Wildnispfade am Melibokus (Ca. 11,1 km)

8. Juli 2008

Yeeeehaaaaaww, and big hearty howdy to y´all, Pards!
Es ist große Blog-Bonanza-Woche hier auf dem Laufblog, und das bedeutet jeden Tag einen neuen Eintrag! Yessirree, jeden verdammten Tag, bis zum Wochenende!

Das geht natürlich nur, weil ich letzte Woche sehr sparsam mit Blogeinträgen war, und deshalb genug Rückstau habe, um das durchziehen zu können. Deshalb fangen wir auch weit, weit in der Vergangenheit an, mit dem Lauf vom Dienstag dem 8.7.08, der das heisst:

Wildnispfade am Melibokus

Und los geht´s:

Wechselhaft-kühles Wetter, dumpfer, matter, kopfschmerziger Tag, den ich bis zum Lauf nur mit einem ausgeklügelten Mix aus Kaffee (gegen die Müdigkeit) und Aspirin (gegen die Kopfschmerzen) bewältigt hatte. Eigentlich keine Lust zum Laufen, aber Nemo musste eh nochmal raus, und weil´s schön frisch war, schnappte ich ihn mir, zog die Schuhe an und rannte los.

Schlichte Planung:
Wohin: Wald am Melibokusmassiv
Wie weit: Nicht so weit
Wie: Voller Abenteuermodus. Ohne vorausgeplottete Route, einfach mal wieder drauflos – heute würden wir versuchen, einfach mal die schlimmsten, kleinsten, verstecktesten Pfädchen zu laufen, die uns unterwegs begegnen würden (in meiner “großen Entdeckerphase” am Mellibokus vor zwei oder drei Jahren hab´ ich die praktisch alle schon mal ausprobiert hab´ sie aber seitdem vermieden: Viele von denen waren einfach so grottig/überwuchert/praktischnichtexistent, dass sie sich für den regulären Laufbetrieb schlicht und ergreifend nicht tauglich sind – aber hey, vielleicht waren sie ja in der zwischenzeit besser geworden [jaaaa, klaaar], oder ich bin geländegängiger als früher – muss man ja mal austesten… ;) ).


Wie üblich erstmal Jossastr. zum Wald hoch, dort aber gleich am Waldrand links und den kleinen Fußweg zwischen den Merckschen Pferdekoppeln (”Hallo Ponies!) und der Gichtmauer des Merck-Grundstücks entlang, dann den schmalen, unebenen Hicklerweg (von dem ich als Kind immer dachte, das “ck” wäre ein “t” – ist es aber gottseidank nicht…) runter und schließlich über den Pauerweg an Balkhäuser Tal. Rechts das Tal hoch, dann noch mal rechts in den Helene-Christaller-Weg, an den hübschen alten Villen vorbei hoch in den Wald (SJ2). An der Kreuzung am Anfang des Melibokuswegs links, zurück runter ins Balkhäuser Tal, kurz vor der Fahrstrasse dann rechts: Unmarkierter Pfad am Hang, der zwischen L3103 im Talgrund und dem Melibokusweg aufwärts durch den Wald führt. Schmal, steinig, nicht besonders gut in Schuss, ein paar Mal mussten wir über umgefallene Baumstämme mitten auf dem Weg überwinden (da hat Nemo immer leichter Vorteile, denn er kann unter den Stämmen durch, während ich mühsam drüber klettern muss).

Nach einem knappen Kilometer scharf rechts und auf der gelben 7/gelben 3 hoch auf den Melibokusweg, dort links aud weiter aufwärts bis zur Darsberghütte.
Status bisher: Durchwachsen. Nemo machte einen tatendurstigen, hockonzentrierten Eindruck und war mit sichtlich Spass bei der Sache, mir taten hingegen die Beine weh (ausmahmsweise mal nicht nur links sondern beide). Autsch.

Ab hier dann: Abenteuermodus an. Direkt vor der Hütte links auf die aufwärts führende Kattenberger Schneise auf dem Höhenrücken, nach ein paar Metern dann noch mal links, auf einem winzigen, wucherigen Pfad runter an den Osthang.

Hier herrscht die Wildnis.

Der Westhang des Melibokusmassivs ist ja ein regelrechtes Labyrinth von Wegen und Pfaden, alle paar Meter stösst man da auf was Jogg-/Lauf-/Bikebares. Der Osthang hingegen ist (gerade über dem Balkhäuser Tal) völlig unerschlossen – zwar gab es hier früher mal ein paar kleine Wege (sagt zumindest die Wanderkarte), aber die meisten davon hat sich die Natur offensichtlich schon vor Jahrzehnten zurückgeholt – heute gibt es eigentlich nur noch einen halbwegs ordentlichen Pfad, der unterhalb des Höhenrückens nach Süden führt, wenn man den verpasst, landet man im Niemandsland.

Wir verpassten ihn natürlich.
Ehrensache! :D

Erst sah der Weg, auf den wir eingebogen waren, noch ganz manierlich aus: Schmal, holprig, bewachsen, aber insgesamt joggbar. Bereits nach der ersten Kurve verwandelte er aber sich in eine Marterstrecke voller mannshoher, wild wuchender Brennnesseln und Disteln -Nemo ist sowas immer egal, der pflügt da einfach durch, ich hatte allerdings kurze Hosen und ein T-Shirt an, und verstach/verbrannte mich bei entsprechend mit jedem Schritt (die Tatsache, dass ich Nemo hier hinten natürlich angeleint hatte [viel Wild, da bin ich immer vorsichtig], machte es nicht besser: Der blöde Köter zerrte und zog unverzagt weiter, und schleifte mich damit geradezu in die fiese Flora).

