Durch den Odenwald, Teil 2: Neutsch, Ober-Ramstadt, Hohe Strasse/Hutzelstrasse (20,1 km)

23. August 2007

Eigentlich wollten wir heute gar nicht laufen, aber weil das Wetter so schön war (Sonne, leichter Wind, ca. 22 Grad), haben wir uns dann doch spontan aufgemacht, den nördlichen vorderen Odenwald etwas genauer zu erforschen.

Startpunkt wie bei unserer letzten Odenwaldpartie wieder am östlichsten Ortsrand von Ober-Beerbach, unterhalb der Neutscher Höhe (auf der Karte ganz rechts unten), Startzeit kurz vor 19:00. Von Dort aus auf den Höhenrücken, und unterhalb der beiden Windräder durch die Wiesen nach Neutsch – dabei ein sehr strammes Tempo vorgelegt, es ging ja bergab.

Auf demselben Weg, den wir das letzte Mal in anderer Richtung zurückgelaufen waren, durch das beschauliche Höhendorf, auf einem Feldweg bis zum Wald auf der Anhöhe (dabei eine Blindschleiche gesehen, die von einem gerade vorbeigefahrenen Geländewagen verletzt aber nicht getötet worden war – furchtbar!). Im Wald dann aber nicht rechts nach Ernsthofen, sondern geradeaus in Richtung Ober-Modau (Wegmarkierung weisser Doppelbalken).


Der schattige Waldweg ging graduell bergab, war mit staudenartigen Blumen gesäumt, und ebenfalls sehr angenehm zu joggen, auch wenn´s zwischenzeitlich wieder ein kurzes Stück bergauf ging. Über Ober-Modau bei einer Schutzhütte aus dem Wald, dann runter ins Dorf  (Neutscher Weg). Dem weissen Doppelbalken folgend bei einem Traktorhändler links auf die Odenwaldstr. eingebogen, nach ca. 200 m. jedoch gleich wieder rechts (Lindenstr.), und aus Ober-Modau hinaus auf eine Anhöhe (recht unspektakulär – nur Felder, überraschend schlechter Ausblick).

An einem Gestrüpp irgendwo da oben mussten wir kurz halt machen, weil Ingo – getreu seinem Credo, bei jeder Gelegenheit Dinge am Strassenrand in sich reinzustopfen – ein paar unidentifizerte Beeren vertilgen musste (unsere botanischen Kenntnisse reichten leider nur aus, um festzustellen, dass es weder Brombeeren noch Tollkirschen waren – aber immerhin lagen keine toten Nager und Vögel neben dem Gestrüpp, also war´s wohl nix Schlimmes)… Kurz danach den Doppelbalkenweg verlassen um geradeaus nach Rohrbach weiterzulaufen, vorbei an einer Reitanlage bei der Ingo (wahrscheinlich durch die halluzinogene Wirkung der unbekannten Beeren in den „Prinzessin“-Modus versetzt) unvermittels bemerkte, dass er Pferde total cool findet, und sich auch von meinen völlig berechtigten Gegenargumenten („Pferde sind viel stärker als wir – sobald die das merken, gibt´s Revolution“ und „Pferden blickt doch der Wahnsinn aus den Augen – die warten doch nur auf eine Gelegenheit, durchzdrehen und uns alle aufzufressen“) nicht umstimmen lassen wollte – na ja, wird ja sehen, was er davon hat… ;).

