Projekt Westwärts: Gauersheim – Kircheimbolanden – Bolanden (17,5 km)

9. Mai 2008

Projekt Westwärts ist eine Serie von Läufen, mit denen ich in den etappenweise von Worms bis auf den Gipfel des Donnersbergs in der Nordpfalz laufen möchte.

Einer der Hauptgründe, warum ich meine Laufschuhe beim Fachhandel kaufe, ist der Service – Nicht nur die Beratung beim Kauf selbst, sondern vor allem auch die “Nachsorge”.
Nehmen wir z.B. mal meine neuen Schuhe: Bekanntlich hab´ ich mir in denen beim letzten Mal zwei richtig fette Blasen gelaufen.
Irgendwie blöd.
Deshalb hab´ ich sie gestern kurzerhand geschnappt (die Schuhe, nicht die Blasen [die kamen aber auch mit] und bin mit ihnen nochmal runter ins Schuhhaus Lang, wo ich sie letzte Woche gekauft habe. Dort hab´ ich einem freundlichen jungen Mann das Problem geschildert, der hat sie kurz in die hauseigene Werkstatt gebracht, und als ich sie nach 10 Minuten wiederkriegte, war das leichte Scheuern an den fraglichen Stellen praktisch nicht mehr zu spüren.
Und das Beste: Alles gratis!
Mal ehrlich: Das kann Ebay nicht…
Danke, liebes Schuhaus-Team! :)

So.
Nachdem dieses Problem aus der Welt geschafft war (hoffte ich zumindest), stand einem guten Lauf nichts mehr im Wege. Zumal ich mir seit dem letzten Mal ja auch noch unerhörte zwei Tage Regenerationspause gegönnt hatte. Also allerhöchste Zeit.

Da traf´s sich ganz gut, dass ich heute morgen mal wieder einen Termin in Mainz an der Uni hatte – da ich eh schon mal in Rheinland-Pfalz war, beschloss ich, im Anschluss mit Projekt Westwärts weiterzumachen (bot sich wirklich an, denn die Anreise von Mainz in die Nordpfalz ist unendlich viel einfacher als von der Bergstrasse, obwohl es gar nicht mal so viel näher ist – wie gesagt: In der erweiterten Rheinebene reist man in Nord-Süd-Richtung einfach besser als von Osten nach Westen). Entsprechend heute auf dem Programm: Weiter in Richtung Donnersberg, von Gauersheim durchs Hügelland bis nach Kirchheimbolanden am Fuß des Nordpfälzer Berglands und wieder zurück. Übrigens die weiteste Tour seit Monaten: Knapp 17 km, also das erste Mal, dass ich nach dem Bänderriss die 15-km-Marke durchbrechen würde (höchste Zeit, schließlich war das mal meine Normaldistanz…).

Folgerichtig also nach der Besprechung an der Uni ab ins Auto und über den Mainzer Ring und die A63 nach Süden, bei Kirchheimbolanden abgefahren, dann via Bischheim und Rittersheim (aha. Hier würde ich heute also laufen) nach Gauersheim.
Einerseits wieder voller Vorfreude, andererseits aber mit einem etwas sorgenvollen Blick auf das Wetter: Die Sonne brannte herunter und laut Autothermometer waren es 25 und 26 Grad – schon arg warm für eine eine so lange Strecke, von der ich zudem wusste, dass sie zu großen Teilen durch offenes Gelände mit sehr wenig Schatten führen würde. Nicht ideal, aber ich fühlte mich fit, hatte Mütze und Sonnencreme dabei, und extraviel zu Trinken eingepackt, das würde also schon irgendwie hinhauen…

Ankunft in Gauersheim. Der Ort liegt bewegungslos in der Mittagshitze, die Strassen sind wie leergefegt. Weckt unwillkürlich Western-Assoziationen in mir:
[Ab hier bitte im Kopf das Mundharmonikalied aus "Spiel mit das Lied vom Tod" ablaufen lassen]

