Rüsselsheimer Osten mit Fotos (12,6 km)

29. Januar 2009

Heute hatte ich mal wieder in Mainz zu tun.
Und weil schönes Wetter war, und ich Lust hatte, und weil halt sowieso und überhaupt, hab´ ich mir gedacht: “Hey” (hab´ ich mir gedacht) “wennde eh schon da oben bist, dann kannste doch eigentlich auch gleich die Laufklamotten mitnehmen und irgendwo unterwegs eine kleine Runde am Rand vom Streckennetz einschieben!”

Und so hab´ ich´s dann auch gemacht. :)

Folgerichtig heute endlich mal wieder eine Tour außerhalb der fünf-Meilen-Zone um Zuhause.
Laufgebiet: Die Opel-Stadt Rüsselsheim am Main. Schon hundertmal durchgefahren, auch schon oft genug in der Innenstadt und im/am Opel-Werk unterwegs gewesen, aber noch niemals gezielt läuferisch erkundet – einer von diesen ganz spannenden Orten, die man schon ein bisschen kennt, wo es aber gleichzeitig noch unheimlich viel zu entdecken gibt (vor allem im Osten der Stadt, der heute auf dem Plan stand). Außerdem ist mein toller Lauf in Flörsheim am Nordufer des Mains vom letzten Oktober (der, bei dem ich den herrlichen Regenbogen fotografiert habe) immer noch nicht ans restliche Streckennetz angeschlossen, und zur Behebung dieser Lücke ist Rüsselsheim eine essentielle Station.
Man muss ja auch immer ein bisschen vorausplanen… ;)

Beim Aufbruch noch spontan den Foto eingepackt – normalerweise nehme ich den ja nur mit, wenn ich mit ein paar richtig schönen Motiven rechne, was heute eher nicht der Fall war, aber wie gesagt: Das Wetter war schön, und ich war gut gelaunt, und ich bin noch nie durch Rüsselsheim gelaufen, also warum nicht?


Ausgangspunkt im südlichsten Rüsselsheimer Staddteil Königstädten, in der Stockstrasse kurz hinter der Abzweigung der Elsa-Brändström-Allee – hier war ich bereits letzten November bei einer ähnlichen Tour vorbeigekommen, womit die Anbindung der heutigen Tour ans Streckennetz gewährleistet war.

Von hier aus nordwärts, die Stockstr. (Radweg 27) zwischen den Häusern von Königstädten und dem hübschen, sonnigen Waldrand in Richtung Rüsselsheim-Haßloch:
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Etwas frischere Temperaturen als gedacht, Beine zuerst noch ein klein wenig schwerer als erwartet, aber insgesamt alles bestens – freundlich milde Wintersonne, der leichte Geruch von Frühling in der Luft und das frühlingshafte Singen der Vögel aus dem Wald glichen die Anfangswehwechen mehr als aus.

Nach 200 m. das Ortsende, nun auf einem hübschen Fußweg neben einem großen Sportgelände weiter…
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…dann – weiterhin auf einem angenehm weichen (aber nicht schlammigen) Fußweg – neben der Stockstr. ca. einen halben Kilometer durch freundlichen, lichtdurchfluteten Flachlandwald…
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…bis ich schließlich die quer zu meinem Weg verlaufende A60 am Rand des mächtigen Rüsselsheimer Dreiecks erreichte, die es nun zu überwinden galt.

Zugegeben: Kein großes Problem auf der Stockstr., die erst unter den beiden Trassen ZUR A67 durchführt…
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…und sich dann auf Höhe des Rüsselsheimer Tierheims (das somit ganz von Autobahn eingeschnürt ist – nicht so nett für die armen Hunde und Katzen, die dort wohnen müssen) – zu einer Brücke erhebt, die über die beiden Trassen, die VON der A67 kommen, führt:
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Faszinierend, was so ein kleiner Perspektivwechsel ausmacht – die rechte Strecke bin ich jahrelang fast täglich gefahren, aber dass da direkt neben der Fahrbahn ein See liegt, das ist mir noch nie aufgefallen…

