Powerrunde ums Balkhäuser Tal (14,6 km)
13. Mai 2008Heute mal im Präsens. Einfach nur so…
Wenn´s dem Esel zu gut geht, tanzt er auf dem Eis.
Sagt zumindest der Volksmund, der bekanntlich eine jahrhundertelange Erfahrung mit Eis und Eseln hat, und es deshalb ja eigentlich wissen muss.
Tja, und bei mir läuft´s momentan richtig gut: Die beiden letzten Bergläufe über Stock und Stein haben super geklappt und richtig viel Spass gemacht, Probleme gab es trotz der teils harten Steigungen und schlechten Passagen keine.
Deshalb hatte ich mir für heute vorgenommen, mal ein bisschen auf dem Eis zu tanzen (im Übertragenen Sinne), und zu sehen, ob ich mit einem etwas längeren Berglauf auf schlechten, steilen Wegen zurechtkommen würde.
Und mir auch gleich die passende Strecke rausgesucht: Von der Bergstrasse aus über den Höhenrücken zwischen Darsberg und Melibokus (und zwar nicht auf dem bequemen Pürschweg, oh nein, sondern durch den Sperbergrund bei Alsbach geradewegs nach oben, das sind fast 4 km teils knochenharter Anstieg), runter durchs Balkhäuser Tal, auf der anderen Talseite den Vogelherd hoch und auf den verworrenen Wegen am Hang bis zum Hechlersgrund, dann schließlich zum krönenden Abschluss noch auf den Gipfel des Marienbergs (das ist der Berg direkt hinter dem Heiligenberg), der nur über steile und extrem schlechte Trampelpfade zu erreichen ist.
Geschätzte 13 oder 14 km, nicht nur ein Berg, sondern gleich drei, und das zum Teil auf den fiesesten steilsten Pfaden, die die Gegend zu bieten hat.
Wenn der Esel schon tanzt, dann tanzt er auch gleich richtig!
Start um kurz nach 19:00, von Jugenheim aus auf dem Blütenweg südwärts durchs Feld bis nach Alsbach. Hier brennt die Sonne noch ziemlich stark, entsprechend ist es ganz schön warm - Ich mache ganz langsam, wenn ich die Tour gut schaffen will, muss ich mir meine Kraft gut einteilen.
Am Alsbacher Ortsrand dem Blütenweg folgend links hoch, auf dem gepflasterten Hasselbachweg mit dem offenen Bachlauf ein Stück den Hang aufwärts. Hier am Wasser ist es schattiger und deutlich kühler, ich scheuche ein halbes Dutzend Bachstelzen und Amseln den Weg hinauf, die indigniert vor mir her flattern, aber sich dann nach ein paar Metern wieder auf den Weg setzen, um dann nach ein paar Sekunden erneut zu fliehen.
Nach 200 m. rechts, auf dem idyllischen Brückenweg nach Alsbach hinein, ein paar Meter abwärts bis auf die Hauptstrasse, dort dann links hoch zum Sperbergrund: Der lange erste Anstieg hat begonnen.
Vorbei am Teich und der Kneippanlange unterhalb des alten Steinbruchs in den Wald, dort dann auf dem Burgenweg (blaues B) die südliche Talwand hoch, in der ersten Serpentine dann links auf die gelbe 1/gelbe 7, auf der ich weit oberhalb des Bachlaufs im Talgrund weiter dem Sperbergrund-Tal aufwärts folge. Normalerweise komme ich hier immer nur runter, bergauf ist es schon ein bisschen anstrengender, läuft aber insgesamt hervorragend: Bei ca. 7% durchschnittlicher Steigung ist meine Atmung völlig kontrolliert und ruhig, ich fühle mich wach und frisch, habe sogar die Muße, die Schöne Umgebung zu betrachten und zu geniessen. Lediglich meine Waden fangen nach ein paar hundert Metern Hubarbeit an, ein bisschen vor sich hinzunörgeln, aber das ist nicht weiter schlimm.