Gorse Gulch (Gauhersheim).
Ein kleines Nest von 600 Seelen, irgendwo in den Badlands, versteckt in einem Canyon (dem Tal des Leiselbachs) zwischen zwei Mesas, weit draußen im Westen (in der Nordpfalz).
Es ist eine Stunde nach Mittag.
Fast noch High Noon.
Die Sonne brennt unerbittlich vom milchig blauen Himmel (keine Wolken, aber es ist extrem diesig), es ist heiss, verdammt heiss sogar (26 Grad).
Die schmale Main Street (die Hauptstr.) ist wie leergefegt.
Die Einheimischen halten um diese Zeit Siesta.
Und so bemerkt niemand den Fremden, der gerade auf seinem treuen, goldbraunen Ross Meriva (Marke: Opel ;) ) in die Stadt reitet.
Nur ein räudiger Köter, mehr Koyote als Hund, verfolgt seine Ankunft von der anderen Strassenseite (ok, es war riesige, fies aussehende Gans in einem Vorgarten – aber welche Westernstadt hat schon fies aussehende Gänse zu bieten, häh?).
Nachdem er die Stadt einmal durchquert hat (Suche nach einem anständigen Parkplatz), steigt der Fremde schließlich nördlich des Town Square (des Dorfplatzes vor der Kirche) ab und macht sein Pferd fest (parkt).
Er mustert seine Umgebung mit dem stahlharten Blick eines Raubtiers (dem etwas dämlichen Gesichtsausdruck, den ich immer drauf habe, wenn ich versuche, mich zu orientieren), seine eisblauen Augen (Gelogen: In meinem Pass steht “graugrün”) sind leicht verengt. Als er sich überzeugt hat, dass keine Gefahr droht (ich rausgefunden habe, in welche Richtung ich will), greift er in seine Satteltasche (den Fußraum vor dem Beifahrersitz). Er zieht einen breiten Gurt mit vier Sechschüssern (Getränkegürtel mit vier Flaschen Iso-Plörre) hervor und legt ihn sorgfältig an.
Dann zieht er einen breitkrempigen, speckigen Hut hervor (meine siffig-blaue Glücks-Schirmmütze mit der Aufschrift “Quelle”), setzt ihn auf, und zieht ihn tief ins Gesicht.
Noch einmal sieht er sich um (hier hab´ ich mich mit Sonnencreme eingeschmiert, aber da Clint Eastwood das aus irgendeinem Grund in seinen Filmen nie gemacht hat, fällt mir da jetzt gerade keine passende Entsprechung ein ;) ).
Dann setzt er sich in Bewegung, zielstrebig auf der Main Street (immer noch Hauptstr.) nach Westen. Der Fremde ist hier, um einen Job zu erledigen. Und nichts und niemand wird ihn aufhalten…
[peinlicher und gezwungener Western-Modus aus ;) ]

Ääh, ja. Genau.
Da war ich also, in Gauersheim, dem kleinen Dörfchen im Nordöstlichsten Zipfel der Pfalz, in dem ich den letzten Lauf von Projekt Westwärts beendet hatte. Netter kleiner Ort mit einem freundlich-bukolischen Charme, viele alte Höfe an einer schmalen Hauptstrasse, Sehenswürdigkeiten: Eine Dorfkirche und eine Platane.
Wie gesagt: Kurz vorbereitet, und los ging´s, westwärts auf der Hauptstrasse durch Gauersheim. Übrigens ganz gemächlich, schließlich wollte ich mich ob der Hitze und der relativ langen Strecke nicht zu früh kaputtmachen.

