Weiter südwärts: Laudenbach – Weinheim (21,6 km)

13. September 2007

Was soll ich sagen? Nachdem wir inzwischen südwärts bis nach Baden vorgedrungen sind, ist mein Entdeckergeist endgültig geweckt, also warum am Ende unseres letzten Laufs nach Süden aufhören? Schließlich gibt´s da noch eine ganze Menge unbekannter Bergstrasse, die ihrer Entdeckung harrt.
Wie zum Beispiel an der heutigen Strecke: Von Laudenbach (da wo wir beim letzten Mal wieder nach Norden abgedreht waren) durch die Berge bis Weinheim, dann am Fuß der Bergstrasse zurück.

Ausgangspunkt also Laudenbach, an nördlichsten Zipfel der Baden-Württembergischen Bergstrasse, genauer gesagt der Parkplatz an der Dorfkirche (unter blauem Himmel und vor einem Satz Weinberge sehr hübsch anzusehen).
Wetter: Perfekter Spätsommertag, Sonne, leichter Wind, warm aber nicht heiss, ideal für einen längeren Lauf.
Erst mal das übliche Warmdehnen, dann Start gegen 11:45 Uhr.

Da wir über den vordersten Höhenrücken der Bergstrasse laufen wollten, mussten wir erst mal nach oben.
Und das nicht zu knapp: Laudenbach liegt am Fuß der Berge auf der Rheinebene, also auf ca. 100 m.ü.NN., der Bergrücken dahinter bringt es teilweise auf über 350 m.ü.NN., das will erst mal erklettert sein.
Zuerst die Kirchstrasse in Richtung Ober-Laudenbach, ordentlich steil (immerhin wird man bei knapp 10% Steigung schnell warm…), bis zum oberen Ortsausgang.

Dort bogen scharf rechts auf eine Seitenstrasse, über einen kleinen Bach (der Laudenbach???) und weiter stetig bergauf in den Wald hinein, bis wir auf der vorderseite des Hügels auf die Wegmarkierung des weißen Dreiecks stiessen, dem wir weiter bergauf folgten.

Dieselbe Strecke waren wir beim letzten Mal vom Kreuzberg kommend bergab gelaufen, eine hübsche Route durch den Wald, hin und wieder etwas offener mit hübschen Ausblicken (besonders nett: Südwestwärts über den Sonnberg). Bergauf war sie aber irgendwie deutlich anstrengender…
Nach etwas über einem km Aufstieg erreichten wir schließlich schnaufend den Kreuzberg (bei der verlinkten Seite etwas runterscrollen, da steht dann ein bisschen was), der genauso aussah wie beim letzten Mal (Kreuzweg mit Passionsstationen mitten im Wald, Ruine einer kleinen Kapelle), aber nicht mehr ganz so überraschend auftauchte. Hier nach Osten abgebogen (immer noch weißes Dreieck) bis zur Abzweigung zur Juhöhe, die jedoch links liegen gelassen (im wahrsten Sinne des Wortes) und geradeaus den Berg wieder runter, von nun an auf dem Weitwanderweg Odenwald-Vogesen (roterBalken).
Nach ca. 150 m. wies ein Schild darauf hin, dass rechts im Wald das Naturdenkmal „Steinerner Gaul“ zu finden sei, also machten wir einen kurzen Abstecher (war wirklich kurz, ca. 20 m. den Hang hoch): Der steinerne Gaul (derselbe Link wie oben beim Kreuzberg, auch hier bitte wieder ein bisschen Runterscrollen) stellte sich als großer, länglicher Felsblock heraus, der mit etwas Phantasie in der Tat eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Pferderumpf hat, und offensichtlich seit dem frühen 9. Jahrhundert als Grenzmarker genutzt wurde – nice.

Weiter bergab, den Kreuzberg runter, bis wir schließlich ein schönes offenes Stück auf dem Bergsattel erreichten, von dem aus man einen schönen Blick auf das untere Weschnitztal und die Tromm im Osten und auf Mannheim im Westen hatte, dann vorbei an ein paar Feldern (ein leicht ungewohnter Anblick auf den meist bewaldeten Höhen der Bergstrasse) und durch einen kleinen Hohlweg bis zum anderen Ende des offenen Stücks, wo ein blockiger Aussichtsturm auf einer Wiese am Waldrand wartete: Der Waldner- oder Vierritter-Turm (bei den zur besseren Visualisierung verlinkten Bilder muß man sich noch strahlenden Sonnenschein vorstellen, um unser Erleben des Turms samt Umgebung nachzuvollziehen – ich verlasse mich hier ganz auf die Phantasie der geneigten Leserschaft ;-)).
Wo wir schon mal da waren, sahen wir uns natürlich gleich mal um. Auffällig vor allem die vier kopflosen Ritterstatuen an den Ecken des Turms, denen er wohl auch seinen Namen verdankt.
Der Turm war offen, und über eine Steile (und sehr niedrige – Kopf einziehen!) Treppe konnte man ins Obergeschoß, von wo aus der Blick allerdings auch nicht wirklich besser war als von unten (nichtsdestotrotz: Nett!). Unterhalb des Turms ein Naturschutzgebiet mit Streuobstwiesen und einem Aussiedlerhof, ebenfalls nett.