Nach etwa einem entspannten Kilometer die Wegscheide am oberen Ende des Tals, hier scharf rechts hoch, in Richtung der Hoboken-Hütte auf dem vorgelagerten Höhenrücken zwischen dem Sperbergrund-Tal und dem Schloßtal. Weiterhin gelbe 7, merklich steiler, hier komme ich dann doch schon ein klein wenig ins Schwitzen. Zum Ausgleich für meine Mühen begegne ich dafür aber auch ein paar Einheimischen, einem Feldhasen (der ja wohl eigentlich ein Waldhase sein müsste, wenn er hier oben wont) und mehreren Rehen. Der Hase flieht (der ist bergauf schneller als ich, muss ich zugeben), die Rehe bleiben hingegen stehen und glotzen mich aus paar Metern Entfernung an - vielleicht beruhigt sie ja die friedliche Frühabendatmosphäre. Im Vorbeilaufen ziehe ich die Mütze und grüße freundlich - “Hallo, ihr Rehe!” - aber sie reagieren nicht.
Unhöfliches Schaldenwild…
Beim Kreuzweg an der Hoboken-Hütte gönne ich mir eine kleine Pause. Nicht um zu Atem zu kommen, das ist gar nicht nötig, nur um meine leicht krampfigen Waden ein bisschen zu lockern und auszudehnen. Dann geht´s weiter bergauf, den schmalen, unangenehm steinigen Weg mit der gelben 4 weit oberhalb des Schloßtales in Richtung Erlengrund. Rechts des Weges geht´s hier so steil abwärts, dass nur noch eine Schicht Baumwipfel die immer noch kräftige Sonne abschirmt (die nächsten Baume sind schon zu weit unten), entsprechend ist er hier wieder ein Stückchen wärmer.
Puh.
Nach einem angenehm schweisstreibenden halben Kilometer mit vielleicht 9% durchschnittlicher Steigung erreiche ich die T-Kreuzung nördlich der Grillhütte am Erlengrund. Da will ich aber nicht hin, also biege ich links auf den Hohe-Stich-Weg ab (gelbes V), der erst um einen vorgelagerten Bergrücken herum, und dann durch ein weites, offenes Hochtal bis auf den Pürschweg führt.
Auch wieder so eine Strecke, die ich schon X-Mal runter, aber nur selten hochgelaufen bin.
Gerade die ersten Meter sind durchaus anstrengend, denn bis man um die erste Kurve ist und ins Hochtal kommt, geht´s mit etwas über 10% aufwärts. Danach wird die Strecke allerdings sehr angenehm, von nun an kann man mäßiger Steigung um das Tal herum laufen und dabei die schöne Aussicht durch die spärlichen Wipfel in die Ebene geniessen: An klaren Tagen hat mir einen wunderbaren Blick auf die Frankfurter Skyline und den Taunus, heute ist es allerdings wieder mal viel zu diesig. Hübsch finde ich es aber trotzdem, während im friedlich-weichen Licht der Abendsonne meine erste Trinkpause mache (heute mal mit lauwarmer Aldi-Iso-Plörre Grapfruit anstatt mit lauwarmer Aldi-Iso-Plörre Orange. Etwas weninger süss, das ist gut).
Danach bin ich auch schon fast oben: Einen halben Kilometer bei mäßiger Steigung am Talrand noch Norden, dann stosse ich auch schon auf den guten, alten Pürschweg (SJ2), dem ich scharf nach rechts in Richtung Melibokus folge, und dabei seine unterdurchschnittliche sanfte Steigung (an dieser Stelle vielleicht 5%) genieße.
Schließlich, nach etwas 300 m., meine Abzweigung: Kurz vor der scharven Rechtskurve, die den Anfang des letzten Anstiegs zum Melibokus markiert, laufe ich links vom Pürschweg ab, über einen grasigen, unmarkierten Pfad auf die 10 m. weiter östlich verlaufenden Kattenberger Schneise, die zugleich den Bergsattel des Melibokusmassivs markiert (an dieser Stelle ca. 410 m. ü.NN).
Geschafft! Damit bin ich oben, der erste Anstieg ist geschafft. Verfassung: Weiterhin exzellent, nur die Waden krampfen weiterhin ein bisschen, aber nachdem sie mich gerade eine 4 km lange Steigung hochgepumpt haben, nehme ich ihnen das nicht weiter übel.
