Halbmarathon: Nibelungenlauf 2007 (21,1 km)

9. September 2007

Zur Marathonvorbereitung gehören ja auch ein paar „ernsthafte“ Läufe unter Wettkampfbedingungen, entsprechend hatten wir uns schon vor einiger Zeit nach Halbmarathons in der näheren Umgebung und im fraglichen Zeitraum umgesehen, und uns schließlich für den Nibelungenlauf in Worms entschieden. Vor allem weil
a) er in der Nähe ist
b) er ein etwas größerer Stadtlauf ist, bei dem man vielleicht noch ein paar Erfahrungen für Frankfurt sammeln kann
und
c) weil Worms eine hübsche, alte Stadt ist.


Startnummern und Zeitmeß-Chip (in Ingos Fall, denn für den war´s der erste organisierte Lauf überhaupt) hatten wir bereits am Vortag abgeholt, entsprechend konnten wir heute morgen unbeschwert zu nachtschlafender Zeit (8:50 morgens, und das an einem Sonntag…) und bei wenig vielversprechendem Wetter (regnerisch, 14-15 Grad) unbeschwert und ohne Zeitdruck losfahren.

Start und Ziel des Laufes waren auf dem Wormser Festplatz direkt am Rhein und der Nibelungenbrücke, entsprechend mussten wir nicht mehr groß durch die Stadt, sondern konnten gleich nach der Brücke rechts ab auf den Parkplatz.

Kurze Vorbereitung (Chips in die Schuhe binden, Startnummern anbringen), dann zum Start am großen Zelt auf dem Festplatz. Viel Gewusel (2500 Teilnehmer, die brauchen natürlich Platz), Massen von sich aufwärmenden Läufern, Andrang vor den hoffnungslos überlasteten Dixie-Klohäuschen (was Ingo nicht davon abhielt, sich trotzdem anzustellen).
Nachdem Ingo zurück war noch ca. 10 Minuten Zeit zum Aufwärmen, dann ging´s auch schon los – da wir keine größeren Ambitionen hatten, reihten wir uns ziemlich weit hinten im Feld ein.

Start um Punkt 10:00 Uhr. Die lange Schlange von Läufern ergoß sich erstmal langsam über den Festplatz auf die Rheinstrasse, wobei sich das Feld relativ schnell auseinanderzog und etwas mehr Platz da war.

Eigentlich hatten wir den Plan gehabt, den Lauf recht gemächlich zu absolvieren (in einem Tempo, das auch nach 20 km noch nicht anstrengend ist) und als Vorbereitung auf den vollen Marathon vor allem darauf zu achten, nicht zu schnell zu werden und die gewählte Geschwindigkeit (Zielzeit ca. 2:10 h, also zwischen 6:05 und 6:10 Minuten pro Kilometer) möglichst gleichmäßig zu halten.
Wurde natürlich nix!
Für km 1 brauchten wir 25 Sekunden weniger als vorgesehen, und da das völlig problemlos gelaufen war, war der Plan fortan makulatur, und wir liefen eben in diesem deutlich schnelleren Tempo weiter.

Die Strecke führte erstmal nach Worms hinein, die Rheinstrasse entlang bis zur Tankstelle an der Ludwigsstrasse, dann rechts durch die große Fischerweide bis zum Torbogen der Nibelungenschule, dort dann wieder links, vorbei an dem Kreisverkehr nördlich der Innestadt (der mit dem abstrakten Kunstwerk) durch die Siegfriedstrasse bis zum Hauptbahnhof.
Es folgte ein etwas verwinkelter Kurs, erst ein Stück entlang der Bahnstrecke nach Süden, dann mit diversen Kehren und Wendungen wieder in Richtung Innenstadt (hier war auch das meiste Publikum – keine jubelnden Massen, aber immerhin doch eine Menge Zuschauer, die ein bisschen anfeuerten), und schließlich kurz durch die Altstadt bis fast zum Dom . Weiter durch die Hagenstrasse zurück in Richtung Rhein, nach rechts wieder auf die Ludwigsstrasse. Nach ein paar Metern vor dem Sportgelände halblinks in den Friedrichsweg, vorbei am ersten Getränkestand und über die B9 zum Stadtpark.
Bis dahin ca. 5 km., keinerlei Probleme, und auch wenn wir deutlich schneller waren als geplant, war das Tempo zumindest ziemlich gleichmässig (zwischen 5:35 und 5:45 Minuten pro km) – also alles bestens.

Hier kam dann erst mal eine lange, bewaldete Gerade, vorbei am Wormser Tiergarten (der ziemlich nett ist, bloß das schreckliche, veraltete Paviangehege wollte mir bei meinem Besuch vor drei oder vier Jahren so gar nicht gefallen) in Richtung der Rheinauen südlich der Stadt.

