So.
Nach kurzem aber intensiven Für und Wieder, einem bedingt konklusiven Arztbesuch (mit der Kernaussage: “Machense nur, wenn ihr Knöchel nicht will, wird er Sie´s schon wissen lassen”), und dem Zureden von diversen Leuten (die wahrscheinlich total gerne die Anekdote lesen möchten, wie der Matthias sich beim Darmstadt Marathon den kaputten Fuß abgerissen hat), und einmal drüber Schlafen hab´ ich mich entschieden:
Morgen Halbmarathon in Darmstadt.
Mit ohne Topform, dafür aber mit mit leicht lädiertem rechtem Fuß, Wohlstandsbäuchlein und einer Woche Trainingspause.
Erster werd´ ich wahrscheinlich nicht…
Grobe Zielzeit: Irgendwas knapp unter 2:10 h, also so ca. 6 min/km.
Überhaupt nicht ambitioniert, aber wahrscheinlich machbar (hoffe ich – leider fehlt´s mir dieses Jahr ja so ein bisschen an der Routine, um das genau einschätzen zu können).
Sekundärziel falls doch nicht machbar: Ins Ziel kommen, und zwar nicht wenn möglich nicht maßgeblich später als Gerd.
Sofern das mit der zeitlichen Zielsetzung halbwegs klappt, dürfte ich also zu den folgenden Zeiten an den folgenden Orten zu bewundern sein (nur falls jemand zugucken mag – dürfte ein Riesenspass sein, denn wenn die existierenen Laufbilder von mir ein Indikator sind, sehe ich bei solchen Sachen grundsätzlich unglaublich dämlich aus…
):
- Nieder-Ramstädter Str.: 8:30 bis 8:37 Uhr
- Heinrichstr. 8:37 bis 8:43 Uhr
- Petersenstr. und TU-Campus an der Lichtwiese: 8:43 bis 8:49 Uhr
- Böllenfalltorweg: 8:49-8:56 Uhr
- Böllenfalltor: Ca. 5 vor 9
- Hinterm Sportplatz in Traisa: 9:19 Uhr
- Hölzerne Hand hinter Traisa: 9:23 Uhr
- Jugendzentrum bei Roßdorf: 9:36 Uhr
- Erbacher Str. am Oberfeld: 9:56 Uhr bis 10:04 Uhr (da gehts ein bisschen im Kreis)
- Letzter Kilometer Atzwinkelweg bis ins Hochschulstadion rein: Ca. 10:30 bis 10:40 Uhr.
Natürlich alle Angaben absolut ohne Gewähr!
Oh, und den Steckenplan dazu gibt´s hier.
Für heute bedeutete das: Nachmelden.
Sprich: Man fährt irgendwo hin wo´s in der Regel chaotisch hergeht, meldet sich noch schnell an, blecht dafür deutlich mehr als all die vorausschauenden Laufstreber, die sich schon vor Monaten angemeldet haben, und kriegt seine Startnummer samt attendantem Gedöns ausgehändigt.
Also ab nach Darmstadt. Nachmeldung heute ab 16:00 Uhr in der Böllenfalltorhalle, die – man mag´s kaum glauben – am Böllenfalltor zu finden ist.
Schon relativ früh losgefahren, so gegen 15:40 – würde vielleicht ja nicht so voll sein, wenn man gleich am Anfang vorbeikäme.
Gute Idee, eh?
Ja total, und zwar so gut, dass Horden anderer Nachmelder sie auch gehabt hatten…
Schon auf dem Parkplatz vor dem Böllenfalltorstadion und der Halle herrschte die blanke, gnadenlose Anarchie, alles stand wild durcheinander, Platz war keiner, ein halbes Dutzend PKWs mit verwirrt wirkenden Fahrern und auswärtigen Kennzeichen irrte sinn- und ziellos durch den chaotischen Parcours.
Ich parkte lieber ein bisschen weiter Weg und lief zur Halle.
Die war schon ratzevoll. Latürnich, ist ja immer so.
Die obligatorische Marathon-Messe mit ein paar Info- und Verkaufsständen in der Hallenmitte, links davon die Organisation, bestehend aus:
- Vielen irgendwie obskuren Schaltern, die offenbar für teilnehmende Bankmitarbeiter (ist ja der “Sparkassen-Marathon”) gedacht und nach Bankleitzahlen geordnet waren. Wenig los.
- Einem Trouble-Schalter. Auch wenig los.
- Der Läuferbeuter-Ausgabe. Wenig los.
- Total vielen Startnunterlagenabholschaltern, wenig los.
und natürlich dem
- Nachmeldeschalter, vor dem sich bereits um 16:05 (also ich ankam) eine Schlange durch die halbe Halle gebildet hatte.
Na Prima.
Hintenangestellt und gewartet.
Und gewartet.
Zwischendurch schon mal ein Nachmeldeformular besorgt und mit einem geliehenen Kuli ausgefüllt.
Und gewartet.
Und gewartet.
Und gewartet.
Und… gewartet.
Ging nicht gut voran, die vier Helfer am Schalter da vorne hatten´s nicht so wirklich eilig, und viele der Herrschaften vor mir hatten sich offensichtlich nicht die Mühe gemacht, die Formulare schon vorher auszufüllen.
Warum auch, wenn man das auch bequem und in glazialer Laaaangsaaaaamkeit erledigen kann, wenn man dran ist? Zwischendurch nochmal ein kurz ein Schwätzchen per Handy und dem Helfer hinterm Tresen, man hat ja Zeit…
Da mussten sich die hinteren Ränge (inkl. moi) eben in Geduld üben.
