Schnell und Flach durchs Ried: Rosengarten – Hofheim und zurück (10,6 km)

31. Januar 2009

Samstag, treffen mit Freunden drüben in Rheinland-Pfalz, somit gleich noch eine gute Gelegenheit, um unterwegs ein Läufchen in der Semifremde einzulegen.

Kurzer Blick ins Archiv uuund… ja! Da war noch eine schließenswerte Lücke, mitten im flachsten Flachland neben der B47 kurz vor der Wormser Rheinbrücke, die beschloss ich mir vorzunehmen.

Start in Lampertheim-Rosengarten, auf dem Parkplatz des Kaufland-Supermarktes, der sowohl von der Atmosphäre als auch der parkenden/einkaufenden Klientel ein wahrlich beeindruckendes Bild provinzieller Prolligkeit abgab.
Brrrr…


Auf dem Parkplatz umgezogen (dabei zum wiederholten Mal erkannt, dass so ein Kleinwagen nicht unbedingt die beste Umkleidekabine abgibt) und gleich los, an der schäbig-trostlosen Rückfront vom Kaufland entlang und bei der nächsten Gelegenheit nordwärts in die Felder.

Wie gesagt: Flachstmögliches Ried.
Äcker so weit das Auge reicht (heute zugegeben nicht so weit, war etwas diesig), nur hin und wieder mal durchbrochen von einem kleinen Wäldchen aus Strommasten (Wäldchen aus Bäumen waren nicht so richtig in Sicht), einem einsamen Aussiedlerhof, oder der Silhouette eines geduckten Rieddörfchens am Horizont.
Darüber: Tiefer, bleigrauer, trüber, düsterer Himmel bis in die Unendlichkeit – kein besonders freundliches Wetter heute.
Wege: Gut. Betonplatten und Asphalt zwischen den Feldern.
Blick auf die Uhr: Schon relativ spät, zeitlich etwas im Verzug was meine Resttagesplanung anging…

Zusammenfassend: Reizarme, flache Landschaft unter drögem Himmel, ordentlicher guter Untergrund, etwas in Eile.
Das würde heute zwangsläufig eine schnelle Angelegenheit werden…

Wurde es auch. Von Anfang an hohes Tempo (nix wie runter von dem deprimierenden Kaufland-Parkplatz…), in bester Bergläufer-Manier mit kurzen, schnellen Schritten erzeugt.
Wie ´ne Lok, stampfend, dampfend und schnaufend durch die Pampa… ;)

Vom esten Stück gibt´s kaum was zu berichten – gleich am Anfang ein kurzes, leicht verwirrtes Innehalten zur Orientierung (keine Sonne am Himmel, die Bergstrasse als markantes Geländemerkmal war vom Dunst verschleiert, da musste ich erstmal bestimmen, wo ungefähr Norden war), zwischendurch mal an ein oder zwei Einsiedlerhöfen („In den Schlägen“) vorbei oder auf einem Brückchen über einen Graben, ansonsten schnell und konzentriert durch Äcker, Äcker, Äcker, Äcker und Äcker, bis ich nach drei Kilometern Bobstadt Hofheim erreichte (ich dachte echt, es wäre Bobstadt – von der Strecke war ich goldrichtig und auf Kurs, aber ich hatte dem Ort, durch den ich jetzt durchlief, im Geiste einfach den falschen Namen zugeordnet. Ist mir auch noch nicht passiert…).

Auch hier: Kein Zögern, kein Zaudern, einfach zügig geradeaus weiter durch den Ort.
Typisches Rieddorf – alte Häuser, die ohne Vorgärten direkt am Bürgersteig stehen, dazwischen uneinsehbare Höfe mit hohen Hoftoren (hinter denen mit Vorliebe unsichtbare lokale Köter darauf warten, nichtsahnende vorbeilaufende Jogger mit einer unerwarteten Keiftirade an den Rand eines Herzinfarktes zu kläffen. Heute aber mal nicht, da war´s ruhig).
Die Kirchstr. entlang, dann an der sehr hübschen bobsthofheimer Barockkirche links, die Flatenstr. hoch, dann weiter durch den Wattenheimer Weg, am Friedhof vorbei (der ziemlich groß und anscheinend nur spärlich belegt ist – noch viel Platz für zukünftige verschiedene BobstädHofheimer. Falls demnächst eine Todespockencholeraepidemie über Deutschland hereinbricht, hier hat man vorgesortg… :lol: ), und schließlich am Nordende des Dorfes über die Bahnschienen und wieder hinaus in die Äcker.