Doppelautsch.
Immerhin vergass ich ob der neuen, unmittelbaren Quälerei schnell meine leicht schmerzenden Beine…

Am Ende des Nesselfeldes war der Weg dann nur noch ein winziger Pfad, der auf einem Rücken zwischen zwei kleinen Tälern abwärts führte, und irgendwann einfach nicht mehr existierte.
Da waren wir also: Waldrand oberhalb der Balkhäuser Wiesen, kein Weg, kein Pfad, nur noch Wald, durch den wir uns dann einfach irgendwie so weiter schlugen, grob südwärts und grob aufwärts, in der Hoffnung, weiter oben sowas wie einen Weg zu finden.
Übrigens steiles, extrem schwieriges Gelände, an Joggen war da natürlich nicht zu denken, stattdessen gingen/kraxelten/krochen wir im langsamen Schrittempo über Stock, Stein und Hang (unglaublich, wie unwegsam der scheinbar so zahme Bergwald wird, sobald man von den Wegen abweicht).
Nach einigen anstrengenden Minuten eine Art ehemaliger Pseudo-Pfad (nicht viel besser, aber immerhin), der uns in ein kahles Tannendickicht führte (alles voller kratziger, drahtiger Zweige, die sich in Gesicht und Kleidung bohrten, ekelhaft!), von wo aus wir dann weiter aufstiegen und endlich den einzigen halbwegs ordentlichen Weg auf dieser Seite des Berges erreichten, auf dem wir dann bis zum Verbindungsweg zwischen Balkhäuser Tal und Pürschweg joggten, und dort steil rechts hoch auf den Pürschweg kamen.
Puha. Schon ´ne ganze Menge Abenteuer!

Kurz rechts den Pürschweg (SJ2) runter, dann links auf den Hohe-Stich-Weg (gelbes V), unten kurz vor der Kurve am Talende spontan links ab auf einen unmarkierten Weg, der den Hang oberhalb des Erlengrundes hochläuft. Schmal, wucherig, aber laufbar. Nach ein paar hundert Metern rechts ein winziger Pfad ab, der zu einem Hochsitz im Dickicht führte, und dann unterhalb des Weges weiterging. Sah total schrecklich und uneinladend aus, also nahmen wir den natürlich, zumindest solange, bis er nach ein paar hundert Metern ebenfalls einfach so in einem weiteren unbegehbaren Nesselfeld endete.
Und schon wieder mitten im Nichts, dieses Mal an der Weststeite des Berges (geht also auch hier, trotz des engmaschigen Wegenetzes). Zurück war natürlich keine Option, runter war zu steil, also kletterten wir links den Hang hoch, wo ja irgendwo der Weg sein musste, von dem aus wir am Hochsitz abgebogen war.
Boah! Ich sag´s nochmal: Unglaublich, wie schnell aus dem scheinbar so freundlichen Wald ein unwegsamer, kaum navigierbarer Bergdschungel wird! Steil bergauf über den wilden Hang, hin und wieder musste ich Nemo tragen, damit wir überhaupt vorwärts kamen. Schließlich eine fast senkrechte Böschung (die teilweise aus von Menschenhand aufgeschichteten Steinen bestand – wirkte fast surreal hier oben in der Wildnis), an deren oberen Ende ich den Weg vermutete.
Schreckliche Kletterpartie die Böschung hoch, mit nur einer Hand, denn unter den anderen Arm hatte ich Nemo geklemmt, ein paarmal auf dem steilen, gerölligen Stück fast abgerutscht und gefallen (mulmig: Hier ging´s fast vier Meter runter, unten Äste und spitze Felsen, wenn hier mitten im Nichts was passiert wäre…). Oben dann erst ein zwei Meter breiter Distel-/Brennnesselstreifen (kroch ich einfach durch, war mir inzwischen egal), dann tatsächlich der Weg, den wir erschöpft und lädiert (zumindest ich, Nemo war immer noch total happy) abwärts nahmen.

Oberhalb des Steinbruchs am Erlengrund entlang, danach scharf rechts runter zum Erlengrund, dort dann über die gelbe 4 runter zum Alsbacher Schloss, eine Ehrenrunde rundrum, dann links auf den Burgenweg (blaues B), der durch ein paar spektakuläre Hohlwege (von denen ich bisher nicht mal wusste, dass es sie gibt), bis zum Anfang der Hindenburgstr. in Alsbach führt, dort dann runter ins Schlosstal und via Kirchstr., Lindenstr., Am Katharinenberg, Jugenheimer Str. und Blütenweg (gelbes B) im Feld zurück nach Hause.

Kein richtiger Lauf sondern eher eine Survival-Cross-Country-Tour durch die Wildnis, fordernde, teils schmerzhaft, aber nicht uninteressant – faszinierend, wie viel relativ unberührter Urwald zwischen dem dichten Wegennetz schlummert, und wie schnell aus einer harmlosen Landpartie ein anstrengender Abenteuertrip wird. Dem Hund hat´s Spass ohne Ende gemacht, und ich habe wieder mal gelernt, dass es einen Grund dafür gibt, dass manche Wege auf der Wanderkarte total schlecht und unbegehbar aussehen (nämlich den, dass sie total schlecht und unbegehbar SIND).

Strecke: Ca. 11,1 (wahrscheinlich sogar noch etwas mehr, da der genaue Weg im Niemandsland mit den Geotools nicht nachvollziehbar ist.)
Zeit: Insgesamt ca. 1:40 h (Davon allerdings ungefähr eine halbe Stunde gehend/kletternd/kriechend in der Wildnis, deshalb heute mal keine Geschwindigkeiten)
Anteil der noch nie gebloggten/gelaufenen Passagen an der Gesamtstrecke: 41,53% (4,61 km von 11,1 km)

Karte:

M.

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