Verirrt, verwirrt und eingesulcht: Schöne/Nasse Runde den Felsberg (17,4 km)

26. Juni 2008

Normalerweise wäre ich ja gestern schon losgezogen.
Aber ich war heute mit Jost zum Laufen verabredet, deswegen hab´ ich verzichtet.
Jost hat dann natürlich mal wieder auf den letzten Drücker abgesagt. Eigentlich ganz normal, macht er eigentlich immer wenn mal unter der Woche laufen wollen - Mal ist er nicht ganz so fit, mal muss er kurzfristig beruflich weg, mal hat seine Ex angerufen und er muss ganz unbedingt sofort einen Kaffee mit ihr trinken gehen… na ja, Sport (außer Fußball in der Glotze ;) ) hat bei ihm im Moment offensichtlich keine besonders hohe Priorität (was irgendwie ein bisschen lustig ist, weil er andererseits ständig rumjammert, dass er so dick und unfit geworden wäre)…

Also musste ich am Dienstagabend noch schnell umdisponieren: Die Strecke, die ich mit Jost gelaufen wäre (Alsbacher Schloss, Comoder Weg, Herrenweg), war mir eigentlich zu kurz und außerdem wollte ich sie nicht ohne Jost “verbrauchen”, da musste was Anderes her. Nach kurzem Stöbern in meinem Archiv geplanter Läufe entschied ich mich für eine spannende mittellange Tour auf obskuren Nebenpfaden am Felsberg, auf die ich schon ziemlich gespannt war, und nahm mir vor, sie gleich heute morgen abzulaufen.

Heute morgen war´s dann aber furchtbar schwül und drückend.
Nein, halt, das stimmt so nicht, eigentlich war´s FURCHTBAR SCHWÜL UND DRÜCKEND !!!
Allein schon der Schritt vor die Haustür fühlte sich an, als würde man eins mit einem Brett übergezogen kriegen (und das in einer Sauna).
Da ging gar nix, ich verschob ich die Tour auf nach dem Gewitter, das angesichts solch einer Wetterlage unweigerlich komme musste.

Fast forward bis zum Abend: Semiapokalyptisches Unwetter vorbei, Himmel bedeckt mit turmhohen grummelnden Wolken, immer noch unheimliche Luftfeuchtigkeit, aber immerhin etwas kühler.
Besser würde es heute nicht mehr werden. Also los, ab auf die Kuralpe zum Start.

Tolle Stimmung hier oben: Die imposanten, blaugrauen Wolken hingen heute so tief, dass man hier oben nur noch ganz kurz drunter war, die Luft extrem feucht aber auch wunderbar frisch, die wunderschöne Hügellandschaft in ein seltsames, mystisch-unwirkliches Licht getaucht.
Und es war gar nichts los: Unter der Woche, unwetterig, und in etwas über zwei Stunden würde das EM-Halbfinale Deutschland-Türkei losgehen, da hatte ich den Odenwald praktisch für mich allein.
Wunderbar!

Zuerst mal ging´s vom Parkplatz der Kuralpe aus über die L3101 zum Anfang der Hutzelstrasse, dort dann aber gleich links und auf dem hübschen Weg SJ2 durch die Hangwiesen oberhalb vom “Winter” bis zum Waldrand am Vogelherd. Liess sich gut an: Normalerweise mag ich ja keine zu hohe Luftfeuchtigkeit, aber heute machte sie mir fast überhaupt nichts aus (vielleicht auch, weil die Temperatur mit knapp unter 20 Grad ideal war): Ich kam ich gut mit der ordentlichen Steigung klar, fühlte mich richtig fit und tatendurstig. Lediglich mein linkes Knie rumorte wieder mal ein bisschen vor sich hin, aber das bin ich inzwischen ja gewöhnt…

