Burgenweg Melibokus – Starkenburg (19,1 km)

30. August 2007

Ingo hat neulich mal angemerkt, dass wir sehr selten nach Süden laufen, während wir die anderen Richtungen wesentlich häufiger ansteuern. Das hat natürlich seine Gründe, vor allem geografische: Um von uns aus länger nach Süden zu laufen, muss man entweder
– über die Bergstrasse, was endlose Kletterpartien zu Folge hat (denn man muss jedes Tal runter und dann wieder hoch),
– oder die B3 entlang durch die Ortschaften laufen (was nicht besonders schön ist), oder
– runter ins Ried und da nach Süden (landschaftlich auch nicht soo doll, und ein ziemlicher
Umweg, da man um den weit in die Ebene vorstehenden Melibokus rum muss).
Ist alles nicht so ideal, besonders wenn man einen Rundkurs laufen will und auch noch einen Rückweg braucht.

Nichtsdestotrotz wollten wir heute mal ziemlich direkt nach Süden – Ingo war noch nie auf der Starkenburg bei Heppenheim, und da wir sie auf diversen Touren über die Bergstrasse und den vorderen Odenwald immer wieder mal im Blick hatten, und sie dabei auch noch ziemlich nah wirkte, sollte sich das heute ändern.


Zuerst aber mal: Einkaufen. Treffen beim Aldi auf der Sandwiese zwecks Akquise von Laufutensilien (diese Woche im Angebot). Allerdings erstmal warten: Matthias pünktlich, Ingo zwanzig Minuten zu spät, Matthias leicht übellaunig – das Übliche halt.
Als er dann endlich da war folgte ein kleiner Shopping-Spree durch die Grabbeltische, Hosen, Socken, Shirts, und an der Kasse noch eine Pulsmessuhr samt Brustgurt für jeden (wir Profis brauchen halt sowas ;)…), dann ging´s mit zwei Autos nach Heppenheim. Ingos Wagen liessen wir unterhalb der Starkenburg stehen, mit meinem ging´s zurück in Richtung Start.

Ursprünglich hatten wir überlegt, von mir aus zu starten, und auch noch den Melibokus hochzulaufen, aber das wäre doch etwas viel Strecke und Steigung für einen Lauf in der Woche geworden, deswegen starteten wir schlußendlich ganz oben vom Melibokus.

Strartzeit: So gegen 11:00 Vormittags. Wetter: Schöner Früherbsttag, sonnig, kühl, leichter Wind.

Zuerst mal gings auf den Windungen der Melibokusstrasse lange bergab (immer noch ein etwas ungewohntes Gefühl für den Anfang eines Laufes, zudem waren die ersten ein oder zwei KM bis man warm war etwas unangenehm für Schienbeine und Knie, das verlief sich aber recht schnell). Am Not-Gottes-Parkplatz geradaus auf den Fußweg zum Auerbacher Schloss. Dort wo er wieder auf die Strasse trifft geradeaus auf den Waldweg nach unten (der gehörte schon zum Burgenweg, Markierung blaues B, dem wir bis zur Starkenburg folgen wollten).

Unterhalb des Schlosses an der Bergflanke nach Süden bis zum Handy-Funkturm, dort erst nach links, dann irgendwo am Hang oberhalb der Strasse nach Hochstädten eine scharfe Rechtskurve, und auf einem sehr schlecht zu joggenden Burgweg (schmal, ungleichmässig, steil, mit sehr grobem Schotter) ins Tal nach Auerbach.

Wir folgten dem blauen B durch das recht noble Wohngebiet am Hang bis runter zur Bachgasse (= der Strasse nach Hochstädten). Eigentlich hätten wir hier links gemusst, um auf dem Burgenweg von unten ins Fürstenlager, allerdings haben wir´s irgendwie verpeilt, und fanden uns deshalb auf dem schmalen, mit Kopfsteinen gepflasterten Anstieg zur Auerbacher Bergkirche wieder (arg steil, da mussten wir ganz schön schaufen).