Hinter der Autobahn dann noch ein Stück durch den wunderschönen, freundlichen Flachlandwald, erst ein Stück an der Stockstr., dann wieder auf einem hübschen Fußweg parallel zur Fahrbahn…
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…bis ich schließlich den Waldrand kurz vor dem Rüsselsheimer Stadtteil Haßloch erreichte, nochmal die Stockstr. überquerte, und runter an die Horlache (bzw “Den Horlachgraben”) lief:
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Die Horlache ist ein Gewässer, das in einem großen Bogen um Haßloch drapiert ist. Sieht aus wie ein Flüsschen, hat aber anscheinend keinen richtigen Zu- oder Abfluss und ist dementsprechend wohl eher sowas wie ein extrem langer (nämlich über 4 km), schmaler (vielleicht 10 bis 30 m. breit) See in einem vom Fluss abgeschnittenen Altmainarm, der sich durch einen Streifen naturnah gehaltener Aulandschaft schlängelt und als Rückzucksraum für viele Tier- und Pflanzenarten dient:
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Diesem Gewässer folgte ich jetzt einfach mal ewig lange – erst über eine kleine Brücke, dann rechts und auf einem hübschen Uferweg (mit dem magentafarbenen Dreiecksmarker des Regionalparkwegs) nordostwärts:
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Herrliche Strecke: Exzellent gepflegter und wunderbar zu laufender Weg, noch mehr Sonne und singende Vögel, auf der einen Seite die schimmernde, teils noch vereiste Horlache mit Schilf und viel altem Baumbestand (zugegeben, manchmal roch´s ein klein wenig modrig, aber das war nicht weiter schlimm)…
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…auf der anderen Seite grüne Hecken und Wiesen und dahinter die Häuser von Haßloch, das trotz seines etwas unfreundlich klingenden Namens einen netten Eindruck machte:
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Sieht irgendwie gar nicht aus wie der Stadtrand von einem der wichtigsten Industriezentren Hessens, oder? Ist es aber.

Und so folgte ich für zwei oder drei Kilometer der Horlache:

Vorbei an gepflegten Spielplätzen…
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…unscharfen Enten…
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…und Tennisanlagen, die vor lauter Masten und Zäunen irgendwie nach Hochsicherheitsknast aussahen (tja, der weisse Sport muss sich halt irgendwie vom normalen Pöbel da draußen abgrenzen… :D )
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…immer schön dem Regionalparkweg folgend,…
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Der magentafarbene dreiteilige Pfeil ist der Regionalparkmarker, das gelbe Quadrat darunter gehört zu irgendeinem OWK-Wanderweg, den ich ehrlich gesagt nicht kenne (aber da sieht man mal, wie weit und umfassend das Wegenetz des Odenwaldklubs ist, dass es bis hier oben reicht)

…zwischendurch mal dezent unter der Varkausstr./B486 durch…
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…dann weiter am idyllischen Horlachenufer entlang, das inzwischen unmerklich nach Westen abzuknicken begann…
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Man beachte die Strassenlaternen. Das ist der Traum eines jeden Winterjoggers in der Provinz: Ein exzellenter, superangenehmer Weg mitten durch die Natur, der bei Dunkelheit beleuchtet ist…

…bis zur Brücke am Langseeweg, wo ich nach kurzer Orientierungspause…
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…ein zweites Mal die Horlache überquerte, um dann Nordufer weiter westwärts zu laufen (natürlich immer noch Regionalparkweg).
Erst kurz am Rand eines Ackers beim Rüsselsheimer Waldschwimmbad entlang…
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…vorbei an einem Metallmast mit seltsam geformten Auswuchs, der in der Sonne gleisste und astronomische Informationen enthielt…
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…und schließlich ein wunderbares Stück, auf dem die Horlache in etwas weniger urwüchsiger Umgebung fast kanalartig (im Sinne von “Venedig”, nicht “Abwasser” :D ) direkt am Nordrand von Haßloch entlangführt, und dabei folgende Impressionen zu bieten hatte:
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Man kann von Birken denken, was man will (Sie beuteln die Allergiker mit ihren Pollen, Hexen stehen immer zwischen ihnen, weisse Baumstämme sind seltsam…), aber bei Sonne und unter blauem Himmel sind sie schon verflixt hübsch