Direkt hinter dem Waldrand ging´s links ab, auf den unmarkierten Weg mit der Schranke, der in südwestlicher Richtung über das kleine, dicht bewaldete Hochplateau des Vogelherds führt.
Auch hier eine großartige Atmosphäre: Der Berg hatte eine der tief hängenden Wolken “eingefangen”, die nun hier oben festhing und den Wald in eine geheimnissvolle Fantasielandschaft aus dichtem, wattig warberndem Nebel und gespenstisch anmutenden Bäumen verwandelte, von oben durch eine seltsam-diffuses Licht erhellt, das sich ganz selten in einem einzelnen, im Dunst klar ausdefinierten Sonnenstrahl konkretisierte (offenbar war die Wolkendecke nur wenige Meter über dem Wald zu Ende).
Wunderbar, allerdings noch mal eine Ecke feuchter: So mitten durch die Wolke zu laufen, das war schon fast wie Aquajogging, innerhalb kürzester Zeit war ich völlig durchnässt, was mich aber nicht weiter störte: Auf dem weichen, feuchten Waldboden lief es sich super, lediglich mein ausgedruckter Streckenplan machte mir Sorgen, denn der war innerhalb kürzester Zeit so feucht, dass die Druckertinte zu verlaufen anfing und das Papier Auflösungserscheinungen zeigte - hoffentlich würde der noch lange genug durchhalten, bis ich die richtig verworrenen Passagen des heutigen Laufs hinter mir hatte.

Ein ganzes Stück geradeaus, leicht abwärts durch den Nebel, der immer lichter wurde, je weiter ich nach unten kam und damit aus der Wolke herauslief. Schließlich eine Wegscheide scharf links und abwärts bis ins an die L3101 zwischen Balkhausen und Kuralpe im oberen Balkhäuser Tal.
Hier dann rechts und am Strassenrand runter in Richtung Balkhausen.
Wieder mal ein bisschen unangenehm: Die meisten Landstrassen im Odenwald wurden zwischen den 30iger und 60iger Jahren des letzten Jahrhunderts asphaltiert, also zu einer Zeit, als der Verkehr weniger und langsamer war, und kaum jemand auf die Idee kam, dass Menschen ihre Freizeit mit ernsthaft Laufen oder Radfahren verbringen könnten (das schließlich die Fortbewegungsart für arme Leute, welcher Wirtschaftswunderdeutsche mit eigenem Automobil würde das schon zum Spass machen?). Entsprechend sind die allermeisten dieser Strassen bis heute schmal und haben weder Randstreifen noch einen Rad- oder Fußweg - da muss man dann halt direkt auf der Fahrbahn laufen, was mir immer ein leicht mulmiges Gefühl verursacht (Von einem troglodytenhaften odenwälder Dorftrottel und seinem prolligen tiefergelegten Golf GTI in einer Kurve plattgefahren zu werden steht auf der Liste meiner Wunschtodesarten ziemlich weit unten… :D ).

Ging natürlich gut, die troglodytenhaften odenwälder Dorftrottel waren heute Abend wohl alle damit beschäftigt, in ihrer Stammkneipe/Gartenlaube/Prollokarre zu hocken und schon mal ordentlich für das Länderspiel vorzusaufen und konnten mich deswegen nicht plattfahren.
Glück gehabt.
Deshalb körperlich und seelisch unversehrt nach ca. 350 m. links von der L3103 runter und auf dem unteren Feldweg, der in der Kurve kurz vor Balkhausen von der Strasse abgeht, durch den Talgrund zum Fuß des Felsbergs und schließlich in den Wald und den Hang hoch. Irgendwie verpasste ich den Weg, der hier eigentlich hochmäandern sollte und erwischte stattdessen einen geraden, unglaublich steilen (geschätzte 40% Steigung, da musste ich dann doch etwas gehen) Pfad, der sich irgendwo auf halber Höhe mitten im Wald in einem Feld aus vom Regen niedergedrückten Springkraut verlor.
Also kurz querfeldein den Rest des Hangs hoch, bis ich den Weg am Waldrand oberhalb des Balkhäuser Schollrains erreichte und wieder auf Kurs war.

