Heute mittag war ich mal kurz in der Stadt, ein bisschen Weihnachtsgeld unters Volk bringen (mein Comichändler hat eine Familie zu ernähren, da muss man seine Verantwortung als Kunde ernst nehmen…
).
Eigentlich wollte ich dabei auch gleich noch eine kleine Runde drehen, durch die bisher noch unerlaufen nördlichen Darmstädter Stadtteile. Die Strecke hatte ich schon fix und fertig geplottet (vom Steinbrücker Teich via Jagschloss Kranichstein und Dianaburg nach Arheilgen und durch Kranichstein zurück), das Plänchen war vorbereitet, die Laufklamotten bereit gelegt…
Einziges Problem: Sowas von gaaar keine Lust!!!
Draußen herrscht ein stockfinsterer, beschissener Tag, es regnet Bindfäden, dazu ein abscheulich eisiger Wind, die Welt ist grau und schlammig und nasskalteklig und einfach nur abgrundtief hässlich – allein der Gedanke, heute Laufen zu gehen (und dabei auch noch die schönen Ecken im nordwesten Darmstadts an so ein Mistwetter zu verschwenden) erfüllt mich mit Widerwillen und monumentaler Unlust.
Aber es muss halt mal sein, sag´ ich mir, immer dranbleiben, schließlich ist schon wieder Dienstag, da wird´s so langsam Zeit, und laufen ist halt nicht immer ein Wunschkonzert, manchmal muss man halt auch raus, wenn´s mies ist und man im Voraus weiss, dass man jede verdammte einzelne Sekunde hassen wird…
Oder?
Und dann sag´ ich mir: NÄ!
Weil, 2009 ist eh vorbei, meine 2000 Jahreskilometer hab´ ich runter, was ich erreichen wollte ist entweder erreicht oder es wird eh nix mehr in den letzten paar popligen Tagen – mal ehrlich, warum soll ich mich da auf Teufel komm raus noch zu einer ungewollten übellaunigen Misttour prügeln, wenn ich absolut keinen Bock hab?
Also lass´ ich´s ganz einfach bleiben.
Einfach so. Fällt überhaupt nicht schwer und tut auch gar nicht weh.
Keine erzwungene Ekeltour durch den nasskaltwindigschlammiggraudoofen Scheisstag, die Laufschuhe bleiben daheim, das Plänchen für später auf der Festplatte.
Stattdessen gönn´ ich mir einen entspannten, gemütlichen Nachmittag.
Bequem auf der Couch, mit heißem Tee und ´ner Decke über den Beinen und ein bisschen Beirut im Hintergrund, und natürlich mit viel gutem Lesestoff, wie dem neuen Joe Sacco (aufwühlend und brillant), Maurice Tillieux (magnifique) und den gesammelten Kurzgeschichten des großen Roald Dahl (delightfully twisted and clever).
Total nett, und ganz ohne schlechtes Gewissen oder das Gefühl, was verpasst zu haben.
Für den Darmstädter Nordosten und bleierne Selbsdisziplin (die ist so ähnlich wie eiserne Selbstdisziplin, aber schwerer und weicher) ist nächstes Jahrzehnt nämlich auch noch Zeit.
Und morgen schau´ ich dann einfach mal, wie´s um Wetter und meine generelle Laune bestimmt ist.
Wenn die passen, geh´ ich vielleicht laufen.
Und wenn nicht, dann eben nicht.
So einfach ist das zwischen den Jahren!
M.