Burg Tannenberg und Stettbacher Tal – Ein Laufbericht mit Fotos (13,1 km)

5. August 2008

Der heutige Tag fing als einer der schönste des Jahres an! Azurblauer, wolkenloser Himmel, strahlender Sonnenschein, eine wunderbar angenem Brise, frische, wohlschmeckende Luft, Temperaturen knapp über 20 Grad, alles strahlte wie in Technicolor. Und es war richtig klar, so klar, wie man es hier an der dampfig-diesigen Bergstrasse nur ein paar mal im Jahr erlebt: Perfekte Fernsicht in alle Richtungen, nicht nur die Silhouetten der entfernten Höhenzüge, sondern jedes kleine Detail an ihren Hängen war zu erkennen – die weiten Felder am Donnersberg, die schimmernden Windräder bei Framersheim, oder die weissen Häuser von Eltville, alles gestochen scharf und glasklar!
Herr-lich!!!!

Eigentlich hatte ich ja heute nicht laufen wollen (3 Tage hintereinander? Eher nicht…), aber an so einem Tag?
Musste sein!
Und weil´s so wunderbar war, beschloss ich sogar, mal wieder die (inzwischen wieder geflickte) Digitalkamera mitzunehmen! Da braucht´s dann natürlich auch motive, deswegen heute eine wunderschöne Bergroute mit Lufthansa, Burg Tannenberg, Stettbacher Tal, Hainzenklingen, Heiligenberg.

Leider hatte ich morgens keine Zeit, deshalb vertagte ich den Lauf bis zum Abend, und da war der Tag dann leider nicht mehr einer der schönsten des Jahres, sondern „nur noch“ ganz ok – im Lauf des Nachmittags hatte sich der Himmel zugezogen und war nun mit einer dünnen aber durchgängigen Wolkenschicht bedeckt – anstatt azurblauem Himmel und herrlichem Sonnenschein herrschte nun so ein leicht gedämpftes Halblicht, das diffus vom milchig-weissen Himmel schimmerte und alles leicht trüb wirken liess. Nicht wirklich ideal für schöne Fotos (zumindest nicht, wenn ich hinter dem Sucher stehe), aber was willste machen?

Eben. Nix!
Hatte mir vorgenommen mit Foto zu laufen, also zog ich das auch durch!

Start um kurz nach sieben. Zuerst mal in nördlicher Richtung durch Jugenheim, natürlich auf dem Blütenweg (gelbes B). Also erstmal die Jossastr. hoch…

Bild 1: Jossastr. in Jugenheim. Übrigens die Route, die ich normalerweise in den Wald nehme, wenn ich zum Melibkous will

…dann links durch den Pauerweg…

Bild 2: Eingang zum Fußweg durch den parkartigen Mittelteil des Pauerwegs

…und schließlich nach dem Balkhäuser Tal die Hauptstr. hoch in Richtung Försterei/Altes Rathaus:

Bild 3: Obere Hauptstr. in Jugenheim. Rechts das Haus Krone, weiter oben der Anfang vom Heiligenberg.

Oben angekommen kurze Fotopause im alten Herzen Jugenheims…

Bild 4: Kreuzung Haupt- und Alexanderstr. Links das Forsthaus, rechts vorne das alte Rathaus, dahinter das Gasthaus Tannenberg

…mit dem Eingang zum Heiligenberg…

Bild 5: Eingang zum Heiligenberg. In der Bildmitte das Gedenkmal für die Jugenheimer Weltkriegstoten

…dem Siegfriedbrunnen am alten Rathaus…

Bild 6

…und dem hübsch bepflanzen Roseneck:

Bild 7.

Dann weiter geradeaus nach Norden, die Seeheimer Str. hoch und schließlich rechts über den steile Fußweg am Ende der Strasse „Am Tannenberg“…

Bild 8

…und die kleine Treppe…

Bild 9

…hoch in den Wald, dort dann nach links auf den Burgen- bzw. Alemannenweg:

Bild 10: Rotes S = Alemannenweg, Blaues B = Burgenweg

Und aufwärts. Erst kurz den Burgenweg, dann dort wo er nach ein paar hundert Metern rechts auf einen Trampelpfad in Richtung Alexanderhöhe abknickt geradeaus auf dem unmarkierten (und ordentlich steilen) Wag durch den dichten Wald zur Lufthansa hoch.
Nach 700 m. streift der Weg den Waldrand an der schnurgeraden, mit Wildblumen und -kräutern bewachsenen Schneise, die den Hang hoch bis hinter die Lufthansa führt…

Bild 11

…auf die ich kurz rauslief, um die schöne Aussicht runter in die Ebene zu geniessen:

Bild 12: Blick von Hang vor der Lufthansa nach Südosten. Direkt unten Jugenheim, dahinter Bickenbach, rechts dahinter Gernsheim, schemenhaft am Horizont das rheinhessische Hügelland

Dann wieder zurück an den Weg und weiter bergauf, an der nächsten Wegscheide links, dann noch mal links abwärts in Richtung Lufthansa. Eigentlich hatte ich gehofft, dass die Bauarbeiten dort inzwischen schon soweit gediehen wären, dass man wieder mal durchlaufen könnte.
Tja, Pustekuchen, am Waldrand erwartete mich das hier:

Bild 13

Kein Durchkommen, musste umdrehen, wieder hoch zur letzten Wegscheide, und dort links, um die Baustelle auf dem weiter oben entlangführenden Saar-Rhein-Main-Weg (gelbes Plus) zu umgehen.
Blöde Lufthansa-Baustelle! Nicht nur, dass der Neubau ein noch hässlicherer und charmeloserer Klotz wird als der alte, nein, die nervigen Bauarbeiten versperren mir jetzt schon seit Monaten meine üblichen Laufwege. Hrggllllmrrrrbldlfthansa…

Aber gut, dann eben weiter oben durch den lichten Wald…

Bild 14

…wobei sich zwischen den Wipfeln hin und wieder sehr ansprechende Ausblicke auftaten:

Bild 15: Der langezogene Bergrücken ist der über 50 km entfernte Donnersberg in der Pfalz, die Dampfsäule davor steigt von einem der Kühltürme des AKW Biblis auf (Zweifellos absolut harmlos, aber als mittelbarer Anrainer hat man doch immer ein leicht mulmiges Gefühl, wenn man Biblis rauchen sieht… ;) ).

Nach ein paar hundert Metern erreichte ich eine weitere grasbedeckte Schneise (die geht runter ins Ober-Beerbacher-Tal), auf der ich rechts auf den Höhenkamm lief, und mich dann gleich nochal rechts runter auf den obersten Waldweg in Richtung Tannenburg.

Der Tannenberg, auf dem die Tannenburg (oder richtiger: Die Burg Tannenberg. Aber ich bin ja von hier, also darf ich sie Tannenburg nennen) liegt, ist eigentlich nicht besonders hoch – 340 m.ü.NN und damit ca. 240 m. über der Ebene, das ist im Vergleich zum Melibokus (517 m.ü.NN) oder dem Frankenstein/Ilbeskopf (422 m.ü.NN) nicht besonders viel. Aber er ist verflixt steil – ein überraschend spitzer Kegel, der relativ anstrengend zu erlaufen ist, egal aus welcher Richtung man kommt.
Entsprechend kam ich beim Aufstieg über den Nord- und den Osthang ganz schön ins Keuchen (auch wenn er nicht so schlimm ist wie der von Westen), und war schließlich ziemlich froh, als ich nach fast einem Kilometer auf dem schmalen, gut ansteigenden Pfad im finsteren Wald (deswegen auch keine Fotos – keine Motive, und es war zappenduster) endlich mein erstes Etappenziel erreicht hatte: Die Burg Tannenberg, hoch über Seeheim.

Bevor wir zu den Bildern kommen, vielleicht erst mal ein kleiner geschichtlicher Diskurs:
Die Burg Tannenberg ist ein historischer Ort: Die erste Festungsanlage in Europa (vielleicht sogar der Welt), die mit Hilfe von Belagerungswaffen auf Schwarzpulverbasis eingenommen wurde – und damit einer der Orte, an dem der Anfang von Ende des Mittelalters begann.

