Expedition nach Rheinhessen: Worms - Mörstadt - Flörsheim-Dalsheim (15,5 km)

12. Januar 2008

Projekt Westwärts ist eine Serie von Läufen, mit denen ich in den etappenweise von Worms bis auf den Gipfel des Donnersbergs in der Nordpfalz laufen möchte.

Ich kann mich noch genau an den ersten Lauf mit meinen momentanen Schuhen erinnern. Das war vor fast genau einem Jahr, am Samstag nach dem Orkan “Kyrill”. Damals war ich mit Freunden in Flörsheim-Dalsheim in Rheinhessen verabredet, und nutzte die Gelegenheit für eine kleine Tour ins Rheinland-Pfälzische Hügelland, 12 km von Worms nach Dalsheim. Ein grauer, zu warmer Januartag, regnerisch und stürmisch (die ganze Tour ein sackfieser Gegenwind…), mittendrin ich, mit meinen fabrikneuen, blütenweißen Laufschuhen, die noch nicht eingelaufen waren, und mir deshalb blutige Blasen an beiden Fersen bescherten (was ich im Nachhinein irgendwie cool fand - gleich bei der ersten Tour hatte ich mein neues Schuhwerk mit meinem eigenen Blut getauft, da konnte ja nichts mehr schiefgehen…).

Fast forward ins Jahr 2008: Ein grauer, zu warmer, windiger Januarsamstag, ich bin mit Freunden in Flörsheim-Dalsheim verabredet.
Fast genauso wie vor einem Jahr.
Bloss meine Schuhe sind nicht mehr fabrikneu und blütenweiß, sondern abgeranzt und in Ehren ergraut (na gut, eigentlich sind sie im Dreck ergraut, aber das klingt irgendwie nicht so gut…), stehen nach mehr als 2000 km treuer Dienste über Stock, Stein und die Ziellinie meines ersten Marathons kurz vor dem Ruhestand.
Was läge da näher, als mit ihnen - quasi als Schwanengesang - noch einmal die Strecke unseres allerersten gemeinsamen Laufs zurückzulegen und dabei melancholisch in Erinnerungen zu schwelgen (”Hö hö, und hier hab´ ich damals gemerkt, dass ihr mir die Fersen blutig geschreddert hattet, ihr Schlingel. Und da waren´s noch über 4 Kilometer bis ans Ziel!”
Ach ja, good times…)?

Deswegen heute im Program: Noch einmal durchs wilde Rheinhessistan (die Gegend heisst wohl auch “Wonnegau“), von Worms nach westwärts, durch Weinberge, Mörstadt und Felder bis nach Dalsheim.
Fast wie damals anno 07…

Na ja, ein paar Unterschiede gab´s schon. So war ich z.B. seinerzeit im Wormser Stadtteil Herrnsheim aufgebrochen, das ging heute nicht mehr - schließlich sollen die Strecken meiner gebloggten Läufe ja nach Möglichkeit alle miteinander verbunden sein, und bis Herrnsheim war ich bisher noch nicht gekommen.
Deswegen ein anderer Ausgangspunkt, weiter östlich, auf der Brunhildenbrücke beim Hauptbahnhof, die seinerzeit Teil des Nibelungelaufs gewesen war, und entsprechend zu meinem Streckennetz gehörte.

Offizieller Start mitten auf der Brücke, direkt oberhalb der Bahntrasse. Richtung: Westwärts. Erst ein Verkehrskreisel, dann die Friedrich-Ebert-Str. entlang ins Wormser Westend.
Ansatzweise kiez-artiges Wohngebiet, ältere, eng stehende Stadthäuser, in den Erdgeschossen kleine Läden. Nicht wirklich spektakulär oder hübsch, aber durchaus mit Atmosphäre.
Nach ca. 500 m. dann der erste Hingucker (davon gibt´s in Worms ja immer mal wieder welche): Links, auf der anderen Strassenseite, ein offener Platz mit repräsentativen alten Gebäuden, allen voran die wuchtig-elegante Lutherkirche, ein relativ neuer Sakralbau in ostentavtiv schlichtem Jugendstil, sehr ansehnlich (laut Wikipedia ist es sogar Darmstädter Jugendstil, kein Wunder, dass mir das gefällt…).
Weiter geradeaus die Ebert-Str. entlang, die erst einen kleinen Bogen nach Norden macht, und dann in die Hofheimer Str. übergeht. Inzwischen hatte ich mich schon merklich vom Stadtzentrum entfernt, die engen Mitshäuser wichen nach und nach einem komfortableren Wohngebiet mit einzelnen, größeren Wohnhäusern (teils schon fast villenartig) und viel Grün, nett.

