So, dann fangen wir doch gleich mal mit was Positivem an:
| Tag | Strecke | Zeit | Entfernung |
| Mo. | - | - | - |
| Di. | - | - | - |
| Mi. | - | - | - |
| Do. | Von Wandsbek in den Hamburger Stadtpark | ??? | 12,4 km |
| Fr. | - | - | - |
| Sa. | Wandseaufwärts | ??? | 12,1 km |
| So. | Ausflug im Hamburger Norden: Von Wellingsbüttel am Alsterufer und der Saselbeck nach Volksdorf – mit Fotos | ??? | 18,7 km |
| Wochenlaufleistung | 43,2 km | ||
Ja, genau, das ist eine Wochenübersicht!
Und dann auch noch eine mit ordentlich Strecke!!!
Das gab´s hier schon ´ne ganze Weile nicht mehr, aber endlich hat´s mal wieder mit den 40+ Wochenkilometern geklappt, die ich mir vor langer Zeit mal als Standardleistung während der Laufsaison definiert hab.
Und zwar nicht irgendwo draußen auf dem Land, sondern mittendrin in der zweitgrößten Metropole der Nation!
Geht doch!!
Wie genau, das erzähl ich euch nach dem Umbruch…
Okay, also mal ehrlich: Wirklich wohl gefühlt hab´ ich mich ja nicht, als ich im März den knappen Monat in Hamburg war, das kann man ja glaub´ ich auch ganz gut aus den (zahlenmäßig ja sehr sehr dürftigen) Blogeinträgen aus dieser Zeit rauslesen.
Was allerdings (auch das hab ich glaub ich schonmal angedeutet) weniger an Hamburg gelegen hat, sondern vor allem an mir selbst und meinem damaligen Gemütszustand, bei dem ich mich einfach nicht so auf die Stadt einlassen konnte und wollte, wie es sinnvoll gewesen wäre.
Aber egal, vorbei, vorbei – jetzt ist Anfang Juni, und ich hab wieder in der Hansestadt zu tun, wenn auch erstmal nur für eineinhalb Wochen.
Trotzdem, eine schöne zweite Chance für Hamburg und mich, uns noch ein bisschen besser anzufreunden.
Lässt sich auf jeden Fall gut an: Mein Gemütszustand ist deutlich besser, der Job nach wie vor unheimlich spannend, das Wetter hier oben zeigt sich von seiner besten frühsommerlichen Seite, und außerdem wohne ich dieses Mal in einer schnuckeligen, sehr gemütlichen Zwischenmietewohnung in Wandsbek – das ist deutlich weiter draußen als beim letzten Mal (im NO von HH), entsprechend ist es hier viel ruhiger, grüner, und lange nicht so voll und großstädtisch wie der Rand der Sternschanze, wo ich vor zwei Monaten untergekommen bin. Das gefällt.
Und es macht Laune, einfach mal in die Laufschuhe zu schlüpfen und ein bisschen was von der Stadt zu erkunden.
Ziele gibt´s genug…
Donnerstag 2.6.: Von Wandsbek in den Hamburger Stadtpark (12,4 km)
Christi Himmelfahrt – ein ganzer freier Tag quasi quasi mitten in der Woche, zum Ausschlafen, Lesen, Korrespondenz erledigen und einfach nur mal wieder ein bisschen Faulenzen. Reicht eigentlich schon fast, um so einen Feiertag rumzubringen.
Aber vor der Tür herrscht tolles, warmes Sommerwetter, und ich hab´ so richtig Lust, mir ein bisschen mehr von der Stadt anzuschauen. Übrigens am liebsten die Teile jenseits der Innenstadt, denn die find ich ehrlich gesagt viel interessanter und spannender als das ganze olle Kurzurlaubs-Klischee-Hamburg mit Hafen, St. Pauli, Michel und co.
Passenderweise gibt´s verdammt viel Hamburg jenseits der Innenstadt, und ich bin auch noch mittendrin, entsprechend gibt´s da mehr als genug interessante Laufziele.
Für heute entscheide ich mich mal für den Stadtpark in Winterhude. Der ist groß und grün und genau so weit von meiner temporären Wohnung entfernt, dass man ihn mit einer zehn-bis-zwölf-km-Runde erlaufen können müsste. Außerdem bin ich in den letzten Tagen auf dem Weg zur/von der Arbeit immer dran vorbeigefahren, der sieht nett aus…
Groß Strecke planen muss ich nicht (ein Vorteil der Großstadt – jeder Weg und jede Straße hat einen Namen, da kann man sehr leicht nachvollziehen, wo man gerade ist und wo man hin will), nur schnell einen Ausdruck vom passenden Stadtplan-Ausschnitt machen, und schon bin ich good to go.
Ich starte in der Lesserstr. in Wandsbek. Kleinere Durchgangsstraße durch die ruhige Wohngegend mit viel Grün, links und rechts der Fahrbahn stehen Zeilen zwei- bis dreistöckiger Mehrparteienhäuser aus der Prä-Plattenbau-Ära (in einem von denen liegt meine Zwischenmietewohnung), dazwischen stehen immer mal wieder ein paar Einfamilienhäuser mit grünen Gärten.
Friedliche Abendstimmung, wenig Verkehr, Vögel singen, und weil heute Feiertag ist und es die Hamburger bei diesem Wetter in Scharen in Parks, Grünanlagen und Gärten treibt, riecht der ganze Stadtteil (und nicht nur dieser) lecker nach Gegrilltem (was bei mir spontan mittelschweres Magenknurren hervorruft, denn es ist kurz vor acht Uhr abends und ich hab das Abendessen extra auf nach dem Lauf verschoben…).
Rechts, die Lesserstr. runter, bis ich an den vierspureigen Friedrich-Ebert-Damm komme, auf dem ich westwärts nach Dulsberg reinlaufe, während ich mich frage, ob ich jemals von einem Hamburger Stadtteil dieses Namens gehört habe, bevor ich hierhergekommen bin (ehrlich gesagt: Ich glaube nicht. Aber bei 185 verschiedenen Ortsteilen ist das ja auch kein Wunder. Hamburg ist eben doch verflixt riesig…).
An der nächsten Kreuzung wieder rechts, die Nordschleswiger Str. hoch. Der Stadtplan behauptet, dass hier in ein paar hundert Meter eine Art Grünstreifen zwischen der dichten Bebauung kommt, der mich weiter nach Westen bringen kann.
Und siehe da: Recht hat er, der Stadtplan.
Vielleicht 300 m., dann kreuzt die Nordschleswiger Str. einen parkartigen Grünstreifen (Name steht auf einem Schild vor Ort, ich hab ihn aber wieder Vergessen. Dulsberger Park, oder so…) zwischen zwei Seitensträsschen (“Dulsberg Nord” und “Dulsberg Süd”), und ich biege links und folge dem Weg zwischen Wiesen, Büschen und Spielplätzen hindurch.
Nett. Menschen, Kinder, Hunde beim Spazieren, Flanieren, Grillen, Den Abend Genießen.
Sehr entspannte Stimmung, da lässt sich´s so richtig gut und angenehm mittendurch treiben und traben…
Siebenhundert Meter weiter ist die Grünanlage zu Ende, ich wechsle wieder auf die schmalen, friedlichen Seitenstraßen (Lothringer Str., Alter Teichweg), immer weiter westwärts, nach Barmbek rein und der sinkenden Sonnen entgegen.
Hier sieht´s nun schon ein klein wenig anders aus – rechts der Straße (die inzwischen “Flachsland” heißt) fließt nun der Osterbekkanal, dazwischen steht eine breite Reihe aus alten Wohnhäusern und renovierten Fabrikgebäuden (so ca. 20er oder 30er Jahre, vielleicht?), die teils richtig was hermachen.
Kurz darauf kann ich dann richtig ans Ufer runter – rechterhand gibt´s wieder einen schmalen Grünstreifen, der sich an den Kanalrand schmiegt. Nett direkt hier am Kanal, auch hier hat´s wieder viele Picknicker, eine frische Brise weht übers Wasser, am anderen Ufer sieht man die weißgetünchten Rückseiten der Wohn- und Geschäftshäuser.
Bisher klappt das alles prima hier, sowohl die Beine als auch die Orientierung funktionieren problemlos. Macht richtig Spass…
Nach rund einem Kilometer wird´s Zeit für einen graduellen Richtungswechsel: Der Stadtpark dürfte inzwischen mehr nördlich als westlich liegen, deshalb überquere ich den Kanal auf einer geschwungenen Fußgängerbrücke namens Großheidesteg und laufe dahinter geradeaus weiter, die Großheidestr. hoch, unter schattigen Bäumen und vorbei an langen Zeilen roter Backsteinmietshäuser.
Am oberen Ende der Großheidestr. wechsle ich halbrechts auf den breiten Wiesendamm, überquere neben der Fahrbahn den nächsten Kanal (Goldbekkanal) und halte mich dann rechts, den gaaanz sanft aufwärts führenden Goldbekweghoch (hachja, so ein bisschen Steigung ist schon was Feines, selbst wenn´s nur drei oder vier Prozent sind…
), zwischen mehr Mietshäusern und einer beschaulichen Kleingartenkolonie.
Jetzt nur noch ein paar Meter rechts hoch (Borgweg) und über eine große Kreuzung, dann bin ich da:
Stadtpark Hamburg-Winterhude.
Halblinks geht so eine Art kleine Allee rein, auf einen schönen repräsentativen Pavillon mit rundem Eingangsbereich zu – die ehemalige Trinkhalle (heute offenbar Zentrum eines Blindengartens), wobei dieser Begriff wohl ursprünglich mal was anderes gemeint hat, als das, was wir heute damit verbinden (nämlich keinen schäbbigen Kiosk anner Ecke, an dem die lokalen Pegeltrinker morgens um Halb Elf ihren ersten Korn zu sich nehmen, sondern eine Art Kurhaus, in dem Trinkkuren durchgeführt worden. Wieder was gelernt…)
Links um die Trinkhalle rum, dahinter ein schmaler, gerader Rasenstreifen an dessen Ende ein Sockel mit ´ner sehr markanten Statue der Göttin Diana mit zwei Jagdhunden thront, direkt danach geht´s ins Sierich´sche Gehölz, das den ganzen Westteil des Parks bedeckt. Hohe Eichen, frische Luft, den Stadtlärm hört man nur noch gedämpft (die Vögel dafür um so lauter) – fühlt sich fast schon ein bisschen so an, als wäre man hier richtig draußen im Wald, und nicht mitten in der Großstadt. Bloß die Wege sind noch etwas zu gepflegt und zu dicht, aber sonst…
Ich mach noch einen kleinen Schlenker westwärts, bevor ich nach Norden abknicke und zum Fuß des Planetariums weiterlaufe, das mitten im Park zwischen den Bäumen sitzt.
Heidenei, das ist mal ganz schön beeindruckend: Ein über 40 m. hoher massiver Turm im aus rotem Backstein (Norddeutschland eben, die bauen hier ja alles aus Backstein…
), im klaren, eleganten Art-Deco-Look, gekrönt von einer Rundkuppel, die weithin sichtbar über die umgebenden Baumwipfel herausragt.
Sehr ansehnlich, dafür dass ich noch nie vorher was davon gehört hab´, ist das eine 1A-Sehenswürdigkeit…
So langsam wird´s übrigens auch Zeit für den Rückweg. Inzwischen bin ich schon ca. 40 Minuten unterwegs, da melden sich meine nicht ganz so fitten Waden schonmal ganz leise mit dem Hinweis, dass sie zwar noch ´n ganzes Weilchen könnten, aber es trotzdem ganz gut fänden, wenn wir am Ende dieses Weilchens dann auch wirklich am Ziel wären.
Mein Magen stimmt ihnen empathisch zu, angeregt vom minütlich appetitlicher riechenden Grillgeruch, der durch den Stadtpark wabert, und erklärt, wenn wir nicht demnächst was zu essen kriegten, würde er mich zwingen, mich von stadtparkeigenen Wurzeln, Beeren und Eichhörnchen zu ernähren, schließlich müssten wir morgen wieder zur Arbeit und dafür grundsätzlich wohlgenährt sein…
Na gut, man soll ja auch seinen Körper hören.
Außerdem ist hier ja eh der geplante Wendepunkt der heutigen Tour…
Ich mache mich auf den Rückweg. Ostwärts, gen Wandsbek.
Passenderweise hält der Stadtpark vom Planetarium aus eine große, gemoetrisch exakte Zentralachse bereit, die vom Planetarium ausgehend genau in meine Richtung führt.
Die nehm ich einfach mal.
300 m. zwischen Wald und dem breiten Rasenstreifen, dann über die Hindenburgstr. (jawolla, der Hamburger Stadtpark ist so groß [148 ha, zwei Kilometer lang, einen breit], dass sogar eine kleine Straße mittendurch führt) und am Rand der großen Wiese in der Parkmitte weiter nach Osten.
Hier ist so richtig viel los, auf der großen Freifläche tummeln sich Hunderte von Menschen, sitzen in der Abensonne, spielen Frisbee, führen ihre Hunde aus und/oder Grillen (“ggggrmblgrrr” sagt mein Magen). Hat ein bisschen was von Freiluftfestival, auch wenn der brennende Müllcontainer am Wiesenrand mich daran erinnert, dass das hier ja immer noch die Großstadt ist…
Die große Wiese ist lang, 600 m. von einem Ende zum andern, direkt danach kommt der Stadtparksee, seines Zeichens oval, groß und ebenfalls in die symmetrische Hauptachse des Parks eingebunden. Um den lauf ich rum, entlang am südöstlichen Teil, der als Schwimmbad abgeteilt ist, dann über einen großen, prächtigen Platz, der das Ende der großen Parkachse bildet. Noch über eine breite Kanalbrücke und die breite Saarlandstr. (immerhin, den Namen kenn´ ich schon mal von der U-Bahn), dann bin ich wieder in der Stadt, auf der Hellbrookstr., die zurück in den fast schon ein bisschen kleinstädtisch anmutenden Wohnviertel zwischen Barmbek, Bramfeld und Winterhude führt.
Ab hier ist der Rückweg eigentlich ganz einfach – ich muss einfach nur noch der Hochbahntrasse folgen, die aus der Innenstadt kommend ostwärts verläuft, bis zur Station Wandsbek-Gartenstadt, die an der Lesserstr. liegt.
Gesagt getan.
Überraschend nettes Stück – am Fuß des Bahndamms gibt´s einen bequemen Fußweg, der als Grünstreifen hinter den alten (und inzwischen schon historischen) Mietshauszeilen verläuft. Ruhig, friedlich und bequem zu laufen, lediglich die großen Querstraßen, die man alle paar hundert Meter überqueren muss, stören ein wenig.
Nach knapp 1,5 km überquere ich die Bramfelder Chaussee und laufe an der Schiffbauversuchsanstalt (die nicht mal richtig am Wasser liegt, das irritiert mich ein wenig) in eine kleine beschauliche Parkanlage ein, die kurz darauf in eine Kleingartenkolonie übergeht. Hier muss ich nochmal die Bahn unterqueren (weil: Auf der Südseite des Bahndamms, auf der ich gerade bin, ist Sackgasse) und kurz auf den ziemlich idyllischen Wiedehopfstieg (kleine Einfamilienhäuser, grüne Gärten, breite Rasenstreifen und Bäume am Straßenrand) ausweichen, dann folgen die letzte Bahnunterquerung für heute und noch ein paar Meter auf dem Ostpreußenstieg unterm Bahndamm, dann stehe ich auf einmal wieder auf der Lesserstr. direkt neben der U-Bahn-Station Wandsbek-Gartenstadt.
Jetzt nur noch ein paar hundert Meter rechts die Straße runter, und schon bin ich am Ziel.
Mit etwas schweren Beinen und ausgehungert, aber auch ziemlich zufrieden und angetan vom Hamburger Nordosten.
Hier lässt sich´s nämlich durchaus laufen…
Strecke: 12,4 km
Zeit: Öh, ganz okay, nehm ich an… ![]()
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 100% (12,4 km von 12,4 km)
Karte:

—
Samstag 4.6.: Wandseaufwärts (12,1 km)
Okay, nach Westen kann man von Wandsbek aus also gar nicht so schlecht laufen – aber wie sieht´s mit dem Osten aus?
Auch da gibt´s auf den ersten Blick eine reizvolle Strecke, die mir bereits beim ersten Kartenstudium ins Auge fällt. Etwas südlich von meiner Zwischenmietewohnung mäandert ein grünes Band mitten durch die Stadt – das Flüsschen Wandse, dessen Uferbereich sowohl auf dem Stadtplan als auch bei Google Earth als durchgängige Grünfläche erscheint – der sogenannte Wandse-Grünzug.
Das sieht spontan mal sehr reizvoll aus, also probier ich´s einfach mal damit.
Auch heute starte ich wieder schön spät am Abend, irgendwann zwischen Sieben und Acht. Ist ja bekanntlich die beste Zeit zum Laufen… Wieder herrliches Wetter, wieder entspannte Abendstimmung mit viel schräger Sonne, wieder begleitet von leichtem Grillgeruch, der zwischen den Häusern hindurch durch die Straßen wabert (aber dieses Mal bin ich vorbereitet und hab vor dem Aufbruch was Leichtes gegessen. Ha! Nehmt das, Hungerattacken!!!
).
Ich starte südwärts, kurz die Lesserstr. runter, dann geradeaus die Holzmühlenstr. weiter.
Wenig los auf den Wegen und Bürgersteigen, so wie ich´s mag. Kann man einfach schön durchlaufen, ohne sich ständig zwischen irgendwelchem urban-gentrifizierten Hipstervolk durchwinden zu müssen (von dem es hier draußen in der relativen Peripherie der Großstadt ja sowieso angenehm wenig gibt). Überhaupt bestärkt mich das Laufen hier in Wandsbek in meiner Vermutung, dass Hamburg gar keine molochartig riesige Großstadt aus einem Guss ist, sondern in Wirklichkeit eine kleinere (aber immer noch verflixt große) Großstadt, an deren Rändern ganz viele Kleinstädte drangepappt sind, die sich aber alle noch ein bisschen was von ihrem Charakter und ihrer – vergleichsweise – größeren Ruhe erhalten haben.
Das gefällt mir.
Ziemlich genau einen Kilometer nachdem ich an der Haustür meiner Zwischenmietewohnung losgelaufen bin erreiche ich die Wandse, die sich, umrahmt von einem überraschend idyllisch wirkenden Streifen aus Wiesen, Büschen und altem Baumbestand, mitten durch wandsbek Wohviertel windet (hmm. “Wandse” und “Wandsbek” – ob die Namen wohl was miteinander zu tun haben? Wahrscheinlich schon…).
Der muss ich jetzt einfach folgen, zumindest mal ein paar Kilometer einfach nur Flüsschenaufwärts.
Ergo: Links, auf den freundlichen Fußweg, der durch die Parkanlagen am Ufer gen Osten führt.
Das erste Stück führt durch den Eichtalpark. Das weiß ich deshalb, weil am Anfang (wie bei den meisten Hamburger Grünanlagen) ein großes, grünes Schild aufgestellt ist, auf dem man das lesen kann.
Verflixt hübsch, wenn man hier so zwischen Teichen, Wiesen, dichtem Baumbestand und der naturnah wirkdenden Wandse entlangläuft, könnte man fast vergessen, dass man eigentlich noch mitten in der Stadt ist. Sogar eine Wegmarker gibt´s hier, den charakteristischen gelben Pfeil, der für alle offiziell ausgezeichneten Wanderwege im Stadtgebiet genutzt wird.
Am Ende des Eichtalparks überquere ich eine kleine Straße (kein Verkehr heute Abend, kann einfach durchtraben) und laufe in den botanischen Sondergarten ein. Klingt ein bisschen wie ein Ort für Pflanzen mit Lernschwäche, ist aber landschaftlich eigentlich nur eine nette Fortsetzung der Parklandschaft des Eichtalparks (es gibt wohl auch einen Gartenteil mit Gewächshäusern und Beeten, aber den lasse ich – vor allem aus Unwissenheit – links liegen und laufe dran vorbei).
Ansonsten gibt´s hier wenig Spektakuläres zu berichten – ist einfach eine wunderbare angenehme, sehr hübsche Strecke die sich gerade an einem lauen Frühsommerabend wie heute herrlich laufen lässt. Von der Stadt selbst sieht man wenig, dafür gibt´s viel Grün, viel Natur, viel Wasser, nur hin und wieder mal unterbrochen von einer kleiner Straße, die den Grüngürtel für ein paar Meter durchschneidet.
Schön hier.
Nach fast 2,5 km in Wandse-Ufernähe überquere ich die Nordmarkstr., passiere den großen Tonndorfer Friedhof und…
…verliere gleich darauf ein bisschen die Orientierung: Rand einer Kleingartenkolonie (und zwar eine hübsche, weder spießig noch verwahrlost, sonder viele bunte kleine Häuschen in liebevoll gepflegten Gärten an einem kleinen Hügelhang), die Wandse geht geradeaus weiter, der Fußweg aber irgendwie nicht so. Stattdessen biegt er links in die Kleingärten ab.
Hmm.
Na gut, ich probier´s mal: Zwischen hellen Lattenzäunen und kleinen Häuschen hindurch, grob rechtsig in die Richtung, von der ich glaube, dass die Wandse dort fliessen müsste.
So ganz klappt das erstmal nicht, ich verliere den kleinen Fluß so ein bisschen aus den Augen, schmramme am Wand eine kleinen Wäldchens entlang, hinter dem ein paar Plattenbauten zu erkennen sind, und überquere kurz darauf eine große, schilfige Feuchtwiese, die mehr nach Moorlandschaft irgendwo weit draußen als nach Hamburger Stadtgebiet aussieht.
Am Ende der Feuchtwiese gabelt sich der Weg dann.
Ööörm, okay…
Mal auf den Plan gucken. Hm. Ja. Ja. Jajaja. Nein.
Wenn ich wüsste, wo genau ich bin, wär´s kein Problem.
Weiß ich aber nicht. Also rate ich halt mal und entscheide mich füüüür…
…rechts.
Normalerweise wäre spätestens das der Punkt, wo ich schrecklich in die Irre laufe, um mich dannn schließlich irgendwann vollkommen ausgelaugt an irgendeinem wildfremden Ort wiederzufinden.
Heute hab´ ich stattdessen mal Glück: Rechts ist richtig.
Über einen schmalen Weg unter schattigen Bäumen namens Münzelkoppel gelingt es mir, auf Kurs zu bleiben, grob neben der Wandse her. Mal wieder über eine breitere Straße (Sonnenweg), dann an einer Schule vorbei, bis ich schließlich “Am Pulverhof” im Stadteil Rahlstedt rauskomme, der größeren Querstraße, an der ich eigentlich umkehren und mir einen Rückweg durch die Stadt suchen wollte.
Uneigentlich bin ich allerdings noch ganz fit, bis Sonnenuntergang dürfte es auch noch ein Dreiviertelstündchen sein, und direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite geht die nächste Parkanlage am Wandseufer los, nämlich der Pulverhofpark.
Hach, na gut, den nehm ich noch schnell mit.
Geradeaus rüber und am Ufer des von einem kleinen Wehr aufgestauten Pulverhofteichs, in dem sich die untergehende Sonne spiegelt, bis zum östlichen Ende der Grünanlage.
Stein-Hardenberg-Str./B75, Zeit für den Rückweg (sagen meine Beine auch übrigens auch).
Ein paar Meter laufe ich an der Stein-Hardenberg-Str. entlang, dann geht´s links auf einen Fußweg, der hinter einer Batterie Mietshauskasernen bis zur Scharbeutzer Str. hochführt, der ich dann nach links folge, über den breiten Rahlstedter weg, ins mit hohenalten Bäumen bestandene Wohngebiet am (an der?) Bullskamp.
Noch kein Villenviertel, aber bestimmt wohnt sich´s hier trotzdem nicht ganz billig…
350 m. südwestwärts im Schatten der Baumwipfel am Straßenrand, dann kurz rechts in den Pulverhofsweg und schließlich widder links und ein Stück durch den Park am Kupferteich. Schon wieder Bäume, Gras und viel Wasser, so langsam kommt mir Hamburg echt grüner vor, als so manche Klein- und Mittelstadt, in die´s mich in den letzten Jahren laufenderweise verschlagen hat…
Am südöstlichen Ende des großen Teiches wechsle ich halbrechts auf den Kupferdamm, und biege gleich darauf vollrechts in die Ebeersreye ein (okay, also diese Straßennamen hier oben sind schon seltsam, oder?
).
Die führt ein ganzes Weilchen geradeaus gen Westen, überquert zwischenzeitlich mal den vierspurigen Friedrich-Ebert-Damm, der mit seinen Lärmschutzwällen, Grünstreifen und gakeligen jungen Allebäumchen so aussieht, als gäbe es ihn noch nicht allzulange, und deponiert mich schließlich am Rand der ehemaligen Trabrennbahn Farmsen.
Eigentlich will ich hier ja nur vorbei, aber vor Ort sieht das dann doch irgendwie ganz spannend und interessant aus, also schlenkere ich spontan nochmal durch das Ex-Rennbahnareal.
Und zwar ist das so: 1911, als Farmsen noch ein eigenständiges Dorf vor den Toren Hamburgs war (hey, genau 100 Jahre her!), wurde hier eine große Trabrennbahn eröffnet, die sich offenbar Jahrzehntelang großer Beliebtheit erfreute.
Irgendwann war dann aber Schluss, das Rennbahngelände verfiel und verwilderte, und irgendwann in den Neunzigern hat man es dann zu einem großen Wohnpark umgebaut, der die grobe Ovalform des Rennbahngeländes beibehalten hat.
Und so sieht´s hier dann auch aus:

Außenrum ein Doppelring aus mehrstöckigen modernen Mietshäusern, innen eine riesige Freifläche mit Seen und großen Wiesenflächen, auf denen Kanadagänse weiden und ihre Jungen großziehen.
An der Westseite des Komplexes angekommen folge ich kurz dem Außenbogen der Bebauung nach Süden und wechsle dann auf die Johannes-Frömming-Str. und die Tilsiter Str., die mich geradewegs zurück zum Ausgangspunkt der Tour bringen sollen.
Dauert aber noch ein paar Minuten, denn bis zur Lesserstr. sinds immerhin noch 1,5 km Gerade.
Ein bisschen reizarm, denn das Umfeld der Tilsiter Str. besteht aus ungefähr gleichen Teilen aus friedlichen Kleingärten und den Werksgeländen diverser Mittelständischer Betriebe, die möglicherweise etwas Trist wirken würden, wenn die vielen Bäume am Straßenrand, die untergehende Sonne und die entspannte Abendstimmung das Ganze nicht massive ein-netten würden.
Aber reizarm passt mir inzwischen eh ganz gut, nach über 10 km muckt mein rechter Oberschenkel nämlich ein wenig.
Der faule Sauhund, der.
Kurz vor dem Ziel mach ich dann doch noch einen kleinen Schlenker, links ab ins Wohngebiet, erst die Stephanstr. runter, dann wieder rechts in die sehr nett klingende Rosmarinstr. Das ist nochmal richtig beschaulich – das Viertel hier heißt nicht umsonst Wandsbek-Gartenstadt – kleine, bescheidene Einfamilienhäuser aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, größtenteils mit ebenfalls kleinen Gärten drumrum, alles wirkt sehr gepflegt, aufgeräumt und ruhig, darüber schwebt ein angenehmer Duft von Blüten und – wie könnte es anders sein – Gegrilltem, der einen spontanen Anfall von Magenknurren bei mir auslöst.
Nur gut, dass am Ende der Rosmarinstr. schon meine Zwischenmietewohnung und damit das hochverdiente Abendessen wartet – so einen Teller mit Pasta hab´ ich mir auch redlich verdient…
Noch ´ne schöne Tour, auch wenn sich gegen Ende mein mangelhafter Trainingszustand doch wieder ein bisschen bemerkbar gemacht hat. Aber da muss man halt mal durch.
Abgesehen davon: Die Tour hat mir noch besser gefallen als die am Donnerstag in den Stadtpark.
So langsam glaube ich, dass Hamburg dem interessierten Läufer (= mir) noch so Einiges zu bieten hat…
Strecke: 12,1 km
Zeit: Irgendwas zwischen einer und eineinhalb Stunden
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 98,35% (11,9 von 12,1 km)
Karte:

—
Sonntag 5.6.: Ausflug im Hamburger Norden: Von Wellingsbüttel am Alsterufer und der Saselbeck nach Volksdorf – mit Fotos (18,7 km)
So. Wochenabschluss.
Sonntag in Hamburg. Draußen herrscht sommerlichstes Kaiserwetter mit strahlendblauem Himmel, Sonne satt und Temperaturen um die 25 Grad, und mir fehlen “nur” noch 15,5 km um endlich endlich endlich endlich endlich die erste Vierzigerwoche 2011 vollzumachen (darüber, wie erbärmlich es ist, dass ich dieses Jahr noch nicht einmal geschafft habe, meine Minimalsaisonwochendistanz der vergangenen Jahre zu laufen, denk ich dabei lieber nicht nach…
).
Will heißen: Heute wird gelaufen. Und zwar halbwegs ordentlich lang, und zwar irgendwas richtig Schönes.
So sieht´s aus!
Ein bisschen Vorrecherche hab ich natürlich auch schon gemacht und mir schon mal was Passendes rausgesucht:
Das Alstertal!
Ihr müsst wissen, die Alster ist gar nicht wirklich die Seenplatte im Herzen der Stadt, an die wir alle erstmal denken, wenn wir den Namen hören (und an der sich an einem Tag wie heute wahrscheinlich die spazierenden/joggenden/radfahrenden/inlinenden Menschenmassen der Hamburger City tottrampeln) – das ist eigentlich “nur” der Alstersee.
Die Alster selbst ist aber auch und vor allem ein 56 km langer Fluss, der sich aus Schleswig-Holstein kommend durch Hamburg bis in die Elbe schlängelt (und eben kurz vor seiner Mündung zum See aufgestaut ist – übrigens schon seit dem 12. Jahrhundert). Und weil Hamburg ziemlich groß ist, bedeutet das auch ziemlich viel Uferstrecke, die abgelaufen werden kann. Und abgelaufen werden sollte, hab ich mir sagen lassen, denn das Alstertal im Norden der Stadt soll verdammt hübsch sein. Hat zumindest ein Kollege behauptet, der schon ´ne Kante länger in Hamburg wohnt.
Und ob er recht hat, das finden wir (das sind übrigens die neue Kamera und ich) heute mal raus!
Geplante Strecke: Einmal ein großer Bogen, von Wellingsbüttel aus Alsteraufwärts bis zur Melingburger Schleuse, dann neben einem Bachlauf namens Saselbeck im nördlich-stadtperipheren (jahaa, solche Wortmonster kann ich bauen, auch wenn ich sonst nix gelernt hab
) Speckgürtel bis nach Volksdorf rüber, und von da aus dann durch den Stadtteil Sasel geradewegs zurück zum Ausgangspunkt. Geschätzte 15 bis 17 km, das sollte reichen.
Ich starte… Mittags. Nein, nicht NACHmittags sondern wirklich mittags. Kurz nach 13:00 Uhr. Eigentlich eine ziemlich dämliche Zeit an einem Tag wie heute, der dem Sommer schon merklich näher als dem Frühling ist: Blauer Himmel, pralle Sonne, aber auch Temperaturen deutlich jenseits der 25° – das ist schon im Ruhemodus bullig warm.
Aber ich hab mittags halt eh oben in HH-Sasel zu tun, also kombinier´ ich das eben einfach mit dem Laufen und vertraue darauf, dass schattige Bäume und der gut befüllte Trinkgürtel die das Ganze erträglich halten.
Als Ausgangspunkt hab ich mir den Kuhteichweg ausgesucht, ein schmales Sträßchen am Rand von Hamburg-Wellingsbüttel, eingeklemmt zwischen eine wildwucherige Parkanlage und das verlockend grüne Alstertal.
Aussteigen, Trinkgürtel um, Mütze auf, los geht´s. Fünf Schritte über den schmalen Asphaltweg, dann bin ich auch schon raus aus der Stadt und mitten im Wald:

Bild #1: Start!
Zumindest fühlt sich das an, denn eigentlich ist das Alstertal ja nur ein vielleicht 200 m. breiter Streifen Natur, der links und rechts von Hamburger Vororten eingefasst ist – aber davon merkt man hier wirklich gar nix, nicht zuletzt auch, weil das Tal wirklich ein Tal ist, mit steilen und überraschend hohen Böschungen an beiden Seiten, die die Stadt quasi wegblocken.
Fühlt sich herrlich nach Natur an: Hohe, alte Eiche und Buchen werfen tiefe Schatten auf den Waldboden, zwischen denen strahlendhelle Sonnenflecken durchs leicht vom Wind bewegte Kronendach fallen, es ist merklich kühler und riecht ein bisschen erdig, Vögel singen… Ehrlich jetzt: Wenn ich nicht wüsste, dass ich mitten in der Großstadt bin, ich würd´s nicht glauben.
Die ersten Meter geht´s abwärts, runter ins Tal, vorbei an dicht bewachsenem Waldboden, einer sonnigen kleinen Wiesenlichtung und ein oder zwei Tümpeln…

Bild #2: Viel Wasser hier. Schön.
…bis auf den Hauptweg im Talgrund, direkt neben der Alster, die hier wirklich wie ein idyllischer, abgelegenes Waldflüsschen aussieht:

Bild #3: Die Alster an der Fußgängerbrücke zwischen Wellingsbüttel und Poppenbüttel
Ab hier gibt´s auch einen richtigen, ordentlich ausgezeichneten Wanderweg, markiert mit ´nem gelben Pfeil (der ja für alle lokalen Wanderwege benutzt wird), in dem ein schwarze P steht:

Bild #4: Die Buchstaben stehen offenbar für die Stadtteile, zu denen die Wege gehören. In diesem Fall ist das dann Poppenbüttel
Diesem Weg folge ich dann einfach, durch die Wald/Auen/Uferlandschaft des sich windenden und schlängelnden Alstertals grob nach Norden, halb in der Sonne, halb im Schatten, immer in Sichtweite des Flusses, der im Mittagslicht glitzert.
Einfach nur traumhaft schön!

