Uijuijui, das wird noch ´ne volle Laufwoche:
Morgen ist die erste gemeinsame Tour mit Gerd in diesem Jahr geplant – den Nibelungensteig haben wir wegen noch nicht so ganz stabilem Wetter erstmal hintenangestellt, aber auch die voraussichtliche Alternativstrecke durch die Dieburger Bucht zum Otzberg ist ordentlich lang.
Eigentlich würde ich da ja heute ´ne Pause einlegen, zumal ich ja gestern und vorgestern auf der Piste war.
Aber uneigentlich ist heute Nachmittag und Abend Kaffeetrinken und Essengehen mit der Verwandschaft.
Und zwar in Eppstein bzw. Bremthal. Das ist im Taunus.
Eine tolle Ecke, auf halbem Weg zwischen Feldberg und Wiesbaden. Liegt nur knapp hinter dem Ende vom Streckennetz, ich war dort noch nie laufen und draußen herrscht immer noch sonnig-warmer Frühling…
Die Gelegenheit kann und will ich mir dann doch nicht entgehen lassen, also plotte ich am späten Vormittag noch schnell eine ansprechende Strecke – von Diedenbergen an der Nahtstelle zwischen Mainebene und dem Anfang des Mittelgebirges über Langenhain und den ersten Taunuskamm bis hinauf nach Bremthal – und mache mich am frühen Nachmittag auf den Weg nach Norden.
Als Ausgangspunkt der heutigen Strecke habe ich mich für den Hofheimer Stadtteil Diedenbergen entschieden.
Ist zwar noch nicht an den Rest des Streckennetzes angebunden, aber nächsten Montag komm´ ich schon wieder in diese Ecke, dann hol´ ich das nach.
Diedenbergen ist ein schmuckes Örtchen in leichter Hanglage, das etwas erhöht am Rand der Mainebene auf einem der ersten Vorhügel des Taunus liegt, direkt über der A66 zwischen Frankfurt und Wiesbaden.
Bin zwar schon x-mal auf der Autobahn dran vorbeigefahren, aber im Ort drinnen war ich glaube ich noch nie.
Ist also quasi ein Premiere, als ich um kurz nach drei das Auto in der Casteller Str. abstelle und mich auf denn Weg mache.
Auch heute herrscht wieder wunderbares Frühlingswetter, mit 17° und freundlichem Sonnenschein, entsprechend hab´ ich mich auch heute wieder für die kurzen Laufklamotten entschieden, ergänzt durch meine leichte Laufweste – herrlich, da macht´s vom ersten Schritt an Spaß!
Zuerst mal geht´s durch Diedenbergen, kurz die Casteller Str. entlang, dann links die Wildsachsener Str. hoch, die mit sanfter, angenehmer Steigung aufwärts in Richtung Taunus führt, und schließlich durch das ruhige Wohngebiet “In der Baumschule” aus dem Ort raus.
Dabei kann ich ganz gemächlich lostraben, ausnahmsweise bin ich nämlich so früh gestartet, dass es eigentlich kein Problem sein sollte, halbwegs rechtzeitig zum Kaffee mit der Verwandschaft in Bremthal anzukommen (zumal ich extra keinen Foto mitgenommen habe um Zeit zu sparen. Das tut mir alleridngs bereits auf den ersten paar Metern ein bisschen leid, angesichts von hübscher Kulisse und hübscheren Wetter…).
Kurz nach dem Ende von Diedenbergen biege ich an einer Tennisatnlage in den Hügelwiesen rechts ab, laufe nordwärts in den Staatsfort Hofheim oberhalb des Orts. Keine Markierung, aber ein Holzschild weist die lange Schneise als “Weiherweg” aus.
Eigentlich hatte ich erwartet, dass es hier steiler wird, tatsächlich ist der helle Weg zwischen wunderschönen alten Buchen und Eichen jedoch fast eben, da lässt sich´s ganz entspannt taunuswärts gleiten und den Duft des Frühlings, den Gesang der Vögel und die wohlig-warmen Sonnenstrahlen auf der Haut genießen.