Allerdings verpasste ich ob der netten Häuser und grünen Gärten die richtige Abzweigung. Anstatt der Hochheimer Str. nordwärts in die Binger Str. zu folgen, lief ich weiter geradeaus, die leicht ansteigende Donnersbergstrasse hinauf. Auch hier: Hübsch, vor allem der Blick nach rechts auf die Grünflächen des direkt hinter der Strasse beginnenden Pfrimmparks.
Dumm nur, dass mein ursprünglicher Plan weder einen Park, noch die Donnersbergstr. vorgesehen hatte.
Das verunsicherte mich dann doch etwas. Hmm, noch nicht mal 2 km unterwegs und schon irgendwo im Nirgendwo (in diesem Fall dem mir völlig unbekannten Wormser Stadtteil mit dem irgendwie drolligen Namen Pfiffligheim) verloren - typisch Matthias…
Aber gut, so weit vom Kurs konnte ich ja noch nicht ab sein, also lief ich erstmal weiter geradeaus bis zur Kreuzung am westlichen Ende des Pfrimmparks. Dort wäre ich fast noch weiter geradeaus gelaufen, erkannte aber im letzten Moment rechts die Strasse hoch den charakteristisch-unansehnlichen Betonklotz des Stadtkrankenhauses an der Herrnsheimer Höhe - ganz klar meine Richtung, also bog ich rechts in die Nievergoltstr. ein und folgte ihr nach Norden in den Stadtteil Hochheim (Puh, gerade noch die Kurve gekriegt, ansonsten wäre ich irgendwo am westlichen Wormser Stadtrand verschütt gegangen).

Erst über die überraschend breite Pfrimm direkt unterhalb eines Wehrs, dann vorbei an ein paar Tennisplätzen und einer Reihenhaussiedlung, bis ich schließlich nach etwas mehr als einem halben Kilometer den Ortsrand erreichte, wo die Nievergoltstr. wieder nach Westen abknickte.
Ich folgte ihr noch 400 m., und bog dann auf Höhe eines größeren Sportgeländes scharf rechts ab, einen kleinen Fußweg zwischen den Weinbergen nordwärts, direkt auf den immer noch unansehnlich klotzigen Krankenhauskomplex zu.
Ein kurzer, teilweise halbwegs steiler Anstieg bis zur Landstrasse zwischen Herrnsheim und Leiselheim (J.H.-Wichern-Str./K2), rüber, auf der anderen Seite noch 500 m. weiter bergauf bis in das dürren Wäldchen direkt neben den städtischen Kliniken. 150 m. dürre, knorzige Bäumchen (links etwas aufgelockert durch zwei große, gewölbte Hochbehälter), dann wieder offenes Gelände - was Wälder angeht, bin ich ehrlich gesagt Besseres gewohnt…
Noch 100 m. weiter nordwärts, dann links auf die asphaltierte R.-Knies-Str. in Richtung eines frei stehenden Bauernhofes.
Westwärts, weg von Worms, hinaus in die Weite des Rheinhessischen Hügellandes…