Nach 200 m. das Ortsende (die Dörfer sind hier alle so klein…), dort rechts runter in die Strasse “Am Schloßacker”, Neubaugebiet, bis runter in den Talgrund, dort dann direkt vor der kleinen Brücke über den Leiselbach links auf einen Feldweg aus Gauersheim hinaus.
Laut Wanderkarte übrigens der offizielle “Weinwanderweg Zellertal”, vor Ort war davon aber wenig zu sehen: Der Weg war etwas uneben und mit Gras bewachsen, Markierungen waren hier auch keine zu Entdecken (tatsächlich sah ich auf den ganzen knapp viereinhalb Kilometern, die ich dem Weg westwärts folgte, nur eine einzige Markierung bei Ritterhseim [stilisierte Weintraube], und die war arg verblichen) – offenbar ist der Weg in den letzten Jahren in bisschen vernachlässigt worden.
Trotzdem ein angenehmes Stück am Talgrund, links weite, sanft ansteigende Felder (Wein wird hier nicht mehr angebaut) in tiefem Grün (Getreide) oder fast schon schmerzhaft intensivem Gelb (Raps), direkt rechts das dicht bewachsene Ufer des fröhlich dahinplätschernden Leiselbachs, an dem eine wunderbar kühle Brise wehte, die die hohen Temperaturen in der prallen Sonne erträglich machte.

Nach einem entspannten Kilometer passierte ich Rittersheim, ein hübsches, winziges Dörfchen nördlich des Bachs und – nach einem 50-m.-Schlenker nach Süden auf einem bequemen, asphaltierten Feldweg etwas abseits des Bachufers weiter nach Westen in Richtung Bischheim, dessen erste Gebäude (ein paar blockige und ziemlich häßliche Silo-Türme) bereits über die kleine Anhöhe voraus zu sehen waren. Unangenehm warmes Stück: Links und rechts offene Felder (samt ziemlich vielen Feldhasen), das kühlende Bachufer 100 m. entfernt, kein Schatten weit und breit, und dazu eine leichte Steigung (die aber noch sehr angenehm zu bewältigen war), da kam ich ordentlich ins Schwitzen.

Nach etwa einem Kilometer der höchste Punkt des kleinen Aufstiegs kurz vor der den Silo-Türmen (die auch aus der Nähe nicht viel hübscher sind), ausserdem der erste Blick auf den schon überraschend nahen Donnersberg, allerdings getrübt durch die extrem schlechte Fernsicht am heutigen Tag, bei der die gerade noch 10 km entfernte Kuppe bereits bläulich und verschwommen wirkte. Direkt nach der Anhöhe kurzer Abstieg (die letzten Meter davon unter angenehm schattigen Bäumen) an die L386, über die Landstrasse, dann westwärts (und schon wieder leicht bergauf) durch die enge Hauptstrasse von Bischheim.
Hier traf ich dann auch mal wieder auf einen alten Bekannten, das gelbe Plus des Saar-Rhein-Main-Wegs, dem ich von nun an westwärts folgen konnte (fühlte sich ein bisschen seltsam an, denn bei “Saar-Rhein-Main-Weg” denke ich eher an den Bickenbacher Bahnhof als an die die Pfalz. Aber so sind sie eben, die Fernwanderwege: Selbst 50 km von zuhause entfernt tauchen sie gerne mal wieder auf… ;) ).

Am oberen Ende der Hauptstr., kurz nach den hübschen alten Pfarrhaus war ich dann ein knappe halbe Stunde unterwegs – Zeit für die erste Trinkpause: Aldi-Anrühr-Iso-Gesöff dem Gürtel, Geschmack Orange, etwas zu süß, brühwarm. Börks. War aber dringend nötig, denn ich hatte bereits ordentlich Durst und mein Gesicht war rauh von den ausgeschwitzten Salzkristallen – Sonne, Wind und Hitze verursachten einen immensen Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust, also runter mit dem Zeug!
Zustand nach dem ersten Viertel: Beine gut, Blasen hielten sich zurück (die linke spürte ich manchmal ein klein bisschen, die rechte nicht), insgesamt frisch und ausgeruht. Lediglich die Hitze war unangenehm, aber noch erträglich.
Alles gut, weiter so!