Und das war so:
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts war die Burg Tannenberg durch jahrhundertelanges wildes Vererben im Besitz von insgesamt 18 verschiedenen Parteien, den sogenannten Ganerben. Keiner von denen wohnte auf der Burg, die meisten davon nicht mal in der Nähe, entsprechend fühlte sich niemand so richtig für sie verantwortlich.
Das nutzte die Burgbesatzung aus, und begann damit, die reich beladenen Handelskarawanen zu überfallen, die am Fuß der Bergstrasse entlangzogen.
Auf Dauer kein erträglicher Zustand für die umliegenden Städte (u.a. Frankfurt, Mainz, Speyer, Friedberg, Gelnhausen, Worms und Wetzlar) und Fürstentümer (Kurpfalz, Nassau) die sich deshalb 1399 zusammenschlossen, um dem Treiben ein Ende zu setzen, und mit einem gemeinsamen Landfriedensheer vor die Burg zogen (natürlich erst, nachdem sie diese Absicht netterweise mit Fehdebriefen an die Raubritter angekündigt hatten ["Lieber Hartmut von Kronberg. Hiermit möchten wir Dir mitteilen, dass wir beabsichtigen, Deine Burg zu schleifen und Dich aufzuhängen. Hoffen, das ist ok. Mit lieben Grüßen - Dein Landfriedensheer" :lol: ].
Muss ja schließlich alles seine Ordnung haben).
Dummerweise war das aber gar nicht so einfach – die Burg Tannenberg verfügte über starke Mauern und stand auf einem steilen, von allen Seiten schwer erreichbaren Bergkegel, so dass sich die kleine Besatzung von ca. 60 Mann problemlos der ersten Angriffe erwehren konnte (zumal sie über ein paar fiese frühe Handfeuerwaffen verfügten).
In dieser Situation hatte die mächtige Reichsstadt Frankfurt dann irgendwann die Faxen dicke und entsandte Anfang Juli 1399 die modernste Waffe der damaligen Zeit (vielleicht ja auch, um dem Rest der Welt zu zeigen, dass man sich mit Frankfurt besser nicht anlegt) – die „Große Frankfurter Büchse“, eine 70 Zentner schwere Kanone, die in der Lage war, 50 cm durchmessende Steinkugeln mit gewaltiger Wucht zu verschießen. Das Geschütz wurde auf einen Kahn verladen, mit starkem Geleitschutz (die Tannenberger Raubritter hatten Verwandschaft im Vordertaununs, da musste man aufpassen) den Main hinuntergeschifft, dann den Rhein hinaufgetreidelt, und schließlich von Gernsheim aus von mehreren Dutzend Pferden bis nach Seeheim geschleppt, wo man es unter gewaltigen Anstrengungen die steilen Hänge hinaufschleifte und in einer eigens dafür vorbereiteten Geschützstellung installierte.
Loslegen konnte man allerdings immer noch nicht, denn wie sich herausstellte, waren die mitgebrachten Kanonenkugeln (die natürlich alle handgearbeitet waren) zu groß und passten deshalb nicht in den Lauf. Also musste man erst neue Kugeln hauen und heranschaffen lassen, was ebenfalls wieder ein paar Tage kostete, bis man schließlich am 14.7.1399 endlich mit dem Beschuss beginnen konnte.
Der dauerte eine Woche, richtete schreckliche Schäden an, und führte schließlich dazu, dass die zermürbte und erschöpfte Burgbesatzung am 21.7. kapitulierte. Die Raubritter bekamen einen Klaps auf die Finger, weil sie unartig gewesen waren, einen auf den Rücken, weil sie so tapfer gekämpft hatten (gehängt wurde niemand, die Meisten wurden kurz eingekerkert und dann schnell wieder freigelassen), die Tannenburg wurde gesprengt, und das Zeitalter der Burgen begann, sich seinem Ende zuzuneigen
Ja ja.
So war das damals.

Heute ist dann auch nicht mehr allzuviel übrig – Im Gegensatz zu Frankenstein und Alsbacher und Auerbacher Schloss wurde die Tannenburg nicht wieder zu Beginn der Neuzeit aufgebaut. Entsprechend sind heute vor allem Fundamente und Mauerreste erhalten, dazu gibt´s einen ansaztweise wiederaufgebauten Bergfried von 1987 und eine grandiose Aussicht über Seeheim und die Rheinebene nach Nordwesten. Alles in allem ein schöner, spannender Platz mit ganz viel Geschichte, der auf jeden Fall einen Besuch wert ist:


Bild 16: Ruine Tannenberg von Osten kommend. Alte Mauerreste, in der rechten oberen Bildmitte das neu gemauerte Fundament des alten Bergfrieds


Bild 17: Am Nordrand der alten Kernburg führt der Weg bis zum steil abfallenden Westhang des Tannenbergs…


Bild 18: …von wo aus sich ein grandioser Blick nach Nordwesten bietet…


Bild 19: …über Seeheim und Pfungstadt hinweg bis zum fast 60 km entfernten Rheingau…


Bild 20: …nach Norden bis zum Taunus (die höchste Erhebung halbrechts mittig ist der große Feldberg. Unten Seeheim, rechts davon die Alte Bergstrasse Richtung Malchen, etwas darüber die Hochhäuser von Eberstadt Süd 3)…


Bild 21: …und noch mal direkt von oben auf den blockigen Lufthansa-Neubau

Dann wieder zurück, durch die alte Kernburg…

Bild 22

…vorbei am relativ neuen Gedenkstein…

Bild 23

…und einem sichtbaren Überbleibsel der finalen Burgbelagerung…

Bild 24: Kanonenkugel

…wieder zurück zum Ostende der Burg und auf einem extrem steilen unmarkierten Trampelfpad hinunter in den Wald am Höhenrücken des Kniebrecht hinter dem Tannenberg. Ab hier auf dem Saar-Rhein-Main-Weg (gelbes Plus)…