Am Parkplatz „Dahlberger Busch“ ging es dann rechts bis zur B9, dann links parallel zu Bundesstrasse vorbei an den schönen, offenen Wiesen „Bürgerweide“ und „Schauerlache“.
Inzwischen war sogar die Sonne rausgekommen, dazu ein leichter Wind, ein ebener Untergrund, und sogar hier und da ein jubelndes Publikum, entsprechend lief es angenehm und zügig (um so mehr, weil wir langsam aber sicher immer mehr andere Läufer überholten – sowas spornt an…).
Weiter nach Süden, vorbei am charakteristischen Hügel eine renaturierten Müllhalde, dann durch die Wiesen „Mittlerer Busch“ und „Oberer Bursch“ bis an den Rhein. Irgendwo dort dann die 10-km-Marke passiert, Atmung ein klein wenig schwerer, aber insgesamt immer noch Stabil, und das obwohl sich unsere durchschnittlichen Kilometerzeiten sogar noch mal etwas verschnellert hatten (5:30 bis 5:40 min/km).

Von da aus ging es dann eeewig lang nach Norden, parallel zum Rhein, mit einer ordentlichen Brise Gegenwind (die aber immerhin gut abkühlte, denn in der immer noch scheinenden Sonne waren´s inzwischen sicher um die 20 Grad) – wieder durch den „mittleren Busch“, dann auf der anderen Seite vorbei an der „Schauerlache“ bis zum „Dalberger Busch“ und der 15-km-Marke. Hier machte sich (zumindest bei mir) das recht hohe Tempo erstmals etwas bemerkbar – Puls und Atmung etwas schneller, dazu etwas schwerere Beine und etwas langsamere Kilometerzeiten (im Schnitt wieder um 5:40 min/km) – noch kein Zustand echter Erschöpfung, aber zumindest die ersten Anzeichen, dass es nicht ewig so weitergehen konnte.
Allerdings war inzwischen absehbar, dass wir möglicherweise sogar ein Endzeit unter zwei Stunden erreichen konnten, und Ingo machte weiter unverdrossen Tempo, also liess ich mich erstmal weiter mitziehen, wenn auch immer ein paar Meter hintendran (ausserdem zahlte sich unser gleichmässiges Lauftempo so langsam aus, und wir konnten immer mehr unserer Mitläufer, die sich schon stärker verausgabt hatten, überholen).

Vom „Dalberger Busch“ halbrechts, vorbei an einem Tennisplatz parallel zum Altbach nach Norden, dabei große Mengen von später gestarteten 10-km-Gehern überholt, deren Strecke hier mit unserer konvergierte.
Vorbei am Yachthafen in ein Industriegebiet, und auf die letzten 4 km. Inzwischen hatte die Kraft doch schon merklich nachgelassen, aber immerhin war die Nibelungenbrücke und damit das Ziel in Sicht, das beflügelte immerhin noch mal ein bisschen, auch wenn dieser Motiviationsschub sich schnell als verfrüht herausstellte – denn vor dem Ziel erwartete uns noch ein viel zu langer Schlenker. Von der Route, die der Kopf bereits zur Zielgerade auserkoren hatte, links ab (und dann auch noch leicht bergauf), durch die Alemannenstrasse und die Vangionenstrasse bis man praktisch schon am Ziel war, dann eine Kehrtwende am letzten Getränkestand und dann wieder genau dieselbe Strecke zurück an den Ausgangspunkt – total fies, zumal sich das Stück wirklich ewig zog und überhaupt kein Ende nehmen wollte – urgh!

Inzwischen km 19 passiert – ein Blick auf die Uhr zeigte, dass wir bei einer weiteren Temposteigerung vielleicht weiterhin die Chance auf eine Zeit unter zwei Stunden hatten, was natürlich sehr verlockend war. Allerdings fühlte ich mich zu so einer Steigerung nicht mehr in der Lage, Ingo aber schon, entsprechend trennten wir uns in gegenseitigem Einvernehmen auf dem Rückweg durch die Alemannenstrasse – Ingo spurtete vor, ich lief mein Tempo weiter.
Zumindest kurz.
Nachdem Ingo ausser Sicht war, meldete sich dann auch meine Ambition noch mal zu Wort – schließlich waren´s ja inzwischen weniger als 2 km bis zum Ziel, und die Uhr zeigte noch fast 10 Minuten bis zur 2-Stunden-Marke an.
Also entschied ich mich kurzentschlossen doch noch für einen Endspurt und legte auch noch mal einen Gang zu – das abfallende Stück die Allemannenstrasse bis zum Rheinufer lief super, dann links hoch am Floßhafen vorbei, die rettende Nibelungenbrücke (geistig zum Symbol für das Ziel auserkoren) kam immer näher. Atem schwer, aber ich war schnell, und überholte eine ganze Menge Läufer, die offensichtlich so kurz vor dem Ziel schlapp machten.
Noch mal kurz bergauf vom Rhein weg, dann unter der Brücke durch, Atem keuchend, Beine taten weh, ein Blick auf die Uhr zeigt: Noch knapp zwei Minuten, ich kann es schaffen. Dann Ankunft auf dem Festplatz, kann kaum noch klar denken, alles tut weh, keine Zeit mehr für die Uhr, vor mir das blaue Aufblastor vor dem Festzelt, das muss das Ziel sein – NEIN, ist es nicht, also weiter, das rote Aufblastor neben dem Festzelt, muss… Ziel… sein… – NEIN!!!!!! ist es auch nicht, es geht immer weiter, wo ist das verdammte Ziel, inzwischen praktisch keine Luft mehr, Tunnelblick, mittelschwere Übelkeit, und das Ziel ist immer noch nicht da, noch mal ums Festzelt, und nochmal, einmal fast ganz rundrum, da! endlich die rote Zielmatte, mit letzter Kraft drüber – geschafft!!!!!!! Blick auf die Uhr – Ernüchterung: Die zwei-Stunden-Marke um weniger als eine Minute verfehlt (Im Gegensatz zu Ingo, der zwei Minuten vor mir durchs Ziel gekommen war) – schade!

