Sololauf durchs Ried: Eschollbrücken – Crumstadt und zurück (13,1 km)

18. September 2007

Ingo und David sind die Woche über in Berlin, also wieder mal eine Solotour. Auf Steigung hatte ich nicht so recht Lust (zudem war da so ein leichtes Ziepen in meinerer linken Wade vom langen Lauf am Sonntag), also entschied ich mich spontan für eine Strecke im Ried, genauer gesagt das Gebiet hinter Eschollbrücken, um vielleicht die Lücke zwischen unserem Lauf um Pfungstadt und unserer Kühkopftour zu schliessen oder zumindest zu verkleinern.

Also nachmittags erst mal nach Eschollbrücken gefahren, dabei stark am Wetter gezweifelt, das alles andere als vielversprechend war: 10 Grad, trüb, regnerisch, Wind – nicht unbedingt ideal zum Laufen, aber was willste machen?

Startpunkt: Parkplatz am Waldrand hinter dem Eschollbrücker Friedhof. Kurz gedehnt (zugegeben etwas zu kurz und zudem auch noch etwas zu schludrig, aber angesichts des Wetters und des entschiedenen Mangels an Mitläufern war meine Motiviationslage nun mal leicht subobtimal…), dann los, erstmal nach Osten in den Wald. Die Eschollbrücker Schneise entlang bis zu einer Wegkreuzung, dort halblinks nach Norden, auf den Damm des Rückhaltebeckens an der Autobahn.
Weiter auf dem Dammweg, erst links, dann scharf rechts hoch zum Sandbach (da ist dann auch der Wald zuende). Runter vom Damm nach Westen, dem Bachlauf folgend Landstrasse nach Griesheim, dort an der Brücke sowohl die Strasse als auch das Gewässer überquert und auf der anderen Bachseite weiter nach Westen (Fahrradweg 22).

Zu dem Zeitpunkt lief es noch ziemlich zäh, meine Wade zwickte weiterhin, und zum leichten Regen gesellte sich ein naßkalter stetiger Gegenwind, dazu war der Weg offensichtlich gerade frisch gekiest und hatte deswegen einen sehr weichen, etwas zu tiefen Untergrund, der das Laufen etwas erschwerte. Immerhin war die Landschaft hübscher, als ich es vom Ried erwartet hätte: Linkerhand ein weitgehend unberührter Streifen wildwuchender Natur Natur bis zum Sandbach, rechts offene Felder, die jedoch durch Baumreihen und Wäldchen eingefasst sind, und hinter denen hin und wieder sogar der Taunus sichtbar war – auf jeden Fall ansehnlicher als die trostlosen Felder hinter Bickenbach…

 Nach ca. 2 km machte der Weg einen leichten Bogen und gabelte sich dann in einem kleinen (ebenfalls überraschend hübschen) Wäldchen – ich lief halbrechts, etwas vom Ufer des Sandbachs weg weiter den Fahrradweg 22, wieder auf die offenen Felder. Hier dann das, was ich beim Laufen im Ried am wenigsten mag:
Eine unendlich lange Gerade durchs Nichts – man kann ewig voraus und zurück sehen, und hat dadurch das Gefühl, kaum voranzukommen. Visuelle Abwechslung gibt´s kaum (in diesem Fall war das spannendste die Ortschaft Goddelau, Geburtsort von Georg Büchner, weit vorne rechts, und so berauschend war der Anblick nicht…), also läuft und läuft und läuft man einfach so vor sich hin.
Immerhin hatte sich inzwischen das Wetter verbessert, der Wind war abgeflaut, der Regen aufgehört, und unter den dunklen Wolkentürmen war die schon recht schräg stehende Sonne aufgetaucht, und färbte die Landschaft in einem unwirklichen Licht, das war dann wieder sehr hübsch. Außerdem hatte sich mein Wade ans Laufen gewöhnt und gab nunmehr Ruhe, und was der Strecke an visuellen Reizen fehlte, machte sie an olfaktorischen Erlebnissen wieder wett: Erst ging´s nämlich an einem Feld vorbei, das extrem nach Fenchel roch (ich würde mal sagen: Wahrscheinlich ein Fenchelfeld), dahinter dann an einem Acker, auf dem offensichtlich vor kurzem Dung gefahren worden war, was zu einer interessanten, wenn auch nicht unbedingt angenehmen Geruchsmelange führte.

