Bickenbach und Seeheimer Wald (12,9 km)

15. Mai 2008

So, nach einer Woche wunderbarer Bergläufe war´s mal wieder Zeit für ein bisschen Flachland.
So richtig Lust drauf hatte ich eigentlich nicht, wäre viel lieber schon wieder hoch in die Hügel gerannt.
Aber hin und wieder etwas Ebene muss nun auch mal sein, sonst trainiert man zu einseitig, gewöhnt es sich ab, und muss sich dich dann irgendwann erst wieder mit viel Mühe reinfinden.

Rübenäcker versuche ich aber weiterhin erstmal zu vermeiden, also entschied ich mich für eine Route in die Waldgebiete zwischen Bickenbach, Seeheim und der A5 - da gibt´s noch einige isolierte Ecken, in denen ich bisher noch nie war, also zumindest ein bisschen was zu entdecken.

Start um halb Sieben, gewittriger Abend, zum ersten Mal seit langem bewölkt, etwas kühler als die letzten Tage, leichter Wind, aber eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Na ja, würde schon werden.
Zuerst mal westwärts, über ein paar Schleichwege am südlichen Ortsrand Jugenheims runter ins Feld, dort über den Strassenbahnübergang und weiter bis nach Bickenbach.


Schon der erste Kilometer lief so richtig mies: Leicht bergab, ich hatte ein ordentliches Tempo drauf, aber schon bei den ersten Schritten begann meine vordere Wadenmuskulatur wieder zu krampfen und hart zu werden - dasselbe Problem, das ich mit den neuen Schuhen schon länger habe, heute aber ganz besonders schlimm: Letzte Woche war ich ja wegen der Blasen, die ich mir an den Innenfüßen gelaufen hatte, noch mal zur Nachsorge beim Schuhaus Lang gewesen, und hatte dabei zwei Inlays (= ganze dünne Schaumstoffeinlagen) gekriegt. Deren Aufage ist es, den Fuß im Schuh etwas anzuheben, und dadurch die Reibung an den kritischen Stellen zu vermeiden.
Das klappt ja auch wunderbar, aber anscheinend verändert es auch ein bisschen die Fußstellung, und vergrößert dadurch die Anpassungsschwierigkeiten - bei den Bergläufen, die ich seitdem gemacht habe, war das offenbar kein Problem (vielleicht weil die Belastung am Hang anders ist), hier in der Ebene schlug´s aber so richtig durch und machte jeden Schritt richtig unangenehm.
Ugh!
Aber sei´s drum, bisher hatte sich das Problem ja jedesmal nach einer Aufwärmphase gelegt, also machte kurz vor Bickenbach eine kurze Lockerungs- und Dehnpause, und lief dann erstmal weiter.

In Bickenbach kurz links durch die Alsbacher Str., dann rechts auf der Hügelstr. Richtung Ortskern. Nach 400 m., auf Höhe des Spielplatzes, durch den Fußgängerweg am Ende der Berliner Str. in die Carlo-Mierendorff-Str. gewechselt, die dann rechts runter bis an die B3.
Übrigens immer langsamer, denn die Schienbeine zwickten, zwackten und krampften weiter fröhlich vor sich hin, wurde schlimmer statt besser. Rrrgh!

Auf der anderen Seite der B3 am neuen Plus-Markt vorbei an den Ortsrand, der zu meiner Überraschung gar kein Ortsrand mehr ist, sondern ein so frisches Neubaugebiet, dass es weder im Online-Stadtplan noch bei Google Earth auftaucht: Eine leicht aseptisch wirkende Ansammlung eintöniger Einfamilienhäuser und Doppelhaushälften in Pastelltönen, kleine, frisch angelegte Vorgärtchen mit nagelneuem Rollrasen und jungen Bäumen, die in frühestens 15 Jahren was hermachen, in jeder (wirklich jeder!) Einfahrt ein Kombi.
Hier lagert man in Deutschland also junge Familien ein bis sie zur vollen Dysfunktionalität gereift sind - irgenwie gaaaanz leicht gruselig, weiss nicht genau warum…