Nach der kurzen Sightseeing-Pause ging´s erst mal wieder etwas bergauf in den Wald, dann den Höhenweg entlang mit einem stetigen aber meist moderaten Auf und Ab weiter nach Süden, wobei sich hin und wieder ein schöner Blick nach links oder rechts öffnete, und wir -wieder mal unbemerkt – sogar kurz über heimatlich-hessischen Boden liefen, bevor wir wieder in die exotischen Tiefen des unbekannten Baden-Württemberg abtauchten.

Inzwischen waren wir ungefähr eine Stunde unterwegs, entsprechend eine kurze Verpflegungspause auf einer Lichtung/Hochwiese mit Aussicht auf die Rheinebene, dann wieder Wald, Wald, Wald (aber zumindest hübscher Wald).
Irgendwann tauchte zwischen den Bäumen vor uns unvermittelt ein gewaltiger Betonturm auf, der weder eine eindeutig ersichtliche Funktion, noch einen Eingang hatte – sehr mysteriös, und da´s gerade gut lief, Anlass zu wilden Spekulationen und Verschwörungstheorien unsererseits (die allerdings kurzlebig waren, denn ein paar hundert m. weiter klärte uns ein Spaziergänger mit Hund darüber auf, dass es der Entlüftungsturm des Saukopftunnels war).

Nach etwas über einem km dann ein extrem happiger Anstieg auf den Gipfel des Hirschkopfes über Weinheim, steil und mit rutschigem Untergrund, aber immerhin kurz und mit einem Biker, den man überholen konnte (merke: Ab einer bestimmten Steigung hat man als Läufer die Nase vorn), das war lustig.
Oben dann schon wieder ein Turm, in diesem Fall der Ausschichtsturm auf dem Hirschkopf. Auch der war offen und dazu auch noch deutlich höher als der Waldner-Turm, und auch wenn Ingo und David den Lauf eigentlich nicht unterbrechen wollten, mussten wir da hoch (sowas lass´ ich mir doch nicht entgehen, wer weiss, wann man da mal wieder hinkommt).
Oben eine toller Ausblick auf so ziemlich alles: Odenwald, Taunus, Rheingau, Rheinhessen, Ried, Pfälzerwald, direkt südlich von uns die bereits überraschend nahe Wachenburg – das war die Unterbrechung allemal wert!
Wieder unten angekommen folgte der Abstieg, ein schmaler, steiler Trampelpfad entlang einer halsbrecherischen Strecke für Mountainbiker ohne nennenswerten Selbsterhaltungstrieb, voller Rampen, Schanzen und ähnlicher Gebilde (hier bretterte dann auch der Biker, den wir Bergauf düpiert hatten, mit einem ungesund hohen Tempo an uns vorbei – brrr), die selbst joggend schon äußerst anstrengend und gelenk-beanspruchend war.

Nach einigen hundert Metern kniezerrreibenden Parforcelaufs bergab erreichten wir schließlich eine Hütte am Waldrand oberhalb von Weinheim, von wo aus eine asphaltierte Strasse (Vogesenstrasse, immer noch roter Balken) auf dem offenen Hang talwärts führte und dabei immer wieder großartige Blicke auf die unter uns liegende Stadt ermöglichte. Besonders beeindruckend war dabei vor allem der riesige Steinbruch unterhalb der Wachenburg (ehrlich gesagt habe ich das Gefühl, dass Google hier irrt und das nicht der fragliche Steinbruch ist, aber ein besseres Bild war wieder mal nicht aufzutreiben), dem praktisch der halbe Wachenberg zum Opfer gefallen zu sein scheint. Etwas weiter unten öffnete sich dann die Sicht auf den Talgrund und gab einen weiteren großartigen Anblick frei: Die Ruine einer riesigen alten, frühindustriellen Getreidemühle an der Weschnitz, ein massiv-wuchtiger Backsteinbau, halb zerfallen, überwuchert, architektonisch gefällig und irgendwie ein bisschen wildromantisch (wann kann man das schon mal über eine Industrieruine sagen?). Hatte was Morbides und zugleich Faszinierendes, auf jeden Fall äußerst beeindruckend (die einzigen Links, die ich dazu finden konnte, beschäftigen sich alle damit, dass das Teil in naher Zukunft in einen Edelpuff umgewandelt werden soll, aber immerhin kriegt man hier zumindest mal einen ungefähren Eindruck).