Jetzt steh´ ich ja nicht gerne in dichten, großen, wabernden Menschenmengen an. Immer das Gewusel um einen rum, ständig drängen sich irgendwelche rempelnden Passanten durch die Schlange durch (natürlich immer da, wo ich stehe), es ist warm, stickig, die Leute um einen rum labern Müll…
Hrgn.
Macht mich irgendwie immer unwirsch. Davon geht´s auch nicht schneller, aber zumindest kann man sich ein bisschen die Zeit vertreiben, indem man den üblichen Läuferzoo beguckt und gemeine Dinge über seine einzelnen Vertreter denkt: Ausgemergelten Laufskelette, fette Stammtischamateure, langhaarige (oft schon etwas schütter) und ohrberingte Möchtegernadonisse in der Midlife-Crisis (viele davon mit weibisch rasierten Möchtergernadonisbeinen in kurzen Hosen), die yuppiehaften Equipment-Fetischisten im superteuren Profi-Outfit (Leggins aus Kefir, Uhren aus Polar, und Sonnenbrillen im Gegenwert eines Kurzurlaubs in einer beliebigen europäischen Metropole, natürlich alles schon am Tag vor dem Lauf zur Schau getragen, wozu hat man´s denn), winzige ausgemergelte Damen Mitte 50 ohne ein Gramm Fett am Leib (sehen meistens so aus, als hätte man sie ein paar Jährchen im Garten vor sich hinwittern lassen), aufgedonnerte Laufmuttis, schlecht angezogene und schlechter frisierte Pseudo-Emo-End-Teeny-Sportskanonen (brrr, also dieser junge Mann mit der Nagetiervisage und der Pudelfrisur vor mir in der Schlange… Nee, die Jugend von heute taugt einfach nix, ich sach´s euch…) – wer sich mit grantigem Blick auf so´ner Marathon-Messe umsieht, der wird auf jeden Fall fündig…
Zwischendurch noch ein bisschen mit der Organisation gehadert (das hab´ ich inzwischen gelernt – was ein alter Laufhase sein will, der ist grundsätzlich mit der Organisition unzufrieden: “Also damals in Frankfurt haben ist das viel besser gewesen”, “In Hamburg gab´s sowas ja nicht”, oder auch “Kein Vergleich zum Boston-Marathon”…
), und war schließlich nach einer guten halben Stunde für ca. 40 m. (= ca. 0,8 km/h bzw. 75 min/km) doch noch dran. Formular abgegeben, Unterlagen gekriegt, bezahlt. Alles in weniger als 2 Minuten. Geht doch. Noch schnell den Läuferbeutel abgeholt, und nix wie raus aus dem Pandemonium und heim.
Puuuh!
So, und damit hätte ich auch meine Startnummer:

Also: Wenn ihr morgen einen dicken, rotgesichtigen Typen mit einer speckigen blauen Mütze und der 7955 auf der Brust seht, der am Oberfeld im Strassengraben liegt und wimmernd seinen zerstörten Knöchel bejammert: Das bin ich!
So, zum Abschluss noch der obligatorische Blick auf den Inhalt des Laufbeutels, der leider deutlich weniger spektakulär ausfällt als bei den größeren Veranstaltungen letztes Jahr (man merkt, das hier weniger Sponsoren gespendet haben, deswegen gibt´s diesmal leider keine hartgekochten Eier):
- Ein Schwamm, weiß
- Ein Gratismuster Kytta-Beinwellsalbe (“mit natürlichem Beinwell” [was immer das ist])
- Eine Flasche Wella Lifetex Extra Rich Shampoo (“herstelt beschadigd haar”. Holländisch ist irgendwie lustig)
- Die Echo-Beilage “1. Darmstadt Marathon, 6. September 2008″
- Eine Broschüre für “Ihr ganz persönliches Sportfoto” von SportOnline
und
- Ein Hochglanzkatalog für Fahrradfedern, der voller Fotos Fahrrädern und ihren dement grinsenden Besitzern ist.
Und das war´s auch schon.
So, und damit mach´ ich Schluss, schließlich muss ich mich jetzt mental auf einen Halbmarathon vorbereiten.
M.



5. September 2008 um 19:51
Na dann MACHENSE mal!!! Viel Glück und wenig Beinbruch!!!
Bin gespannt wie ES läuft !!!
XYZ
5. September 2008 um 20:33
Kitta Beinwell Salbe ist z.B. gut für verstauchte Knöchel. Also heb sie Dir gut auf
Der Inhalt des Starterbeutels ist ja ein Witz! Die Beilage vom Echo & Werbung, super.
Also, viel Spaß und viel Erfolg – und wenn du Pech hast, werde ich das Ganze fotografisch festhalten
5. September 2008 um 20:47
Ha…. die gleichen Typen hab ich auch gesehen. Ich hoffe Du hast nicht aus Versehen mich mit beschrieben
Bis Morgen!
5. September 2008 um 21:29
@ XYZ: …und ich erst…
@ Heidi: Ja, das steht auch drauf. Aber den Begriff “Beinwell” hab´ ich noch nie vorher gehört. Klingt irgendwie wie ein blödsinniger Werbename (“Beinwell makes your bein well”
)…
)…
Ja, über den Inhalt des Starterbeutels bin ich schon ein bisschen enttäuscht, ich hatte wenigstens noch auf einen dieser ungenießbaren Obstriegel aus gepressten Dattelresten und synthetischem Honigmelonenimitat (oder so) gehofft, die sonst immer dabei sind (wahrscheinlich weil niemand sowas freiwillig kaufen würde
Aber hey, für 35 Euro Startgebühr kannst du sowas halt nicht verlangen…
@ Gerd: Ööööh. Hrrrm. Aaaalos… Erm, hast du rasierte Beine…?
5. September 2008 um 22:42
was du alles wissen willst