Biebesheim West (12,2 km)

5. Januar 2008

Eigentlich hatten Jost und ich für heute einen Lauf am Melibokus geplant, aber das Wetter war warm (für die Jahreszeit), verregnet und stürmisch – alles andere als ideal für einen Lauf durch den Wald, denn einerseits war zu erwarten, dass Wege da oben angesichts von Dauerregen und abtauendem Bodenfrost zu glitschigen Schlammgruben mutiert waren, andererseits bedeutete der böige Wind erhöhtes Astbruch-Risiko, das musste nicht unbedingt sein.
Deswegen disponierten wir kurzfristig um, statt Melibokus ein Lauf im Ried, wo die Wege etwas fester sind, und das Risiko, von einem runtergewehten Ast erschlagen zu werden selbst bei Sturmböen eher sehr begrenzt ist.

Konkretes Zielgebiet: Das Flachland westlich von Biebesheim, da war ich zwar schon mal das Rheinufer hochgelaufen, das „Landesinnere“ war aber bisher Terra Incognita.
Zeit, das zu ändern.

Start also in Biebesheim, auf dem Parkplatz des Rheinstandions an der Heidelberger Str., südlich des Ortes (war ich schon mal im Dezember vorbeigelaufen). Von hier aus ein paar Meter in Richtung Rhein, dann hinter dem „Bootshaus“ nach rechts auf den Deich (Markierung: Gelbe 1). Hier dann erstmal westwärts. Strammes Tempo, frischer Wind, der hin und wieder mal ein paar Regentropfen mit sich brachte, dazu eine gute Sicht auf die Umgebung dank unserer erhöhten Position: Rechts Felder, Wiesen, Biebesheim, links das breite Band des Rheins, dahinter die dunklen, unerforschten Tiefen der Rheinhessischen Tundra. Der Lauf liess sich gut an.

Nach einem halben Kilometer entfernt sich der Deich in einer sanften Kurve vom Flussufer, und verläuft dann etwas weiter im Landesinneren westwärts. Wir folgten ihm einfach weiter, erst 600 m. nach Nordwesten, dann etwas unterhalb des Vogelparks (Mann, hier war ich seit fast 20 Jahren nicht mehr gewesen) 900 m. in südwestlicher Richtung, schließlich noch ein halber Kilometer nach Nordwesten (ein leichter Zickzakkurs…), bis zum Rand eines kleinen Wäldchens zwischen Deich und Rhein.

Dort links, vom Deich runter den Wald rein. Kleiner Pfad mitten durchs Gehölz, schmal, etwas uneben. Am südlichen Ende des Wäldchen eine Wiese, dahinter der Dauercampingplatz am Rhein, dahinter schon wieder der Fluss. Hier ging es ganz kurz rechts (wobei wir drei Rehe aufschreckten, die weniger als 10 m. von uns entfernt im Gebüsch gestanden hatten und nun in einem seltsam gemächlichen Tempo vor uns her flohen), dann gleich links, zwischen dem Campinggelände und dem zugewucherten und mit obligatorischen Verbotsschildern des lokalen Angelvereins (Ungefährer Wortlaut sowas wie „UNSER SEE!! NICHT ANSEHEN, NICHT HINGEHEN, NICHT MAL DRÜBER NACHDENKEN!!!! UND JETZT VERPISS DICH, DU LUSCHE!!“) zugepflasterten Steinwegsee bis hinunter auf den Rheinuferweg bei Flusskilometer 467 (Markierung: Rotes R, das ist der Rhein-Neckar-Weg).

Hier rechts, unter den schönen alten Bäumen am Flussufer nach West/Nordwest. Rechts noch mehr See (der Heegwaldsee, auch der gehört laut liberal verteilter Beschilderung den Biebesheimer anglern, also werd´ ich mal nicht weiter drauf eingehen, sonst kommen die noch bei mir vorbei und brechen mir die Kniescheiben oder sowas…), links noch mehr Rhein, breit, grau, mit ein bisschen Kiesstrand davor – nicht ganz so freundlich wie im Oktober, als ich das letzte Mal hier vorbeigekommen war, aber dafür plagten mich heute keine Verdauungsbeschwerden, das war auch was wert… ;)

Weiter am Flussufer entlang, der Rheinschleife folgend erst westwärts, dann etwas mehr nach Nordwesten. Wie gesagt, nett hier, Bäume, Fluss mit Lastkähnen… lediglich der riesenhafte, fies dreinblickende Schwan, der uns zwischendurch am Wegesrand begegnete und mit der gedankenlosen Selbstsicherheit eines Bulldozers auf uns zuwatschelte, machte mir etwas Sorgen. Gottseidank waren wir vorbei, bevor er sich entschliessen konnte, den ahnungslosen Jost (der sich nicht augenscheinlich im Klaren darüber war, zu welch schockierenden Gewaltausbrüchen renitentes Wassergeflügel fähig ist) zu reissen und zu verspeisen…
Puha, Glück gehabt :D !