Oberhalb der Mühle verliessen wir die Vogesenstrasse und liefen auf einem schmalen Pfad am Hang ins Weschnitztal hinab. Über eine Bahnlinie, dann den Flusslauf unterhalb der Mühle talabwärts, um auch noch mal die Weinheimer Innenstadt zu erkunden. An der ersten Weschnitzbrücke vorbei an einer neoromanischen Kirche (Ingo: Wir hatten beide Recht – die Kirche ist romanisch, aber von 1910, entsprechend neoromanisch) entlang der nach Süden durch die Hauptstrasse bis in die Fußgängerzone samt Altstadt. Auch hier wieder mal: Sehr hübsch, schöne Atmosphäre. Alte Häuser, Strassenrestaurants, viel los, freundlich. Am äußerst ansehnlichen Marktplatz bogen wir rechts ab, liefen bis zum Schloss Berckheim, dort durch den Schlosshof, und machten uns dann, einer etwas verwinkelten Route durch die Altstadtgäßchen folgend, endgültig auf den Rückweg in Richtung Norden.

Bis zum Weschnitztal liefen wir dieselbe Route wie auf dem Hinweg, dann ging es dem Burgenweg (Markierung wie immer das blaue B) folgend durch die weitläufigen Wohngebiete im Norden der Stadt, erst durch diverse Strassen mit Namen aus der Nibelungensage, dann durch ein Neubaugebiet wo die Strassen römische Namen hatten (Aufgemerkt: In Weinheim vergibt man Strassennamen gerne en bloc nach bestimmten Themenkomplexen). Dabei eine zweite kurze Pause (inzwischen schon über zwei Stunden gelaufen, das meiste davon über anspruchsvolles Terrain bei inzwischen recht hohen Temperaturen, entsprechend erste Ermüdungserscheinungen) um was zu Trinken und einen Müsliriegel zu vertilgen, dann Weineheim auf einem kleinen Trampelpfad verlassen.

Jetzt wurde es noch mal etwas abenteuerlich, denn der Burgenweg wand sich am Hang hoch und runter, vorbei an Schrebergärten und kleinen Weinbergen, und war dabei alles andere als breit oder gut in Schuss (abschüssig, schlammig, brennesselig…). Nach ein paar hundert Metern oberhalb des Eingangs zum Saukopftunnel vorbei, dann ein tiefes, bewaldetes Tal runter und gleich wieder steil hoch – puh!
Danach ging´s dann aber erstmal tendenziell bergab, Wechsel auf den Blütenweg (gelbes B), durch das Örtchen Sulzbach (Frankenstr., Gartenstr.), dann weiter bis Hemsbach, dort dann endgültig runter in die Ebene und die B3 entlang immer weiter nach Norden, wobei es doch langsam etwas zäh wurde.
Schließlich (endlich – die Beine waren doch schon recht schwer) Laudenbach, noch ein paar hundert Meter durchs Dorf, wieder zum Parkplatz an der Kirche. Geschafft!

Fazit: Schöne Strecke (vor allem der Teil durch die Berge, untenrum war weniger spektakulär, was aber auch an der beginnenden Erschöpfung gelegen haben kann) mit vielen Highlights, dazu schönes Wetter, toller Lauf, zwar etwas anstrengend aber sehr interessant und Weinheim ist auf jeden Fall noch mal einen besuch Wert – hat viel Spass gemacht, und lässt Einiges für die nächste Etappe nach Süden erwarten!

Strecke: 21,6 km.
Laufzeit: 2,35 h – nicht schnell, aber angesichts der vielen Sightseeing-Pausen und des schweren Geländes völlig ok.
Karten:
– Nordteil

– Südteil

– Gesamtstrecke:

Interaktive Streckenkarte

M.

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4 Antworten to “Weiter südwärts: Laudenbach – Weinheim (21,6 km)”


  1. […] Weiter südwärts: Laudenbach – Weinheim […]


  2. […] Alte Läufe mit neuen und besseren Karten versehen habe ich diese Woche natürlich auch wieder, allerdings sind es dieses Mal nicht ganz so viele – einerseits hatte ich nicht so viel Zeit, andererseits wäre der Nibelungenlauf 07 dran gewesen, und bei dem hat sich das Anfertigen einer genaueren Karte als ziemlich kompliziert herausgestellt – die Strecke ist so verwinkelt und seltsam geformt, dass ich da selbst nach einiger Arbeit noch kein endgültig zufriedenstellendes Ergebnis hinbekommen habe (besonders auch, weil die offizielle Strecke bei mir fast 900 Meter kürzer ist als die 21,1 km, die sie eigentlich haben müsste – das irritiert mich dann doch etwas). Entsprechend bin ich da noch dran, wird aber auf jeden Fall nachgereicht. Geschafft habe ich immerhin die folgenden Einträge: – Darmstadt – Jugenheim am 7.9.07 – Jägersburger Wald Nord am 11.9.07 und – Badische Bergstrasse: Laudenbach – Weinheim und zurück vom 13.9.07 […]


  3. […] war ich erst ein einziges Mal hier oben gewesen, vor fast zwei Jahren als ich mit Ingo und David etappenweise die gesamte Bergstrasse runtergelaufen war. Damals waren […]


  4. […] Hier war ich schon mal. Vor langer, laaaaanger Zeit, beim Marathontraining mit David und Ingo in den grauen Vorzeiten des Sommers ´07, als der Laufblog …. […]


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