So diskutierend gelangten wir dann nach Rohrbach (gegründet im 17. Jahrhundert von Waldensern – wer hätte das gedacht), einem weiteren dieser Odenwaldorte, die eigentlich nur ein paar Kilometer von zu Hause entfernt liegen, aber in denen man noch niemals zuvor war (wodurch man sich dann, wenn man hinkommt, so ein bisschen wie ein Afrikaforscher auf großer Expedition fühlt – fasziniert vom neuen Setting, aber beunruhigt angesichts der seltsamen Eingeborenen…). Entsprechend unserer mangelnden Ortskenntnis gerieten wir da dann ein bisschen ins Schwimmen – eigentlich wollten wir auf einen Weg mit blauem Balken als Markierung, konnten ihn aber nicht finden. Stattdessen folgten wir einem weissen Kreis durch die Brunnenstr., doch leider verlief die sich auf einem Feldweg westlich des Ortes im Nichts; wie sich nach dem Lauf herausstellte, wäre dieser Weg richtig gewesen, aber da keine Markierung mehr zu sehen war (fall das jemand vom Odenwaldclub liest – da gibt´s Nachholbedarf!), kehrten wir lieber um und eierten noch ein bisschen ratlos durch Rohrbach, den Walmersbergweg hoch.

Dort entschieden wir uns dann, über einen Feldweg bis an eine weiter unten im Tal verlaufende Landstrasse zu laufen, die ungefähr in unsere Zielrichtung ging. Gesagt getan, runter zu Strasse (war wohl die L 3106) und am Strassenrand nach Nordwesten. Übrigens nicht so richtig angenehm, denn wie üblich gab´s weder ein Fahrradweg noch ein Seitenstreifen, dafür viel Verkehr. Schließlich erreichten wir (ohne von einem Odenwaldraser geplättet worden zu sein) ein Kreuzung bei einem einzeln stehenden ländlich-frühindustriell wirkenden Gebäudekomplex, der sich als die Schloß-Mühle herausstellte, einem Ort, von dem ich mir ziemlich sicher war, dass er irgendwie an unserer ursprünglich geplanten Strecke liegen musste. Dummerweise war hier immer noch kein blauer Balken, also liefen wir nach etwas Hin und Her nordwärts am Rand der L3099 in Richtung Ober-Ramstadt.

Einige hundert Meter vielbefahrene Allee (wie gehabt: Kein Radweg, kein Seitenstreifen), dann ging´s an einem Rückhaltebecken links von der Strasse ab auf einen Weg, wo wir – Oh Wunder – doch tatsächlich endlich den lange vermissten blauen Balken fanden.
Wir waren wieder richtig!

Also weiter, am Westufer des Rückhaltebeckens nach Norden, ein paar hundert Meter weiter dann links auf einen asphaltierten Weg, der den offenen Hang südlich von Ober-Ramstadt hinaufführte (Radweg 11). Über Wiesen und Felder stetig bergauf, dabei ein beeindruckender Blick auf das unvermittelt auftauchende Ober-Ramstadt (unvermittelt auch deshalb, weil wir beide irgendwie gar nicht so recht glauben konnten, dass wir es bis hierher geschafft hatten – gefühlt war Ober-Ramstadt bisher immer viel weiter weg gewesen), dann weiter zum Waldrand und dem Naturfreundehaus Heidenacker.

Von dort aus weiter am Waldrand bergauf, bis wir auf die Hohe Strasse trafen, den Höhenweg, der und bis nach Ober-Beerbach zurückführen sollte (Gleichzeitig der europäische Fernwanderweg 1, Markierung weisses Andreaskreuz). Diesem Weg folgten wir dann ewig durch den inzwischen schon stark dämmrigen Wald nach Süden, eine sehr bequeme Strecke: Waldweg sehr gut in Schuss, schöner Hochwald, relativ eben (hin und wieder mal etwas hoch und runter, aber niemals steil). Unterwegs hielten wir kurz an einer Art „Riesenxylophon“ aus vertikal mit Ketten fixierten verschieden langen Holzstämmen, das irgendwer einfach mal in den Wald gebaut hatte (allzuviel Melodisches konnten wir ihm aber nicht entlocken), und bewunderten ein paar Mal das wunderschöne Licht des Sonnenunterganges, das gelegentlich rechts durch die Bäume schimmerte. Ansonsten immer geradaus durch den Wald, vorbei an einigen Abzweigungen zu so exotischen Orten wie Waschenbach, und eine Schutzhütte.