Bild 25

…bei leichter Steigung durch den ebenfalls wieder recht düsteren Wald…

Bild 26

…vorbei an der Hütte kurz hinter dem Tannenberg…

Bild 27

…dem Bannwald, der völlig sich selbst überlassen wird…

Bild 28

…und ein paar netten Felsformationen…

Bild 29

…bis ich schließlich nach ca. 1,5 km den Waldrand oberhalb von Wallhausen erreichte:

Bild 30: In der Bildmitte eines der wenigen Dächer von Wallhausen

Hier links und nochmal relativ steil hoch, zwischen dichtem Wald und satten Bergweiden aufwärts, dabei den herrlichen Blick über das weite, hügelige Stettbacher Tal genossen:

Bild 31: Blick übers obere Stettbacher Tal von Norden aus

Nach gut 200 m. eine Abzweigung. Kurz angehalten um sich mit dein Eingeborenen zu unterhalten. Die erwachsenen zeigten allerdings wenig Interesse an einer gepflegten Konversation…

Bild 32

…doch immerhin war zumindest einer der Jüngeren bereit, ein paar freundliche Worte mit mir zu wechseln:

Bild 33: Unsere Konversation im Wortlaut:
M.: „Hi Schaf!“
S.: „Määäääh!“
M.: „Danke gut. Und selbst?“
S.: „Määääh!“
M.: „Echt? Hämorrhoiden? In Deinem Alter? Das klingt aber unangenehm.“
S.: „Määääh. Määäh! Määähähäää.“
M.: „Tja, was will man da machen? Aber das wird schon wieder! So, jetzt muss ich aber auch schon wieder weiter, mach´s gut Schaf.“
S.: „Määäääh!“
Ich find´s ja faszinierend, dass Schafe richtig reden können.
Die meisten anderen Tiere machen normalerweise Geräusche, die ganz anders klingen, als das, was Menschen von sich geben. Aber ein mähendes Schaf klingt wirklich genauso wie jemand, der gerade einen halben Liter Helium inhaliert hat und „Määäh!“ sagt.
Schafe sind cool! :D

Und weiter. An der Abzweigung rechts, auf einen unmarkierten, wucherigen Feldweg, der leicht abfallend am Talrand nach Süden führte, erst durch die wunderbaren Obstwiesen, dann durch ein hübsches Hangwäldchen…

Bild 34

…dann wieder durch mehr herrliche Hangwiesen…

Bild 35

…von denen aus man einen schönen Blick auf das abendliche Wallhausen tief unten im versteckten Seitental hatte:

Bild 36

350 m. nach dem Ende des Wäldchens ein Zusammentreffen mit einer Herde Jungkühe, die erst panisch davonstoben, als sie mich kommen sahen (irgendwie ein gutes Gefühl, so ehrfurchtgebietend zu sein, dass man 3 Tonnen Fleisch und Muskeln in die Flucht schlagen kann), mich dann erst mißtrauisch aus der Entfernung beglotzten…

Bild 37: Wer errät, welche von denen Elsie heisst, darf einen Gasteintrag auf diesem Blog machen… ;)

…um sich dann doch noch ein Herz zu fassen, um dann doch unisono (und – im Fall von einer der hinteren Kühe – unablässig kackend) näher zu kommen…

Bild 38

…und Hallo zu sagen:

Bild 39 „Haaaal-looooo!“

Danach dem Feldweg noch ein Stück weiter bergauf gefolgt, bis er schließlich in die schmale Fahrstrasse am obersten Talrand mündete (Die von Stettbach nach Ober-Beerbach):

Bild 40

Hier rechts, vorsichtig (wie gesagt: Schmal, gewunden, kein Randstreifen) am Strassenrand abwärts in Richtung Stettbach.
Einen langsameren Verkehrsteilnehmer überholt…

Bild 41: „Aus dem Weg, du Schnecke!“

…das seltsame Licht der zeitweilig durch die Wolken linsenden Sonne zur Kenntnis genommen…

Bild 42: Ich mag Gegenlichtaufnahmen…

..und einmal mehr den unvergleichlichen Blick von oben über das bestürzend schöne Stettbacher Tal genossen:

Bild 43 Oh mann, wenn da doch nur noch der strahlende Sonnenschein von heute morgen geherrscht hätte…

Schließlich dann Einlauf ins idyllische Bergdörfchen Stettbach (oder, wie der Einheimische sagt, „Stiwwisch“):

Bild 44: Man beachte die Feuerwehr, die eifrig den linken Bildrand bevölkerte, mit sich selbst palaverte, und fleissig blaulichtete.

Geraderwegs durchs Dorf durch, erst geradeaus durch die steil abfallende Strasse „Am Berg“, vorbei an der hübsch gelegenen Kneipe „Zur schönen Aussicht„…

Bild 45

…an der Kehre im Ortskern runter auf die Talstr….