Nach der Pause weiter auf dem Saar-Rhein-Main-Weg: Die Kirchheimbolander Str. hinauf bis zum Dorfende, einen kleinen Fußgängerweg links die Böschung runter bis an die Landstrasse, dort dann rechts, auf dem Radweg neben der Strasse unter der A63 durch und nach Kirchheimbolanden hinein.

Bis vor ein paar Tagen hatte ich über Kirchheimbolanden eigentlich nur zwei Dinge gewusst:
1) Es liegt irgendwo in der Pfalz.
2) Bei der Aussprache muss man unbedingt die erste Silbe von “Bolanden” betonen, sonst verärgert man die Kirchheimbolander (nicht aber die Kirchheimbolander, denn die gibt es nicht), die es partout nicht abkönnen, wenn irgendsoein dahergelaufener Auswärtiger ihren Ortsnamen falsch betont, und deshalb dann den ganzen Nachmittag in der Redaktion anrufen und sich beschweren (das hab´ ich übrigens seinerzeit beim SWR gelernt – wozu so eine Hospitanz beim Radio doch alles gut ist… :) ).
Zugegeben, nicht gerade viel Basiswissen, aber inzwischen habe ich mich natürlich etwas kundiger gemacht:
Kirchheimbolanden, Kleinstadt am Rand des Nordpfälzer Berglandes, ca. 8000 Einwohner, Kreisstadt des Donnersbergkreises (klingt ein bisschen komisch – da wo ich herkomme, haben Kreisstädte 130 000 oder wenigstens 25 000 Einwohner). Im 18. Jahrhundert Residenz des Hauses Nassau-Weilburg. Sehenswürdigkeiten: Schloß, Schloßgarten, Kirche mit Mozartorgel, gut erhaltene Altstadt mit restaurierter Stadtmauer.

Klang vielversprechend, ich war gespannt.

Zumindest auf den ersten Blick hielt Kirchheimbolanden allerdings nicht so ganz, was es versprach: Die Strecke auf der Bischheimer Str. durch die östlichen Randbezirke war eher ein bisschen trist, mit Autohäusern, einer großen Aral-Tankstelle (die den fragwürdigen Charme einer… na ja, eben einer Aral-Tankstelle austrahlten), und einem weiteren unansehnlich-blockigen Riesensilo (das sogar derselben Firma gehört wie das in Bischheim).
Glücklicherweise wurde es aber schnell hübscher. Nach ca. 250 m. durchs vorgelagerte Gewerbegebiet erreichte ich einen hübsch begrünten Kreisverkehr mit flatternden Fähnchen, direkt dahinter begann die Mauer des Schloßgartens, den ich mir natürlich nicht entgehen lassen wollte. Also vom der Bischheimer Str./dem Saar-Rhein-Main-Weg ab, rechts die Neumayerstr. hoch, nach ca. 100 m. dann links durch eine kleine Pforte in den Schloßgarten.
Aaaah. Das war doch schon wesentlich besser: Gepflegter englischer Garten, mit alten, hohen Bäumen, in deren Schatten es herrlich frisch war, dazwischen eine große Liegewiese, die fast schon unheimlich leer wirkte (in einer größeren Stadt wäre die an sonnig-warmen Freitagnachmittag wie heute sicher mit Leuten zugepflastert gewesen), weiter hinten eine Serie von kleinen Bachläufen und Teichen. Wunderschön und wunderbar kühl, hier liess es sich aushalten.