War aber dann im Nachhinein nicht so schlimm, trotzdem für meine Verhätlnisse eine sehr ordentliche Zeit (2:00:53 h, Ingo hatte 1:58:41 h), und man hat mit dem Unterbieten der zwei Stunden sogar noch ein realistisches Ziel für die Zukunft. Nach ein bisschen Atem Schöpfen ging´s dann auch schnell wieder gut, trotz der großen Anstrengung am Ende keine größeren Probleme, auch das ist gut.

Fazit: Schöner lauf mit hohem Tempo, der sehr gut geklappt hat. Wetter war besser als erwartet, Leistung war besser als geplant, Atmosphäre entspannt und angenehm, Strecke schön und gut zu laufen.
Dazu die Lauferfahrung mal nicht einfach nur so einfach drauflos zu laufen sondern an einer größeren Veranstaltung teilzunehmen. Die Organisation war gut, lediglich die km-Schilder waren teilweise etwas unregelmässig aufgestellt, und bei den Getränkestanden bei km 15 und 20 hätte es auch gerne was anderes ausser Wasser geben können, ansonsten war alles bestens.

Vom Verlauf her ein fast perfekter Halbmarathon, der auch viel Spass gemacht hat.
Allerdings haben wir uns nicht an den Plan gehalten, das macht mir etwas Sorgen, denn ich muss – zumindest für meine Person – feststellen, dass ein solches Tempo über die doppelte Strecke momentan nicht schaffbar ist. Entsprechend müssen wir es immer noch auf die Reihe kriegen, diszipliniert deutlich langsamer zu laufen, auch wenn eigentlich noch Kraft da ist, um beim Marathon bestehen zu können – da müssen wir unbedingt noch dran Arbeiten, sonst wird das nix (immerhin hat das mit dem Konstanten Tempo ja recht gut geklappt, denn bis auf die letzten zwei km lagen wir wirklich immer zwischen 5:30 und 5:45 min/km).

Karte:

Die offizielle Streckenkarte gibt´s hier.

Interaktive Streckenkarte

M.

8 Antworten to “Halbmarathon: Nibelungenlauf 2007 (21,1 km)”


  1. […] so mein Tag. Immerhin: Damit bin ich nur noch einen Lauf davon entfernt, Worms zu erreichen den Nibelungenlauf an den Rest des Streckennetzes anzubinden – da freu´ ich mich schon […]


  2. […] endgültig die noch bestehende Lücke zwischen meinen bisherigen Läufen am Rheinufer und dem Nibelungenlauf in Worms schliessen. Konkret bedeutete das: Vom Wormser Festplatz aus über die Nibelungenbrücke, […]


  3. […] insgesamt ein Stück kürzer sein dürfte). Lediglich die beiden Läufe in Berlin und der Nibelungelauf sind nicht mit den anderen Strecken verbunden, und zumindest Worms werde ich in absehbarer Zukunft […]


  4. […] weiter östlich, auf der Brunhildenbrücke beim Hauptbahnhof, die seinerzeit Teil des Nibelungelaufs gewesen war, und entsprechend zu meinem Streckennetz […]


  5. […] es dieses Mal nicht ganz so viele – einerseits hatte ich nicht so viel Zeit, andererseits wäre der Nibelungenlauf 07 dran gewesen, und bei dem hat sich das Anfertigen einer genaueren Karte als ziemlich kompliziert […]


  6. […] für den Sport nur noch das hellblaue Muskelshirt, das ich letztes Jahr als Finisher des Nibelungenlaufs gekriegt hatte. Hatte ich seinerzeit extra in Größe M genommen, weil das so gut saß und die […]


  7. […] der kommt und kommt und kommt nicht. Hatte ich letztes Jahr sowohl beim Mainz-Marathon als auch dem Nibelungenlauf in Worms richtig mit zu kämpfen, und auch heute war´s nicht wirklich […]


  8. […] Brücke über die B9 (übrigens bekanntes Terrain, denn hier bin ich vor zweieinhalb Jahren beim Nibelungenlauf vorbeigekommen, damit ist das Streckennetz geschlossen), direkt dahinter dann rechts in den […]


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