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Besonderes Augenmerk auf: Das Eis auf der Horlache. Trotz Sonne und Plusgraden war die teils noch dick zugefroren

Sehr gut gefielen mir übrigens die vielen Infotafeln am Wegrand.
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Ich mag Kopfweiden. Und Infotafeln. Also die perfekte Kombination… ;)

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Einige Fische haben echt die Arschkarte gezogen, als die Namen ausgeteilt wurden… :D

Na ja, zumindest die meisten Infotafeln.
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Seufz. Vielleicht ist ja auch nur meine nachweislich sehr geringe Vandalismustoleranz, aber mal im Ernst: Was sind das eigentlich für hirngefxxxte kleine Kackbratzen, die mit ihrem verpfuschten Leben nix Besseres anfangen können als unschuldige Hausecken, Stromkästen oder Infotafeln mit beschissen-infantilen Schmähnachrichten zu versauen?
Außerdem ist J.D. total cool und lustig!

Nach insgesamt fast 3 km war die Horlache dann zu Ende – wirklich ein schönes Stück, ich glaube, wenn ich in Rüsselsheim wohnen würde, wäre das eine meiner Lieblingsstrecken… ;)
Ich folgte weiter dem Regionalparkweg, der eine Querstrasse (“Waldweg”) überquerte und dann durch so eine Art Buschwald neben einem Friedhof bis in die eher unspektakulären Äcker zwischen Rüsselsheim, Haßloch und Raunheim führte…
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Hm. Szenisch und Pittoresk sieht irgendwie anders aus… ;)

…und die er dann leicht mäandernd in einem mit ein paar Kunstwerken angereicherten Grünstreifen (Die “Parkanlage vom Sainer zur Horlache”) durchquerte:
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Laut danebenstehender Infotafel sind diese Stelen

ein vom Rüsselsheimer Künstler Uwe Wenzel entworfenes Kunstobjekt, das mit den Gesetzen der Perspektive und der Verteilung von Licht und Schatten spielt.

Was übrigens tatsächlich stimmt, allerdings nur, wenn man das Kunstwerk von der richtigen Seite betrachtet/fotografiert.
Was hier …tjaa, also, wie soll ich sagen?
Na ja, ich hab´s irgendwie falschrum abgelichtet, deshalb wirkt es nicht.
Sorry…

Am Ende des Felder kurz neben einer Bahnlinie lang, dann am Raunheimer Ortsrand runter zu einer Unterführung neben einer offensichtlich recht neuen Umgehungsstrasse…
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…unter den Schienen durch, auf der anderen Seite dann ein kurzes Stück neben der Strasse entlang, dann links zwischen ein paar Schrebergärten durch auf einem weiteren weitläufigen, großen Feld (“Im Sainer”) rechts, einen noch etwas jugendlich wirkenden Alleeweg hoch…
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…bis zu einer einzelnen Wegweisersäule…
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…wo ich links abbog und einem furchtbar schlammigen Feldweg (mit ein oder zwei weiteren Kunstobjekten) westwärts bis zu den ersten Häusern von Rüsselsheim folgte (alles Regionalparkweg).

Dort links, kurz am Stadtrand entlang…
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Hm, das ist jetzt nicht ganz so hübsch…

…und schließlich auf der Karlsbader Str. rechts und in die Stadt hinein.

Rüsselsheim ist auf seine Art ein sehr interessanter Ort, der natürlich vor allem mit einem Namen verbunden ist: Opel – Im Westen der Stadt liegt das gewaltige Stammwerk der Adam Opel AG, und diese Präsenz hat seit über einhundert Jahren maßgeblich die Geschicke Rüsselsheims mitbestimmt.
Das sieht man: Als es Opel in den fünfziger und sechziger Jahren richtig gut ging (damals war man Deutschlands Autobauer Nr. 1, noch vor VW), prosperierte auch Rüsselsheim. Die Stadt wuchs, erschloss neue Wohngebiete mit damals modernen Plattenbauten, leistete sich breite Hauptstrassen mit viel Grün, repräsentative Neubauten, Parks, Schwimmbäder, kulturelle Einrichtungen – in einer Zeit, in der der Begriff “modern” mehr bedeutete, als er es heute tut, schien Rüsselsheim eine moderne Stadt auf dem Weg nach oben zu sein.

