Fischbachtal-Lauf 2008 (12,6 km)

1. Mai 2008

Volksläufe sind schon eine nette Sache. Man durchbricht den normalen Jogger-Trott, kann das Laufen unter Wettkampfbedingungen und in größeren Gruppen proben, lernt andere Läufer kennen, und wird mal wieder daran erinnert, dass man im Grunde eine furchtbar lahme Ente ist (zumindest geht mir das immer so: Ich laufe eine für meine Verhältnisse sehr ordentliche Zeit, werde dabei ständig überholt [nicht selten von Läufern, die doppelt so alt sind wie ich, oder zumindest so aussehen], und bin am Ende immer einer der Letzten – sowas erdet ungemein… ;) ).
Wie gesagt, eine nette Sache, sollte man als Läufer immer mal wieder einschieben.

Deswegen hatten Jost und ich schon vor einiger Zeit beschlossen, den Fischbachtal-Lauf mitzumachen. Passte zeitlich gut, ist in der Nähe, hat einen wunderschönen, anspruchsvollen Streckenverlauf mit ein paar ordentlichen Steigungen, ist nicht zu lang (wir sind schließlich noch in der Aufbauphase), und ausserdem war ich letztes Jahr vom Fischbachtaler Läuferkollegen Heinz Hettich dazu eingeladen worden, da schaut man natürlich gerne mal vorbei :) .


Und heute morgen war´s dann soweit.
Zu nachtschlafender Zeit aufgestanden und mit Jost in den Odenwald gefahren, um viertel nach acht beim Sportplatz am Nonroder Hang über Niedernhausen angekommen und die Startunterlagen im Sportlerheim abgeholt. Danach: Umziehen (obwohl es noch ziemlich frisch war und ein kalter Wind wehte, entschied ich mich für die kurzen Klamotten – zu Recht, wie sich später zeigen sollte), Umsehen (viele bekannte Gesichter – auf solchen Veranstaltungen trifft man doch immer wieder dieselben Leute), ein bisschen auf dem Kunstrasen des Sportplatzes Warm Machen, schließlich in Richtung Start auf der Landstrasse nach Nonrod (K73) vor dem Sportplatz.

Punkt neun Uhr ging´s los. Jost und ich hatten uns nicht allzuviel vorgenommen (”Mal sehen was so geht und dabei unter 1:15 h bleiben, nicht ans Limit gehen, sondern geniessen”), entsprechend liessen wir´s im hinteren Drittel des Feldes gemächlich angehen. Mir kamen die ersten beiden Kilometer dabei sehr zupass: Langer, moderater aufstieg (ca. 120 Höhenmeter auf 2 km), immer wieder durchsetzt mit ein paar ebenen Passagen zum Luft schnappen, genau das Richtige zum Warm werden. Lief von Anfang an gut, und so konnte ich auch ohne zuviel Anstrengung ein ganz gutes Tempo machen, während Jost, der immer noch einen kleinen Trainingsrückstand hat und am Berg nicht ganz so gut ist, langsam zurückfiel (wir hatten vorher ausgemacht, dass jeder sein Rennen laufen würde, deswegen wartete ich nicht).
So ging´s also erstmal aufwärts: Vom Sportplatz aus auf der Landstrasse das schattige Nonroder Tal hoch, nach einem halben Kilometer eine schmale Serpentine, dann der Länge nach durch den freundlichen Fischbachtaler Ortsteil Nonrod, vorbei an Gehöften, Kneipen, und einem Publikum aus ein paar etwas verschämt klatschenden Nonroder Frühaufstehern und den Streckenposten der Fischbachtaler Feuerwehr (in voller Montur). Je weiter man nach oben kam, umso sonniger und wärmer wurde es, sehr angenehm.

Am oberen Ende von Nonrod (ca. Streckenkilometer 1,6, noch unterhalb der “Zwölf Apostel”) bog die Strecke rechts ab und führte auf dem Spitzer-Stein-Weg (Markierungen: Gelbe 2/Weisses V) sanft bergauf, in westlicher Richtung durch die saftigen, sonnenbeschienenen Frühlingswiesen unterhalb des Schreckskopfes. Weiterhin alles im lindgrünen Bereich: Atmung tief aber kontrolliert, die Muskulatur spielte mit, Tempo angenehm, und sogar meine neuen und noch nicht eingelaufenen Schuhe (die mir vorher ein bisschen Sorgen gemacht hatten) saßen bestens.
Nach knapp 800 m. ging es kurz durch den Wald, vorbei an der Schutzhütte unterhalb des Spitzesteins, danach folgte der schnelle, steile Abstieg auf dem Nonroder Weg geradewegs den Wiesenhang runter nach Meßbach.

