Bickenbach – Allmendfeld – Gernsheim (13,5 km)

30. September 2007

Hey, heute ging´s doch tatsächlich schon wieder etwas besser mit meinem Bein – meine hochprofessionellen Methoden der Selbstbehandlung (wenig Belasten, ein warmer Körnersack, und ein paar Placebo-Magnesiumtabletten) hatten offensichtlich geholfen.
Yay!
So ganz perfekt ist es zwar noch nicht wieder, aber das wird…

Nach der (gezwungenermassen) laschen letzten Woche hatte ich heute richtig, richtig Lust, mal wieder etwas zu laufen. Zumal wirklich großartiges Wetter war (Sonne, blauer Himmer, warm), sowas kann man ja nicht einfach ungenutzt verstreichen lassen, oder?
Kurzes Hadern mit mir selbst – laufen oder nicht – (Contra: Bein noch nicht ganz in Ordnung. Pro: Ich will aber. Und muss eigentlich auch mal wieder. Und es ist doch so schönes Wetter), dann war klar: Heute wird gelaufen, und zwar weiter als poplige 6 km!
Um´s nicht zu übertreiben, entschied ich mich für einen flachen Lauf von moderater Länge: Von Bickenbach aus durchs Niemandsland zwischen den Autobahnen bis an den Rhein in Gernsheim.

Start gegen 16:10 am Bahnhof in Bickenbach. Wetter traumhaft, Bein nicht so.
Gleich durch die Unterführung unter den Bahngleisen durch, ins Bickenbacher Industriegebiet, bis zur neuen Umgehungsstrasse (Bertha-Benz-Strasse), die übrigens auf dem augenscheinlich etwas veralteten Bildmaterial von Google-Earth noch nicht mal zu sehen ist.
Hier rechts nach Norden, in Richtung der Autobahnauffahrt, ein paar hundert Meter durch die Äcker, dann links durch die dunkle, schmucklose Unterführung am Erlensee unter der A5 durch.

Weiter in westlicher Richtung auf dem stark bevölkerten Feldweg (Sonntagmittag bei Sonnenschein, da ist was los), in ein dichtes, wild wucherndes Gehölz (das ist wohl inzwischen eine Naturschutzgebiet), und auf einem schmalen Pfad das Südufer des Erlensees entlang. Ein sehr angenehmes Stück, weicher Untergrund, hin und wieder mal die klare, spiegelnde Oberfläche des Gewässers rechterhand (hatte ein bisschen was von Masurische Seenplatte), dazu schon leicht schräges Sonnenlicht durch die Bäume, sehr nett.
Am westlichen Ende des Sees vorbei am Kiosk (auch hier viel Betrieb), über den Parkplatz auf den asphaltierten Weg (Fahrradweg 28), dort dann rechts, weiter nach Westen.

Eigentlich hatte ich ja erwartet, dass die folgende lange Gerade bis zur A67 (knapp 3 km) ein furchtbar ödes Stück durch langweilige Stoppeläcker sein würde. Tatsächlich stellte sie sich jedoch als durchaus interessant und angehnehm heraus: Links vom Weg fliesst hier der Landbach, dessen Lauf in den letzten Jahren offensichtlich renaturiert wurde, wodurch ein Marschland entstanden ist, das dem Urzustand des Rieds wahrscheinlich relativ nahekommt, und das neben viel Wassergeflügel auch mit einem Graureiher und einer vielzahl romantisch-lästiger Altweibersommerspinnwebfäden aufwarten konnte (lästig deshalb, weil ich ein paar davon verschluckt habe…).
Gar nicht so schlecht.
Rechts dagegen die erwarteten Felder, aber immerhin hin und wieder von Weiden, Baumgruppen und Aussiedlerhöfen durchbrochen. Dazu war selbst hier draussen überraschend viel los (neben den obligatorischen Radfahrern u.a. Modellflugzeugbauer beim Fliegen Lassen ihrer Geräte, sowie ein unglaublich alter Mann, der auf einem unglaublich langsamen Elektrorollstuhl durchs Nichts fuhr), dazu die angenehme Herbstsonne, langweilig war´s nicht.

Schließlich erreichte ich den letzten Aussiedlerhof an der Autobahn (laut Wanderkarte der „Neuhof“) und die nebendran liegende Brücke (ziemlich alt, wirkte ein bisschen wie ein natürlicher, bewachsener Hügel, durch den zufällig die Autobahn läuft, das hat mir gefallen), auf der ich die A67 überqerte, während langsam noch mehr Felder und die Industrieanlagen am Gernsheimer Rheinufer in Sicht kamen.

Wie immer, weiter westwärts, immer noch Fahrradweg 28, die Brücke runter und zum südlichsten Zipfel des Örtchens Allmendfeld, das ich – soweit ich mir erinnern kann – noch nie zuvor betreten hatte (und das, obwohl´s gerade mal ein paar km von zu hause weg ist). Da mein Bein noch gut mitmachte, beschloss ich deshalb spontan, das zu ändern, und einen kleinen Abstecher durch das Dorf zu machen, anstatt wie geplant geradaus weiter zu laufen – deshalb rechts hoch, in die Hauptstrasse.

