Gernsheim – Kühkopf am Rheinufer (16,4 km)

6. Oktober 2007

Ein Blick auf die bisher hier gebloggten Läufe ins nördlich-zentrale Ried zeigt, dass sie praktisch zwei „Arme“ bilden (einen auf der Achse Pfungstadt-Kühkopf, einen auf der Achse Alsbach/Bickenbach-Gernsheim), die unabhängig voneinander westwärts führen, und zwischen denen jenseits der Bergstrasse eine große Lücke klafft:

Ja wie sieht denn das aus?
Zeit, daran was zu ändern!
Deshalb heute im Programm: Die Schließung der Lücke, oder auch: Von Gernsheim rheinabwärts bis auf den Kühkopf, immer am Ufer entlang.
Los geht´s!

Startpunkt wieder mal bei der Fähranlegestelle am Gernsheimer Hafen, bekannt und beliebt aus Läufen wie Lauf am Rhein: Gernsheim – Klein-Rohrheim – Gross-Rohrheim und Bickenbach – Allmendfeld – Gernsheim .
Wunderschöner Samstagvormittag: Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel, durchbrochen von ein paar Schäfchenwolken, eine frische, angenehme Brise – kurzum: Perfektes Laufwetter.

Start gegen 11:30 Uhr. Den baumbewachsenen Boulevard-de-Bar-sur-Aube entlang nach Osten, vorbei am Hafenbecken 1, der Einfahrt zum Industriehafen, und dem alten Aalkutter, der hier als so eine Art Standbild aufgestellt ist, dann links durch den kleinen Europagarten und die Hafenstrasse auf die Mainzer Str. (die zugleich der Rhein-Neckar-Weg ist, Markierung rotes R).
Hier ein ganzes Stück die Strasse entlang nach Norden, durch die gernsheimer Hafen- und Industrieanlage. Links meist ummauertes Gelände mit diversen Kränen, Containern, ziemlich vielen Kieshaufen (scheint so, als wäre das eines der Hauptgüter, die hier verschifft werden), und vielen seltsamen siloartigen Trichter-Konstruktion (zum Verladen von Kies auf Lastwagen?), dahinter immer mal wieder der Rhein, breit und dunkelblau. Rechts die vielbefahrene Strasse, dahinter wuchtige Industrieanlagen.
Bei schlechtem Wetter wäre das sicher kein besonders schönes Stück gewesen, aber in der milden Herbstsonne wirkte es durchaus interessant, mit einem eigenen, postindustriell-sperrigen Charme.

Nach knapp 2 km hatte ich aber dann doch genug vom Abgase Schlucken direkt an der Strasse, deswegen bog ich auf Höhe des Merck-Werkes links auf einen großen Parkplatz ein, von dem aus ein Pfad direkt ans Flußufer führte (roch etwas seltsam – ob das wohl was mit der Chemiefabrik nebenan zu tun hatte?).
Hier weiter, nordwärts, ein ziemlich unspektakuläres Stück Weg, das wohl kaum benutzt wird: Schmal und überwuchert, mit viel ein unkrautigem, niedrigen Bewuchs und nicht so richtig gut in Schuss. Rechts die steile Uferböschung, die zu hoch ist, um darüberzuschauen, links der Rhein und der rheinhessische Uferstreifen mit ein bisschen Landschaft (flach, kiesstrände, dahinter hohe gerade Bäume [Pappeln??]). Markiert ist der Weg nicht, allerdings ist das auch nicht wirklich nötig – der 200 m breite Fluß, der zufällig direkt daneben fliesst, ist ein recht zuverlässiges Orientierungsmerkmal.

Auf diesem Weg westwärts, der Rheinschleife folgend, vorbei an Biebesheim (von dem man praktisch nichts sehen konnte), bis der Pfad sich nach ca. 1,5 km mit einem breiteren, asphaltierten Weg vereinigte – ich war wieder zurück auf dem Rhein-Neckarweg (Markierung rotes R).
Auch hier wenig Neues, immer weiter den Rhein entlang. Immerhin war die Landschaft deutlich hübscher geworden, der spärlich-unkrautige Uferbewuchs war saftigen Auwiesen mit schönen, hohen Bäumen gewichen, auf dem anderen Rheinufer zog eine kleine Häusergruppe vorbei (wohl die Siedlung am Eicher See), und rechterhand schimmerten immer mal wieder ein paar Teiche durchs Gestrüpp, die jedoch allesamt mit Schildern zugepflastert waren, die darauf hinwiesen, dass es Pachtgewässer seien, und sich Unbefugte überhaupt ja auf gar keinen Fall auch nur ansatzweise nähern dürfen (hat so ein bisschen was von Goldgräberstimmung: Jeder miefig-piefig Provinzangelverein in der Gegend steckt sich seinen eigenen Claim ab, der daraufhin mittels der großzügigen Verwendung privater Verbotsschielder verzweifelt gegen das Eindringen Fremder gesichert wird. Der Territorialinstinkt des deutschen Spiessbürgers in Reinkultur…).

Bei Rheinkilometer 466 wurden die Teiche kurz durch einen großen Campingplatz voller Dauercamper ersetzt, die sich hier augenscheinlich häußlich niedergelassen haben, mit allem was so zu einer guten Camper-Idylle dazugehört: Adretten Zäunchen, kleine Vorgärtchen vor den Wohnwagen, aufgezogene Fahnen (Schwarz-Rot-Gold, Star-Spangled-Banner oder auch die Südstaatenflagge, je nach Gusto des Fahnenmastbesitzers), und selbstgemachten Strassenschildern für die Wege zwischen den Wohnwagen, damit auch ja alles seine Ordnung hat.
Ok. Wer´s mag.