Erster Berg: Problemlos geschafft. Aber jetzt nicht übermütig werden, das war schließlich nur die Aufwärmphase gewesen…
Auf der Kattenberger Schneise 10 m. nach rechts, dann sofort links, auf den kleinen Pfad, der hier geradewegs den Hang runter ins Balkhäuser Tal führt. Unmarkiert, schwer zu finden (ich hab´ ihn seinerzeit mal fast ein halbes Jahr gesucht, bevor ich ihn endlich entdecken konnte - damals war er allerdings auch zugewuchert, und ich war noch ohne Karte unterwegs), und sacksteil (50 Höhenmeter auf 300 m.) - jedesmal, wenn ich hier runterlaufe bin ich dankbar, dass ich den nicht hoch muss.
Also abwärts, durch den Wald an der Ostseite des Melibokusmassivs, in dem es schlagartig angenehm kühl und schattig ist - die Sonne steht schon so tief, dass sie nicht mehr über den Bergkamm reicht. Unten angekommen links aus dem Wald heraus, durch das kleine Seitental an der Roten Sohl, dann auf dem leicht abfallenden Feldweg durch die herrliche Landschaft aus hügeligen, sattgrünen Bergweiden und kleinen Obsthainen bis hinuter nach Balkhausen, das ebenfalls schon in den abendlichen Schatten des Melibokus gehüllt ist.
Im Dorf angekommen ist erst mal Schluss mit Gefälle, von nun an geht´s wieder stetig bergauf. Aber die letzten 1,5 km bergab haben gut getan, ich fühle mich weiterhin taufrisch, und meine das Ziehen in meinen Waden ist verschwunden. Ich biege rechts in die Felsbergstrasse ein und folge ihrem Verlauf aufwärts durchs Oberdorf: Vorbei an der Feuerwehr und dem ehemaligen Balsse-Peter, an der großen Kreuzung dann links in Richtung Kuralpe. Das Dorf ist idyllisch, friedlich, wirkt fast schon ein bisschen schläfrig angesichts des schwindenen Lichts, gefällt mir.
300 m. nach der großen Kreuzung erreiche ich das obere Ortsende, direkt hinter dem letzten Haus auf der linken Seite geht es scharf links, auf den Weg am Hirtenberg (unmarkiert, laut Ortsplan “Außerhalb Balkhausen”). 150 m. aufwärts, vorbei an einem einzelnen Haus in Traumlage hoch über dem Dorf, dann rechts um den Vorsprung des Hirtenbergs und eine lange Gerade am Waldrand oberhalb eines Wiesentals aufwärts.
Wunderschönes Stück: Schon wieder so hoch, dass die letzten Strahlen der Abendsonne gerade noch über den dunklen Rücken des Melibokus reichen und den gesamten Hang in ein herrliches Licht tauchen, dazu ein großartiger Panoramablick hinunter auf das idyllisch im schattigen Talgrund ausgebreitete Balkhausen. Allerdings auch wieder ordentlich steil, aber damit komme ich weiterhin bestens klar.
Nach ca. 600 m. führt der Weg direkt in den Wald hinein, schlängelt sich dann etwas weiter oben durch den Grund des Tals, und umquert dann nach weiteren 250 m. (natürlich immer weiter bergauf) in einer sanften Rechtskurve den nächsten vorstehenden Bergrücken.
Hier muss ich jetzt so langsam etwas aufpassen: Der Wald am Vogelherd ist zerklüftet und von kleinen Tälern durchschnitten, und hat zwar viele Wege, von denen aber praktisch keiner markiert ist (und von denen so manch Einer im Nichts endet) - wenn man hier nicht vorsichtig ist, kann man sich sehr leicht verfransen und werweiswo rauskommen. Glücklicherweise ist mir das früher oft genug passiert, so dass ich heute genug rudimentäre Ortskenntnis besitze, um zumindest ungefähr den richtigen Kurs zu halten (außerdem habe ich mir die Abzweigungen, die ich nehmen muss, vor dem Lauf sehr genau eingeprägt).