Hier ging´s auf jeden Fall rechts in den Holunderweg, an dessen Ende dann weiter durch den Gärtnerweg, und schließlich kurz vor dessen Ende links, doch nach an den richtigen Ortsrand (den Häusern am Landbach), dem ich nun nach Westen folgte.
Aber nur kurz, dann ging´s nicht mehr.
Die krampfigen Waden waren einfach nicht mehr zu ertragen, jeder Schritt eine Qual.
Also Pause, hinsetzen, Schuhe aus und die Inlays von unter den Sohlen rausgefischt und in den Hosentaschen verstaut - von jetzt an würde ich lieber wieder Blasen riskieren, als mir das noch länger anzutun.
Danach ging´s instant besser - die krampfigen Waden verschwanden zwar nicht sofort, aber sollten sich im Lauf der nächsten Kilometer rauslaufen, neue Blasen gab´s keine.
In Zukunft also wieder ohne Inlays…

Ich folgte dem Ortsrand bis zu den Kleingärten amTennisclub, wo ich eigentlich vorgehabt hatte, nach rechts durch die Gasse “Am Landbach” auf die Bahnofsstr. zu laufen. Dummerweise gab´s hier keinen Durchgang (der blöde Internetstadtplan hatte sich geirrt), also musste ich wieder 200 m. zurück und weiter oben auf die Banhofsstr. Dort dann links, durch den Opper Weg bis ans Neubaugebiet am nordwestlichen Ortsrand (Ein Neubaugebiet am andern, Bickenbach expandiert wohl gerade gehörig), so ich auf den Saar-Rhein-Main-Weg (gelbes Plus), dem ich 650 m. durch die Felder und am Waldrand entlang bis an die L3303 stiess. Direkt hinter der Landstrasse bog ich dann links in den Wald ab.

Hier war´s schummrig, schattig feucht und wieder mal voller Schnaken, also beeilte ich mich etwas und folgte der anscheinend namenlosen Schneise 800 m. nach Norden. Unterwegs kurze Begegnung mit einem überhaus unhöflichen entgegenkommenden Jogger, der es nicht für nötig hielt, meinen freundlichen Gruß auch nur zur Kenntnis zu nehmen.
Arroganter Bastard!
(An dieser Stelle mal etwas zum Thema “Etikette”. Liebe Jogger: Wenn ihr unterwegs andere Läufer trefft, dann habt ihr die gefälligst zu grüßen, ganz egal ob ihr gerade schlechte Laune habt, mit dem Mann mit dem Hammer tanzt, euren dämlichen IPOD auf den Ohren habt, oder was Besseres seid, weil ihr den Marathon unter zweieinhalb Stunden lauft - ANDERE JOGGER GRÜSST MAN, UND ZWAR IMMER, UND ZWAR FREUNDLICH, UND ZWAR AM BESTEN MIT EINEM LÄCHELN UND EINEM HÖRBAREN “HALLO!”!!!
So macht man das, ihr Säcke!
Wenn ihr unbedingt wen ignorieren müsst, findet ihr Unterwegs schließlich genug Walker, Biker und Spaziergänger, die könnt ihr mit soviel Nichtbeachtung überhäufen, wie ihr wollt!
Sheesh, some people have no manners at all…)

Am Ende der Schneise rechts, nach 50 m. der Kaiserstein, der hier seit dem 18. Jahrhundert steht, und der Nachwelt mitteilt, dass ihre erlauchte Majestät Franz-Stephan von Toskana, seines Zeichens Kaiser in Spe, hier mal einen Hirsch umgebracht hat (und zwar “Knall und Fall”). Da ich hier noch nie vorher war, sah ich mir das trotz der Wolken aus blutsaugenden Insekten natürlich kurz an, und lief dann weiter bis an den Weg SJ3. Den nach links, nach 150 m. gleich vorbei am nächsten stehenden Stein, dem Dreimärker, der auf genau dem Punkt steht, wo sich die Gemarkungsgrenzen von Bickenbach, Seeheim-Jugenheim und Pfungstadt treffen.