Ganz kurz rechts runter, dann auf dem Weg mit dem weissen Balken/SJ2 links in den Wald rein und halbrechts/geradeaus abwärts in Richtung Mühltal (=Hochstädter Tal).
Ab hier ging der richtig schwierige Teil der Tour los: Winzige, verworrene, unmarkierte Waldpfade in einer Umgebung, die mir völlig unbekannt war. Zuerst klappte es noch ganz gut: Auf einem schlammigen Weg voller abgebrochener Äste (die Spuren des Unwetters von heute Mittag) den Hang runter, am Rand eines einsamen Wiesentals raus ins Freie, kurz über ein überwuchertes Stück Wildwiese (Autsch! Nasse Brennesseln sind echt fies, die witschen erst scheinbar harmlos an den Beinen entlang, bevor sie mit einer Verzögerung zu brennen anfangen) und schließlich in ein kleines, knorriges Wäldchen auf einer Kuppe.
Hier war Schluss.
Am Ende des Wäldchens hörte der Pfad vor einem Stacheldrahtzaun auf, hinter dem sich ein endloses, unüberwindbares Brennesselfeld erstreckte.
Kein Durchkommen (besonders nicht in kurzen Hosen!).
Hrm.
Da ich wirklich keine Ahnung hatte, wo genau ich mich gerade befand (Irgendein vergessenes Seitental über Hochstädten - richtig? falsch? richtigfalsch? falschrichtig?), machte ich kurz Pause, und versuchte mich mit Hilfe des Streckenplans zu orientieren.
Wir erinnern uns: Der Streckenplan, der so sehr durch die Feuchtigkeit gelitten hatte.
Inzwischen war er nur noch ein klumpiger nasser Lappen, ziemlich rissig und teilweise ziemlich unleserlich. Entsprechend gab ich den Orientierungsversuch nach einer halben Minute, die die ausgehungerte örtliche Stechmückenpopulation für einen Generalangriff genutzt hatte, ergebnislos auf und lief stattdessen erstmal zurück.
Nach ein paar hundert Metern am Waldrand ein winziger abgehender Pfad, den ich auf dem Hinweg überhaupt nicht entdeckt hatte. Daneben ein Schild: “Auerquelle”.
Aha!
Zumindest waren hier schon mal andere Menschen vorbeigekommen…

Also nahm ich den Pfad. Der führte aus dem Wald raus und in eine zugewucherte Hangwiese mit mannshohem Gras (ungelogen, das reichte mir bis an die Mütze) und endete da dann mitten im Nichts.
Hrrrrm.
Umdrehen wollte ich jetzt nicht mehr, und zweihundert Meter vor mir war eine gemähte Wiese, auf der Anhöhe darüber stand irgendein Schild - da würde ich mich vielleicht besser orientieren können.
Also vorwärts, durchs hohe, nasse Gras. Bereits nach 20 Metern war ich restlos eingsaut und durchgenässt, klebte voller Dreck, Spelzen und Pflanzenteilen (konnte nur hoffen, dass die Zecken nach dem starken Regen heute mittag noch nicht wieder an ihre Arbeitsplätze zurückgekehrt waren), meine Schuhe und Socken hatten sich wie Schwämme mit Wasser vollgesaugt und machten nun bei jedem Schritt lustig Quatschgeräusche.
Gaaaanz toll!
Immerhin gab´s als Entschädigung einen unglaublichen Blick über das Tal hinweg auf die wolkenverhangene Rückflanke des Melibokus, die im Licht der gerade etwas durchbrechenden Sonne herrlich leuchtete…