Bild #5: Hier ist schon Einiges los – Radfahrer, Spaziergänger und Wanderer auf dem Uferweg, Kanufahrer auf dem Fluss. Aber im Vergleich zum Andrang, wie er an einem Tag wie heute an der Außenalster herrschen dürfte, ist das hier immer noch wunderbar friedlich. Und solange genung Platz zum Joggen da ist, beschwer´ ich mich ja eh nicht…

Bild #7: Insgesamt folge ich dem Uferweg und der Alster für über 4 km…

Bild #8: …immer schön dem Alsterwanderweg hinterher…

Bild #9…vorbei an Seitenarmen, Bächen und Inselchen…

Bild #10: …durch dichten Auwald, lichte Wiesenstücke und parkartige Rasenflächen.
Nach den ersten eineinhalb Kilometern kommen ein paar neue Marker dazu…

Bild #11: AQ (Alsterquelle) und K (Kayhude)
…kurz darauf gibt´s die erste richtige Erinnerung, dass die Stadt eigentlich nur einen Steinwurf entfernt ist, in Form des Saseler Damms, der hier das Alstertal durchquert…

Bild #12: Am Saseler Damm (Wanderweg geht untedrunter durch)
…direkt danach ist dann aber wieder natür pur, mit einem total hübschen großen See…

Bild #13: Ist eigentlich kein See, sondern – natürlich – die Alster, die hier an der Poppenbütteler Wehr aufgestaut ist
…gefolgt von noch mehr äußerst ansehnlicher Alstertallandschaft:

Bild #14: Zur wilden Naturlandschaft gesellen sich hier auch gelegentlich ein paar Wohnhäuser, entweder hoch oben am oberen Rand der Talböschung oder – wie hier – auf der anderen Flussseite, herrschaftlich auf einem Hügel gelegen mit einem riesigen gepflegten Rasengrundstück bis runter ans Ufer. Grandiose Wohnlage, mit zweifellos ebenso grandiosen Immobilienpreisen…
Hin und wieder überquert der Wanderweg den Fluss übrigens auch, um dann am anderen Alsterufer weiterzugehen. Diese Brücke am Henneberger Park ist die Dritte Querung seit dem Start…

Bild #15: Alsterbrücke am Henneberger Park (in dem´s eine Burgruine geben soll, aber das sehe ich erst bei der Nachbereitung des Laufs, vor Ort fällt mir leider nix dergleichen auf. Schade, auch wennn´s trotzdem wunderschön ist
…die nächsten knapp eineinhalb Kilometer geht´s nun wieder auf der linken (westlichen) Seite weiter:

Bild #16: Am Westufer

Bild #17: Sonnige Brachwiese am Wegrand

Bild #18: Alsterwanderweg im Hohenbuchenpark
Inzwischen bin ich ungefähr eine halbe Stunde unterwegs, und eigentlich könnte ich der Alster noch ewig weiter nach Norden folgen, weil´s halt so hübsch ist.
Geht aber nicht, schließlich will ich ja nicht nach Schleswig-Holstein rein sondern eine Rundtour im Hamburger Norden drehen, und dafür muss ich dann doch so irgendwann mal abbiegen.
“Irgendwann mal”, das ist in diesem Fall an der Halbinsel Mellingburg, wo sich die Wanderwegsmarkierungen teilen, links weiter an der Alster entlang oder rechts auf einer Holzbrücke über den Fluss.
Mein Streckenplan sagt rechts, also isses rechts:

Bild #19: Brücke an der Mellingburg
Direkt nach der Brücke geht´s linksig die Böschung rauf, auf erdigen, ausgetretenen Stufen:

Bild #20: Puhuijuijuii, Stufen ziehen ja immer gut rein, besonders wenn man so ein bissl unfit ist, so wie ich…
Oben angekommen erreiche ich die Mellingburger Schleuse, an der ein urgemütlich aussehendes Ausflugsrestaurant steht, das irgendwie nach kühlen Getränken an warmen Sommerabenden aussieht:

Bild #21: Gasthaus Mellingburger Schleuse
Sehr einladend, da gönn´ ich mir spontan mal eines der gut angewärmten Gürtelfläschchen mit Isoplörre (“Aaah”), bevor ich weiterlaufe, auf einer weiteren Holzbrücke…

Bild #22: Schleusenbrücke
…nochmal über die Alster…

Bild #23: Alster an der Mellingburger Schleuse
…und direkt danach weg vom Fluss, durch ein schattiges Wäldchen in einem leichten Bogen bergauf, bis ich einen Querweg am Rand einer sonnigen Pferdeweide erreiche:

Bild #24
Alles sehr nett, dummerweise beschleicht mich dabei das Gefühl, dass ich möglicherweise nicht mehr auf Kurs sein könnte – irgendwie hab´ ich den geplanten Streckenverlauf anders in Erinnerung, und der gelbe Markerpfeil ist nicht so richtig eindeutig. Hmmm…
In die Irre laufen mag ich definitiv nicht, also nehme ich mir lieber die Zeit, mich nochmal etwas genauer umzugucken.
Ah ja, da schau her: Obwohl das hier eigentlich nur ein erdiger Fußweg ist, steht da vorne ein Straßenschild.
Auf dem steht:

Bild #25: Man beachte das Muschelsymbol unter dem Schild – ein offizieller Jakobs-Pilgerweg, von hier aus müsste man also idealerweise bis nach Santiage de Compostela durchlaufen können (was mir heute allerdings ein bissl weit ist
).
Kurzer abgleich mit meinem ausgedruckten Streckenplänchen…
Äh, nein!
Mellingstedter Stieg ist in der Tat falsch, eigentlich hätte ich nicht mal an der Mellingburger Schleuse vorbeilaufen dürfen, sondern davor rechts abgemusst.
Ob ich wieder auf Kurs kommen würde, wenn ich geradeaus weiterlaufe, kann mir das Streckenplänchen nicht verraten, denn das ist an dieser Stelle schon fast zu Ende. Und auf gut Glück mag ich´s nicht versuchen, da ist mir das Risiko zu groß, in der vollkommen unbekannten Umgebung vollends verschütt zu gehen.
Folgerichtig bleibt mir nichts anderes übrig: Ich muss zurück.
Wieder durch das Wäldchen, über die Schleusenbrücke, vorbei am Schleusengasthaus bis auf eine Straße namens “Mellingburgredder”, die über dem Alstertal…

Bild #26: Naja, so richtig tief runter geht´s nicht, aber ein paar Meterchen sind´s dann doch bis in den Talgrund
…durch ein überaus idyllisches (und, ich wiederhol´s gerne: bestimmt auch recht hochpreisigen) Wohngebiet mit schmucken Einfamilienhäusern in großen Gärten voller Rhodondenren, Magnolien und alter Buchen:

Bild #27: Mellingburgredder
Nach einem halben Kilometer wird aus dem Mellingburgredder (was ist das überhaupt, ein “Redder”? Ah, okay…) die “Alte Mühle”, ein rissiges altes Strässchen, das nun wieder bergab führt, zurück ins Tal und zurück ans Wasser. Allerdings nicht die Alster (die fließt unsichtbar hinter den Bäumen 100 m. weiter links) sondern an den Mühlenteich, der eigentlich schon mehr ein See ist, und sich in einer Talsenke neben einer weiteren unheimlich einladend aussehenden Ausflugskneipe im leichten Mittagswind kräuselt…

Bild #28: Mühlenteich
…und dabei so hübsch ausschaut, dass einem so richtig das Herz aufgeht. Schee!