Minutenlang einfach nur schnurgeradeaus. Als jemand, der Wald und Hügel und Serpentinen gewöhnt ist, irritieren mich solche ewig langen Flachlandgeraden ja immer etwas – du rennst und rennst und rennst, aber irgendwie kommt der Horizont nicht näher…

Tempo übrigens weiterhin ziemlich hoch. Die Kondition machte gut mit, allerdings begannen meine Beine, sich ein bisschen zu beschweren – der kraftvolle, bewegungsintensive Laufstil mit den schnellen kurzen Schritten auf hartem Asphalt forderte so langsam etwas Tribut.
Ging aber noch.
So ein bisschen Zwicken am Übergang von den Oberschenkeln zum Hintern hat noch keinem geschadet (wahrscheinlich hat sowas auf irgendeine Art und Weise schon ganz vielen Leuten geschadet, aber man muss auch mal pauschalisieren können… :D ).

Nach einem paradox kurzen/endlosen Geradenkilometer ein weiterer Einsiedlerhof mit Pferden, hinter dem´s links abging, nun nach Westen in Richtung Rheinufer.
Hier war schluss mit gutem Untergrund:
Erdiger Feldweg.
Zerpflügt von schwersten Traktorreifen.
Eigentlich nach hartgefroren, aber mit einer halbzentimeterdicken, klebrig-glibbrigen Schlickschicht ganz obendrauf, wo der Bodenfrost sich schon zurückgezogen hatte.
Alternativ spiegelglatt und knöchelbrechend uneben, ganz mies zu laufen, da musste etwas Tempo raus (und ein, zwei Mal musste ich sogar kurz anhalten, um die kiloschweren Schlammplacken, die sich wie Teller um meine Sohlen gebildet hatten, abzukratzen).
Ugh.

Nach 850 holprigen Metern die L3261, kurze Zwangspause (warum kommen auf praktisch leeren Landstrassen eigentlich immer dann die PKW-Kolonnen, wenn man sie gerade überqueren will?), auf der anderen Seite zwischen den vereinzeln stehenden Häusern am Heerweg durch, und schließlich links auf den Weg, der am Pumpwerk vorbei am Altrheindeich vor der Maulbeeraue entlangführt (Radweg R6/Rhein-Radweg).
Das letzte Mal an einem strahlenden Oktobertag vor eineinviertel Jahren hier vorbeigekommen, damals war´s richtig schön gewesen.
Heute?
Zu trüb, zu grau, zu eilig.
Not so much. Hrm.

850 m. am Fuß des Deiches südwärts, dann kurz vor der Wormser Eisenbahnbrücke links ab und durch die Äcker zurück nach BobstHofheim (war immer noch nicht ganz im Kopf…).
Markierung: Gelbes Quadrat – der Nibelungenweg, einer der wichtigsten Weitwanderweg des Odenwaldclubs, der vom Donnersberg in der Pfalz bis nach Mainfranken führt.
Klingt grandios, stellte sich vor Ort allerdings als weiteres abgeranztes, furchiges Schlammpfädchen zwischen den Rübenäckern raus, das wieder mal nicht besonders gut zu joggen war (passiert – viele der großen Weitwanderwege haben auch mal etwas schlechtere Passagen, da muss man einfach mit rechnen).
Entsprechend: Etwas Tempo raus, und den einen km bis zum Ort etwas vorsichtiger zurückgelegt.

Zurück in BobsHofheim kurz links, auf einem mit seltsamen Röhren zugestellten Übergang über die Bahn, kurz rechts die Nordheimer Str. zum Ortsausgang runter, dort dann links zu einem Sportgelände, neben dem ich mich irgendwie nach Süden durchlavierte und endgültig aus BoHofheim rauslief.

Fast geschafft, jenseits der Äcker war schon wieder der leicht schandfleckige graue Block vom Kaufland sichtbar. Nur noch schnell den geplanten Weg neben der Baumreihe am Rohrlachgraben runter und dannACHDULIEBEKACKE!!!!!!