Mal unter uns: Rheinhessen fasziniert mich ein bisschen. Nicht weit weg von Zuhause, aber irgendwie ganz anders - Im südlichsten Zipfel von Hessen finden sich genau zwei verschiedene Landschaftsformen: Der zerklüfteten, halbwegs hohen, halbwegs steilen Odenwald und das absolut flache Ried.
Mittelgebirge oder Flachland, dazwischen gibt´s nix.
Ganz anders jenseits des Rheins. Die Rheinhessische Landschaft besteht praktisch vollständig aus langen, niedrigen, sanft geschwungenen Hügeln, keine echten Berge, aber eben auch nicht flach (nicht umsonst nennt man die Gegend auch “Land der 1000 Hügel“). Und nicht nur die Topographie ist ungewohnt, auch die Vegetation ist ganz anders als auf der rechten Rheinseite: In Rheinhessen gibt es keinen Wald.
Gar keinen.
Echt jetzt! Das poplige Gehölz an der Wormser Stadtklinik, das ich gerade beschrieben habe? Schon das höchste der Gefühle, hundert Meter mit ein paar Bäumchen, dann ist schon wieder Schluss.
Praktisch die gesamte Region ist offenes Gelände, fast vollständig Kulturlandschaft aus Feldern und (auch das ist anders als bei uns drüben) Weinbergen. Wein, Wein, Wein, Wein, überall Wein. Aber eben keine Buchen…
Für mich als Bergsträsser fühlt sich das immer ein bisschen unnatürlich an (Wein ist schön und gut, aber obendrüber haben verdammt noch mal bewaldete Höhen zu sein, so gehört sich das schließlich ;) ), andererseits hat es aber auch eine gewisse Exotik, die ich irgendwie sehr spannend finde - man ist auf einmal woanders, auch wenn´s gerade mal 25 Autominuten von Daheim entfernt ist.
Fast wie Urlaub (inklusive der Erkenntnis, dass man da nicht wohnen möchte, so ganz ohne Wald… :D ).

So, jetzt aber zurück zum Lauf. Hinter dem Wäldchen also links, westwärts. Nach 250 m. ein größeres Gebüsch, an dem Rechts, über ein paar Meter uralter, zerklüfteter Pflastersteine auf einen schlammigen, zerklüfteten Feldweg am Rand eines weiteren Wingerts, dort weiter westwärts. Markierung übrigens keine, sowas gibt´s hier nicht. Hier läuft man nach Gefühl (oder Erfahrung. Gut, dass ich hier schon mal durchgekommen war, das gab etwas Sicherheit).
Ein lange Gerade stur geradeaus, ganz leicht aufwärts, auf die plateauartige Kuppe der Herrnsheimer Höhe.
Landschaftlich eigentlich nicht so dolle (rechts Reihe um Reihe knorziger Weinstöcke, links unspektakuläres Ackerland), aber dafür eine unglaubliche Aussicht - Die Herrnsheimer Höhe ist zwar nicht besonders hoch (kanpp unter 150 m. ü. NN, wenn man Google Earth glauben kann), aber drum herum gibt es keine größeren Erhebungen, die den Ausblick stören könnten, genausowenig wie andere Sichthindernisse (wir erinnern uns: Alles offen, kein Wald).
An einem halbwegs klaren Tag wie heute hat man dementsprechend einen großartigen, monumentalen Rundblick, fast schon ein komplettes 360-Grad Panorama des gesamten Umlandes: Im Osten fast die gesamte Bergstrasse, vom Frankenstein bis runter nach Heidelberg, davor das Ried, der Rhein, und Worms. Im Süden die Karrees und Türme von Mannheim, direkt daneben Ludwigshafen mit dem Wald aus Schloten der BASF. Im Südwesten die hohen, schroffen Hänge der Weinstrasse und des Pfälzer Waldes, wie eine Mauer die die Ebene begrenzt. Im Westen der Donnersberg, ein einzelner, imposant hoher Bergrücken in der Ebene, scheinbar zu Greifen nah (hmmm… Donnersberg… will ich auch noch mal hoch…). Im Nordwesten schließlich ein mehr aus Hügeln, gekrönt von der großen Anhöhe vor Alzey mit einem regelrechten Wald von Windkraftanlagen (die sehe ich auch immer, wenn ich zuhause aus dem Fenster gucke). Lediglich im Norden war nichts zu sehen, an einem noch klareren Tag hätte man da vielleicht den Taunus erkennen können, heute war´s aber nix.
Nichtsdestotrotz: Grandios!