Heute sieht es weniger rosig aus – nach Ölkrisen und Wirtschaftsflauten, angesichts fortschreitender Automatisierung und ausländischer Konkurrenz, aufgrund von Globalisierung und nicht wenigen fragwürdigen Kursänderungen (die oftmals vom Mutterkonzern im fernen Detroit diktiert wurden), geht es Opel lange nicht mehr so gut wie früher, und darunter hat auch Rüsselsheim sehr gelitten – die Zeit der großen Investitionen und Zukunftsvisionen ist erstmal vorbei…

So, kurzer Exkurs, sorry, aber als Spross einer Opelaner-Familie, der selbst auch schon in Rüsselsheim für den Autobauer mit Blitz gearbeitet hat (wenn auch nur ganz kurz, als Public-Relations-Praktikant), ist das ein Thema, an dem ich ein gewisses Interesse habe… ;)

Anyhow, da war ich also mitten im Rüsselsheimer Osten und lief die Karlsbader Strasse entlang, bis zur Bonner Str., wo ich kurz pausieren musste und feststellte, dass ich irgendwo auf den letzten Kilometern mein Streckenplänchen verloren hatte.
Wieder mal.
Darin bin ich ziemlich gut.
Rückweg ab jetzt: Im Blindflug, nur meinem Instinkt und meiner Ortskenntnis folgend (die beide nicht 100%ig verlässlich sind).
Juppi! :D

Also kurz nachgedacht, meine Erkenntnisse mit dem Stand der Sonne, dem Flug der Vögel und dem Moos an den Baumstämmen abgeglichen, dann den ganzen Scheiss verworfen und festgestellt, dass das die Gegend ist, durch die man kommt, wenn man von meiner Verwandschaft jenseits des Mains runter an die Bergstrasse fährt.
Also bekanntes Terrain. Da braucht´s kein Plänchen.
Na bitte!
Geht doch… :)

Und links, die Bonner Str. runter…
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Na, was hab´ ich gesagt: Breite Strassen und repräsentative Bauten im sechziger-Jahre-Stil. Et voilà

…durch die Unterführung, an der modernistischen Kirche vorbei…
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Sakrale Moderne von unten

…und weiter geradeaus bis zum Ostpark, in den ich geradewegs reinlief.
Gar nicht so besonders parkartig, eigentlich eher ein normaler Kiefernwald mitten in der Stadt:
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Ein gutes Stück geradeaus durch den Wald, dann rechts, runter zu den Hirschen.

Mit den Hirschen ist das so: Im Rüsselsheimer Ostpark gibt´s ein Freigehege mit Damwild. Das kann man sehen, wenn man draußen auf der Strasse vorbeifährt und im richtigen Moment aus dem Autofenster guckt.
z.B. wenn man auf dem Rückweg von der Verwandschaft nördlich des Mains nach Hause ist. Wie z.B. der kleine Matthias.
Der guckt ca. 1982 oder 1983 bei der Rückfahrt von einem Verwandschaftsbesuch aus dem Fenster und sieht die Hirsche.
Wenn der kleine Matthias Tiere sieht, will er immer sofort hin und sie sich genauer angucken.
Aber das geht nicht, weil es wird schon dunkel und ist spät und der Papa muss morgen früh raus.
Also kommt der kleine Matthias, ca. 1982 oder 1983, nicht zu den Hirschen.
Übrigens auch 1984 oder 1985 nicht.
Auch nicht 1986 oder 1987 (Da ist es aber auch schon nicht mehr soo wichtig).
Ehrlich gesagt kommt er nie hin.
Aber jedesmal wenn er dran vorbeifährt, drückt er sich die Nase an der Scheibe platt und guckt nach den Hirschen.
Wir spulen ein Vierteljahrhundert vor:
Der große Matthias, der als kleiner Junge nie die Hirsche vom Rüsselsheimer Ostpark besuchen konnte, besucht die Hirsche im Rüsselsheimer Ostpark.
Yay! (Ein Kindheitstraum erfüllt, bleiben noch 7 239 762 abzuarbeiten… :lol: ).