Oben war das blaue B natürlich nicht mehr in Sicht (denn das verläuft ja unterhalb durchs Fürstenlager), also folgten wir stattdessen vorerst dem Blütenweg (Markierung: Gelbes B), von dem wir wussten, dass er in Bensheim wieder auf den Burgenweg treffen würde. Der Blütenweg führte immer aufwärts, durch den Lößweg hinter Auerbach ostwärts hoch in die Weinberge. Auf der Anhöhe über dem Fürstenlager knickte er dann wieder nach Westen auf einen mit Weinreben bestanden Bergrücken mit unglaublicher Panoramasicht (Taunus, Rheingau, Wiesbaden, Rheinhessen, Donnersberg, Pfälzer Wald, Ludwigshafen, Mannheim, Bergstrasse bis Heidelberg), und ging dann relativ rapide runter ins Tal.

Die Strasse im Talgrund führte wieder nach Auerbach, am Ortseingang ging es gleich links (Schönberger Str./Ernst-Ludwig-Str.), und führte schließlich bis ins Villenviertel am Nordrand von Bensheim. Hier dann ein kurzer Schlenker weiter den Hang hoch (Dürerstr.), und auf einem schmalen, mit Brennesseln (die zu vermeiden efrorderte einige semiakrobatische Verrenkungen beim Laufen) gesäumten Pfad am Waldrand direkt hinter den letzten Häusern bis zu den Weinbergen am Kirchberg, unterhalb des Kirchberghäuschens, wo wir auch wieder auf das blaue B des Burgenwegs trafen.

Zwischen Weinbergen und Bensheimer Stadtpark (sehr schönes Stück) entlang nach Süden, dann eine steile Treppe hinunter nach Bensheim, oberhalb des Marktplatzes auf die B47 in Richtung Lautertal. Wir überquerten die Strasse, ebenso wie den daneben fließenden Winkelbach und folgten dem Weg auf teilweise etwas abenteuerlichen Pfaden (Treppchen, enge Fußwege) weiter nach Süden, durch einen Teil Bensheims, in dem ich noch nie vorher gewesen war.

Schließlich bog die Strecke dem Verlauf des nächsten Tales folgend nach Osten ab. Kurz auf den Talgrund, über einen kleinen Bachlauf in Richtung des Bensheimer Ortsteils Zell. Kurze Trinkpause, dann weiter das Tal hoch, auf einem Fußweg, der sich etwas verschämt an die rückwärtigen Partien der ersten Zeller Häuser schmiegte. Schließlich ging´s auf die Dorfstrasse, der wir fast einen Km folgten, bevor das blaue B uns nach rechts in die Berge lotste.

Aus Zell raus, und durch einen Hohlweg (die „hohle Gasse“ – hatte irgendwie was von Schiller…) steil bergauf auf die Anhöhe. Richtig steil. Noch steiler als auf die Auerbacher Bergkirche, und dazu auch noch länger – anstrengend!! Immerhin verflachte der Anstieg irgenwann wieder ein bisschen, es ging zwar immer noch bergauf, aber in einem erträglichen Maß, so dass wir nach etwas Atem schöpfen genug Muße (und Puste) hatten, um die wunderschöne Wald/Wiesen/Weinlandschaft auf der Anhöhe hinter dem Hemsberg zu genießen.

Immer weiter auf dem Burgenweg, bergauf nach Südwesten, bis wir schließlich an eine Wiese kamen, von der man sogar noch einen besseren Ausblick hatte als von der Anhöhe über dem Fürstenlager. Grandios, wenn´s da klar ist, kann man wahrscheinlich bis Frankreich gucken, allein das ist die Kraxelei schon wert).