Auf dem gemähten Teil der Wiese ging´s dann besser, bergauf in Richtung Schild, kurz davor dann die Erkenntnis: Ich war wieder am Schollrain, direkt unterhalb des Weges SJ2, gerade mal 200 m. unterhalb der Stelle, wo ich vorhin aus dem Balkhäuser Tal rausgekommen war!
Nicht so ganz richtig, aber immerhin wieder orientiert.
Am einfachsten wäre es jetzt gewesen, einfach hoch auf den Weg zu laufen und ihm dann abwärts bis an die Strasse nach Hochstädten zu folgen.
Wollte ich aber nicht, den kannte ich schon.
Also stattdessen zurück abwärts in den einsamen, überwucherten Talgrund und dort auf einem kaum erkennbaren Proto-Pfad westwärts durch die Wiesen (noch mehr Dreck, Spelzen und Feuchtigkeit), bis ich endlich unterhalb der Brücke zwischen Schollrain und roter Sohl auf der L3103 nach Hochstädten ankam.

Puh. Das hatte ja schon mal total gut geklappt…

Links, abwärts, die Landstrasse runter in Richtung Hochstädten. Wieder mal kein Seitenstreifen aber nur wenig Verkehr, lediglich die weiterhin etwas dämlichen Laufgeräusche meines durchfeuchteten Schuhwerks (”Shprt, Shprt, Shprt”) nervten etwas.
Nach 750 m. durch das wunderschöne obere Mühltal mit seinen sattgrünen Wiesen und kleinen Wäldchen, die sich alternativ hinter Nebelschwaden versteckten oder in der Abendsonnen leuchteten, erreichte ich kurz vor Hochstädten eine Abzweigung von der Landstrasse, an der ein Weg mit der gelben 4 links hoch in den Wald führte. Eigentlich hatte ich geplant, erst zweihundert Meter weiter abzulaufen und über irgendwelche verschlungenen Ziegenpfade in Richtung Felsberg aufzusteigen, aber nachdem Abenteuer gerade eben fand ich die Vorstellung eines richtigen, markierten Weges (von dem ich wusste, dass er zudem an derselben Stelle rauskommen würde wie die Ziegenpfade), einfach zu verlockend.
Also links: Gelbe 4, und durch ein schönes, schmales Bachtal (der “Adamsgrund”) aufwärts durch den Wald. Lief weiterhin super, trotz der hohen Luftfeuchtigkeit kam ich bestens mit der moderaten Steigung klar und konnte entsprechen ein gutes Tempo vorlegen. Am oberen Ende des Tals machte der Weg eine kleine Serpentine und führte dann am Hang weiter aufwärts. Nach 650 m. eine kleine Kreuzung, hier scharf links und 800 angenehm forderne m. weiter bergauf (u.a. vorbei an einem richtigen Teich mitten im Hang, wirkte irgendwie etwas deplaziert), bis ich schließlich an einer Kreuzung auf halber Höhe wieder auf SJ2 und den weissen Balken stieß - bekannten Gelände, hier war ich gerade erst vor ein paar Wochen bei meinem Parforcelauf zum Gipfel durchgekommen.

Rechts auf den weissen Balken und natürlich weiter aufwärts, zwischendurch über einen frisch umgestürzten Baum geklettert, der den Weg voll versperrte, und weiter bis zur kleinen Kreuzung am Hahlwald, kurz geradeaus auf eine größere Lichtung (die wie ein Wendeplatz für Holzlaster aussieht), dort dann links auf den unmarkierten Weg, der auf halber Höhe am Hang zwischen den Wegen mit dem weissen und dem roten Balken am Bergrücken bergauf führt.
Wunderbar zu laufendes Stück: Weg in gut Schuss, hübscher Wald mit ein paar Findlingen drin, dazu eine Steigung von vielleicht 4% oder 5%, die man so richtig schön hochpowern konnte, lief prima.