Der Weg neben dem Rohrlachgraben stellte an Scheissigkeit jeden anderen miesen Feldweg, den ich heute gelaufen war, weit in den Schatten – wieder mal eine von Traktorreifen gefurchte Kraterlandschaft, bloss tiefer und unebener als alles Bisherige.
Natürlich auch wieder unten Knochenhart und oben schleimig.
So eine Art Bänderriss auf Abruf…

Aber gut, hatte es ja eilig, also fackelte ich nicht lange, sondern holperte irgendwie weiter – soweit es ging auf der dürren Grasnarbe neben dem Weg, ansonsten eben irgendwie durch/drüber.
Ging eigentlich, bin nur einmal richtig weggerutscht und zweimal umgeknickt (alles gottseidank nicht schlimm).
Immerhin: Das Areal am Grabenrand, mit viel Schilf und urwüchsigen alten Bäumen, war sehr hübsch anzuschauen (wenn man denn mal seinen Blick lang genug von der torturösen Wegatrappe ablenken konnte, um das zur Kenntnis zu nehmen).

Irgendwann war´s dann geschafft, links auf einen „normalen“ Weg und zurück zum Ausgangspunkt der Tour am Kaufland, das immer noch nicht so richtig nett wirkte…

Hmnaja. Landschaftlich kann die Gegend hier durchaus hübsch sein, aber es braucht das richtige Wetter und die richtige Muße, um das zur Geltung zu bringen. Fehlte heute Beides, also nicht so doll.
Immerhin: Dafür war ich schnell – trotz der schlechteren Streckenpassagen einen Schnitt von fast 5 min/km, das ist schon ziemlich nah an meiner oberen Leistungsgrenze.
Und richtig erschöpft war ich hinterher auch nicht.
Außerdem: Wieder mal ein Lücke im Laufnetz geschlossen, viel neue Strecke, und außerdem mal den Kaufland-Parkplatz an der B47 von nahem kennen gelernt (ein ethnologisches Erlebnis! :D )
Alles in allem also: Ok.

Strecke: 10,6 km
Zeit: 0:54 h (= 11,78 km/h bzw. 5:06 min/km)
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 83,02%(8,8 km von 10,,6 km)
Karte:
rosengarten-hofheim

M.

Tags: , , , , , , , , , ,

9 Antworten zu “Schnell und Flach durchs Ried: Rosengarten – Hofheim und zurück (10,6 km)”

  1. Gerd Sagt:

    Irgendwann brichst Du dir den Knöchel. Weshalb kannst Du bei so einer Witterung nicht einfach mal einen schönen, ausgebauten Weg laufen? ;-)
    Deine Zeiten machen mir Angst. Ich versuche immer langsamer zu werden und Du wirst immer schneller. Vielleicht sollten wir bei unserem nächsten Lauf den Treffpunkt auf der Neunkirchner Höhe machen. Du läufst hoch und ich erwarte dich ober.
    Dann können wir zusammen noch ein bisschen nach unten Laufen. :lol:

  2. matbs Sagt:

    Na ja, ich kenn´ die Strecken ja oft einfach nicht – was auf der Wanderkarte wie ein schöne, breiter, bequemer Weg aussieht, kann sich schnell mal als grausliger Rumpelacker erweisen, und umgekehrt (wobei „und umgekehrt“ allerdings eher selten ist…) – da muss man halt einfach nehmen, was man kriegt und das Beste draus machen.
    Außerdem sind schöne, ausgebaute Wege ja totaaaaal langweilig (und gefährlich, denn die einzige ernsthafte Sportverletzung, die ich mir in fast zehn Jahren Lauferei zugezogen habe – mein Bänderriss letztes Jahr – hab´ ich mir auf einer bequemen, ebenen, unkomplizierten Asphaltstrasse geholt) ;) :D

    Und wegen der Zeiten brauchst du dir jetzt wirklich keine Sorgen machen: Einerseits ist das ja auch nicht wirklich mein normales Durchschnittstempo, und andererseits gilt ja eh: Es wird so gelaufen, dass sich alle Wohlfühlen.
    Außerdem bin ich ja weiterhin fast vollständig auf kurz- und mittelstrecken aboniert, d.h. nach spätestens 10 oder 15 überschnellen km hab´ ich mein Pulver verschossen, und du kannst mich mit einem entspannten Grinsen japsend im Strassengraben zurücklassen… :lol:

    Von daher: Treffen wir uns lieber unten und laufen gemeinsam hoch, dann kann ich dir unterwegs auch total viel langweiliges und unnützes Zeug über die Umgebung erzählen.
    ;)

  3. Christian Sagt:

    Hört sich ja doch nach Abenteuer an – insbesondere das Schuhe putzen hinterher ;-)
    Mit der inneren Orientierung hast Du es ja, Du scheinst das gut zu beherrschen – im Gegenteil zu mir :(

    Schlechte Wege fand ich gestern auch vor, hab mich dann einfach durch den Wald geschlagen ;-) , jedoch war es bei mir eine dicke Eisschicht, die den Waldweg bergab absolut unpassierbar gemacht hat.