Kurze Trinkpause, dann weiter in Richtung des nächsten Tals, endlich ging´s mal wieder bergab, und das auch noch in einem angenehm gefälle, mitten durch die Weinberge, wo Ingo wieder mal seiner Neigung nachgab, wahllos am Wegesrand wachsende Beeren zu vertilgen (diesemal waren´s aber mit ziemlicher Sicherheit Weintrauben, von daher bestand wohl ausnahmsweise mal keine Gesundheitsgefahr…). Inzwischen war auch die Starkenburg (die man während das ganzen Laufes immer wieder mal im Blick hatte), schon ziemlich nahe gerückt, allerdings stand zwischen uns und ihr noch ein tief eingeschnittenes Tal.

Also erstmal steil runter, durch den Herdweg und steilen, engen, unregelmäßigen Trampelpfad voller zu großer loser Steine (ebenfalls kaum jogg-bar war), ins Hambacher Tal, unten über die Dorfstrasse, und auf der anderen Seite gleich wieder bergauf, von hinten auf den Burgberg („Burgweg“, „Am Schafhaus“, „Im Schalbert“).
Das war jetzt wirklich steil!! Die ersten paar hundert Meter im Dorf gingen noch, doch dann lotste uns das blaue B auf einen Hohlweg, der so stark anstieg, dass wir aufgeben mussten – den konnte man einfach nicht mehr joggen, entsprechend mussten wir ihn halt im Gehen bezwingen, und selbst das war schon anstrengend.
Boah, war das steil!!!

Schließlich gelangten wir dann doch auf die Kopfsteinpflasterstrasse zur Burg hoch (Burgweg, natürlich: Blaues B)), und da die eine erträgliche Steigung aufwies, konnten wir die letzten Meter (nach kurzer Atempause) dann auch wieder joggend zurücklegen. Die Strasse entlang, vorbei an der Sternwarte, und schließlich auf die auf der Kuppe thronende Starkenburg – geschafft!!!!

Der Turm war leider geschlossen, ebenso wie die Burgschänke, und die ganze Anlage war voller Bauarbeiter, aber immerhin war die Aussicht (schon wieder – daran muss man sich an der Bergstrasse nun mal gewöhnen) großartig, vor allem, weil man nicht nur einen tollen Blick in die Ferne hatte, sondern auch die schöne verwinkelte heppenheimer Altstadt um den Dom. Danach Abstieg über den (wieder mal sehr abenteuerlichen) Kanonenweg mit weiterhin grandiosem Panorama zum Auto und Rückfahrt.

Fazit: Der Burgenweg ist eine wirklich schöne Strecke, aber sie ist einfach nicht für Jogger gedacht – dazu sind die Wege teilweise einfach zu schlecht, und die Auf- bzw. Abstiege sowohl in Menge als auch Ausprägung einfach zu extrem und einfach nicht mehr laufbar (und das von jemandem wie mir, der eigentlich sehr gerne bergige Strecken läuft!). Entsprechend braucht es viel Kraft und Konzentration um sie joggend zu bewältigen (und selbst dann geht nicht alles), und ein gleichmässiges Laufen ist nur schwer möglich.
Von daher mein Tipp: Lieber die Wanderschuhe schnüren und Wandernd erkunden, da ist wenigstens mal ein wirklich schöner Tagesausflug drin!

Strecke: 19,1 km, mit sehr vielen Steigungen.
Laufzeit: Irgendsowas um die 2:20 h, eigentlich sehr ordentlich angesichts der Streckentopografie.
Verfassung nach dem Lauf: Überraschend gut. Nachdem man erstmal wieder bei Atem war, war
eigentlich alles bestens.
Karten:
– Teil 1: Melibokus bis Bensheim

– Teil 2: Bensheim bis zur Starkenburg

– Gesamtstrecke

Interaktive Streckenkarte

M.