Ich durchquerte den Park in westlicher Richtung und erreichte nach ca. 400 m. den Schloßplatz am Kirchheimbolander Schloß, das leider nicht mehr in seiner Originalfassung aus dem 18. Jahrhundert erhalten ist, sondern zu ca. 2/3 aus einem neuzeitlichen Nachbau besteht. Hier hätte ich eigentlich wieder dem Saar-Rhein-Main-Weg nach Süden durch die Altstadt folgen müssen, allerdings hatte ich bei der Laufplanung im Online-Stadtplan gesehen, dass es weiter westlich offenbar einen begehbaren Wehrgang auf der Stadtmauer gibt, der mich ziemlich reizte. Also lief ich am Schloß geradeaus, vorbei an einem schönen und respektollen Gedenkstein für die letzten jüdischen Bewohner der Stadt, dann eine Treppe hinauf auf den baumbestanddenen und schattigen Husarenhof an der Paulskirche. Hier eine weitere kurze Pause am Brunnen vor der Kirche, wo ich mir Arme, Bein, Stirn und Genick befeuchtete (aaah, etwas brackig, aber wunderbar kühl), bevor eine weitere Treppe hinauflief, die Amtsstr. überquerte (rechts ein schöner Blick die Strasse hoch, entlang einer Reihe von repräsentativen Bürgerhäusern bis hinauf zum Finanzamt) und durch die extrem schmale und verwinkelte Lohgasse bis zum nördlichen Stadttor lief.
Leider konnte ich hier keinen Aufgang zur Stadtmauer und dem angeblich begehbaren Wehrgang finden, also suchte ich mir eben eine Alternativroute, geradeaus eine weitere Treppe hoch, dann westlich der Stadtmauer an einer weiteren kleinen Kirche vorbei, dann links auf der Schillerstr. den Hang hinunter, bis ich am unteren Stadttor wieder auf den Saar-Rhein-Main-Weg stiess.
Die Altstadt hatte ich damit leider weitgehend verpasst, aber zurück wollte ich auch nicht mehr (ein andermal vielleicht…), also folgte ich dem gelben Plus rechts in die Donnersbergstr.
Moderater Anstieg durch ein etwas neueres Wohnviertel, allerdings wieder mal in der prallen Sonne, die nach dem kühlen, schattigen Stadtkern besonders heiss zu brennen schien. Oben angekommen geradeaus (weiterhin Saar-Rhein-Main-Weg, außerdem Großer Westpfalz-Wanderweg [Schwarzes W] und Donnersberg-Wanderweg [Blaues W]), auf einen schönen, ebenen Weg unterhalb den Schillerhains. Am Anfang ein eigentlich guter Blick nach Osten ins Hügelland, der allerdings einmal mehr unter der schlechten Fernsicht litt, dann ein paar hundert Meter durch dichten Buschwald, der – gerade angesichts des Wetters – einen wunderbar mediterranen Eindruck hinterließ. Schließlich wieder abwärts, runter an die Dannenfelser Str., über die ich Kircheimbolanden endgültig in südwestlicher Richtung verliess.

Die markierten Wanderwege knickten hier alle nach rechts in den Wald ab, dummerweise verpasste ich die Abzweigung und lief stattdessen geradeaus auf einen bequemen Feldweg, der parallel zu den markierten Strecken durch die Wiesen hinunter ins hübsche Kaspartal führte. Hier war alles gelb: Die gesamte gegenüberliegende Talwand war ein vollständig mit Raps bedeckt, der in der prallen Sonne eine beachtliche Strahlkraft entickelte. Außerdem war´s wieder mal richtig brüllend heiß: Kein Schatten, der kühle Wald etwas zu weit weg, dazu Windstille – sehr anstrengend, obwohl es bergab ging. Glücklicherweise stiess ich nach etwas über einem halben Kilometer auf ein spärlich tröpfelndes Brünnchen am Wegesrand (laut Karte der Zeppelinbrunnen), an dem ich mich abkühlte und die zweite Trinkpause machte (wieder börks).