Bild 46: Links geht´s hier hoch zum Salon Forthuber, wo sich die Dame und der Herr mit Geschmack die Haare schneiden lassen…

…die dann neben dem offen dahinplätschernden Stettbach bis zum unteren Dorfausgang…

Bild 47

…wo ich den Ort halblinks auf dem steilen Asphaltweg („Hainzenklingen“) verliess, der um eine Kuppe herum ins Seitental mit dem versteckten Weiler Hainzenklingen führt:

Bild 48

Ordentlich anstrengender Aufstieg, der nach den bereits gestemmten mehreren hundert Höhenmetern schon so ein bisschen an die Substanz ging. Da ich den Asphaltweg nicht ganz durchlaufen wollte (kenne ihn schon), bog ich nach ca. 250 m. am Anfang des Wäldchens links auf einen Waldweg ab, der noch steiler und anstrengender war, im Gegenzug aber noch mal einen wunderbaren Ausblick aufs abendliche Stettbach bot:

Bild 49

Nach dem Wäldchen war der Pfad arg zugewuchert…

Bild 50: Weg? Wo ist denn hier bitte ein Weg?

…und mündete dann schließlich auf den gekiesten Weg, der vom Vogelherd in Stettbach nach Hainzenklingen führt. Noch eine letzte Anstrengung bis zur Kuppe…

Bild 51: „Fast… oben…!“

…und ich erreichte die wunderbare, herrliche, einsame Anhöhe oberhalb von Hainzenklingen, von der aus man einen unglaublich grandiosen Blick in die Weite der Rheinebene hat:

Bild 52: Man beachte die schöne Abendstimmung

Überwältigend! Wirklich einer der schönsten Plätze im Gemeindegebiet von Seeheim-Jugenheim! Ein, zwei Minuten stehen und geniessen, dann noch ein paar Fotoexperimente mit der herrlichen Wildhaferwiese:

Bild 53: Naher Hafer vor ferner Ebene


Bild 54: …und nochmal Hafer


Bild 55: Das Bild gefällt mir, tolle Stimmung. Die Bergkette im Hintergrund ist einmal mehr der Taunus um den Feldberg.

Dann weiter, runter in den dämmrigen Weiler Hainzenklingen:

Bild 56: Der Berg im Hintergrund ist der Melibokus, erkennbar am charakteristischen Turm

Geradeaus an den paar Häusern vorbei und runter ins düstere Tal, in den Wald und weiter bis auf den alten Asphaltweg zwischen dem Stettbacher und dem Balkhäuser Tal…

Bild 57

…über den Bergrücken am Goschenrod und runter auf die Freifläche oberen Ende des Hechlersgrundes im Balkhäuser Tal…

Bild 58: Unten im Tal ein paar Häuser von Balkhausen, dahinter die steile Bergwand des Melibokusmassivs

…vorbei am toten, traurig zugewachsenen Stumpf der ehemals so stolzen Kaiserbuche…

Bild 59

…und schließlich auf die Kreuzung im Wald auf der Rückseite des Marienbergs, von wo aus man in mehreren Richtungen zum Heiligenberg oder in die Täler laufen kann:

Bild 60

Inzwischen hab´ ich schon fast alle Wege am Marien- und Heiligenberg abgelaufen, es fehlte mir eigentlich nur noch einer: Ein schmaler, unsäglich schlechter Trampelfpad der vom unwegsamen Gipfel des Marienbergs geradewegs bis runter an den Heiligenberg führt. Also nahm ich den in Angriff: Geradeaus auf der SJ2 den Berg hoch in den Wald rein, an der zweiten Wegscheide links (unmarkiert), nach 100 m. gleich wieder rechts, auf das unsäglich miese und steile Pseudopfädchen, das direkt auf den Gipfel des Marienbergs führt. Hier war´s inzwischen Stockfinster (dichter Wald, Osthang), entsprechend schleppte ich mich fast blind den elend langen Anstieg hoch, stolperte über Stöcke und Steine, verfing mich in Dornen, und scheuchte eine regelrechte Legion von Rehen auf, die raschelnd in die Dunkelheit flohen (ein Rehbock bellte dabei empört vor sich hin – ganz ehrlich, dieses schallende, rülpsende Bellgeräusch kann schon etwas beunruhigend klingen, wenn man mutterseelenallein durch den einsamen, finsteren Wald stolpert).
Übrigens keine Fotos, keine Motive, zu dunkel, und die Kamera meldete inzwischen bei jedem Einschalten, dass die Batterie praktisch leer sei, und sie nicht mehr wolle (bis zu diesem Zeitpunkt eine leere Drohung, aber nicht mehr lange…)