Entsprechend bleibe ich Souverän auf kurs, nach der Rechtskurve 350 m. weiter aufwärts bis zu einer scharfen Kehre mit Abzweigung, dort geradeaus (und - wie könnte es anders sein - bergauf), bis ich schließlich den Weg SJ2 erreiche, der im nördlichen Teil des Vogelherdes über einem tiefen Bachtal in Richtung Kuralpe führt (und den ich von vielen früheren Läufen sehr gut kenne). Hier links, um das Tal herum und an seiner Nordflanke abwärts, durch wunderschönen, alter Hochwald, dicht und schattig aber immer wieder durchbrochen von leuchtenden Flecken orange-warmen Abendlichts, das seinen Weg durch die Wipfel findet. Nach einem halben Kilometer dann scharf links, auf einen weiteren unmarkierten Weg, der runter in den Talgrund führt, dort den kleinen Bach überquert, und sich auf der anderen Seite in die schummrigen Täler der unteren Hänge führt.
Hier muss ich mich beeilen, immer in Bewegung bleiben - der Wald ist schattig und voller Wasser (Bäche, aber auf Pfützen) und nach dem milden Winter und dem feuchten Frühling proppenvoll mit Schnakenschwärmen, die auf einen herniedergehen, sobald man etwas langsamer wird (Trinkpause #2 fällt entsprechend hektisch und kurz aus, und bringt mir trotz eines armewedelnden Abwehr-Veitstanzes einige unangehme Stiche ein).
Also schnell weiter, am Ende des Tals um eine scharfe Kehre (irgendwo hier habe ich bei einer Wanderung letzten Sommer Nemos Leine verloren, wiederfinden tue ich sie heute allerdings nicht), ein zweites Mal durch das Bachtal (dieses Mal weiter unten und in entgegengesetzter Richtung), schließlich noch ein Stück aufwärts, bis ich auf den Weg mit der gelben 5 stosse, leicht verwundert darüber, dass ich tatsächlich dort rausgekommen bin, wo ich hinwollte.
Wow. Das ist mir hier oben auch noch nicht so oft passiert ![]()
Über die gelbe 5 (auf der ich nach links laufe) erreiche ich schließlich den Waldrand über dem Hechlersgrund, und damit auch wieder den Weg SJ2.
Zweites Bergstück: Geschafft.
Kurze Bestandsaufnahme: Läuft alles wie geschmiert, Moral gut, Beine sind warm und machen bestens mit, keinerlei Anzeichen von Erschöpfung. Mir geht´s super, der letzte Berg kann kommen…
Macht er dann auch relativ schnell: Ich biege links auf den asphaltierten Weg ein (SJ2), laufe über die schöne Wiesenlandschaft des Hechlersgrundes (Rechts: Friedlich grasende Ponies. Links: Schöner Blick auf Balkhausen tief unten im Tal und den mächtigen, dunklelgrünen Brocken des Melibokus direkt dahinter), passiere die Kaiserbuche, und erreiche nach gerade mal 120 m. den Wald an der Rückseite des Heiligen-/Marienberges: Aufstieg #3 steht an.
Zuerst mal noch relativ harmlos: Weiter geradeaus auf SJ2 durch den Wald, moderat aufwärts, durch Balettensembles tanzender Fluginsekten. Nach 350 m. die erste Wegscheide: SJ2 führt hier nach halbrechts und macht einen Bogen nördlich um den Marienberg.
Aber ich will ja nicht um den Marienberg rum, ich will rauf.
Also biege ich hier stattdessen links ab, auf einen unmarkierten Waldweg, der schon relativ schlecht ist (wohl auch, weil er als Parkplatz für diverse Bauwagen und Forstwirtschaftsfahrzeuge dient, deren Reifen hier tiefe Spuren hinterlassen haben) und recht ordentlich ansteigt.
Aber nur für 150 m., dann geht´s nämlich rechts ab auf den Trampelfpad, der bis zum Gipfel hochführt.
Ab hier wird´s dann noch mal richtig schön krass.
Zur Erklärung: Der Gipfel des Marienbergs (331,6 m. ü. NN) ist nicht nur steil, er ist vor allem auch unerschlossen. Da gibt´s keine schönen, bequemen Waldwege, die man eben mal so raufspazieren kann. Wer hier hoch will, muss sich mit einigen wenigen halbvergessenen Trampelpfaden durchs Dickicht begnügen, die so schlecht, steil und überwuchert sind, dass sie diesen Namen eigentlich nicht mal verdient haben.