Danach weiter bergab, unten im hübschen Talgrund wurde es grüner und schattiger, und auch die markierten Wanderwege stellten sich ebenfalls wieder ein. Ca. 900 m. nach dem Zeppelinbrunnen eine Kreuzung auf einer Wiese, hier links durch den Talgrund, dann auf der anderen Seite wieder auf die Anhöhe: Erst ein ziemlich steiler aber glücklicherweise recht kurzer Anstieg auf halbe Höhe, dann etwas enspannter bergauf, durch ein weiteres riesiges Rapsfeld (das aus der Nähe unangenehm müffelte – ich mag diesen schweren, süßlichen Rapsgeruch irgendwie überhaupt nicht) bis an die L398 auf dem Höhenrücken (Markierungen wieder: Gelbes Plus/Blaues & schwarzes W). Von hier oben übrigens ein großartiger Blick auf den Donnersberg, der – fast schon zum Greifen nahe (Luftlinie 5 km) rechts des Weges aufragte, und aus der nähe paradoxerweise wesentlich harmloser aussah, also von weiter weg (einerseits, weil davor noch ein weiterer Höhenzug lag, der die unteren Regionen des Donnersbegmassives verdeckte und es deshalb weniger hoch wirken ließ, andererseits wegen des Fernsehturms auf dem Berggipfel, dessen wahre Ausmaße (über 200 m. hoch) das Auge nur schlecht einschätzen kann, wodurch alles irgendwie kleiner aussieht.

Über die Landstrasse, auf der anderen Seite dann schon wieder runter ein weiteres offenes Wiesental, dieses Mal auf einem moderat abfallenden Asphaltweg, der sich sehr angenehm laufen liess, zumal ab hier dann auch wieder der Wind auffrischte und die dringend benötigte Kühlung erledigte.
Im Talgrund über eine kleine Brücke, dann links hoch auf die nächste Anhöhe, wo ich ein offensichtlich gerade erst fertiggestelltes Neubaugebiet am Westrand von Bolanden (Nicht dasselbe wie Kirchheimbolanden, sondern ein eingenständiger Ort) erreichte. Hier ging´s links, ein kurzes Stück auf dem Bergrücken entlang, dann rechts runter auf der Spießstr. in den etwas unscheinbaren Ortskern im Tal unterhalb des überwucherten Bolander Burgbergs (Gelbes Plus/Blaues & schwarzes W).
Unten angekommen vorbei am Rathaus (Sonne brannte, kein Lüftchen, ein Glutofen) und auf den Nibelungenweg (gelbes Quadrat – noch ein alter bekannter von der Bergstrasse), dem folgend die Hauptstrasse in nordöstlicher Richtung bergauf und nach 200 m. geradeaus in den Hainer Weg, der an einem Wäldchen entlang (Schatten!) auf die nächste offene, unangenehm sonnige, angenehm windige Anhöhe führte, über die ich schließlich (nach der dritten Trinkpause) den Weiler Bolanderhof erreichte, eine kleine Ansammlung von Bauernhöfen an der L401, ca. 250 m. westlich der Autobahn, hinter der bereits bedrohlich der letzte Anstieg der heutigen Tour aufragte, der extrem steile und überraschend hohe Hungerberg.

In Bolanderhof dem Nibelungenweg folgend rechts, an der Kaiserstr./Landstr. durch das Dörfchen hindurch, am südlichen Ortsrand dann links auf einen asphaltierten Weg in Richtung Autobahn. So langsam war ich wohl schon etwas wattig im Kopf, denn ich verpasste die richtige Abzweigung (zum zweiten Mal heute…): Anstatt nach 150 m. rechts zur Unterführung unter der A63 abzubiegen, lief ich geradeaus auf einen nicklig ansteigenden Feldweg, der parallel zur Autobahn nach Norden führte. Natürlich bemerkte ich meinen Fehler erst, nachdem ich mich bereits zwei-, dreihundert Meter schwer atmend und wie blöde schwitzend den Hang hochgequält hatte.
Merda!
Anstrengung umsonst, umdrehen, bergab laufen, an der Abzweigung den richtigen (und übrigens bestens markierten – keine Ahnung, wie ich das gelbe Quadrat übersehen konnte) Weg zur Unterführung nehmen.