1,3 km das Flussufer entlang, bis zum Parkplatz Steinwegsee, dort scharf rechts, auf der Asphaltstrasse nordostärts, weg vom Ufer, über einen kleinem, tiefvereisten Althreinarm zurück in die Felder westlich von Biebesheim (immer noch rotes R). ein ganzes Stück schurgeradeaus, dabei etwas geographische Verwirrung bezüglich der schräg rechts von uns aufragenden Bergkette (Taunus? Nee, Bergstrasse. Oder doch Taunus? Oder Bergstrasse? Die war´s dann übrigens auch).

Nach ca. 800 m. überquerte die Strasse dann einen Damm, auf den bogen wir links ein, und liefen nun grob nordwärts weiter (Markierung: Gelbe 2). Umgebung wie gehabt, noch mehr Äcker, links, zum Altrhein/Kühkopf hin, allerdings auch hübsche Wiesen und Baumgruppen.
Wind übrigens etwas weniger als beim Start, dafür etwas mehr Regen, aber noch im erträglichen Rahmen.
Auch hier wieder relativ lange geradeaus (bzw. einen ganz langen, kaum merklichen Bogen), fast 1,5 km die Deichkrone entlang, auf der überraschend viel los war: Spaziergänger, Hundebesitzer, und ein anderer Jogger, den wir eiskalt überholten (wir sind ja soo gut…).

Schließlich eine kleine Wegkreuzung, von der es sowohl links vom Deich runter ins Naturschutzgebiet als auch rechts runter in die Felder ging. Wir wollten so langsam wieder zurück in Richtung Biebesheim, deshalb ging´s nach rechts (gelbe 3).
Wirtschaftsweg aus Betonplatten, tief eingeschlämmt und voller tiefer Riesenpfützen, eine dreckig-nasse Angelegenheit. 250 m. ostwärts, dann 400 m. nach Süden, dann wieder ostwärts, an einem Wald/Wiesengebiet vorbei (laut Wanderkarte die „Grosse Bütt“).

600 m weiter, dann rechts runter nach Süden – Radweg R6 – bereits nach wenigen Metern an einer etwas verloren wirkenden Scheune wieder nach links, auf einen breiten, betonierten Feldweg ohne Markierung, dem wir mehr als 1,5 km durch die Pampa folgten, bis er schließlich die Neue Strasse kurz vor dem nordwestlichen Biebesheimer Ortseingang erreichte (dabei ansatzweise tiefsinnige Plauderei über Esoterik-Faschisten, und warum Jost sie nicht leiden kann).

Kurz links bis zum Parkplatz der Rheinhalle, dort dann rechts, auf einen gekiesten, schlammigen Fußweg der neben einem kleinen Bachlauf nach Süden führte, vorbei am Biebesheimer Friedhof, dahinter dann halblinks in den Ort hinein und über mehrere Nebenstrassen („Im Stuprich“, Dammstr., Obere Beinstr.) bis auf die Heidelberger Str., über die wir schließlich wieder unseren Ausgangspunkt am Rheinstadion erreichten.

Das lief doch mal ziemlich gut: Zügig und doch entspannt, keine Probleme, trotz des nicht ganz so großartigen Wetters durchaus angenehm. Landschaftlich sicherlich nicht der absolute Hauptgewinn, aber allemal interessanter als das platte Niemandsland zwischen Einhausen, Bürstadt und Biblis – insgesamt ein guter, spassiger Lauf.

Strecke: 12,2 km
Zeit: 1:15 min (= 9,76 km/h bzw. 6:09 min/km)
Karte:

Interaktive Streckenkarte

M.

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2 Antworten zu “Biebesheim West (12,2 km)”


  1. [...] vorbei bis zur Wegkreuzung am Ende des Wäldchens, an der Jost und ich vor knapp zwei Wochen aus südlicher Richtung kommend schon mal vorbeigelaufen waren. Wie damals ging´s hier auch heute nach Osten, vom Deich runter auf [...]


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