Und hier ging´s dann mal wieder los: Alle Welt überholte mich. Die ganzen rotgesichtigen, schwer atmenden Läufer, mit denen ich eben noch gut mitgehalten hatte bzw. an denen ich souverän vorbeigezogen war, traten bergab so richtig aufs Gas, während ich wie üblich mein gemässigtes Tempo durchlief (ist gelenkschonender und man regeniert besser. Ausserdem: Bergab rennen ist keine Kunst, das kann ja jeder [ausser mir]… ;) ). Entsprechend verlor ich hier schon mal einige Plätze.
War aber ok, inzwischen bin ich das gewöhnt, ausserdem wusste ich ja, dass ich zumindest ein paar der Kollegen, die jetzt an mir vorbeischossen, am gegenüberliegenden Hang wiedersehen würde…
Apropos gegenüberliegender Hang: Auf den hatte man von hier übrigens einen wunderbaren Blick und konnte erkennen, dass die Spitze des Feldes bereits auf der anderen Talseite angekommen war – meine Herren, ganz schön schnell, um den Sieg würde ich heute wohl nicht mehr mitlaufen. :D

Im kleinen, idyllischen Meßbach ging es links, ein paar Meter die Rimdidimstr. entlang, dann gleich die nächste Rechts, über den Steinauer Weg (Markierung F1/Radweg 28) die westliche Talseite hoch. Auch hier wieder ein angenehmer, knackiger Anstieg durch die schöne, sonnige Wiesenlandschaft, ab einer bestimmten Höhe dazu ein toller Blick übers das Fischbachtal auf Lichtenberg/Obernhausen und das in der Morgensonne leuchtende Schloss Lichtenberg. Wunderbar, auch wenn ich das Gefühl hatte, dass keiner meiner unmittelbaren Mitläufer den Anblick angemessen würdigte (zumindest die schwer schnaufende Dame, die ich darauf aufmerksam machte, grunzte nur irgendwas unverständliches und lief stur weiter – schade…).

Auf der Bergschulter dann durch das kurze, angenehm schattige Waldstück am Halkopf, vorbei an einem offenbar leicht exhibitionistisch veranlagten Mitläufer (der sich so ungünstig neben [nicht hinter] einen Baum drapiert hatte, dass man ihm aus der Laufrichtung kommend unweigerlich frontal beim Wasserlassen zusehen musste), dann über den kurzen Berg abwärts ins nächste Tal nach Steinau. Dabei übrigens ein bisschen sozialisiert – einer der nettesten Aspekte bei so einem Volkslauf ist ja, dass man (zumindest auf den gemäßigten Leistungsniveaus, auf denen unsereins sich bewegt) eigentlich immer jemanden trifft, der im großen und ganzen dasselbe Tempo wie man selbst hat, und mit dem man unterwegs ein bisschen plaudern kann. Bei mir war das heute eine freundliche Dame namens Petra, mit der ich hier erstmals ein paar kurze Allgemeinplätze über Wetter und persönliche Laufziele wechselte, bevor sie mich bergab hinter sich liess (für den Rest des Laufes überholten wir uns dann immer wieder mal gegenseitig – bei Steigungen zog ich vorbei, bei Gefällen sie – am Ende liefen wir dann gleichzeitig durchs Ziel).

Am unteren Ende des “kurzen Bergs” dann der Einlauf in Steinau, einem hübschen, ewig langen Einstrassen-Dorf unterhalb der Neunkircher Höhe. Hier ging es links die Hauptstrasse hoch, wo bereits die erste Verpflegungsstation mit Mineralwasser wartete. Durst hatte ich eigentlich noch keinen, aber ich nahm mir trotzdem mal was, man weiss ja nie. Entsprechend eine kurze Geh- und Trinkpause samt Bestandsaufnahme: Physische Verfassung – Exzellent, fühlte mich topfit, bis auf ein ganz leichtes Sodbrennen mit Bärlauch-Geschmack (der verdammte Frischkäse vom Frühstück…) war alles bestens. Auch die neuen Schuhe waren weiterhin unproblematisch, ein ganz leichter Druck am rechten Innenfuß, das war auch schon alles. So weit alles perfekt!