Aaaah. Schattig, kühl, windig. Hier war´s herrlich, viel angenehmer als da draußen in der doofen, unerbittlichen Sonne.
Einziges problem: Die schöne, kühle, schattige, windige, war Unterführung kurz.
Viel zu kurz.
Und direkt nach ihr wartete der der obligatorische letzte Aufstieg. Wie gesagt, das Stück hatte schon bei der Planung extrem happig ausgehen, auch der erste Anblick von der anderen Talseite hinter Bolanden war nicht gerade ermutigend gewesen.
Und jetzt, unmittelbar vor, Ort war´s sogar noch viel happiger: Um zurück nach Gauersheim zu kommen, musste ich hier also noch mal aus dem Tal raus und auf die Anhöhe am Hungerberg.
Hungerberg…
Allein der Name versprach schon Leiden und Entbehrung in äußerst großzügigen Mengen.
Und das zurecht: Ein 600 m. langer Aufstieg über 70 Höhenmeter, im Durchschnitt also fast 12% Steigung, mit ein paar Passagen, die noch wesentlich steiler waren. Südwesthang, also um mitten in der prallen Sonne. Vegetation: Wiesen. Kein Schatten weit und breit.
Und dazu regte sich hier kein Lüftchen – es war völlig Windstill.
Ganz ehrlich: Bei dem Aufstieg wäre ich auch in meinen besten Zeiten und bei gemäßgten Wetterverhältnissen ganz furchtbar ins Schwitzen und Schnaufen gekommen.
Und heute?
Heute war´s zuviel.
Ich war nicht in topform, hatte schon 14 km in den Beinen, und der ganze Hang war ein sacksteiler, höllenheisser Glutofen mit Temperaturen jenseits von Gut und Böse.
Here goes nothing.
Oder auch: Rien ne va plus.
Bereits nach weniger als 100 m. war Schluss: Zu heiss, zu steil, zu müde.
Ich kapitulierte ich und ging.
Selbst das war übrigens noch ziemlich anstrengend, und als ich endlich oben war, musste ich erst noch mal kurz verschaufen.

Aber hey: Geschafft ist geschafft…
Oben angekommen verliess ich den Nibelungenweg und lief stattdessen geradeaus weiter auf einen unmarkierten Asphaltweg, der in nordöstlicher Richtung geradewegs über das endlos weite Hochplateau zwischen Gauersheim und dem westlichen Zellertal führte.
Ziemlich öde Gegend: Rechts ein endloses Getreidefeld bis zum Horizont. Links ein endloses Getreidefeld bis zum Horizont. Geradeaus Getreidefelder bis zum Horizont, an dem immerhin noch einige Windräder zu sehen waren.
Ansonsten: Stille und Einsamkeit.
Außer mir, der gnadenlos herabsengenden Sonne, der flirrenden Hitze, und einem heissen, staubigen Gegenwind (der erst ein bisschen unentschlossen als Proto-Windhose vor mir hertanzte, um mir dann jeden Schritt zu erschweren und mir Sand in Mund und augen zu blasen) gab es hier gar nichts.
Gefiel mir irgendwie nicht besonders.
Zumal ich auch langsam merklich abbaute: Obwohl eigentlich bergab ging, begannen Durst, Hitze und die bisherige Anstreungung so langsam ihren Tribut zu fordern: Es lief nur noch zäh, ohne Rhythmus, richtig Lust hatte ich auch nicht mehr.
Aber ich war ja fast da, also lief ich durch, über die heiße, schattenlose, nicht enden wollende Hochebene. Nach einer kleinen Ewigkeit kam Gauersheim in Sicht, doch egal wie sehr ich mich anstrengte, es wollte scheinbar nicht näherkommen.
Endlich, nach mehr als 2,5 km erreichte ich die Wegscheide kurz vor dem Ortseingang, an der ich beim letzten Mal von Albisheim kommend bereits vorbeigekommen war.
Endspurt (naja, eigentlich kein Spurt. Aber Endgeeier klingt irgendwie nicht so beeindruckend).
Links runter, durch die Marnheimer Str. im Schatten (Schatten! Jaaaa!!) der Häuser bis zur Hauptstr., dort dann links und vorbei an Dorfplatz, Kirche, und einem strassekehrenden Rentner (der mich mit unverständlichem pfälzer Kauderwelsch anfeuerte/verfluchte/nach der Uhrzeit frage [wie gesagt, war unverständlich, gerade in meinem recht erschöpften Zustand, keine Ahnung, was der wollte] die Hauptstr. hoch bis zum Auto.
Puuuhaaaa!
Geschafft!!