Ehrlich gesagt: Ein furchtbar antiklimaktischer Moment.
Die blöden Hirsche stehen nur teilnahmslos an ihrem Hüttchen rum und freuen sich nicht mal, dass es der Matthias nach Jahrzehnten endlich zu ihnen geschafft hat:
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Und der Matthias, der seit letztem Jahr weiss, dass Damhirsche diabolische Beißmaschinen sind, will sie eigentlich auch gar nicht näher kennenlernen.
Folgerichtig kommt kein herzliches Treffen zustande.
Doofe Hirsche… :D

Neben dem ziemlich großen Gehege südwärts durch den Park, vorbei an einer großen Liegewiese…
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…und einem hübschen Weiher voller manisch quakender Enten…
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…die allesamt gierig in meine Richtung stürzten, als ich stehen blieb, um ein Foto zu schießen:
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Sorry. Hab´ kein Entenfutter dabei

Danach ein kleiner Abstecher nach links zum “Vogelhaus”…
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…dessen Bewohner deutlich würdevoller auf meine Näherkommen reagierten als das Wassergeflügel von eben:
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Eigentlich reagierten sie überhaupt nicht…

Und weiter südwärts…
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…durch eine leicht unscharfe Unterführung unter der Varkaus-Str….
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…in den Südteil des Parks, wo ich unvermittelt auf einen seltsamen Hügel stiess:
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Wahrscheinlich nach der Mülldeponie bei Büttelborn die höchste Erhebung im ganzen Landkreis Groß-Gerau… :D

Eigentlich hätte ich da ja nicht hoch gemusst, aber bisher war alles so flach gewesen und ein steiler Trampelpfad führte auch hoch, also:
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Ggggrrrrkkkuuuundhoch….Uffa!

Oben auf dem Hügel war…
…nichts Besonderes.
An drei Seiten ein häßlicher Zaun…
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…an der vierten ein Abhang:
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Kurzes Unverständnis, dann ging´s mir auf: Ein künstlicher Rodelhügel, mitten im bügelbrettflachen Rüsselsheim. Wie gesagt, früher hatte man hier Geld für sowas – und die Idee an sich ist doch ziemlich cool, oder?

Geradewegs die Rodelbahn runter, war etwas feucht und quatschig, dann unten wieder in den Wald und weiter südwärts bis zum Ende des Ostparks und hinaus in den – nicht so richtig hübschen, plattenbauigen Rüsselsheimer Süden am Dicken Busch:
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Helmoltzweg und Sauerbruchstr. runter, dann über den Liebigweg und den Hessenring (alles eher trist) auf die Adam-Opel-Str. Die dann links runter, an den buntbemalten Hochhäusern am südlichen Stadtrand vorbei…
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…aus Rüsselsheim raus und am auf dem Fußweg neben der Adam-Opel-Str./L3040 wieder über die A60…
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…und neben der Landstrasse noch einen guten halben km geradeaus durch die Pampa, bevor ich links zurück nach Königsstädten abbog…
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…und durch das große Neubaugebiet am Adennauerring zurück zum Ausgangspunkt lief.

Tempo ok, nicht wirklich anstrengend. Und natürlich: Ganz viel neue Strecke in meist überraschend schöner Umgebung, die ich so nicht unbedingt in der Industriehochburg Rüsselsheim erwartet hätte – gerade das Stück an der Horlache ist wirklich sehr reizvoll und war wunderbar zu laufen, und auch der Rest war gar nicht mal so übel. War um so reizvoller zu erkunden, als ich Teile davon schon vom Vorbeifahren kannte, aber des “Puzzle” Rüsselsheim noch nie läuferisch zusammengesetzt hatte.
Oh, und die Hirsche hab´ ich auch besucht. Haben sich zwar als Haufen doofer Snobs erwiesen, aber trotzdem… :D
Alles in allem also: Sehr schöne Tour, die viel Spass gemacht hat.
So muss das sein!