    Salut

  4. Christian Sagt:

    Ergänzung:

    Klasse Zeit, die Pace macht mir Angst ;-)

  5. matbs Sagt:

    Na ja, Abenteuer ist ja auch, was man draus macht… :D

    Das Schuhe Putzen war übrigens gar nicht so schlimm, denn der Schmodder ist gottseidank total schnell getrocknet – einfach auf dem Kaufland-Parkplatz unter den verständnislosen Blicken einer durchweg übergewichtigen großfamilie in Trainingsanzügen ein bisschen hin- und hergestampft, dann war das Gröbste auch schon wieder raus.

    So richtig gut ist meine Orientierung normalerweise auch nicht, aber gerade da unten im Ried, mit seinen langen Gerade und der weiten Sicht, ist es normalerweise sehr einfach, die Richtung zu halten. Wenn´s bergiger und waldiger wird, geht mir aber auch gerne noch mal die Orientierung flöten (wenn auch weit weniger als früher, ein bisschen was haben eineinhalb Jahre Endteckertouren in Nah und Fern dann doch gebracht).
    Aber wie ich schon gerade bei dir kommentiert habe: Das ist ja auch überhaupt kein Beinbruch – tatsächlich finde ich es sogar meistens total spannend und belebend, mich ein bisschen zu verirren, da erlebt man oft die tollsten Sachen. Und gerade heutzutage, in unserer hochtechnisierten und dicht besiedelten Umgebung, ist es ja schon ein kleiner, rarer Luxus, sich mal für ein paar Minuten im Unbekannten zu verlieren – da kann man für eine kleine Weile mal Livingstone oder Lewis & Clark spielen, und – nur auf sich allein gestellt – Terra Incognita erforschen, das macht mir immer total viel Spass.
    Und einfach durch den Wald schlagen ist ja eh super! ;)

    Mit den miesen Wege werden wir wohl noch ein Weilchen klarkommen müssen, aber zumindest das Eis wird sich ja hoffentlich so langsam mal zurückziehen.

    Und die Pace: Naa ja, also mal im Ernst – so beängstigend sind knapp 12 km/h jetzt nicht, oder? Zumal dein normales Durchschnittstempo ja immer noch ein bisschen höher ist als meins. ;)

  6. Gerd Sagt:

    Wenn Du erzählst und ich nur zuhören muss wäre das eine Alternative. ;-)

  7. matbs Sagt:

    Na so läuft das doch sowieso meistens mit uns, oder?
    :D

    Und mehr über den keltischen Ringwall auf der Altscheuer wolltest du doch eh schon immer mal erfahren… ;)

  8. Hannes Sagt:

    Irgendwie hört sich das so ein wenig nach der Landschaft an, durch die ich hier laufe, wenn ich nicht am Wasser bleibe und nicht den Wald finde. Fast deprimierend …

    Aber „mitten im flachsten Flachland“ – das gefällt mir. So gehört sich das! Da ist es ganz normal, dass du auf einmal wie eine Lok davon ziehst ;)

  9. matbs Sagt:

    Ja, zuweilen hat das Ried schon so ein bisschen was Norddeutscher Tiefebene, mit seinen weiten Äckern und den Deichen am Rhein – mal abgesehen davon, dass die Dörfer anders aussehen, die Leute auch (wir sind hier unten ja alle gedrungen, klein, dunkelhäutig, und seltsam reden tun wir auch… :lol: ), und dass am Rand des Sichtfeldes normalerweise immer irgendwo eine Berg- oder Hügelkette steht (worüber ich ganz glücklich bin, denn diese unendliche Weite bis zum Horizont, die ihr da oben habt, die finde ich irgendwie immer ein bisschen… beunruhigend. ;) :D ).

    Auf jeden Fall ist es eine gute Sache, auch mal eine die eine oder andere ganz flache Runde laufen zu können – das ist sowohl vom Laufrhythmus als auch von den physischen und mentalen Anforderungen doch ein klein wenig anders als die Hügel, entsprechend hilft es, den Horizont zu erweitern und zu einem „runderen“ Läufer zu werden. :)


Eine Antwort schreiben