An sich eine ordentliche Tour. Am Anfang sehr locker und angenehm, gegen Ende dann ziemlich anstrengend. War heute einfach zu heiss und sonnig für einen Lauf durch offenes Gelände, normalerweise muss man sowas bei diesem Wetter in den Abendstunden machen – wenn es unterwegs nicht so oft windig gewesen wäre, wäre ich hier wahrscheinlich ziemlich böse eingegangen.
Die Physis hat insgesamt gut mitgemacht, am Ende war ich zwar ziemlich müde, hatte aber ansonsten gab es keine größeren Probleme (lediglich die Blase an meinem linken Fuß hat wieder etwas gelitten – da muss ich den Schuh vielleicht doch noch mal warten lassen) – dafür, dass es die längste Tour seit dem Bänderriss war, hat´s eigentlich bestens geklappt!
Von der Umgebung her wieder hübsch, mit einem schönen, abwechslungsreichen Terrain, das an sich sehr angenehm zu laufen ist: Viel auf und ab, aber meist nur mit kurzen, gemäßigten An- und Abstiegen, die sich gut wegstecken lassen. Landschaftlich insgesamt etwas weniger spektakulär als das Zellertal, da die Gegend mit ihren großen Feldern insgesamt einfach etwas “konventioneller” und weniger exotisch ist, als die Weinberge weiter östlich. Außerdem war das Wetter einfach nicht ganz perfekt, um die Landschaft zu geniessen: Es war einfach zu diesig, wodurch die Farben der Umgebung oft etwas blaß und diffus wirkten, und es keine Fernsicht gab (die wäre hin und wieder sicher ganz schön gewesen). Insgesamt aber doch ein schönes Eckchen, vor allem Kirchheimbolanden ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

Und damit wären das weite, offene Hügelland zwischen Rhein und Nordpfälzer Bergland überwunden: Beim nächsten Lauf von Projekt Westwärts geht´s über die bewaldeten Höhen des Nordpfälzer Berglandes bis nach Dannenfels am Donnersberg!

Strecke: 17,5 km
Zeit: 1:55 min (= 9,13 km/h bzw. 6:34 min/km)
Karte:

Interaktive Streckenkarte

M.

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6 Antworten zu “Projekt Westwärts: Gauersheim – Kircheimbolanden – Bolanden (17,5 km)”

  1. Gerd Sagt:

    Hi Matthias,
    war ja ein “heißer” Lauf. Und trotz den Temperaturen und den Steigungen doch in einem ordentlichen Tempo. Ich habe für Morgen meinen Langen Lauf geplant. Den beginne ich aber spätesten um 3:30Uhr. Dann ist das Wetter noch genial!

    Gruß Gerd

  2. matbs Sagt:

    Meinst du jetzt 3:30 morgens oder nachmittags? Bei dir weiss man das ja nie so genau… ;)

  3. Gerd Sagt:

    Sorry,
    6:30Uhr… und dann natürlich vor”mittags” ;-)

  4. matbs Sagt:

    3:30 Uhr, 6:30 Uhr, alles mitten in der Nacht… :D


  5. [...] wunder – ein bekannter Ort erwartete: Die Wegkreuzung am Ende des Kaspartals, an der ich schon beim letzten Lauf von Projekt Westwärts aus der anderen Richtung kommend vorbeigekommen und in Richtung Bolanden abgebogen war. Super, nun [...]


  6. [...] Asbach Auerbach Balkhausen Beedenkirchen Bensheim Bobstadt Bürstadt Biblis Bickenbach Biebesheim Bischheim Bolanden Bolanderhof Bonsweiher Brandau Brensbach Büttelborn Crumstadt Dalsheim Dannenfels [...]


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