Strecke: 12,6 km
Zeit: 1:10 h reine Laufzeit (= 10,8 km/h bzw. 5:33 min/km)
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 99,6% (12,55 km von 12,6 km) Yaaaay!! :)
Karte:
russelsheim-ost

M.

17 Antworten zu “Rüsselsheimer Osten mit Fotos (12,6 km)”

  1. Hannes Sagt:

    Hat sich definitiv gelohnt, die Kamera mitzunehmen ;)
    Ich bin ja immer wieder begeistert, wenn du von deinem Streckennetz erzählst. Und davon dann auch noch so ausführlich zu berichten … toll!

  2. matbs Sagt:

    Hi Hannes!

    …ich freu´ mich ja immer wieder, wenn´s gefällt – ein ganz großer Läufer werd´ ich wohl nicht mehr, aber solange ich halbwegs interessant drüber schreiben kann, bin ich durchaus zufrieden… ;)

    Wie immer vielen Dank :)

  3. Christian Sagt:

    Hallo Matthias,

    die Kontraste zwischen Wald und menschlichen Boll-/Bauwerken ist schon extrem auf Deinem Lauf gewesen. Irgendwie kommen einem Autobahnen so verletzend vor, wenn man zu Fuss unterwegs ist :-(

    Aber der Rodelhügel musste wohl sein ;-) Ganz ohne Höhenmeter geht es bei Dir auch nicht.

    Ein sehr schöner Bericht über eine nicht ganz so schöne Landschaft. Habe es mit Interesse gelesen.

    Schönes Wochenende

  4. Bernd Sagt:

    Ein wirklich sehr schöner Bericht. So viele Fotos mache ich nicht mal wenn ich mit dem Rad unterwegs bin. :-)
    Beim Laufen fotografiere ich garnicht, halte meine Kamera dafür nicht für geeignet. Wenn man dann trotz Fotografierens noch in 5:33 min/km läuft finde ich das einfach spitze. :-)

  5. matbs Sagt:

    @ Christian:
    Ja, das war landschaftlich auf jeden Fall mal wieder ein interessanter Kontrast. Ich muss sagen, hin und wieder mag ich sowas ja ganz gerne – auch urbane Räume können ja durchaus reizvoll sein, wenn man sich auf sie einlässt, und das Lauferlebnis ist irgendwie schon ein bisschen anders (ständig wollt´ ich´s allerdings nicht machen…).

    Autobahnen finde ich nicht zuletzt deshalb nervig, weil sie fast die größten Hindernisse sind, denen man als Jogger begegnen kann – da muss man sich ständig fragen “Wo komm ich rüber, wo komm ich zurück”, und wenn mal eine Brücke unerwartet ausser Dienst ist, stehste auf einmal blöd da (wegen sowas musste ich vorletztes Jahr mal in einem fußgängerungeigneten Bachtunnel mal unter der A67 durchkriechen, das prägt… :lol: )
    Andererseits würde ich gerne mal auf der Autobahn laufen – so 10 oder 15 km auf der breitesten Bahn, die man sich vorstellen kann, das hätte schon was. Solange da Verkehr drauf ist, ist das natürlich vollkommen unmöglich, aber hey, vielleicht gibt´s ja mal wieder ´ne Ölkrise… ;)

    …und was den Rodelberg angeht – wie sagte doch weiland der große Pionier des Berglaufens George Mallory: “Weil er da ist”! :D

    @ Bernd: Ich hab´ den Foto beim Laufen immer am Handgelenk, entsprechend ist so ein Schnappschuss aus der Hüfte schnell gemacht, und es werden dann immer relativ viele (das da oben sind ja nicht mal alle, als bedingt talentierter Fotograf produzier´ ich auch immer ´ne Menge Ausschuss… ;) )

    Das mit dem Fotografieren beim Laufen mach´ ich auch noch nicht so lange, es ist auf jeden Fall eine deutliche Umstellung, die sowohl den Laufrhythmus und das Lauferleben deutlich beeinflusst, und das nicht immer nur auf angenehme Art und Weise. Andererseits ist es natürlich schon nett, wenn man ein paar Bilder als Erinnerung an eine besonders schöne Tour hat…
    Na ja, hat halt alles sein Pro und Contra.