Nach einer kleinen Ewigkeit hatte ich endlich den Gipfel erreicht (der so unspektakulär ist, dass es eigentlich keinen Grund gibt, sich den Aufstieg anzutun), und lief geradewegs darüber hinweg, auf den winzigen Hangpfad, der mir noch gefehlt hatte.
Den war ich bisher nur ein einziges Mal gelaufen, vor Jahren, und da war er mir extrem schlecht vorgekommen. Und das war am hellichten Tag und im Winter.
Heute, in der Dämmerung und im August, war er ungleich schlechter: Steil, nicht trittsicher, und über und über mit Dornenranken und Brennesseln überwuchert, da war jeder Schritt eine Qual.
Auf dem Weg nach unten erhaschte ich noch ein letztes Bild der untergehenden Sonne zwischen den Bäumen…

Bild 61

…und dann war auf einmal der Pfad zu Ende.
Na ja, stimmte nicht ganz, er verwandelte sich eigentlich nur in ein undurchdringliches Dornen- und Brennesselfeld:

Bild 62: „Ach du Kacke?!? Da soll ich durch!?“

Da stand ich nun. Mitten im Nichts. Fast im Dunkeln. Zurück konnte und wollte ich nicht, für einen Umweg hätte das Licht nicht mehr gereicht. Also schnappte ich mir einen Prügel, und schlug mir so gut es ging einen Pfad durch das fast 50 m. lange Todesdickicht. Ging übrigens unentschieden aus: Ich räumte Unmengen von Brennesseln und Dornen aus dem Weg, dafür stachen und verbrannten sie mich nach Strich und Faden.
Aber am Ende war ich durch, und konnte den Pfad bis unten hinters Schloss durchlaufen.

Fotografieren war allerdings nicht mehr: Einerseits zu dunkel, andereseits hatte auch die Fotobatterie nach dem letzten schlechten Bild des Brennesseldickichts endgültig den Geist aufgegeben.
Sorry Freunde: Heute keine Bilder vom Heiligenberg mehr, mit seinem herrschaftlichen Schloss, dem gepflegten Schlosspark, dem romantischen Teich, der idyllischen Klosterruine, der uralten Zentlinde, dem würdevollen Alexandermausoleum, dem prächtigen goldenen Kreuz oder der wunderbaren Kreuzwiese. Einfach selber mal hinfahren, oder hoffen, dass ich noch mal mit dem Foto vorbeikomme… ;)

Ich passierte jedenfalls das Schloss, rannte runter zum Teich, bog links ab, lief unterhalb der Klosterruine bis zur Kreuzung über dem Nonnenbrünnchen, bog rechts auf die Kreuzwiese ab, bahnte mir meinen Weg durch die wachsenden Wildblumen, kletterte am Ende auf den Fußweg unterhalb der Wiese, hielt mich rechts bis zur Fahrstrasse, und folgte dann den Serpentinen runter ins dämmrige Jugenheim, wo ich über den Pauerweg wieder zurück nach Hause lief.
Ende.

Fazit: Ok, das mit dem Foto klappt schon etwas besser. Er nervt zwar immer noch total und stört meinen Rhythmus, aber immerhin verwackele ich weniger Bilder. Problematisch ist allerdings weiterhin die Extrazeit, die das Fotografieren kostet, die berechne ich immer noch nicht richtig ein – bei Abendläufen führt das dann so wie heute dazu, dass ich zu spät starte, in die Dämmerung komme, und am Ende nicht mehr genug Licht da ist.
Muss ich dran arbeiten.
Schade war auch, dass der Abend nicht das hielt, was der morgen versprochen hatte – das diffuse, milchig-trübe Licht eignet sich einfach nicht so gut zum Schiessen schöner Fotos wie strahlender, klarer Sonnenschein mit viel Licht und Schatten, entsprechend sind gerade die Bilder der herrlichen Landschaft nicht so gut, wie sie bei idealerem Wetter gewesen wären.
Insgesamt aber trotzdem ein schöner Lauf, auch wenn ich dem Fotografieren weiterhin skeptisch gegenüberstehe und mit den Bildern von heute nicht so ganz zufrieden bin…

Strecke: 13,1 km
Zeit: 1:28 h reine Laufzeit (= 8,93 km/h bzw. 6:43 min/km)
Anteil der noch nie gebloggten/gelaufenen Passagen an der Gesamtstrecke: 26,87% (3,52 km von 13,1 km)
Karte:

Karte mit den Entstehungsorten der einzelnen Bilder:

M.