Allmendfeld ist unglaublich weitläufig. Da es gerade mal 70 Jahre alt ist, fehlt der für die meisten Rieddörfer typische klaustrophobische alte Ortskern, in dem Bauernhof an Bauernhof gequetscht ist. Stattdessen besteht der Ort aus wenigen, langen Strassen, die in rechten Winkeln zueinander angeordnet sind (ich habe mal irgendwo gehört, dass es bei seine Gründung 1937 den Grundriß eines Hakenkreuzes hatte – keine Ahnung, ob das stimmt, wenn ja, hat man das in der Zwischenzeit glücklicherweise behoben). Am Strassenrand stehen in großzügigen Abständen Höfe und Wohnhäuser, meist mit großen, gut gepflegten Gärten voller alter Obst- und Nußbäume und Kastanien. Das Ganze hat so ein bisschen was von „grüner Oase in der Puszta“, auf jeden Fall recht idyllisch und auf seine Art sehr hübsch.
Wenn auch recht langwierig zu erlaufen: So lging es ich erst mal knapp einen km nach Norden bis zum etwas dichter bebauten Ortskern erreicht, hier links durch die Raiffeisenstrasse vorbei an Bürgerhaus, großem Platz, altem Rathaus, alter Genossenschaftsbank und Kirche, dann gleich noch mal links und durch die Waldstrasse wieder fast einen km zurück auf den Fahrradweg 28, wo ich meinen ursprünglichen Weg in Richtung Gernsheim fortsetzte.

Dabei ein Zufallsbegegnung mit meiner Tante und meinem Onkel, die gerade auf einer Radtour vorbeikamen, beim Laufen etwas mit ihnen geplaudert und darüber mal fünf Minuten nicht auf meinen linken Oberschenkel geachtet, was sich als durchaus positiv erwies: Durch die Ablenkung kam ich – nach immerhin fast 10 km – endlich mal so richtig in meinen natürlichen Laufrhytmus (vorher hatte ich wieder gezielt versucht, mein linkes Bein zu schonen, was zu einen eher ungleichmäßigen Rhytmus zur Folge hatte), entsprechend lief es dann gleich noch mal etwas besser (ohne dass es meinem Bein viel ausgemacht hätte).
Bestens!

Inzwischen war Gernsheim schon ziemlich nahe, und nach einem kurzen Knick nach Süden erreicht ich schließlich die große Kreuzung vor dem Ortseingang. Da ich ja noch bis zum Rhein weiterwollte, lief geradaus weiter, den Fußweg an der Heidelberger Strasse entlang, dann durch die baumgesäumte Alsbacher Str., und schließlich vorbei an diversen Supermärkten durch die Bensheimer Str. bis zum Bahnhof.
Hier durch die Unterführung (kurz Luft angehalten, um so wenig von dem unterführungstypischen Miasma aus Bier und Urin einzuatmen), auf der anderen Seite die Treppe hoch (weiterhin Farradweg 28), und halblinks in die Zwingenberger Strasse.
An der Ecke Riedstrasse spontan nach links bis zum Stadthaus (da war ich noch nie, und es sah von weitem ganz hübsch aus [war es auch]), dann in der kleinen Fußgängerzone wieder rechts in Richtung Rhein.
Durch die leicht geschwungene Magdalenenstrasse weiter, vorbei am Schöfferdenkmal (Das Gernsheims berühmtesten Sohn, den Gutenberg-Gehilfen und Buchdruckpionier Peter Schöffer darstellt) und dem Schöfferhaus (mit Museum), über Wormser Strasse, und schließlich die schöne, alleeartige Rheinstrasse entlang bis zum gut besuchten Rheinufer am Gernsheimer Hafen und der Fähranlegestelle.
Noch kurz bis an den Fluss runter (der wunderschön im trägen frühabendlicht glitzerte), etwas mit Original-Rheinwasser erfrischt, und fertig!

Das Bein war noch dran, und der Lauf hat riesig Spass gemacht. Angenehme Strecke, noch hübscher als erwartet. Super!!

Strecke: 13,5 km
Laufzeit: 1:27 h Minuten (ca. 9,3 km/h bzw. ca. 6,26 min/km)
Karten:
– Teil 1: Bickenbach bis zu A67

– Teil 2: A67 bis Gernsheim

– Gesamtstrecke

Interaktive Streckenkarte

M.

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6 Antworten to “Bickenbach – Allmendfeld – Gernsheim (13,5 km)”


  1. […] Bickenbach – Allmendfeld – Gernsheim (13,5 km) […]


  2. […] Bickenbach – Allmendfeld – Gernsheim (13,5 km) […]


  3. […] wieder mal am Bickenbacher Bahnhof. Durch die Unterführung auf die andere Seite der Gleise, geradeaus bis zur […]


  4. […] gemusst, um den Ort in nördlicher Richtung wieder zu verlassen, aber da ich eine Verbindung zur letzten Strecke durch Allmendfeld herstellen wollte, lief ich stattdessen erstmal geradeaus auf der Rathausstrasse weiter, um kurz […]


  5. […] unserer Region erlaufen zu haben, und das alles in einem großen, ungebrochenen Streckennetz – Rhein, Neckar, und heute eben den […]


  6. […] Ich bin noch nie von Zuhause an den Rhein gelaufen. Vor knapp zwei Jahren hab´ ich die Tour mal BEINAHE von Zuhause aus gemacht, aber ganz am Stück, Haustür bis Rheinufer – noch nie! Keine Ahnung warum, aber da musste […]


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