Das ist schon keine Cross-Strecke mehr, das ist Wildnis.
Perfekt!
Der Aufstieg, den ich gewählt habe, ist nicklig: Fast 20% Steigung, schlechter Untergrund, kniehohes Gras (wahrscheinlich voller Zecken. Brrr…).
Hier muss ich richtig kämpfen, jeder unsichere Schritt kostet eine enorme Kraft.
Gut dass ich noch fit bin, tatsächlich macht mir die extreme Anstrengung sogar richtig Spass.
Hrrrr.
Aufwärts.
Aufwärts…
Auuf… wäääääärts!!!!!
Nach 200 m. erreiche ich schwer atmend und schweissgebadet den Gipfel. Zu sehen gibt´s hier nichts, einfach eine unspektakuläre Kuppe mit dichtem, filzigen Wald, der jeden Blick ins Tal zunichte macht. Da das Licht inzwischen schon relativ knapp ist und auch hier schon wieder Horden von Stechmücken nach meinem süßen, sauerstoffhaltigen Blut gieren, verweile ich hier nicht lange, sondern mache mich gleich wieder an den Abstieg. Ausser dem Pfad, den ich hochgekommen bin, gibt es hier noch zwei andere Wege: Direkt vor ist eine grobe Schneise, die geradewegs den Hang runterführt und kurz über dem Schloss endet.
Das ist natürlich viel zu einfach, also wähle ich Variante Nr. 2, einen winzigen Pfad rechts runter, den ich vor langer Zeit schon einmal gelaufen bin, und deshalb weiss, dass er sich in mehreren langen Serpteninen die Nordflanke des Berges runterwindet.
Was ich allerdings nicht mehr weiss, ist wie unsäglich beschissen dieser Pfad ist.
Macht aber nix, denn das finde ich jetzt ja wieder raus.
Allein der Begriff “Pfad” ist eigentlich schon viel zu viel der Ehre: In Wirklichkeit handelt es sich einfach um ein extrem schmales Stück Hang, das etwas weniger schräg ist als der Rest, und auf dem ein klein wenig weniger wächst. Der Boden ist Zentimeterdick mit altem Laub bedeckt, unter dem eine Legion großer Steine und dicker Stöcke darauf wartet, mich zu Fall zu bringen. Die Sicht ist miserabel, das bisschen indirekte Abendlicht, dass den Nordosthang erreicht, wird fast vollständig vom Blätterdach der extrem eng stehenden jungen Bäume geschluckt - hier ist es nicht mehr schummerig, es ist finster. Und es geht steil bergab, Bremsen oder Anhalten sind hier fast nicht möglich.
Jeder Schritt ein bisschen russisch Roulette.
Nach 150 m. geht dann gar nichts mehr: Mehrere Bäume sind umgefallen, versperren den Pfad vollständig. Ich muss außenrum. Also klettere ich den steilen, rutschigen, dornigen Hang runter, umrunde die Bäume, und kraxele dann wieder auf den Pfad hoch.
Ganz vorsichtig, wenn ich hier ins Rutschen komme, gehe ich als Lawine ab, bis ein Baum oder der Talgrund mich stoppen, das muss nicht sein.
Die letzten Meter der Kletterpartier führen auch dann noch mitten durch eine Brombeerhecke. Ich jage mir mehrere Dornenranken in Arme und Beine, dann bin ich endlich wieder oben auf dem Pseudo-Pfad, der auf einmal richtig heimelig wirkt.
Immerhin geht´s von jetzt an leichter: Der Weg wird etwas besser, und je weiter ich um den Hang herumkomme, desto heller wird es. Nach der zweiten Serpentine eine kleine Kreuzung im Nirgendwo, von der drei aus ähnlich schlechte Wege in verschiedene Richtungen führen. Ich entscheide mich für halblinks/geradeaus, ein leicht aufwärts führender Trampelpfad, der auf halber Höhe um den Marienberg herum führt. Hier wächst dichtes, hüfthohes Gras, durchsetzt mit Brennesseln, mehr Dornen, und noch ein paar umgestürzten Bäumen, die ich mühsam überklettern muss (wobei ich jedesmal aufgrund der Geschwindigkeitsreduktion zur Zielscheibe wilder Waldschnaken werde, die sich dutzendfach auf mich stürzen).