Direkt dahinter links, über die Schienen der alten Bahnlinie, dann rechts und neben den Gleisen durch die Unterführung unter der L3103 durch, von der mir bis heute nicht mal so richtig klar gewesen war, dass es sie gibt.
Auf der anderen Seite: Mehr Wald.
Übrigens interessant, wie der sich vom Mischwald an höher liegenden den Hängen des Odenwalds unterscheidet: Hier unten in der Senke mit ihrem sandigen Boden dominieren Kiefern, die mit ihren hohen, kahlen Stämmen viel Licht durchlassen, entsprechend ist die Bodenvegetation hier extrem Dicht und verfilzt, hat schon fast was Dschungelhaftes.
Zu diesem Eindruck passte übrigens auch die extreme Feuchtigkeit hier unten: Die Luft war trüb von waberndem Wasserdampf, allenthalben tropfte es von Blättern und Gräsern, alles war klitschnass -
fast wie in der Waschküche, wahrscheinlich näher an 100% als an 90% Luftfeuchtigkeit.

Direkt hinter der Unterführung lief ich links, folgte dem Fuß der Strassenböschung bis zur Autobahnauffahrt und bog dort nach rechts ab, auf eine Schneise, die direkt unterhalb der A5 nach Norden führt. Ziemlich laut, direkt neben der Autobahn, und ziemlich weit unten - die Böschung zu A5 ist hier bis zu 10 oder 15 m. hoch, wenn man da oben fährt, merkt man gar nicht, wie weit oben man eigentlich ist.

Am Ende der Schneise erreichte ich schließlich arg durchnässt die Fahrstrasse zwischen Pfungstadt und Seeheim, auf die ich rechts einbog. Aus Richtung Pfungstadt kam gerade ein anderer Jogger vorbei, der nicht nur nett grüßte, sondern die nächsten 300 m. auch nett mit mir plauderte (SO GEHT DAS!), bevor sich unsere Weg auf Höhe der Schienen wieder trennten: Ich lief links von der Strasse ab, auf den Betonweg, der neben den Schienen in Richtung des Bundeswehr/Muna-Geländes führt. Nach ca. 50 m. dann rechts, über die Gleise und auf der leicht hügeligen Salzlackschneise durch den weiterhin tropfnassen Wald bis an die B3.

Hinter der Bundesstr. wollte ich eigentlich der Salzlackschneise weiter durch den Wald bis zur Brandschneise folgen. Auf der Wanderkarte hatte einfach genug ausgesehen, vor Ort gab´s allerdings ein kleines Problem: Hier war keine Schneise mehr. Stattdessen nur ein winziger, teilweise kaum zu erkkender Wildpfad durchs Dickicht, zugewuchert, ungleichmässig, eigentlich nicht zu joggen.
An der B3 wollte ich aber auch nicht lang, also nahm ich ihn eben und kämpfte mich knapp 200 m. durch die Wildnis, ständig bedrängt von Dornen, Schnaken und dem nassen, schwer herabhängenden Unterholz, das in Richtung Brandschneise gottseidank immer Lichter wurde.