Nach einem knappen halben Kilometer auf der Dorfstrasse ging es rechts ab in den Klingenweg (Markierung F1), der sich durch die Wiesen am Westhang des Tales einmal mehr sanft aufwärts schraubte, um dann über die hübsche Anhöhe am Klingacker runter an die L3102 zwischen Lützelbach und Billings zu führen. Dort dann links, auf der abgesperrte Landstrasse einen halben Kilometer aufwärts in Richtung Lützelbach, am oberen Ende der Serpentine dann rechts raus und über ein kurzes unmarkiertes Stück hoch zum Höhenweg am Nordwestrand des Fischbachtals (von dem aus man einen schönen Blick das Tal runter hat).

Dort rechts, auf dem Main-Stromberg-Weg (rotes Quadrat) durch die Wiesen und am Waldrand des Scheidkopfes entlang nach Norden, bis zur Kreuzung oberhalb von Billings, kurz links am Waldrand hoch, dann gleich wieder rechts auf den Weg F1/gelbe 3, der am Hang des Altscheuer unterhalb der Heuneburg bis nach Obernhausen/Lichtenberg führt. Insgesamt knapp 1,7 km durch den Wald, tendenziell eben/leicht abfallend (da wurde ich dann wieder von einigen anderen Läufern überholt), aber immerhin mit ein paar kleinen, kurzen Zwischenanstiegen (bei denen ich die Läufer, die mich gerade überholt hatten, wieder mühelos einsackte – war zwar nur temporär [denn es lag ja noch viel mehr Gefälle vor uns], aber trotzdem gut fürs Ego… ;) ). Insgesamt sehr angenehm zu laufen, auch wenn wir zwischenzeitlich durch einen gewaltigen Pulk von Erster-Mai-Wanderern lavieren mussten.

Schließlich der Anfang von Lichtenberg. Kurze Gehpause am zweiten Versorgungsstand (nicht um zu trinken, sondern um mir das Wasser überzukippen, denn ich der prallen Sonne war´s inzwischen schon mollig warm), dann auf dem abfallenden Lippmannweg und der Waldstrasse runter ins Dorf. Über die szenischen Vorzüge von Lichtenberg hab´ ich mich ja schon mal an anderer Stelle ausgelassen, entsprechend beschränke ich mich heute mal auf ein erntgemeintes “hübsch hier oben” (ist es aber auch wirklich). Schließlich am Ende der Waldstr. unterhalb des Bollwerks (Bei “Lina´s Geschenketruhe”, auf die ich hiermit wieder mal besonders Hinweise, weil mir die unglaublich netten Inhaber letztes Jahr unneigennützig beim Verarzten einer bitterbösen Blase geholfen haben) links in den Kirchweg, angefeuert von einem Dutzend enthusiastischer Zuschauer mit einer Tröte und einer Ratsche (ok, vielleicht nicht ganz so viel Stimmung wie beim Frankfurt-Marathon, aber es kam von Herzen, das zählt).

Hier relativ steil abwärts bis zu zur Kurve oberhalb des Campingplatzes, dort dem Strassenverlauf folgend scharf rechts, um den Schlossberg herum auf die Hindenburgstr. in Richtung Niedernhausen. Kurz vor dem “offiziellen” Ortseingang scharf links, den Jochartweg durchs Neubaugebiet bis runter ins Dorf, über die Darmstädter Str. und geradeaus die Nonroder Str. entlang, am Dorfende schließlich weiter die K73 hoch – der letzte Anstieg vor dem Ziel!

Zuerst ein paar hundert Meter mit ganz sanfter Steigung, vielleicht 4% oder 5%, das lief sich praktisch wie von selbst, da konnte man noch mal ein bisschen aufdrehen, superangenehm. Auf Höhe des Parkplatzes Ruhehain wurde es dann noch mal ein bisschen steiler, aber ich fühlte mich immer noch äußerst frisch, entsprechend zog ich die Mütze etwas tiefer in die Stirn (das macht den Horizont kleiner, bei langen Steigungen ein guter Trick, um nicht ständig nach oben zu starren und sich von der Länge des Aufstiegs entmutigen zu lasen) und powerte aufwärts. Schließlich dann die letzten Meter vor dem Ziel, von der Strasse ab rechts hoch zum Sportplatz, noch eine Ehrenrunde über den Kunstrasen, und dann war´s auch schon vorbei.

Gut, die meisten anderen Läufer waren schon da, standen im Zielbereich rum, tranken was, oder hatten sich sogar schon umgezogen, besonders weit nach vorne hatte ich es also wohl nicht geschafft (wie üblich halt. Aber daran sind nur diese verflixten Gefälle schuld… ;) ). Machte aber nix, denn ich fühlte mich immer noch topfit und hatte ausserdem das Gefühl, auch ohne extreme Anstrengung eine für meine Verhältnisse ordentliche Zeit geschafft zu haben.