Immerhin erwartet mich nach knapp 150 m. eine schöne Belohnung für die ganze Plackerei: Völlig unvermittelt stosse ich auf eine kleine Lichtung, die einen herrlichen Blick nach Westen in die Ebene erlaubt: Ganz hinten, direkt am Horizont hängt die untergehender Sonne, ein riesiger, verwaschener, orangeroter Glutball, dessen letzte Strahlen den Hang um mich herum in ein unglaublich intensives, unwirkliches Licht tauchen. Darunter breitet sich die nördliche Rheinebene aus, eine schier unendlich weite Fläche aus tiefen Blau- und Purpurtönen, die sich gen Horziont im schimmernden Dunst verliert.
Woooow!!
Ich vergesse die Schnaken, bleibe mit offenem Mund für ein, zwei Minuten einfach nur stehen und genieße das unglaubliche Schauspiel des Sonnenuntergangs, bis der letzte glimmende Streifen hinter den dunkelblauen Bergen am Horizont versunken ist.
Wunder-, wunderschön!!!
Danach folge ich dem Weg noch für 50 m., bis ich wieder auf die grobe Schneise den Hang runter stosse, die ich vom Gipfel aus nicht nehmen wolle. Dieses mal biege ich rechts in sie ein, und folge ihr 150 m. bergab, bis ich direkt über dem Schloß Heiligenberg wieder auf den Weg SJ2 stosse. Schon wieder am Schloß entlang will ich nicht, also laufe ich kurz links in den Wald, und biege bei der nächsten Gelegenheit rechts ab, auf einen Pfad, der unterhalb des Schlosses westwärts führt: Aus dem Wald raus, durch einen hübschen Laubengang aus dichten Bäumen, dann an der Hütte oberhalb des Nonnenbrünnchens vorbei und auf den Pfad, der unterhalb der Kreuzwiese am Hang entlang verläuft. Es geht leicht abwärts, ich mache noch mal so richtig Tempo, steil links unter mir schimmert die Weide im Balkhäuser Tal, kurz hinter dem Jugenheimer Ortsausgang durch die Bäume. Schließlich die Fahrstrasse auf den Heiligenberg, links runter, durch die Serpentinen bis in die Jugenheimer Hauptstr. Fast zuhause, ich fühle mich immer noch topfit, also behalte ich das hohe Tempo bei: Links die Hauptstr. runter, rüber in den Pauerweg, dann rechts den Kuchenpfad runter (ist zwar ein kleiner Umweg, aber ich bin ihn seit Blogbeginn noch nie gelaufen, also warum nicht?), dann schließlich im schnellen Semisprint die Alsbacher Str. hoch und im letzten Tageslicht nach Hause.
Heidenei!
Was für ein geiler Lauf: Ich bin verschwitzt und angenehm abgeäschert (aber nicht wirklich erschöpft), meine Beine sind zerstochen, zerkratzt, aufgeschürft und dreckig, ich hab´ eine blutende Wunde in der Kniekehle (ein Andenken der Dornen am Marienberg) - und bin rundum glücklich.
Eine wunderbar fiese, anstrengende Tour über Stock und Stein, durch tolles, schwieriges Gelände und mit viel Anspruch, an der ich mich mal so richtig austoben konnte - Was für ein unheimlicher Riesenspass!
Und das Beste: Ich bin praktisch nicht Müde, meine Beine tun nicht weh, ich fühle micht erfrischt und topfit, der Knöchel hat keinen Mucks gemacht, alles ist perfekt (ganz ehrlich, ich hab´ das Gefühl, dass ich solche langsamen, kraftaufwändigen Bergtouren besser wegstecke, als schnelle Flachlandläufe - bin wohl für sowas gemacht…
).