Nach 1,4 km durch den inzwischen schon recht düsteren Wald erreichte ich schließlich den Waldrand am Gipfel des Felsbergs, direkt hinter dem großen Parkplatz. Topfit und guter Dinge, da drehte ich gleich noch eine kleine Ehrenrunde hoch bis Ohly- und dem Sendeturm ganz oben auf dem Gipfel (wenn schon, denn schon).

Und dann wieder abwärts: Zurück zum Waldrand, dann halbrechts runter auf den Dämmrigen Waldweg in Richtung Felsenmeer, der regelrecht übermarkiert ist (Weisser Balken, roter Balken [=Weitwanderweg Odenwald-Vogesen], rotes S [=Alemannenweg], gelbe 6, gelbe 7…). Am oberen Rand des Felsenmeers nach ca. 250 m. dann links ab und auf dem weissen Balken weiter bergab nach Osten.
Dieses Stück kannte ich noch gar nicht, gefiel mir aber richtig gut: Etwas steiler abfallender Weg am Hang, mit vielen Serpentinen, nach etwas über 300 m. rechts in einer Kurve eine imposante Felsgruppe über einer kleinen Schlucht, in deren Zentrum der “Sarg” oder “Riesensarg” steht, ein von den Römern behauhener Steinblock der aussieht, na ja, eben wie ein Sarg. Kurz danach dann auch noch eine Kurve hinter der ein Stück des Hangs abgeholzt ist, wodurch man einen herrlichen Blick auf das Modautal und oberes Lautertal hat, der angesichts der ungewöhnlichen Licht- und Wetterverhältnisse heute ganz besonders schön war: Ganz links das obere Modautal mit Brandau in seiner Senke, danach die mächtige Neunkircher Höhe, halb von der Sonne angestrahlt und halb in dichte Wolken gehüllt, rechts davon das obere Lautertal mit Gadernheim (erkennbar an der charakteristischen Silhoutte der Kirche) und Kolmbach, schließlich rechts davon Knodener Höhe und Krehberg, ganz in der Ferne ein Bergrücken, den ich einfach mal zur Tromm erklärte.
Schön, einfach nur schön.
Nach kurzer Gaffpause weiter bergab, vorbei an den einzigen anderen Menschen, die ich heute hier oben treffen sollte (zwei seltsame Typen in Fußballtrikots, die mir irgendwas absolut unverständliches zunuschelten), durch mehrere weiter Serpentinen im Wald, vorbei an weiteren Findlingsgruppen, bis ich nach insgesamt etwas unter 2 km am Parkplatz Römersteine oberhalb von Beedenkirchen rauskam.

Hier hielt ich mich links und folgte dem Alemannenweg (rotes S) über eine kleine Treppe runter in ein Seitental mit Bach, durch das ich nach 250 m. den Beedenkircher Ortsrand (”Am Stotz”) erreichte. Hier direkt scharf links und auf dem Alemannenweg in ein wunderschönes und etwas versteckt hinter dem Dorf liegendes Wiesental voller Pferdekoppeln und alter Obstbäume.
Sehr idyllisch!
Nach ein paar hundert Metern eine kurze Limboeinlage, weil irgendjemand mitten über den Alemannenweg einen klickernden Elektrozaun gespannt hatte (ist ja nur einer der Hauptwanderwege durch den Odenwald, den kann man ruhig mal mit ein bisschen einzäunen, absperren oder mit Landminen würzen, kommte ja eh niemand vorbei…), direkt danach führte der Alemannenweg dann extrem steil einen grasigen Pfad Hang hoch zurück zum Waldrand.
Oben kurze Pause zum Verschnaufen und nochmal Umsehen (netter Blick), dann weiter bergauf in den Wald, schließlich nach 250 m. rechts auf die gelbe 7 und wieder leicht abwärts vorbei an einer Schutzhütte aus dem Wald raus und zur Wegscheide auf dem herrlichen Rosenweg zwischen Kuralpe und Wurzelbach/Schmal-Beerbach.