Erst nach ca. 1,2 Kilometer wird´s ein klein wenig steiler (aber immer noch nicht unangenehm), der Weg führt ein paatr Meter am Rand der Streuobstwiesen im NSG “Im Weiher” entlang, dann geht´s wieder zwischen die Bäume, wo ich schließlich über eine Querschneise (“Kassernstr.”) und den ersten knackigeren (aber kurzen) Anstieg die große Freifläche mit offenen Hangwiesen und Feldern vor Langenhain erreiche.
Weiter nordwärts und aufwärts, auf einem bequemen asphaltierten Feldweg den Buckel vor Langenhain hoch, der sich als überraschend steil und schweisstreibend erweist, nicht zuletzt auch deshalb, weil die strahlende Frühligsonne hier voll auf die weitläufigen offenen Fluren am Hang herunterscheint und dabei solch eine Kraft entwickelt, dass es mir – zum ersten Mal in diesem Jahr – fast ein bisschen zu warm wird. Aber ehrlich gesagt freu´ ich mich sogar darüber, gefroren hab´ ich in den letzten Monaten schließlich genug…
Als ich die Kuppe des hügelartigen Taunusvorbergs erreiche, gönne ich mir eine kurze Aussichtspause.
Die lohnt sich!
Über die offenen Wiesen hinweg bietet sich ein grandioser Blick hinab ins Rund der Rheinebene: Links, ganz nah, erhebt sich die Frankfurter Skyline, zwar etwas blass und von diesigem Dunst eingehüllt, aber nichtsdestotrotz wunderschön und hell in der Sonne strahlend. Im Süden über den Main und das weite, flache Ried hinweg bis nach Hause zur fernen Bergstrasse, an der schemenhaft der charakteristische Kegel des Melibokus zu erkennen ist.
Und im Südosten kann man über das Mainvorland bei Wiesbaden hinweg schauen, rüber zum Rhein, nach Mainz und weiter nach Rheinhessen hinein, das durch die ebenfalls nur ganz schemenhaft im Dunst erkennbaren Höhenzüge des Donnersbergs und des Hunsrück begrenzt wird.
Wunderschön in der hellen Frühlingssonne. Auch hier vermisse ich die Foto ein bisschen…
Nach der Kuppe geht´s wieder leicht abwärts, durch sonnenbeschienene Streuobstwiesen und Pferdeweiden, vorbei an mehreren Reiterhöfen und schließlich durch ein etwas aseptisch wirkendes Neubaugebiet in den idyllisch gelegenen Höhenort Langenhein hinein.
Hübsch hier: Der Ort zieht sich einen flachen Hang über einem kleinen Tal hinauf, ist umgeben von bewaldeten Höhenzügen und grünen Obstwiesen. Richtig schön in der warmen Frühlingssonne.
Ich folge der Durchgangsstr. (“Am Jagdhaus”) nordwärts durchs Dorf, wieder mal leicht aufwärts, zwischen den alten, eng stehenden Häusern hindurch.
Da ich inzwischen etwas Durst habe und immer noch gut in der Zeit liege, gönne ich mir in einer kleinen Bäckerei im
Ortskern eine kurze Colapause.
Aaah, sehr erfrischend, das tut gut!
Einziger Nachteil: Wenn man einen Fünfer gegen eine Flasche Cola und einen Haufen Restgeld eintauscht, dann muss man für den Rest der Tour klimpernd weiterlaufen, weil die Münzen in der Tasche bei jedem Schritt ein kleines Tänzchen machen. Das stört vielleicht ein klein wenig (ist aber allemal besser als durstig weiterzumachen…
).
Kurz darauf erreiche ich eine Kreuzung in der Ortsmitte, an der ich rechts auf die Usinger Str. einbiege und 100 m. weiter auf einen ordentlich markierten Taunusklub-Wanderweg stoße (markiert mit einem Symbol, dass wie ein nach links umgefallenes schwarzes Y aussieht), dem ich nordwärts durch die neueren Wohnlagen im langenheiner Norden folge.