Schließlich erreichten wir offeneres Gelände, erst ein kurzes Feld mit Blick nach Westen auf die Anhöhe hinter Rohrbach, dann schließlich im letzten Tageslich eine offene Anhöhe vor Frankenhausen, wo wir einen unglaublich grandiosen Blick nach Norden geniessen konnten – da´s schon fast Dunkel war, fielen vor allem die Lichter des Frankfurter Flughafens ins Auge, wenn man genauer hinsah, konnte man aber auch die Silhouette des fünfzig km entfernten Feldbergs mit Frankfurt davor erkennen -ganz großartig!!

Noch einmal kurz nach oben, dann nach unten und einmal quer durchs abendliche Frankenhausen (offensichtlich eine sehr musikalische Gemeinde – so wurden wir Zeuge des probenden Männergesangvereins im Feuerwehrgebäude und eines bei offenem Fenster übenden Tubaspielers).
Am südlichen Ende des Ortes noch eine kurze Pause am Dorfbrunnen um Ingo zu tränken, dann scharf links auf zum Endspurt auf die Hutzelstrasse.

Inzwischen war es fast ganz dunkel, und man musste angesichts des überraschend starken Verkehrs auf der unmarkierten Höhenstrasse etwas aufpassen, andererseits hatten die vereinzelten Autoscheinwerfer, die in der Dämmerung überall auf dem weithin sichtbaren Hochplateau unterwegs waren, irgendwie was poetisches – hübsch. Die letzten 2,5 km bis Ober-Beerbach zogen sich noch mal ganz schön, obwohl die Strecke eigentlich recht komfortabel war, und nach einem letzten Anstieg erreichten wir schließlich gegen 21:20 wieder das Auto.

Insgesamt 20,1 km (deutlich weiter, als ich ursprünglich erwartet hätte), teilweise landschaftlich sehr schön und durchaus angenehm zu laufen (vor allem der Part auf dem Hochplateau über dem Mühltal mit Hutzelstrasse/Hoher Strasse – die Ecke um Ober-Modau/Rohrbach war dagegen sowohl landschaftlich als auch läuferisch nicht ganz so reizvoll). Tempo war mir insgesamt mal wieder ein ganz klein wenig zu schnell, ging aber noch, ansonsten keine größeren Beschwerden.

Karte:

Interaktive Streckenkarte

M.

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5 Antworten to “Durch den Odenwald, Teil 2: Neutsch, Ober-Ramstadt, Hohe Strasse/Hutzelstrasse (20,1 km)”


  1. […] nur noch die Route. Nachdem wir in den letzten Wochen schon das Modautal, das Lautertal und das Mühltal erlaufen hatten, fehlte eigentlich nur noch ein weiteres der Täler im vorderen Odenwald: Das […]


  2. […] dem Dorfausgang dann wieder durch Wiesen, weiter auf dem Fernwanderweg 1. Dabei in Erinnerungen ans letzte Mal geschwelgt, als ich hier gelaufen war: Warmer, lauer Sommerabend, kristallklarer Blick das Tal […]


  3. […] mit Sonntagsnachmittagspaziergängern, dazu auch noch bekanntes Terrain, den Ingo und ich waren hier vor einiger Zeit schon mal in umgekehrter Richtung vorbeigekommen. Also ideal zum Durchatmen, […]


  4. […] Mölsheim Mörstadt Nauheim Nieder-Beerbach Niedernhausen (Odw) Niefernheim Neunkirchen (Odw.) Neutsch Nonrod Nordheim (bei Biblis) Nieder-Ramstadt Ober-Beerbach Ober-Hambach Ober-Modau Ober-Ramstadt […]


  5. […] ist, und unterfordern wollte ich ihn ja auch nicht… Außerdem hatten wir in der Gegend vor fast genau einem Jahr schon einen tollen Lauf absolviert, das passte also irgendwie ganz […]


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