Bisher bin ich hier immer rechts runter nach Beedenkirchen gelaufen, heute bog ich stattdessen mal nach links ab und folgte dem unmarkierten Weg über die Anhöhe nach Osten.
Wow.
Wunderbar hier oben.
Ein langgezogener Bergrücken mit herrlichen, sattgrünen Weiden, hoch über den umliegenden Tälern. Abenstimmung. Langsam aufreissenden Wolken glühen im weicher werdenen Sonnenschein, tolles, schräges Licht. Stille, ein paar zirpende Grillen, der kühle, angenehme Höhenwind, sonst keine Geräusche. Die Luft ist herrlich frisch und riecht irgendwie nach Sommer, ein bisschen nach Regen, ein bisschen nach Heu, ein bisschen nach Pferd. Und dazu das Panorama und die Weite, links die Weiden an der Neutscher Höhe, rechts vor der Otzberg, danach Modautal, Neunkircher Höhe, geradeaus die Ebene, an deren Ende sich der Taunus in der blauen Unendlichkeit abzeichnet.
Das schönste Stück der heutigen Tour, friedlich, idyllisch, einfach großartig.

Nach knapp 1,2 wunderbaren Kilometern kam ich schließlich unten im Tal in Wurzelbach an (oder Schmal-Beerbach - ich kann die beiden Teile des winzigen Orts nie auseinanderhalten). Zwischen schönen alten Höfen hindurch runter an die Durchgangsstrasse, links, dann gleich wieder rechts und auf der Lindenfelser Str. hoch zum nördlichen Ortsausgang, dort dann wieder links in den Grenzweg (Radweg 28), dem ich aufwärts in die schönen Hangwiesen am Brometsberg folgte, die im Schein der untergehenden Sonne einen wunderbaren Rotschimmer entwickelt hatten. Eigentlich hätte ich hier geradeaus bergauf bis auf die Hutzelstrasse laufen können, aber ich wollte unbedingt noch einen Abstecher über Staffel machen, an dem ich bisher immer vorbeigelaufen war.
Deshalb nach 350 m. noch mal links vom Radweg 28 ab und runter in das winzige, pittoreske Dörfchen mit seinen kleinen, hübschen Bauernhäusern an der Landstrasse. Von hier aus wollte ich dann über einen Hohlweg durch die Wiesen hoch auf die Hutzelstrasse und zurück zur Kuralpe, aber dummerweise war gerade der Teil des Plans, auf dem Staffel drauf war, von Feuchtigkeit und Abnutzung so beschädigt, dass man gar nichts mehr erkennen konnte.
Also verrirte ich mich.
Ganz recht: Ich verirrte mich in Staffel, einem Dorf mit zwei Strassen und wahrscheinlich weniger als 150 Einwohnern.
Das soll mir erst mal einer Nachmachen… :D
Im Ort gleich mal rechts hoch in den Steigertsweg, der allerdings nach 200 m. unterhalb eines luxuriösen Hauses mit wunderbar villenähnlichem Garten an einer Weide endete.
Falsch, zurück. Runter an die Landstrasse und die nächste rechts (”Am Lindenhof”), aber die machte nur eine Schleife und endete nach einem kleinen Hohlweg am oberen Ortsende wieder an der Landstrasse. Auch hier kein Weg zur Hutzelstrasse (den hatte ich da aber auch schon verpasst, ohne es zu merken, denn der wäre vor dem Lindenhof abgegangen).
Umkehren wollte ich nicht mehr, also lief ich halt an der Landstrasse zur Kuralpe hoch. Angenehme Steigung durch die hübschen Wiesen, wieder kein Seitenstreifen, dafür dieses Mal mittendrin ein fetter Audi, der mit 120 Sachen die Strasse runterbretterte und sich nicht die Mühe machte, wenigstens ein bisschen zu bremsen oder auch nur einen kleinen Bogen um der armen, einsamen Jogger am Strassenrand zu schlagen - tolles Gefühl, wenn eine zu schnelle und von einem offensichtlichen Psychopathen gelenkte 2-Tonnen-Karosse in 20 cm Abstand an dir vorbeirauscht. Drecksack!
Immerhin, das setzte noch mal richtig Adrenalin frei, entsprechend konnte ich die letzten paar hundert Meter noch mal schön durchsprinten, und erreichte schließlich im Licht der letzten Sonnenstrahlen gegen kurz vor Neun den Parkplatz an der Kuralpe.