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17 Antworten zu “Burg Tannenberg und Stettbacher Tal – Ein Laufbericht mit Fotos (13,1 km)”

  1. Gerd Sagt:

    Wow, da hast DU dich ja selbst übertroffen.
    Du auch noch in Einklang mit der Technik.
    Wo soll das noch hinführen??????
    Die Bilder sind echt gut. So langsam klappt`s. Vielleicht gibts ja doch bald ein bebildertes Buch von Dir. Da kannst Du die Mythen und Sagen der Bergtrasse erlaufen :-)

    Echt toller Beitrag – Gruß Gerd

  2. matbs Sagt:

    Hrm, Einklang sieht anders aus – die doofe Kamera hat natürlich wieder ständig gezickt, unnötig geblitzt und alles verwackelt… ;)

    Und so richtig zufrieden bin ich mit den etwas trüben Bildern auch nicht – wenn da doch bloss die Sonne draussen gewesen wäre…

    Na ja, aber allzuoft kann ich das ja eh nicht mehr machen – da ich die Bilder nirgendwo hoste, sondern direkt über WordPress hochlade, wird da irgendwann der Platz nicht so reichen…

    …nach so 40 oder 50 Mal…

    Aber trotzdem vielen Dank für die Blumen

    Matthias

    PS: Das mit der Tannenburg ist übrigens kein Mythos, das ist historisch verbürgt. :)

  3. Heidi Sagt:

    Ooooch, sind doch schöne Bilder geworden!
    Ich lade die Fotos bei mir auch nicht über twoday hoch, sondern über imageshack und dann braucht man den Link nur noch einzufügen. Ist ganz leicht und Du sparst Dir den Speicherplatz.
    Wäre doch schade, wenn du nicht mehr fotografierst :-D

  4. matbs Sagt:

    Dankeschön, Heidi! Ich hoffe, du hast die Motive der Bilder 58 bis 60 wiedererkeannt, schließlich hab´ ich dich da auch schon langescheucht. :)

    Die Imageshack-Bilder sind aber nur in dem Format eingebettet, in dem sie auf der Seite erscheinen, oder?
    Da kann man nicht draufklicken und sie sich noch mal ganz groß en Detail ansehen?
    Das find´ ich bei der WordPress-Variante nämlich eigentlich ganz schön: Ein Klick, und du hast das Foto in der Originalgrösse von 2500 x 2000 Pixeln (oder was auch immer).

    Aber wie gesagt – vorerst ist das ja nicht ganz so akut, noch sind mehr als 96% der 3 GB, die WordPress zur Verfügung stellt, frei… ;)

  5. Heidi Sagt:

    Äh….nee….irgendwie habe ich das nicht erkannt. War ich da wirklich schon?
    Imageshack geht auch anders, wenn man auf einigen twoday Seiten schaut, dann haben sie es so, dass man draufklicken kann und die Fotos dann in groß erscheinen.
    Aber ich weiß nicht, wie das geht…

    Ach bei 96 % Kapazität, da kannst du ja richtig loslegen!
    Ich bin gespannt. Heute z.b. ist doch ein toller Tag, um laufen zu gehen und dabei zu fotografieren ;-) (ich tu`s nicht)

  6. Chris Sagt:

    Hi Matthias,

    ich bin einigermassen beeindruckt. Vom Blog und von Deiner eisernen Laufdisziplin!

    Grüße aus Mainz!

  7. matbs Sagt:

    Hi Christopher,

    na da bin ich doch einigermassen erfreut, danke Dir! :D

    Matthias


  8. [...] Burg Tannenberg und Stettbacher Tal – Ein Laufbericht mit Fotos (13,1 km) [...]

  9. Boris Sagt:

    Hallo Matthias,

    Mensch mensch… mit Fotos… ich bin jetzt aber auch beeindruckt. Hast Du Dir `ne Digicam zugelegt! Ich dachte das Prinzip einer Digicam – von wegen Bidler gleich anschauen können etc. ist gegen Deine Prinzipien… ;-)

    Wie auch immer – wegen Deiner Bedenken bzgl. Deines Speicherplatzes vielleicht folgender Tip:

    Lad Dir eines der vielen freien, legalen Bildbearbeitungsprogramme herunter, mit denen man recht einfach und schnell digitale Bilder verkleinern kann, und zwar mit Stapelverarbeitungsfunktion. Das heißt Du musst nicht jedes Bild einzeln verkleinern sondern wählst Bilder in einem ORdner aus, die dann alle von dem Programm bearbeitet werden. Ziemlich simpel ist da das Programm „PICSIZER“, dass ich auch verwende und dass Du über den folgenden Link herunterladen kannst:

    http://www.foto-freeware.de/picsizer.php

    Oder aber verstell einfach die Größe der Bilder in der Kamera direkt, dann ersparst Du Dir eine nachträgliche Bildbearbeitung, und kannst noch mehr Berichte mit Bildern bloggen.