Fehlte also nur noch Jost, den ich ja bereits kurz nach dem Start aus den Augen verloren hatte. Überholt hatte er mich nicht mehr, da war ich mir sicher, also müsste er ja demnächst auch eintrudeln. Also wartete ich.
Und wartete.
Und wartete noch ein bisschen mehr.
Nach und nach trudelten die allerletzten Nachzügler ein, aber Jost war nicht dabei.
Nach einer Viertelstunde fing ich dann an, mir Sorgen zu machen (Jost hatte Ende letzter gemeint, dass er Muskelprobleme in der Wade hätte, hoffentlich war da nichts passiert). Ausserdem wurde mir langsam kalt, denn meine Wechselklamotten lagen unerreichbar in Josts abgeschlossenem Auto.
Warten…
Auch nach 20 Minuten: Kein Jost.
Ich suchte nochmal den Sportplatz ab: Kein Jost.
Oben am Sportheim: Kein Jost.
Runter zum Parkplatz: Kein Jo… oh, da war er ja!
Humpelte. Das sah übel aus aus.
Wie sich herausstellte, war es für Jost wohl weit weniger rund gelaufen. Schon bei den Aufstiegen am Anfang hatte er ziemlich kämpfen müssen, und dann bei Kilometer acht (da, wo es vom Main-Stromberg-Weg in den Wald hoch ging): Schnapp!
Muskelfaseriss!!
Natürlich genau da, wo es vorher schon gezwickt hatte. Quasi eine Verletzung mit Ansage…
An Weiterlaufen war da natürlich nicht mehr zu denken, also war Jost nach Laufende mit den Streckensanitätern zurückgefahren.
Mist!
Und das auch noch bei dem Lauf, den ich vorgeschlagen hatte. Jost nahm´s zwar philosophisch, aber ein schlechtes Gewissen hatte ich trotzdem.

Wir blieben dann noch ein Weilchen, aßen ein Stück Kuchen oben am Sportlerheim und warteten noch bis zum Aushang Ergebnislisten. Wie üblich hatte ich eine Zeit, die eigentlich recht ordentlich war(1:12:09 auf 12,6 Bergkilometer), und wie üblich war ich damit einer der Letzten geworden (Platz 92 von 108). Zufrieden war ich trotzdem: Hatte viel Spass gemacht, und wenn ich es wirklich gewollt hätte, hätte ich wahrscheinlich noch vier oder fünf Minuten schneller sein können – so hatte ich mir Zeit gelassen, die Strecke genossen, und war immer noch ganz gut dabei, war in Ordnung.

Fazit: Tolle Strecke mit ein paar netten Steigungen (hätten gerne auch noch ein paar mehr sein dürfen…), gut organisiert, wunderbare Landschaft, tolles Wetter, und ein Ergebnis, mit dem ich gut leben kann (gerade angesichts des Trainingsrückstands nach dem Bänderriss, der neuen Schuhe, und der Tatsache, dass ich nicht bedingungslos auf Tempo gelaufen bin).  
Das mit Josts Wade ist natürlich ein dicker Wermutstropfen, aber da lässt sich nun mal nichts mehr dran ändern.
Insgesamt trotzdem ein schöner, angenehmer Volsklauf, der viel Spass gemacht hat (nochmal danke für den Tipp an Heinz Hettich :) ).
 

Zeit: 1:12:09 h (= 10,48 km/h bzw. 5:44 min/km)

Karte:

Interaktive Streckenkarte

Website des Veranstalters

M.

Nachtrag: Das Team vom Schuhhaus Lang in Jugenheim hat übrigens Fotos von den Teilnehmern gemacht, und mir freundlicherweise gestattet, meins hier zu posten.
Darauf seh´ ich zwar aus wie der letzte Depp, aber das bin ich ja inzwischen von Lauffotos gewöhnt… :D :

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5 Antworten zu “Fischbachtal-Lauf 2008 (12,6 km)”

  1. Gerd Sagt:

    Ausführlicher kann man 12,6km bestimmt nicht beschreiben. Ich bin zwar nicht mitgelaufen, kann mir da Rennen aber sehr gut vorstellen. Vielleicht bin ich nächstes Jahr soweit, das ich ein “Bergrennen” schaffe. Nochmals gute Besserungswünsche an Jost.
    Gruß Gerd

  2. Ingo Sagt:

    Hey, Glückwunsch, alter Meister!
    Super Leistung!
    Auch von mir alles Gute für Jost.


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