Wunderbare Tour. Faszinierende Atmosphäre, großartige Landschaft, schöne Strecke, und einige mir bis dahin unbekannte Highlights (Oberes Mühltal, “Sarg” am Felsenmeer, der herrliche Rosenweg, das bis dato unentdeckte Staffel). Hat trotz Feuchtigkeit und ein paar kleineren und größeren Irrwegen zwischendurch einen Riesenspass gemacht (wie immer am Felsberg, das ist einfach eine tolle Laufumgebung). Zwischenzeitlich immer mal ein bisschen anstrengend, aber insgesamt doch sehr angenehm und entspannt, entsprechend war ich am Ende zwar total eingesaut und durchnässt, aber eigentlich immer noch topfit - genau wie es nach einem richtigen Berglauf sein soll!

Strecke: 17,4 km
Zeit: 1:56 h (9 km/h bzw. 6:40 min/km)
Karte:

Interaktive Streckenkarte

M.

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9 Antworten zu “Verirrt, verwirrt und eingesulcht: Schöne/Nasse Runde den Felsberg (17,4 km)”

  1. Heidi Sagt:

    *räusper und jetzt schonmal die Karte zurechtlegen tu*

  2. matbs Sagt:

    Wie gesagt: Ausnahmen bestätigen die Regel.
    Theoretisch bin ich natürlich weiterhin absolut unverirrbar…

    :lol:

  3. Heidi Sagt:

    Jaja das glaub ich gleich ;)
    Ich bin auch absolut unverirrbar bis auf ungefähr 350 Mal im Jahr.
    Man wird es sehen!!!!!! *g*

  4. Gerd Sagt:

    Eigentlich gibt es nichts neues bei Dir. Ich gibt einfach Dinge da bist Du unschlagbar ;-)

    Gruß Gerd

  5. matbs Sagt:

    Lieber Gerd:
    Wenn du wieder da bist machen wir beide mal ´ne Tour auf Ziegenpfaden in unwegsamem und unbekanntem Gelände, bei der du navigierst - natürlich ohne GPS oder sowas.
    Dann sehn wir mal, ob ich wirklich so unschlagbar ich bin… :D

    Schönen Urlaub

    Matthias

  6. 2008 KW 26 (23.06. - 29.06.) « Laufblog Sagt:

    [...] Verirrt, verwirrt und eingesulcht: Schöne/Nasse Runde den Felsberg (17,4 km) [...]

  7. JUBILÄUM!!!! « Laufblog Sagt:

    [...] (bei Bensheim) Seeheim Seidenbach Seidenbuch Schannenbach Schmal-Beerbach Schönberg Schriesheim Staffel Steigerts Steinau Stettbach Stockstadt a. Rhein Traisa Trautheim Unter-Hambach Waschenbach [...]

  8. Umrundung des Tannenbergs (12,6 km) « Laufblog Sagt:

    [...] und momentan gerade um die Berge (irgendwie immer “um XY”. Hmmm…): Neulich um den Felsberg, dann um das Melibokusmassiv, da fehlte eigentlich nur noch eine Umrundung in der Nähe, nämlich [...]

  9. Um den Felsberg - ein Laufbericht mit Bildern (14,5 km) « Laufblog Sagt:

    [...] weil ich ja gerade erst neulich um den Felsberg gelaufen war, noch ein Twist, um das Ganze etwas interessanter zu machen: Noch mal [...]

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