    Längerfristig wäre aber wohl ein Bilder-Host eine ins Auge zu fassende Alternative…

    Ansonsten bleibt mir echt nur zu sagen, RESPEKT vor Deiner Laufleistung :-)

    Beste Grüße aus Wiesbaden und bis hoffentlich mal demnächst wieder
    Boris


  10. [...] und über die kleine Treppe in den Wald (wer sehen möchte, wie´s das so aussieht, kann mal in diesen Laufbericht mit Bildern reinschauen). Das letzte Stück übrigens gehend, bis zum Wald hoch ist es einfach zu [...]


  11. [...] Zuerst mal nordwärts durch Jugenheim. Die übliche Route auf dem Blütenweg: Pauerweg (wunderschön der Mittelteil, wo der Pauerweg nur für Fußgänger zugelassen ist und zwischen parkartigen Villengärten hindurch führt, deren imposanter alter Baumbestand im Abendlicht erstrahlte), durchs Balkhäuser Tal, die Hauptstrasse hoch, vorbei am alten Rathaus, dem Roseneck und dem Eingang zum Heiligenberg, geradeaus in die Seeheimer Str., dann rechts ab und auf der Strasse “Am Tannenberg” hoch in den Wald unterhalb der Alexanderhöhe (wer sehen will, wie das so aussieht, kann ja mal hier schauen). [...]

  12. Jan Sagt:

    super-interessant erzählt, das mit den Raubrittern und der Frankfurter Riesen-Kanone! Kompliment!

    Muss da mal vorbeifahren…

  13. matbs Sagt:

    Dankeschön! :)
    Ist aber auch ´ne ziemlich gute Story.

    Falls du vorbeifährst, kannst du dich gerne noch mal melden, dann erklär´ ich dir, wie genau du da hochkommst (das geht nämlich nur zu Fuß, und ist vielleicht ein bisschen kompliziert, wenn man den Weg nicht kennt).

  14. Kerstin aus Stettbach Sagt:

    Hallo matbs,

    durch Zufall sind wir, mein Vater und ich, auf deine Seite hier im Internet gestoßen.
    ich muss schon sagen, richtig schöne Bilder sind aus unserem schönen Stettbach in deine Kamera geraten :-)

    Eine kleine Anmerkung zu deinen oben gezeigten Bildern kann ich mir allerdings nicht verkneifen…die Feuerwehrleute, die du erwähnst, haben alles andere als „rumpalavert“, sondern dich mit deiner Kamera beobachtet und Ihre Übung an dem späten Nachmittag besprochen. ;-)

    Viele Grüße aus Hainzenklingen

    Kerstin

    ps: das mit dem schönen Ausblick wissen wir schon lange zu schätzen ;-)

  15. matbs Sagt:

    Hi Kerstin,

    vielen Dank, freut mich, dass es euch gefällt – wobei die Bilder natürlich noch schöner geworden wären, wenn der Himmel noch etwas klarer und blauer gewesen wäre. Aber na ja, man kann halt nicht alles haben, und eure Ecke von Seeheim-Jugenheim ist ja trotzem unheimlich fotogen.

    Was die Feuerwehr angeht: Hachje, bei dieser Bloggerei muss man aber auch immer höllisch aufpassen, da wird einem ggf. jedes Wort auf die Goldwaage gelegt… :D
    Aber immerhin ist es sachlich ja nicht ganz falsch, denn palavert haben sie ja irgendwie, und zwar über die Übung.
    Auch das kann man ja als „palavern“ bezeichnen, ohne dass es despektierlich wäre (hoffe ich zumindest). :)

    Und euer Ausblick da oben: Wie gesagt – der Wahnsinn. Da könnte man fast ein bisschen neidisch werden…

    Danke für den netten Kommentar, und ein frohes Neues!

    Matthias


  16. [...] Zum Beispiel “Die Lufthansa” (oder korrekter: Das Lufthansa Training and Conference Center Seeheim). Große, etwas klotzige Anlage im Wald am Hang über Seeheim, wo ein international agierenden Großkonzern (hmm, welcher könnte das bloss sein…? ) seit den Siebzigern seine Mitarbeiter ausbildet. Lag früher mitten auf einer meiner Hauptstrecken, bis der Träger vor zwei Jahren alles hat abreissen lassen, um ein größeres, besseres, neueres Trainingszentrum hinzustellen. Seitdem war da oben gesperrtt. Großbaustelle, kein Weg durch, auch wenn ich´s immer mal wieder versucht hab… [...]


  17. [...] Burg Tannenberg und Stettbacher Tal – Ein Laufbericht mit Fotos In dem der Matthias die erste Burg Europas besucht, die mit Schwarzpulverwaffen erobert wurde (und ihre Geschichte erzählt), ein kurzes aber tiefsinniges Gespräch mit einem Schaf führt, die Stettbacher Feuerwehr fotografiert, und sich am Ende als ausdauernder erweist als ein handelsüblicher Kamera-Akku. [...]


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