Auf der Brandschneise (Radweg 15) ging´s dann nach rechts. Ebener, guter Weg mit wunderbar weichem Waldboden, meine krampfigen Waden hatten sich beruhigt, und nach der gezwungen langsamen Expedition durch den Wilden Wald fühlte ich mich ausgeruht und fit, also drehte ich hier noch mal ein bisschen auf und lief in sehr zügigem Tempo in Seeheim ein.
Geradeaus über die Friedrich-Ebert-Str., dann weiter durchs Weihereck, an dessen Ende wieder in den Wald und über einen kleinen Hügel bis runter an den Grundweg in den Wiesen westlich von Seeheim. Dort kurz links, dann rechts (schon wieder in den Wald) und weiter, bis ich auf Höhe der Schrebergärten wieder mal auf den Saar-Rhein-Main-Weg stiess, dem ich nach links in Richtung Entenweiher folgte (die ersten Meter davon etwas unangenehm, da hier viel Sand rumliegt, in dem sich´s nur anstrengend läuft - konnte mich aber nicht aufhalten, ich pflügte durch).

Am Entenweiher nach links, einmal um den See rum, direkt nach der kleinen Brücke nach rechts und am anderen Seeufer vorbei an ein paar Entenfütternden älteren Damen bis zum Schuldorf, dort die Treppe an der Busschleife hoch (wie immer wenn ich Treppen hoch jogge, erklang dabei vor meinem geistigen Ohr die Treppen-Hochlauf-Fanfare aus Rocky, das spornte noch mal zusätzlich an ;) ).
Oben dann um den Bau 28 rum, über den großen Hof, runter zur Grundschule, dort rechts auf den Pfad zwischen Stockstadion und den Haupt-/Realschulgebäuden, über den ich schließlich bis zur Kreuzung am Fuß der Schuldorbrücke gelangte und auf die Südseite der L3103 wechselte.

Dort dann links hoch nach Jugenheim rein, vor der Strassenbahn rechts in die Weinbergstrasse, an deren Ende auf den hübschen Fußweg zwischen Gleisen und Friedhof, schließlich über Dreieichenröhr, Pappelweg, Sandstr. und Merckstr. zurück nach Hause, dabei ein konstant hohes Tempo durchgehalten.

Ein seltsamer Lauf: Die erste Hälfte unangenehm und im wahrsten Sinne des Wortes verkrampft, die zweite dann relativ flüssig und gegen Ende immer schneller. Lief insgesamt gut, so viel Spass wie in den Hügeln hat´s aber natürlich nicht gemacht.
Na ja, beim nächsten Mal lauf´ ich wieder nach Osten in die Hänge. Aber ohne die Inlays, die bleiben daheim…

Strecke: 12,9 km
Zeit: 1:14 h (= 10,46 km/h bzw. 5:44 min/km)
Karte:

Interaktive Streckenkarte

M.

Tags: , , , , , , , , , , ,

4 Antworten zu “Bickenbach und Seeheimer Wald (12,9 km)”

  1. Gerd Sagt:

    Super,
    ich gebe dir bezüglich den arroganten Joggern absolut Recht. Es bricht sich bestimmt keiner einen Zacken aus der Krone wenn man sich gegenseitig höflich begrüßt.
    Ich weiß auch nicht was diese Arroganz soll.
    Ist wahrscheinlich ein gesellschaftliches Problem.
    Ich werde weiterhin weiter freundlich jeden Läufer Grüßen. Wenn dieser einen Gegengruß nicht für nötig hält kriegt er den imaginären “AR…-Stempel” vom mir und ist für immer gebranntmarkt.
    Hallo Ihr Ignoranten…. Grüßen verursachte keine Schmerzen!

    Gruß Gerd

    PS: Ich hoffe am Sonntag kann ich mal wieder einen kleinen Lauf wagen!

  2. matbs Sagt:

    Aber nicht übertreiben, schließlich musst du bis Fronleichnam topfit sein… ;)

  3. Ums Stettbacher Tal (15 km) « Laufblog Sagt:

    [...] Bickenbach und Seeheimer Wald (12,9 km) [...]

  4. 2008 KW 20 (12.05. - 18.05.) « Laufblog Sagt:

    [...] Bickenbach und Seeheimer Wald (12,9 km) [...]

Eine Antwort hinterlassen