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9 Antworten to “Burgenweg Melibokus – Starkenburg (19,1 km)”


  1. […] den östlichsten Riedrand wieder zurück (bisher hatte ich die Strecke Bensheim-Heppenheim ja nur über die Höhenrücken zurückgelegt, heute also im Prinzip dasselbe in […]


  2. […] runter zur B47/Nibelungenstrasse oberhalb des Marktplatzes (letztmalig gelaufen mit Ingo auf dem Weg zur Starkenburg) – sowohl Burgen- als auch Blütenweg (gelbes und blaues B), entsprechend leicht zu […]


  3. […] rechts, den Blütenweg/die gelbe 4 entlang auf dem Fußweg zum Not-Gottes-Parkplatz (letztmalig vor fast einem halben Jahr benutzt), dort dann halblinks über die Melibokusstrasse und auf den Herrenweg nach Norden […]


  4. […] Teich – Rosenhöhe – Lichtwiese) vom 26.8.08 – Jugenheim – Melibokus – Balkhausen vom 28.8.07 – Auf dem Burgen- und Blütenweg vom Melibokus bis zur Starkenburg vom 30.8.07 – Jugenheim – Alsbach – Zwingenberg – Sandwiese – Bickenbach vom 1.9.07 – Lorsch und Lorscher Wald […]


  5. […] Dergestalt niedergekämpft liess mein (zugegeben von vornherein etwas verirrter) Jagdinstinkt dann auch recht bald wieder nach, und ich konnte weiter mein angehmes, gemächliches Tempo laufen. Das führte mich erst einem weiteren Aussiedlerhof (mit Pferden) vorbei, dann halbrechts und nach ca. 300 m. wieder links, zu einem kleinen Wäldchen mit Gräbern drin (laut Wanderkarte ein “Ehrenfriedhof”, was immer das genau bedeutet). Direkt dahinter dann schon wieder die A5, über die ich auf einer weiteren Brücke lief, dann wieder der Winkelbach, vorbei an ein paar Sportanlagen, dann auch schon der westliche Ortsrand von Auerbach und der Berliner Ring. Wieder warten an einer Fußgängerampel, dann auf der Saarstrasse schon leicht aufwärts zur B3, die ich auf Höhe des Subway überquerte (natürlich nicht ohne die obligatorische Warterei an der ebenso obligatorischen Ampel). Auf der anderen Seite (Schönberger Strasse) wurde es dann schon merklich steiler, es ging aufwärts den Hang hoch (auch hier wieder einige sehr ansehnliche villenartige Häuser), bis ich nach ein paar hundert Metern das obere Ende von Auerbach, schon fast in den Weinbergen, erreicht hatte. Bevor ich den Ort ganz verlassen konnte, stiess ich hier wieder auf den Blütenweg (gelbes B), dem ich nordwärts folgte, einen steilen Hohlweg hinter den letzten Häusern hoch, dann ein Stück weit am unteren Rand der Weinberge entlang – sehr apart, dazu ein schöner Blick in die Ebene, kam mir allerdings vage bekannt vor (was daran lag, das wir hier vor knapp 2 Monaten schon mal in anderer Richtung vorbeigekommen waren). […]


  6. […] ich vor ungefähr hundert Jahren, als der Blog noch ganz frisch und jungfräulich war, schon mal mit Ingo erlaufen hatte. Hier gibt´s u.a: – Einen eingezäuntes Kreuz neben einem Baum mit vielen Wegmarkern: Bild […]


  7. […] Bild #32: Tafel aus dem Nordic-Walking-Fenster mit einem Teil des Laufberichts “Burgenweg Melibokus-Starkenburg“ […]


  8. […] Gärten am Waldrand entlang auf einem kleinen Trampelpfad (bin ich schon einmal gelaufen, mit Ingo vor mehr als drei Jahren in den Kindertagen des Laufblogs. Erinnere mich noch lebhaft an den dichten Brennesselbewuchs an dieser Stelle. Der fehlt heuer zum […]


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