Nach 800 m. scharf rechts, nun 500 nordwärts, bis zu den vier Windkraftanlagen auf der Anhöhe.
Ach du meine Fresse!
Sind die riesig!!
Ähnlich wie bei den gewaltigen Kühltürmen des AKW Biblis fällt es dem Auge auch hier nicht leicht, die Größe der Strukturen richtig einzuschätzen. Klar, man sieht schon, dass die hoch sind, aber es fehlen einfach die Bezugspunkte, mit denen das Auge einen Maßstab herstellen könnte.
Bis mann direkt drunter durchläuft, den Kopf staunend in den Nacken gestreckt, steil nach oben blickend, bis zur Spitze des 50 oder 60 Meter hohen Turms, wo sich die drei gewaltigen Rotorblätter mit rasender Geschwindigkeit überraschend leise im Wind drehen.
Beeindruckend. Wirklich beeindruckend.

Zwischen den Windrädern ging es übrigens wieder nach links, auf einem etwas besseren Feldweg 600 m. westwärts, dann auf einer ebenerdigen Autobahnbrücke über die A61 (die Autobahn verläuft hier in einer Art Rinne, deswegen geht die Brücke nicht aufwärts).
Dahinter: Noch mehr Weinberge, die sich scheinbar endlos in alle Richtungen erstreckten, mittendrin ein halbwegs passabler Weg weiter nach Westen, den nahm ich.
850 m. geradeaus, geradewegs auf die in der Ferne aufragende Silhouette des Donnersbergs zu. Links Weinberge. Rechts Weinberge. Vorne Weinberge. Hinten Weinberge.
Weinberge.
Zwischendrin eine Wegkreuzung mit einer bunkerartigen Barracke mit einer Art Bademeister-Beobachtungskanzel auf dem Dach, keine Ahnung wozu die gut war (vielleicht sitzt der Winzer in während der Weinlese hier oben und treibt faule Erntehelfer mit einem Megaphon und/oder Luftgewehr an? Wer weiss das schon?), ansonsten nichts von Interesse.
Schließlich ein kleines Tal, etwas abwärts, dann mal wieder scharf rechts, auf einem ansatzweise Wegähnlichen schlammigen Feldrain neben dem Weinberg nach Norden, auf den einzigen markanten Orientierungspunkt zu, den es hier gab, ein Wasserhäuschen mit zwei großen Bäumen (Bäume! Echte Bäume!), das hier mitten ins Nichts gepflanzt wurde, und das ich nach 350 m. erreichte.
Aus der Nähe machte es überraschend viel her, ein grüner Hügel mit einem gut gearbeiteten, säulengestützten Portal samt Inschrift (”Hochbehälter VI” oder so ähnlich), offensichtlich schon älter, aus einer Zeit, als man selbst Zweckbauten mitten im Nirgendwo noch mit einer gewissen architektonischen Finesse versehen hat. Unerwartete Mini-Sehenswürdigkeit mitten in der Pampa - immer gut!

Weiterhin nordwärts, mehr Felder und Weinberge (eigentlich sind die fast genau so öde wie die endlosen Äcker im Ried, wenn man sich erstmal dran gewöhnt hat), allerdings mit einer erklecklich-unterhaltsamen Fauna-Dichte: Erst stoben drei oder vier Feldhasen vor mir davon, dann zwei Rehe (die dämlicherweise obstinat in die Richtung flohen, in die ich auch wollte, und sich deshalb minutenlang vor mir her scheuchen lassen mussten), schließlich konnte ich sogar noch einen Luftkampf zwischen einem winzigen Falken und einem massigen Bussard verfolgen (Ausgang: Unentschieden. Der Falke flog nach ein paar Manövern einfach davon, der Bussard liess sich auf einem Weinstock nieder und beäugte mich mißtrauisch aus der Entfernung). Dazu noch eine nette Aussicht, schräg vor mir ein größeres Dorf mit gelber Kirche in einer Senke (Abenheim?), rechts in der Entfernung ein langer Hügelrücken, an dessen Flanke bereits mein Ziel Flörsheim-Dalsheim sichtbar war.

