächlich den Hang hinauf windet.
Pfuuuuh, das war hart. Normalerweise liebe ich solche Strecken, bequeme 7% Steigung, guter Untergrund, das kann ich stundenlang laufen. Heute war ich aber schon vorher stehend k.o. da kostete jeder Schritt unheimlich viel Kraft. Langsam, lustlos, schlaff kämpfte ich mich die nicht enden wollenden Kurven hinauf, hin und wieder mit einer kurzen Pause (offiziell für Alibi-Funktionen wie “Die interessante Schautafel des Mühlaler Verschönerungsvereins Betrachten”, “Schuhe Richtig Binden”, “Stirnband Abnehmen und Verstauen” oder “Stirnband wieder Rauskramen und erneut Anlegen”. Inoffiziell um einfach etwas Atem zu schöpfen…).
Das schlimmste war jedoch die Himmelsleiter, eine steile Treppe, die hier geradewegs den Hang hochführt und dabei ständig den Herrnweg kreuzt.
Jedesmal, wenn ich wieder an ihr vorbei kam (und das war ständig der Fall), regte sich in mir ein verführerisches Stimmchen:
“Hey, komm, nimm doch die Himmelsleiter, die ist doch viel kürzer, dann hast du´s schneller hinter Dir. Klar, die ist zu steil zum Joggen, na und? Dann gehst Du halt, muss ja keiner erfahren.”.
Wie gesagt: Verflixt verführerisch…
Ich widerstand.
Keine faulen Kompromisse. Ich würde hier hochjoggen, auch wenn´s schwer fiel!
Was es dann auch tat. Verdammt schwer. Mir war leicht schwindelig, ich keuchte, mein Beine waren schwer wie Blei, aber ich schleppte mich weiter den Berg hoch – schließlich hatte ich schon ganz andere Kaliber bezwungen, den Melibokus, die Neunkircher Höhe, den Königstuhl, da würde ich doch nicht vor so einem jämmerlichen Lullerhügel wie dem Frankenstein kapitulieren. Oh nein, ganz bestimmt nicht!!!
Irgendwann rechts toller Blick durch den Wald nach Eberstadt runter, war mir egal: “Keine… Zeit… für… hhhh… Aussicht… muss… nghhh… weiter…hhgnnnhhh…”
Gut, dass hier nichts los war, der Anblick des schlechtrasierten, schweissgebadeten Typen, der mit krebsrotem Kopf, gefletschten Zähnen und irrem, unfokussierten Blick den Weg hochkeuchte, hätte Otto Normalspaziergänger wahrscheinlich Wochen voller beunruhigender Alpträume beschert.
Schließlich, nach einer undefinierbaren Zeitspanne, hatte ich es dann irgendwie fast geschafft, lediglich die allerletzte Erhebung direkt zur Burg musste ich noch bewältigen. Dummerweise hatte die es noch mal richtig in sich, den die letzten Meter ging´s dann doch noch mal die Himmelsleiter hoch. Erst ein paar Stufen (“Hnnn. Hnnnnnn. Fhverdhhhhmterhhhhh Schhhhhssbggerghhh, fffhhhihhch mhaaachdch f´tchhhhhh”), danach noch 50 Meter einen steilen Hang hoch – schmaler Pfad, gefroren, mit Laub bedeckt – jetzt nur nicht wegrutschen, wenn´s mich hier hinhauen würde, wäre Schluss mit Joggen. Aufwärts, weiter aufwärts…
Oben.
Geschafft!!!
Die letzten Meter zur Burg, links die Mauer entlang, die kleine Treppe zu hinteren Pforte hoch, über den Burghof (triumphierend, zumindest innendrin, von aussen sah ich vermutlich aus wie Müll), durch das Haupttor, und die letzten 200 m. die Strasse runter bis zum Auto.
Wasser. Sitzen. SITZHEIZUNG. Yaaaayyy!!!
Oh Mann, das war mal wieder einer von den ganz harten Läufen – an sich eine schöne, interessante Strecke, nicht zu weit, sicherlich nicht ganz einfach mit den drei grösseren Steigungen, insgesamt aber eigenlich gut machbar.
Tja, aber heute war wohl einfach nicht so ganz mein Tag, von Anfang an etwas zu schlaff, die vorhandene Kraft etwas zu früh aufgebraucht, und dann noch dieser schneidend kalte Wind, der wirklich an die Substanz ging – vielleicht alles etwas viel.
Aber hey, solche Touren muss es auch geben, dann kann man die guten Läufe um so mehr geniessen, und außerdem hatte ich´s es ja trotz aller Widrigkeiten geschafft – also Ende gut, alles gut…
Strecke: 15,2 km
Zeit: 1:45 (= 8,69 km/h bzw. 6:54 min/km)
Karte:
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M.



6. Januar 2008 um 23:49
[...] Südliches Mühltal: Frankenstein – Nieder-Beerbach – Frankenhausen – Waschenbach (15,2 km) [...]
20. April 2008 um 22:10
[...] Danach ging es wieder an den Waldrand, inzwischen schon oberhalb von Waschenbach (hier war ich Anfang Januar schon mal vorbeigekommen) und schließlich wieder in den Wald, am Kirsch- und am Gickelsberg entlang [...]
30. Mai 2008 um 21:22
[...] beim Jungbrunnen runter zur kleinen Kreuzung der Pfade direkt nördlich der Burg (als im mich hier im Januar das letzte Mal von Norden kommend hochgequält hatte war der Wald saukalt und kahl, heute das genaue Kontrastprogramm. Was so ein paar Monate [...]
1. Juli 2008 um 19:25
[...] Dossenheim Eich Einhausen Elmshausen Erfelden Ernsthofen Eschollbrücken Fehlheim Frankenhausen Frankfurt a.M. Frankfurt-Flughafen (yup, das ist ein eigenständiger Stadtteil) Frankfurt-Griesheim [...]