Bild #29: M. vorm Mühlenteich
Der gelbe Wanderwegspfeil mit dem P will hier nach rechts, auf einen schmalen Waldrandpfad, der durch die Uferhügel neben dem Teich ein bisschen bergauf führt und dann in einen bequemen Waldweg mündet, dem ich weiter nach Osten folge:

Bild #30: Weg mit dem gelben P kurz hintem Mühlenteich
Auch hier gibt´s ein Tal mit Gewässer drin, das sich neben dem Weg herschlängelt, allerdings kleiner und schmäler als bisher, denn das ist nun nicht mehr die Alster, sondern ein freundlicher Bachlauf namens Saselbeck, der mich auf den nächsten Kilometern begleiten wird.
Kurz darauf: Die nächste Brücke. Dieses Mal über die Saselbeck, die sich hier zu ein paar kleineren Teichen verbeitert, zwischen denen der Wanderweg hindurchschlüpft. Sieht herrlich aus im prallen Sommersonnenlicht:

Bild #31: Am Ilandteich
Danach geht´s wieder bergauf, durch etwas hügeliges Terrain mit schattigem Mischwald…

Bild #32: Rechts unten fließt die Saselbeck durch ein paar marschige Bodenwellen
…zwischen dessen Stämmen immer mal wieder sommerlich-helle Wiesen und Weiden erkennbar sind, von denen der Geruch von saftigem Gras und Pferden rüberweht:

Bild #33: Nicht vergessen: Das ist mitten (naja gut, vielleicht nicht mitten aber auch nicht ganz am Rand) in einer Millionenstadt.
Einen halben Kilometer nach den Teichen wird´s langsam wieder etwas zivilisierter: Ich überquere die Bergestädter Chaussee…

Bild #34: Bergestädter Chaussee
…und folge dem Weg zwischen Gartengrundstücken und durch ein weiteres kleines Wäldchen bis an den Rand eines Neubaugebiets, das relativ unvermittelt zwischen den hohen, schlanken Baumstämmen auftaucht:

Bild #35: Kurz vor dem Neubaugebiet am Haindaalwisch
Das ist übrigens so neu, dass es noch nicht auf meinem Streckenplänchen auftaucht. Und die Wegmarkierung scheint´s hier irgendwie auch nicht mehr zu geben.
Was nicht ganz so ideal ist, denn so ganz sicher, bin ich mir nicht, wo´s hier weitergehen soll…

Bild #36: Hmm…
Na gut, dann folg´ ich halt meinem Bauchgefühl.
Der erste Versuch geht eher in die falsche Richtung (nach Norden, den Haindaalwisch entlang), aber zum Glück merk ich´s schon nach ein paar Schritten, kann korrigieren und erwische den richtigen Weg (will heißen: Der gelbe Pfeil-Marker taucht wieder auf).
Weiter ostwärts.
Erst ein sonniges (und heißes) Stück durch offenes Gelände mit mannshohem Schilf…

Bild #37
…dann über einen Kilometer durch den Norden des Hamburger Stadtteils Sasel,auf einem tunnelartig überwucherten Fußweg, der zwischen grünen, gepflegten Gärten direkt neben der Saselbeck verläuft:

Bild #38: Fußweg an der Saselbeck…
Am Ende von Sasel angekommen macht der Weg einen Knick nach links, weg von den Häusern und in das nächste größere Waldstück, wo ich wieder mal die Markierung aus den Augen verliere und blind weiterlaufen muss.
Immerhin in die richtige Richtung: Über eine lange, schnurgerade Schneise erreiche ich Volksdorf, das sich nun endgültig nicht mehr wie ein Stück Großstadt anfühlt, sondern mehr wie ein Dorf oder eine kleine Stadt irgendwo weiter draußen.
Auch hier laufe ich noch ein bisschen weiter nach Osten, durch den Rögenweg…

Bild #40: Rögenweg in HH-Volksdorf
…bis an die Halenreie, eine größere Durchgangsstraße, auf die ich nach rechts einbiege, nun südwärts in Richtung Zentrum von Volksdorf.
So richtig taufrisch bin ich inzwischen übrigens nicht mehr. Mehr als zehn Kilometer in der teils brütenden Mittagshitze und bei meinem Trainingszustand, da fühlen sich die Beine schon deutlich schwerer an als beim Start.
Eigentlich bräuchte ich ja jetzt was Erfrischende…JA, GENAU!!!:

Bild #41: BINGO! Eiscafé in Volksdorf, genau da wo ich eins brauchen kann.
Zeit für ´ne kurze Pause…

Bild #42: Mmmmmhhhh. Tut gut…
…bevor ich weiter nach Volksdorf reinlaufe…

Bild #43: Halenreie in Volksdorf
…und schließlich kurz vor dem Ortskern noch einmal nach rechts abbiege und mich auf den langen, langen Rückweg nach Westen mache (Ab hier auch wieder markiert, gelber Pfeil mit P).
Volksdorf ist hier schon wieder vorbei, stattdessen geht´s erst an einem buschwiesigen Waldrand entlang…

Bild #44: Offensichtlich ein Filterbecken, auch wenn´s nicht danach aussieht…
…dann am Rand der Volksdorfer Teichwiesen, einer großen, langgezogenen Brachwiesenfläche, über die eine angenehm frische Mittagsbrise weht:

Bild #45: Volksdorfer Teichwiesen. Wie gehabt: This is the Big City, Folks, believe it or not…
Nach vielleicht 800 m. öffnen sich die Wiesen rechts zu einer größeren Wasserfläche…

Bild #46: Auf dem Stadtplan ist das Ding als “Rhb” bezeichnet, das legt nahe, dass es ein Rückhaltebecken ist…

Bild #47: Kühe hab ich dieses Mal nicht zu bieten, aber diese Ente finde ich eigetlich auch ganz nett.
…während ich auf einem sandigen Fußweg links zwischen den Grundstücken hindurch zurück ins Wohngebiet laufe und auf den Saseler Weg stoße.
Die gute Nachricht: Dem muss ich jetzt eigentlich nur noch geradeaus folgen, bis zurück nach Wellingsbüttel rein, und weiter bis zum wartenden Auto.
Die nicht so gute Nachricht: Aber das sind noch fast sechs Kilometer.
Und eigentlich wollen meine Beine jetzt schon nicht mehr…
Na gut, hilft ja nix.
Der lange Weg nach Westen beginnt.
Zuerst isses noch gar nicht schlimm:

Bild #48: Saseler Weg in Volksdorf
Aber sehr bald schon merke ich, wie sich das zieht.
Quasi eeeeeendlos, und alles auf dem harten Untergrund. Autschie.
Dort wo Schatten ist, lässt sich´s ja noch aushalten, aber überall dort, wo die Sonne voll auf den Asphalt knallt, ist es so unterträglich heiß, dass ich mich ein bisschen wie ein Hummer im Kochtopf fühle (die passende Farbe dürfte ich auf jeden Fall schon haben).
Viele Fotos mache ich hier nicht mehr.
Hab andere Sorgen…
500 m. bis zum Ende von Volksdorf.
Dann 500 m. auf ´nem Radweg neben einer schmalen Fahrstraße durch den Wald.
Dann weiter durch Sasel. Die Straße heißt nun Volksdorfer Weg, ist aber immer noch dieselbe.
Nur noch länger.
Ein km durchs Wohngebiet, mit hängender Zunge, brennenden Waden, überhitzter Stirn, mit steifen, schweren Schritten leise vor mich hinköchelnd, immer ein Auge auf den Hausnummern der Einfamilienhäuser am Straßenrand, die mit quälender langsamkeit abnehmen (ich will bis zum Anfang des Volksdorfer Wegs, also der Hausnummer 1. Hier hinten bin ich aber noch mitten in den 150er Hausnummern. Uägh!
Das tut gerade richtig weh…
An der Kreuzung mit dem Meiendorfer Mühlenweg lege ich nochmal eine Pause ein. Dankbarerweise steht hier eine Tanke, in der´s eiskalte Cola gibt:

Bild #49: Gottseidank habe die auch Sonntags auf!
Ich gönne mir einen halben Liter schwarze Koffeeinbrause, die ich quasi in einem Zug weggkippe. Tut höllisch gut und weckt die Lebensgeister wieder ein bisschen. Bitter nötig, selbst wenn´s nicht allzulange vorhält – bereits nach ein paar hundert Metern fällt´s mir wieder genauso schwer wie vor der Pause:

Bild #50: Hsn. Glrg. Kffstpfrg. Aagl.
Und der Volksdorfer Weg will und will kein Ende nehmen.
Anderthalb Kilometer, dann macht er wenigstens mal einen Knick nach Süden, ich wanke hinterher, japsend, schwitzend und auf steifen Beinen…

Bild #51: Au.
…kurz darauf erreiche ich über den Farmsener Weg die Bramfelder Chaussee. Breite Durchgangsstraße, geht nur mit Ampelpause (gottseidank).
Danach ist leider immer noch nicht Schluss, ich muss immer noch weiter. Die quälend harte und lange Straße heißt nun Rolfinckstr., sonst ändert sich wenig: Ich tapse am Straßenrand müde und ausgelaugt durch Wellingsbüttel (oder vielleicht auch noch Sasel) und hoffe, dass nun endlich bald mal gut is´…
Noch ein knappper Kilometer, dann geht´s an der Hochbahnstation Wellingsbüttel unter den Gleisen durch:

Bild #52: Haltestelle Wellingsbüttel
Endlich da?
Neeiheiheinnnn, immer noch nicht.
Argl.
Aber fast.
Kurz nach der Haltestelle ist die Rolfinkstr. zu Ende, ich überquere den Wellingsbütteler Weg…

Bild #53: Einkaufszentrum am Wellingsbütteler Markt. Nicht so sehr wegen der Architektur fotografiert, sondern vor allem wegen der paar Sekunden Pause, die so ein Foto meinen wehen Waden beschert…
…und laufe geradaus in den Kuhteichweg, einen engen, grünen Fußweg…

Bild #54: Kuhteichweg
…der mich geradewegs in eine kleine, idyllische Parkanlage am Kuhteich führt:

Bild #55: Kuhteich
Total hübsch, aber was mir noch besser gefällt als das friedliche Gewässer ist das, was ich durch´s dichte Laub der Uferbäume auf der anderen Teichseite erkenne:

Bild #56: Haaaa. Mein Auto, aka das Ziel. Na ein Glück!
Die letzten 200 m. um den Teich würd´ ich am liebsten schon gehen, aber ich verkneif´s mir, is´ nix für den Endspurt.
Also wackle ich auf steifen Beinen um den See herum, die letzte kleine Böschung hoch, dann hab´ ich´s geschafft:

Bild #57: Geschafft!
Keinen Moment zu früh. Die Isoplörre ist alle, der Matthias auch. Ein bisschen traurig, nach gerade mal 18 oder 19 relativ flachen Kilometern (früher war da mehr drin. Seufz…), aber hey, dafür war´s ja auch extrem heiß und sonnig.
Abgesehen davon: Großartige Tour, besonders natürlich das Alstertal und der erste Teil der Strecke an der Saselbeck. So viel schöne Landschaft und Natur – so lass ich mir die Großstadt gefallen!
Strecke: 18,7 km
Zeit: Viel
Anteil der noch nie gelaufenen/geblogten Passagen an der Gesamstrecke: 100% (18,7 km von 18,7 km)
Karte:

—
Alles in allem eine richtig gute Woche. Hamburg ist zwar nicht der Odenwald, die Bergstrasse oder Rheinhessen, hat läuferisch aber auch so Einiges zu bieten. Da lohnt sich die Entdeckerei durchaus auch. Besonders wenn am Ende ´ne Vierzigerwoche bei rausspringt…
M.





25. Juni 2011 um 11:14
Am besten gefällt mir, dass es mit den 40 Wochenkilometern “geglappt” hat
26. Juni 2011 um 15:14
Na Hauptsache irgendwas gefällt…
25. Juni 2011 um 16:11
In diesem Eisladen Volksdorf habe ich auch einmal Eis gekauft. Ich habe HASS auf Wellingsbüttel oder Volksdorf. Ich habe dort vor kurzem gewohnt richtig schön und alles neu fast 3 Jahre in Volksdorf. Es fing an, weil ich Gardinen in der Farbe Pink hatte mit einem Brief der Nachbarn: “Die farbliche Auswahl beschädigt die Wohnanlage…” So fing alles an!!! Ich hatte die wirklich “typischen Deutschen” dort. Ich war 3 mal bei dem Gericht…… zum Schluss muss ich sagen, habe ich etwa 3000 Euro Entschädigung bekommen und Kaution zurück, weil ich, meine Wohnung unfreiwillig aufgegen musste. Ich bin glücklich, jetzt wohne ich noch ruhiger und in einem Haus allein ohne arrogante eingebildete alte Idioten, die meinen, eine Art Autorität zu sein…. verrückt, was ich erleben musste!!!!
26. Juni 2011 um 15:17
Ach du je, das klingt aber echt total fies. So spießig ist mir das alles jetzt gar nicht vorgekommen da oben. Aber solche Nachbarn gibt´s glaub´ ich auch überall…
Und wenn du´s jetzt noch besser hast, ist das ja immerhin auch schon mal was
25. Juni 2011 um 16:16
So, jetzt wird mein echter Avatar gezeigt und meine echte Site. ich werde öfters auf deine Seite gucken. Ich habe eine Bike-Gruppe gemacht und wir fahren oft Fahrrad. Letzte Tour war nach Glückstadt von Hamburg. Bis bald, Adi
26. Juni 2011 um 15:20
Wow, das ist aber auch keine schlechte Distanz! So geschätzte 50 km einfache Strecke dürften es von Glückstadt bis nach HH schon sein, oder?
Übers Vorbeischauen freu´ ich mich natürlich immer, allerdings werd´ ich in den nächsten Monaten wohl wenig Hamburg und Schleswig-Holstein dabei haben, denn die nächsten Drei Monate bin ich erstmal in Hannover, Rostock und Schwerin unterwegs…