Kurz nach dem Ortsende erwartet mich die interessanteste Sehenswürdigkeit der heutigen Tour:
In den Obstwiesen über dem Ort erhebt sich ein großer, luftiger Kuppelbau, dessen weiße Oberfläche voller kleiner, rautenförmiger Fenster hell in der Frühjahrssonne leuchtet – das europäische Haus der Andacht des Bahá’í-Glaubens, einer eigenständigen monotheistischen Religion mit islamischen Wurzeln und einem bemerkenswert toleranten und aufgeklärten Weltbild.
Sieht hübsch und freundlich aus, und ist – gerade weil einem diese Art von Gegäude nicht allzuoft im Vordertaunus begegnet – ziemlich faszinierend.
Der Wanderweg führt geradewegs über das gepflegte Tempelgelände, direkt am Haus der Andacht entlang, dann biegt er links in die Streuobstwiesen ab und führt runter zur asphaltierten Eppsteiner Str., auf der es dann wieder nordwärts geht,
vorbei an der kleinen, etwas bauwagenartig wirkenden Hofheimer Sternwarte bis Naturparkplatz am Rand des Domherrnwaldes oberhalb von Langenhain.
Von jetzt an geht´s richtig in den Taunus rein, immer dem umgefallenen schwarzen Y hinterher.
Herrlicher Weg in die Hänge des frühlingshaften Mittelgebirgswalds, in dem es frisch und erdig riecht, die Vögel singen und die warme Sonne durch die noch kahlen Wipfel scheint. Erst ein Stück geradeaus, dann um das große, kesselartige Tal über der “reichen Quellle” herum, schließlich scharf links und steil aufwärts bis zum Wasserhäuschen am Judenkopf, der höchsten Erhebung im Stadtgebiet von Hofheim (was man u.a. daran erkennt, dass sich hier tatsächlich noch ein paar räudige Schneeplacken im Graben neben dem Weg gehalten haben, ein fast surrealer Anblick angesichts bei frühlingshaften 17° und Sonnenschein)
Übrigens ist hier gar nicht mal so wenig los, außer mir sind hier auch einige Wanderer, Spaziergänger, Biker und Reiter unterwegs, alle sichtlich gut gelaunt und freundlich angesichts der wunderbaren Umgebung und des tollen Wetters.
Nach dem Judenkopf geht´s wieder etwas abwärts, einen bequemen Forstweg hinunter, der direkt auf dem Kamm des Bergmassivs nach Westen verläuft.
Herrlich hier, warm und frisch und sonnig, alles im Fluss – so könnt´ ich ewig weiterlaufen.
Am allerherrlichsten ist allerdings der Blick nach rechts, durch die Bäume hindurch: Da liegt der Taunus, ein wunderschöner Flickenteppich aus hellen, engen Wiesentälern voller kleinerer und größerer Orte und hohen, steilen Bergrücken – und ich kenne keinen einzigen von ihnen! Ein wunderbares Gefühl, das mir im Odenwald schon vor langer Zeit abhanden gekommen ist: Das ist die Fremde hier hinten, das Unbekannte, eine (für mich) fast gänzlich unerforschte Region, in der unzählige Orte, Sehenswürdigkeiten und Entdeckungen darauf warten, erlebt zu werden.
Am liebsten würde ich gleich loslaufen, einfach den querfeldein den Steilhang runter ins Tal, und mich zwischen diesen wunderbar geheimnisvollen Mittelgebirgshöhen jenseits der bekannten Welt verlieren.
Geht natürlich nicht, schließlich muss ich in ein paar Minuten in Bremthal sein.