    Und das mit dem Lauftempo… Ähh, na ja, also örm wenn ich ganz ehrlich sein soll: Bei etwas längeren Fotopausen stoppe ich unterwegs immer die Uhr.

    Dann muss ich nicht so hetzen, sondern kann mir die Zeit (meist sind es ja nur 15, 20 Sekunden) nehmen, die ich brauche, um ein Motiv gut abzulichten. Und da ich ja kein Rennen gewinnen will oder auf persönlicher Bestzeitjagd bin, finde ich es auch nicht so schlimm…

    Ist natürlich einerseits vielleicht ein klein wenig verzerrend, weil ich zwischendurch immer mal wieder eine kurze “Verschnaufpause” habe – aber da die ich normalerweise nicht am absoluten Limit laufe, fällt das meist nicht besonders ins Gewicht. Und die Alternative wäre deutlich verzerrender, denn wenn ich die Fotozeit mitstoppen würde, käme ich auf ein Durchschnittstempo, das signifikant langsamer wäre, als das, was ich tatsächlich gelaufen bin.

    Deswegen gebe ich bei Fotoberichten die Zeit auch immer bewusst als “reine Laufzeit” an, das ist ein Kompromiss – das ist das Durschnittstempo, das ich hatte, WENN ich gelaufen bin, inklusive der ganz kurzen Fotopausen von nur 5 oder 10 Sekunden, allerdings exklusive der größeren Fotopausen.

    Entsprechend ist die Kilometerzeit nicht wirklich “trotz” Fotografierens… ;)

    Wie immer vielen Dank, und auch euch ein schönes WE

    Matthias

  6. Gerd Sagt:

    Wieder mal ein schöner Fotobericht aus deiner Feder.
    Was mir auffällt. Gibt es dort Menschen. Auf allen Bildern bist Du mutterseelenalleine. So viel ich weis bist Du doch nicht sooooo früh unterwegs das alle noch schlafen. Außerdem war es schon hell.
    Also wo sind die den alle?

  7. matbs Sagt:

    Hey, du hast recht! War mir gar nicht aufgefallen, aber auf den Fotos scheint tatsächlich total wenig los zu sein – selbst die A60 – eine der wichtigsten Verkehrsadern im Rhein-Main-Gebiet – sieht ziemlich leer und ruhig aus.

    Wahrscheinlich mein schwerer Tritt, der die Menschen mit Jurassic-Park-artigen Erschütterungen in die Häuser und Schutzkeller treibt… :lol:

    Aber im Ernst – Versuch einer Erklärung:
    1) Es waren schon Leute unterwegs, aber tatsächlich nicht so viele. Lag vielleicht auch daran, dass ich Wege gelaufen bin, die unter der Woche einfach nicht so frequentiert werden – das sind teils eher Sonntagsspaziergangsstrecken, auf denen man unter der Woche nur ein paar Walker, Hundegassigeher und Radfahrer antrifft. Und in der Stadt selbst war ich ja eher in den ruhigeren Wohn- und Außenbezirken unterwegs, und außerdem nicht zu den Hauptberufsverkehrszeiten.

    2) Ich vermeide es normalerweise so ein bisschen, ungefragt Fremde (zu Fuß, auf dem Rad, in ihren Autos) zu fotografieren. Gehört sich ja auch irgendwie nicht, oder?
    Also warte ich oft auch, bis Spaziergänger aus dem Bild raus sind oder gerade kein Auto die Strasse entlangkommt.

    3) Da wo isch laufe tu, da kimmt hald sunscht kei Saau net hiie. ;)

  8. Frank Sagt:

    Das ist die besterzählte Geschichte mit Fotos, auf die ich irgendwann gestossen bin! Bravo!

  9. matbs Sagt:

    Hi Frank!

    Dankeschön, sowas hört man natürlich immer total gerne! :)

    Wenn´s dir gefallen hat, kannst du ja mal unter dem Tag Laufen mit Foto nachschauen, da gibt´s noch mehr davon… ;)

    Noch mal vielen Dank

    Gruß

    Matthias


  10. [...] Kölner Str. Ruhiges, bescheidenes Wohngebiet, durch das ich Ende Januar bei meinem Lauf durch den Rüsselsheimer Osten schon mal durchgekommen war, damit war die Strecke von heute dann auch gleich mit dem Rest des [...]