Nach 700 m. war wieder mal Westwärts dran, entsprechend scharf links, auf einen asphaltierten Radweg durch - wer hätte das Gedacht - einen Wingert. Mit vielen Weinstöcken und so (oh Wunder!), ergänzt durch eine Reihe von Infotafeln, die dem interessierten Laien die Eigenheiten der verschiedenen Weinsorten erklären - wohl ein Weinlehrpfad. Gar nicht mal uninteressant, aber ich hatte es ja etwas eilig und joggte deshalb ohne länger zu verweilen an den Schildern vorbei (Dornfelder. Portugieser. Riesling. Grauburgunder. Silvaner…).
Am ende des Pfades kurz links, dann gleich wieder rechts, relativ steil abwärts einen kleinen Hang hinunter in eine Senke, unten angekommen wieder rechts, 400 m. nordwärts, dann auf einer Brücke über die L426 und in den kleinen, beschaulichen Weinort Mörstadt hinein.
Noch etwas weiter nordwärts, durch den Grasweg bis an die Langgasse, die dann links, in den alten Ortskern hinein.
Sehr, sehr hübsch: Alte, kleine Häuser aus Feldstein, teilweise mit schönen Verzierungen, teilweise aber auch mit bröckelndem Putz oder dreckigen Fassaden, eng aneinandergedrückt um die schmale, gepflasterte Strasse, Winzerhöfe, ein paar Dorfläden, altmodische Gasthäuser. Nicht blitzblank herausgeputzt, sondern mit einer gewissen Patina, alt, etwas abgenutzt, gemütlich - ein Ort mit Vergangenheit und Charakter. Gefiel mir.

Am wesltichen Ortsausgang schließlich wieder rechts, einen namenlosen Weg am Ortsrand nach Norden, vorbei an ein paar Schrebergärten und einem Gürtel aus hochgewachsenen Alleebäumen eine kleine Anhöhe hinauf, dann wieder links.
Das nächste ewig weite Plateau, dieses Mal kein Wein mehr sondern nur noch Stoppeläcker, in der Ferne vor mir Flörsheim-Dalsheim, scheinbar schon ziemlich nah.

350 m. westwärts durch die Äcker, an einer Kreuzung rechts, auf einen unbequemen Feldweg in Richtung Gundheim, weitere 400 m. später dann wieder links, westwärts auf Flörsheim-Dalsheim zu. Schlammig-schlechte Strecke mit schwerem feuchten Lehmboden, der sich bei jedem Schritt schmatzend an die Schuhe klebte, dazu ein scharfer Gegenwind.
Eher unbequem, aber immerhin würde ich hier geradewegs nach Dalsheim kommen.
Na ja, zumindest theoretisch.
In der Praxis stellte sich nach einem Kilometer leider heraus, dass der Feldweg im krassen Gegensautz zu meiner Google-Earth-Streckenkarte nicht mehr geradeaus weiterging. Ein paar hundert Meter vor mir lockte schon die verführerische Strasse nach Dalsheim, dazwischen war jedoch nichts als matschiger, frisch gepflügter Acker.
Mittendurch wollte ich nicht, also musste ich wohl oder übel drumrum.
Umweg. Hrmgblll…

Also 200 m. nach Norden, den hinderlichen Acker entlang, bei der nächsten Gelegenheit links und noch mal 250 m. bis zur Landstrasse zwischen Gundheim und Flörsheim. Hier dann noch mal links, ein Stück die Strasse runter (Radweg? Fehlanzeige. Seitenstreifen? Doch nicht hier. Nur gut, dass gerade kein Verkehr war…), dann rechts, westwärts von der Strasse ab in die Weinberge oberhalb von Dalsheim.
350 m. einen grasigen Pfad zwischen den Reben bergauf bis auf einen Wirtschaftsweg, den dann südwärts/westwärts/südwärts den Hang hinab, vorbei an einem pittouresk-verranzten Trullo bis runter auf die Rodensteiner Str.
Hier rechts, am Strassenrand (Radweg? Fehlanzeige. Seitenstreifen? Doch nicht hier. Nur gut, dass gerade kein Verkehr war…) einen halben Kilometer westwärts, vorbei an ein paar Weingütern, und schließlich am “Untertor” nach Flörsheim-Dalsheim, Ortsteil Dalsheim, hinein.