Irgendwann, nach ungefähr zweieinhalb gefühlten Ewigkeiten im geruchsintensiven und seltsam beleuchteten Niemandsland kamen dann ein paar Gehöfte links und rechts des Weges in Sicht, ein Stück später dann auch eine Häusergruppe mit viel Wald südlich von Goddelau, in der ich das Philippshospital vermutete.
Wie sich herausstellte, war das nicht ganz Falsch, allerdings war das Hospital nicht nur Teil der Häusergruppe, sondern tatsächlich die ganze Siedlung, und damit deutlich größer, als ich erwartet hätte – praktisch ein ganzes psychatrisches Dorf wer hätte das gedacht?
Dieses Dorf durchquerte ich dann der Länge nach, nachdem ich an der Strasse zwischen Crumstadt und Goddelau nach Süden abgebogen war, vorbei an uniformen Wohnhäusern und ansatzweise parkähnlichen Grünanlagen.
Am Ende des Hospitals dann wieder über den Sandbach nach Crumstadt, einem unspektakulären typischen Riedörtchen, dass aber immerhin gut joggbare Fußwege neben der Hauptstrasse hat.
Entlang der Geschäftsstrasse durch den Ortskern bis zum ansehnlichen Rathaus und der ziemlich großen Kirche, dann links die Strasse ostwärts, zurück in Richtung Eschollbrücken.

Als ich Crumstadt verließ stand die Sonne direkt schräg hinter mir, vorne in Richtung Bergstrasse türmten sich die Regenwolken, allein das war schon ein beeindruckender Anblick. Noch beeindruckender war allerdings der daraus resultierende Regenbogen: Riesengroß, unglaublich klar (ich glaube, ich habe noch nie einen so farbintensiven Regenbogen gesehen), und von einem Ende zum anderen vollständig sichtbar – und ich lief genau darauf zu, wahnsinn!
Nach kurzer Zeit tauchte dann sogar noch ein zweiter, etwas weniger kräftigen Regenbogen parallel zu ersten auf, so dass man den Eindruck hatte, auf einen gewaltigen, leuchtenden Triumphbogen zuzulaufen, das beflügelte ungemein.

Der Regenbogen war praktisch die gesamten drei verbleibenden km bis Eschollbrücken sichtbar, und versüsste mir – zusammen mit dem Anblick der wolkenverhangenen und direkt angeleuchteten Bergstrasse – den ansonsten unspektakulären Rückweg entlang der Landstrasse.
Irgendwann dann wieder Eschollbrücken, geradaus die Strasse entlang durchs Dorf, über die Hauptstrasse und weiter bis zum Friedhof, fertig.

Im Nachhinein eine unerwartet gute Tour in unbekanntem Gelände, Höhepunkte waren das spektakuläre Zusammenspiel aus Licht und Wetter über den Feldern, sowie die Entdeckung des riesigen Philippshospitals. Auch lauftechnisch lief es nach den anfänglichen Schwierigkeiten ziemlich gut, entsprechend war auch das Tempo in Ordnung: 82 Minuten auf 13,1 km, also knapp unter 6:30 Minuten/km.
Ansonsten keine größeren Probleme, alles im grünen Bereich.

Karte:

Interaktive Streckenkarte

M.

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3 Antworten to “Sololauf durchs Ried: Eschollbrücken – Crumstadt und zurück (13,1 km)”


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  2. […] Sololauf durchs Ried: Eschollbrücken – Crumstadt und zurück […]


  3. […] Wind, frisch aber nicht kalt). Startpunkt: Parkplatz am Eschollbrücker Friedhof (hier war ich ja schon mal gestartet). Zuerst mal in lockerem Tempo südwärts, den Weg zwischen Wald und dem Ortsrand entlang […]


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