  11. Lemmy Sagt:

    Heyho,

    Da googelt man nach einem neuen Restaurant in Rüsselsheim und stößt ganz unvermittelt auf eine wunderbare Beschreibung der eigenen Lieblingslaufstrecke… :-)

    Ich wohne direkt am Ende des Horlachgrabens und habe damit das Glück, die von Dir gelobten Laufwege entlang der Horlache täglich ohne weite Anreise nutzen zu können. Die Unterteilung der Horlache in 2-km-Blöcke kommt mir als ambitioniertem Laufanfänger dabei sehr gelegen – es gibt ca. jeden Kilometer eine Brücke bzw. eine Unterbrechung des Grabens, um ans andere Ufer zu gelangen, sodass man sich wunderbar Ziele stecken kann: Anfangs bin ich immer bei der ersten Gelegenheit umgedreht und habe somit 2km absolviert; als es bzw. ich dann besser lief, nahm ich die zweite Brücke, usw. Mein Ziel ist es, diesen Sommer die komplette Horlache am Stück zu laufen – weiter lohnt sich ja anscheinend auch nicht ;-)

    Wirklich, ein toll geschriebener und sehr zutreffender Bericht – ich kann alles bestätigen ;-)

    Viele Grüße,
    Lemmy

    • matbs Sagt:

      Hi Lemmy,

      ach du je, da hab´ doch tatsächlich einen Monat lang vergessen, auf deinen Kommentar zu antworten, obwohl ich das sonst immer mache – sorry!

      Aber jetzt: Schön dass es dir gefallen hat, du hast da aber auch wirklich ein verflixt schönes Eckchen Rüsselsheim in der Nähe. Die Komplette Horlache klingt doch nach einem schöne Ziel, und wenn das erstmal geklappt hat, kannst du mal weiter ostwärts in Richtung Mönchbruch schweifen, da ist es nämlich ebenfalls herrlich:

      http://laufblog.wordpress.com/2009/04/27/natur-pur-schwarzbachwiese-nsg-monchbruch-und-horlache-106-km/

      Vielen Dank, und viel Erfolg beim Bewältigen der Horlache

      Matthias


  12. [...] Wassergraben, der sich östlich von Rüsselsheim entlangschlängelt (und den ich genauer in diesem Laufbericht mit Fotos [...]


  13. [...] pur: Schwarzbachwiese, NSG Mönchbruch und Horlache (10,6 km) « Laufblog on Rüsselsheimer Osten mit Fotos (12,6 km)Natur pur: Schwarzbachwiese, NSG Mönchbruch und Horlache (10,6 km) « Laufblog on Projekt [...]

  14. Diana Sagt:

    Möchte mich meinen Vorrednern anschließen. Klasse Bericht. Ich komme auch aus Rüsselsheim und finde du hast es wirklich zu treffend beschrieben.

    • matbs Sagt:

      Hi Diana,

      freut mich, dass es dir gefällt. Wenn die Einheimischen zufrieden sind, kann ich ja nicht alles falsch gemacht haben… ;)

      War auch sicher nicht das letzte Mal, dass ich in Rüsselsheim gelaufen bin, irgendwann will ich auch nochmal Mainufer, Festung, Opelvillen, Stadtpark, Innenstadt und Opel-Werk erlaufen, mal schauen, wie das klappt.
      Oh, und heute bin ich Mainz, da mach´ ich hinterher vielleicht noch eine kleine Tour durch Bauschheim (das gehört ja auch noch irgendwie zu Rüsselsheim, oder?)

      Vielen Dank für deinen Kommentar, werde mal auf deiner Seite nach den versprochenen Fotos ausschau halten! :)

      Gruß

      Matthias


  15. [...] der – wie mich eine wirklich interessante Infotafel aufklärte- die Verlängerung der Rüsselsheimer Horlache ist, bereits im Mittelalter von Mönchen angelegt wurde, und sich von Raunheim bis Ginsheim zieht [...]


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