In dieser Verfassung kann ich auch bald wieder die richtig langen Bergstrecken laufen, aufs Felsenmeer, zur Neunkircher Höhe, oder mal bis runter nach Bensheim…
So Kinder, und das war´s für heute:
Der Esel war auf dem Eis tanzen, aber er ist nicht ausgerutscht…
Strecke: 14,6 km
Zeit: 1:45 h (= 8,34 km/h bzw. 7:12 min/km - lahm, aber ich möcht´ sehen, wer auf der Strecke schneller ist…
)
Karte:

Oh Mist!! Heute sind mir bei der Karte sogar zwei Fehler unterlaufen:
1.) Der Weg von der Hoboken-Hütte zum Erlengrund ist nicht die gelbe 5, sondern die gelbe 4
2.) Der Marker rechts oberhalb des Talhofs müsste eigentlich mit “links auf die gelbe 5″ beschriftet sein.
Sorry!!!
M.
Tags: Alsbach, Alsbach-Hähnlein, Balkhausen, Bergstrasse, Blütenweg, Burgenweg, Heiligenberg, Hessen, Joggen, Jogging, Jugenheim, Laufen, Odenwald, Seeheim-Jugenheim



15. Mai 2008 um 6:45 Uhr nachmittags
Hallo Matthias,
hört sich echt Klasse an. Ich hatte ja Ende letzter Woche auch meine Einstellung zu “Bergläufen” etwas geändert. Wenn mal die Kraft in den Beinen da ist macht´s richtig Spaß. Ich denke das war aber auch ein Grund für meine Wadenverletzung. Ich habe es einfach ein wenig übertrieben.
Ich hoffe Du hast nicht sämtliche Zecken im Wald aufgesammelt. Ist ja teilweise gruselig wo Du dich rumtreibst
Bei mir sieht es langsam wieder besser aus. Es geht von Tag zu Tag besser.
Gruß an die Bergstrasse
Gerd
15. Mai 2008 um 10:32 Uhr nachmittags
Ja, eigentlich gibt´s nichts Besseres: Die Landschaft ist in der Regel schön, die Belastung ist zwar etwas größer aber dafür auch variabler, und es geht einfach nichts über das Gefühl, nach hartem Aufstieg endlich oben zu stehen und sich als Sieger zu fühlen.
Neben der etwas größeren nötigen Muskelkraft ist die Crux beim Berglaufen vor allem, dass Läufer, die es nicht gewöhnt sind, oft erst lernen müssen, wie man mit Steigungen und Gefällen richtig umgeht.
Wenn man das erstmal drauf hat, ist es eigentlich auch nicht viel schwerer als das Laufen in der Ebene, zumindest in unseren relativ harmlosen Mittelgebirgsregionen - tatsächlich geht es mir z.B. so, dass ich Bergstrecken tendenziell sogar etwas besser wegstecke als Flachlandtouren, ich hab´ aber auch am Berg “gelernt” - als ich letztes Jahr für das Marathontraining erstmals systematisch mit weiteren, schnelleren Flachlandläufen auf härterem Untergrund angefangen habe, hatte ich da ´ne ganze Zeit richtig Probleme (als notorischer Hügelläufer muss man nämlich auch richtiges Flachlandlaufen erstmal erlernen).
Entsprechend mein Rat: Berglaufen langsam angehen (vielleicht kann ich dir ja sogar noch ein paar Tipps geben, wenn wir laufen), nicht übertreibem, aber auf jeden Fall immer ein bisschen weiter in der Richtung an sich arbeiten, denn die Gratifikation ist einfach viel größer als bei den ollen, öden Rübenäckerrunden im Flachland…
Wie gesagt: Du hat die Neunkircher Höhe ja quasi vor der Haustür, wär´ doch ne Schande, das nicht auszunutzen…
Weiterhin gute Besserung!
18. Mai 2008 um 10:23 Uhr nachmittags
[...] Powerrunde ums Balkhäuser Tal (14,6 km) [...]
19. Mai 2008 um 7:07 Uhr nachmittags
[...] Powerrunde ums Balkhäuser Tal (14,6 km) [...]
31. Mai 2008 um 11:16 Uhr nachmittags
[...] am Talausgang laufen können, aber diesen Weg hatte ich in entgegengesetzter Richtung ja erst vor ein paar Wochen genommen, ausserdem war ich noch fit, also wandte ich mich stattdessen nach rechts und lief auf der gelben [...]