Auch hier wieder: Sehr hübsch. Dalsheim verfügt über einen weitgehend intakten und sehr szenischen mittelalterlichen Ortskern mit diversen kleinen Türmen, alten Häusern und engen Gassen, umschlossen von einer einer beeindruckenden alten Stadtmauer (der sogenannten “Fleckenmauer”). Die Strassen sind schmal, teilweise noch mit Kopfsteinen gepflastert, und an allen Ecken und Ende finden sich Winzer (Flörsheim-Dalsheim ist augenscheinlich einer der bedeutendsten Weinorte Rheinhessens). Alles in allem ein sehr apartes Örtchen mit viel Geschichte, besuchenswert wenn man eh schon mal in der Nähe ist.
Für mich ging´s noch mal kurz etwas bergauf, auf der Vordergasse mitten durch die Altstadt bis zum kleinen Platz an der Schlossgasse (kein Schloss, aber dafür gleich zwei Kirchen), dort links in die Strasse “Am Obertor”. Ziel erreicht.

Schöne Tour, bis auf ein paar kleine Orientierungsproblemchen weitgehend unproblematisch, dieses mal keine blutigen Blasen an den Fersen (meine Schuhe und ich haben uns im Verlauf des letzten Jahres offensichtlich ganz gut aneinander gewöhnt). Spannend und interessant, nicht zuletzt deshalb, weil die Gegend nicht nur recht hübsch ist (zumindest während der ersten paar Male und/oder wenn man auf Weinberge steht…), sondern auf spannende Art und Weise anders ist als das, was ich gewöhnt bin - ein Hauch von Exotik und Abenteuer, das verleiht jedem Lauf mehr Würze.
Topographisch ist das rheinhessische Hügelland ein sehr angenehmes Laufterrain, mit etwas Anspruch aber ohne Extrembelastungen, sehr angenehm zu Joggen. Allerdings gibt es kein so gut ausgebautes Wander- oder Fahrradroutennetz wie in Südhessen - insgesamt scheint es weniger Wege zwischen den Orten zu geben, viele Strecken sind reine Wirtschaftswege und in entsprechend schlechtem Zustand, die Durchgangsstrassen weisen meist weder Randstreifen noch Fahrradwege auf, und Markierungen sucht man vergebens (was angesichts der guten Sichtverhältnisse über die offene Hügellandschaft jedoch nicht ganz so schlimm ist).
Kein ideales Jogginggebiet, aber ein sehr spannendes - hat viel Spass gemacht, und war ganz sicher nicht das letzte Mal (Donnersberg, du stehst auf meiner Liste…).

Strecke: 15,5 km
Zeit: 1:35 h (= 9,79 km/h bzw. 6:08 min/km)
Karte:
- Teil 1 (Worms Brunhildenbrücke bis Weinberge westlich der A61):
rheinhessen1.jpg

- Teil 2 (Weinberge westlich der A61 bis Dalsheim):
rheinhessen2.jpg

- Strecke ganz:
rheinhessenganz.jpg

Interaktive Streckenkarte

M.

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4 Antworten zu “Expedition nach Rheinhessen: Worms - Mörstadt - Flörsheim-Dalsheim (15,5 km)”

  1. Projekt Westwärts « Laufblog Sagt:

    [...] ersten Läufe des neuen Projekts sind sogar schon gebloggt, denn ich habe meinen Lauf von Worms nach Flörsheim-Dalsheim im Januar im nachträglich zum Anfang des Projekts erklärt, und bin gestern bereits die zweite Etappe von [...]

  2. Projekt Westwärts: Durchs Zellertal (14,3 km) « Laufblog Sagt:

    [...] also Etappe #2 von “Projekt Westwärts”. Bei der letzten Tour in Rheinland-Pfalz war ja bereits von der Brunhildenbrücke ins Worms bis ans Obertor in Flörsheim-Dalsheim [...]

  3. Abschied (7,5 km) « Laufblog Sagt:

    [...] und unzählige Male das Ried durchquert . Sie haben mich nach Frankfurt, nach Mannheim, nach Rheinhessen und tief in den Odenwald hinein gebracht, sind mit mir über den Rhein, den Main und den Neckar [...]

  4. JUBILÄUM!!!! (und eine wichtige Mitteilung) « Laufblog Sagt:

    [...] Biebesheim Bischheim Bolanden Bolanderhof Bonsweiher Brandau Brensbach Büttelborn Crumstadt Dalsheim Dannenfels Darmstadt Darmstadt-Eberstadt Dossenheim Eich Einhausen Elmshausen Erfelden Ernsthofen [...]

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