Aber irgendwann nehm´ ich mir nochmal diesen ganzen wunderschönen, faszinierenden Taunus vor, irgendwann mal…
Der Blick auf die Uhr verrät mir zwischendurch, dass ich immer noch recht gut in der Zeit liege, also gebe ich meinen Entdeckergelüsten an der ersten größeren Wegkreuzung nach dem Judenkopf doch noch ein bisschen nach – spontan scharf rechts auf einen Weg, der mit einem blauen Andreaskreuz gekennzeichnet ist und den steilen, mit staksigem Jungwald bestandenen Nordhang des Bergmassivs hinunterführt, und dabei dank der noch laubfreien Baumkronen weiterhin eine tolle Aussicht in den Taunus hinein bietet, über das tiefe, enge Tal samt unbekanntem Ort in Hanglage (Vockenhausen, wie sich später herausstellt) zum nächsten Gipfel, auf dem ein unbekannter Fernsehturm steht (der Atzelsberg, wie ich später herausfinde) bis zum gar nicht mehr so weit entfernten großen Feldberg (den ich natürlich schon kenne, aber noch nicht aus dieser Perspektive).
Übrigens fällt mir dabei auf, dass ich hier zum allerersten mal wirklich IM Taunus laufe – zwar bin ich im letzten Jahr ja schon einige male in diesen Bergen unterwegs gewesen, aber dabei habe ich es nie so recht über die Kammhöhen der ersten Bergkette geschafft. Heute schon. Ich bin angekommen im Taunus, und das fühlt sich super an!
Bei der ersten Gelegenheit biege ich wieder links ab, folge dem blauen Punkt am Hang nach Westen, auf einem furchtbar miesen Weg, der voller Äste liegt und von den schweren Reifen eines Forstarbeiterpanzers in ein schlammiges Miniaturgebirge verwandelt worden ist. Stört aber nicht weiter, ich hab´ Spaß und fühl´ mich sauwohl, da können auch ein paar Meter holprige Schlammwüste nichts dran ändern.
Nach ein paar hundert Metern geht´s dann wieder zurück auf den Kamm, noch ein paar geplegte Höhenmeterchen auf einem schmalen Naturlehrpfad, dann bin ich wieder auf dem Wanderweg mit dem umgefallenen Y, das mich bequem und Wohlbehalten bis an die Landstrasse zwischen Wildsachsen und Bremthal (L3017) bringt.
Der brauche ich jetzt nur noch zu folgen, vorbei an ein paar Sportanlagen nach rechts über eine kleine Passhöhe nach Bremthal hinein, dann am Ortsrand etwas abwärts und schließlich noch ein paar Meter bergauf in ein neueres Wohngebiet am Hang über den alten Ortskern, bis zum Ziel in der Goethestr.
Als ich dort ankomme, zeigt die Uhr 17:04, ich bin nicht mal 5 Minuten zu spät, und das, obwohl ich mir richtig schön viel Zeit gelassen habe.
Zum Abschluss dann ein netter Abend mit lange nicht mehr gesehener Verwandschaft, Kaffee und Kuchen, und schließlich einem total leckeren Abendessen im Restaurant Pflasterschisser in der herrlichen Eppsteiner Altstadt.
So sieht ein perfekter Freitagnachmittag aus!
Großartige Tour.
Der Taunus ist und bleibt wunderhübsch und total faszinierend, eines der spannendsten und schönsten Laufgebiete die ich kenne. Ich glaube, das werd´ ich mich im Lauf dieses Jahres noch ein bisschen öfter umtun (und vielleicht nehm´ ich ja sogar den Foto mit, damit ihr auch was davon habt
)…
Dazu dann auch noch der lange erwartete Frühling und richtig gute Beine – besser geht´s kaum!
Strecke: 14,2 km
Zeit: 1:27 h (= 9,79 km/h bzw. 6:08 min/km)
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 100% (14,2 km von 14,2 km)
Karte:

M.



23. März 2010 um 08:34
[...] Tief in den Taunus: Diedenbergen – Langenhain – Bremthal (14,2 km) [...]
24. März 2010 um 18:43
[...] Tief in den Taunus: Diedenbergen – Langenhain – Bremthal (14,2 km) [...]
25. Juli 2010 um 16:16
[...] ich wollte eh mal wieder eine Runde oben im Taunus drehen, seitdem mir im März bei meiner Expedition von Diedenbergen nach Bremthal der über 500 m. hohe Atzelberg ins Auge gefallen ist und ich beschlossen habe, dass ich da mal [...]