Für mich ging es auf jeden Fall weiter den Rhein entlang, der sich inzwischen wieder mehr nordwärts orientierte, vorbei an einem arg großen Containerschiff namens Acropolis, das sich langsam flußaufwärts schob.
Ansonsten wenig Neues: Landschaft weiterhin ein hübscher Mix aus Auwiese und hohen, alten Pappeln, aber sonst wenig Erwähnenswertes.

Na ja, zumindest nicht extern.

Intern sah´s allerdings etwas anders aus: Seit ein paar Tagen hatte ich ja wieder extra Magnesium geschluckt, in der Hoffnung, damit mein angeschlagenes Bein zu stärken.
Tja, war wohl etwas zuviel Magnesium, das meldete sich nun, und wollte raus.
Dazu heute morgen ein großer Becher Kaffee, ein ebenso großer Becher Tee, und jetzt das rhytmische Innereiendurchschütteln vom Joggen, das war dann einfach zu viel, und begann nun, so ca., bei Rheinkilometer 467, sich bemerkbar zu machen: Verdauungsprobleme beim Laufen (oder auch: Durchfall auf der Piste. Yayy!) – zyklisches Bauchreissen, dazu ein insgesamt sehr ungutes Gefühl, plötzlich wurde der bisher so entspannte Lauf ziemlich unangenehm.
Meine rebellierende Darmflora einfach am Wegesrand abladen war keine Option (sowas mache ich als verweichlichtes Kind der Zivilisation nicht, ich brauch´ da schon eine saubere, bequeme Porzellanschüssel. Ausserdem hatte ich kein Klopapier dabei, und bevor ich mir einen Ausschlag am Hintern hole, weil ich die falschen Blätter zum abwi… ach, ist ja auch egal), also musste ich wohl oder übel weiter.
Allerdings mit deutlich weniger Spass an der Sache.

Bei Rheinkilometer 468 erreichte ich das Ende des Rheinuferweges am Parkplatz Steinwegsee. Hier ging´s erst kurz rechts ins Landesinnere, dann hinter dem ersten Deich links auf einen kleinen Feldweg (Markierung gelbe 2), der bald darauf etwas abknickte und als kaum noch sichtbarer Trampelpfad ca. 1,5 km über schöne Streuobstwiesen führte (die waren übrigens auch verpachtet und entsprechend beschildert. Kernaussage: „Finger Weg von unserem Streuobst, du Penner“).
Schließlich verlor sich der Pfad gänzlich im Gras, aber über die Wiese gelangte ich problemlos zu einer Keuzung auf dem Deich, an der eine Infotafel stand, die verkündete, dass ich nun den Anfang des Naturschutzgebietes Kühkopf-Knoblochsaue erreicht hatte.
Was gut war, denn genau hier wollte ich ja hin. Weiter nach links in Richtung Althrein, auf dem „Fasanenweg“ (Markierung F, ausserdem weiterhin gelbe 2). Hier sah´s nun wirklich schon sehr nach Naturschutzgebiet aus, die Auwiesen waren ziemlich naturbelassen, der Bewuchs noch dichter, die Bäume noch höher, und der Weg ziemlich uneben. Nach ein paar hundert Metern wurde er sogar unvermittelt vollkommen von einer riesigen Pfütze versperrt, die eigentlich fast schon ein kleiner Teich war (komplett mit darin lebenden Fröschen) – hier musste ich kurz durch die Brennesseln am Wegesrand (der dadurch entstandene Schmerz lenkte mich immerhin kurz von meinen weiterhin akuten Verdauungsproblemen ab), dann konnte ich weiter.
Die nächsten km boten viel Natur, die Auwiesen wichen langsam dichten Auwäldern, dazu viele Vögel, allerdings konnte ich nicht so richtig drauf achten, weil ich vor allem damit beschäftigt war, das rumorende Inferno in meinem Unterleib (klingt nach einem schlechten Liebesroman, oder?) unter Kontrolle zu halten, was den größten Teil meiner Willenskraft forderte.

Irgendwann erreichte ich dann endlich die stockstädter Brücke auf den Kühkopf. Rüber, gleich links durch das idyllische Hofgut Guntershausen („Muss. Durchhalten. Nur. Noch. Ein. Kilometer.) mit seinen hübschen alten Häusern, dann auf die lange gerade im Herzen des Kühkopfs (interessant: Da gibt´s einen Apfellehrpfad, ebenfalls sehr hübsch, aber ich hatte keine Zeit für sowas), an der Kreuzung halbrechts bis zum Waldrand, über den letzten Damm, bis zum Forsthaus Kühkopf (auch schön gelegen auf einer Lichtung mitten im Wald), wo die rettende Toilette auf mich wartete.
Aaaah. Geschafft!

Fazit: Die Strecke an sich ist eigentlich recht hübsch, vor allem wenn man erstmal die Industrieanlangen bei Gernsheim hinter sich gelassen hat. Gerade bei Sonnenschein und blauem Himmel macht es schon Spass, am Rhein entlang zu joggen. Insgesamt viel Natur, wenig spektakuläre Sehenswürdigkeiten.
Die Wege sind teilweise nicht ganz ideal zum Laufen weil geschottert oder in nicht ganz so gutem Zustand, aber nichts, was sich nicht bewältigen liesse.

Eigentlich ein lockerer, angenehmer Lauf, dessen zweite Hälfte jedoch im wahrsten Sinne des Wortes ziemlich verkniffen war, was den Gesamtspass deutlich trübte.
Merke: Magnesium in Maßen ist unser Freund, denn es verhindert Krämpfe. Zuviel davon ist aber keine gute Idee, und kann gerade beim Laufen zu unerfreulichen Konsequenzen führen.
Immerhin: Die Lücke zwischen Kühkopf und Gernsheim ist damit geschlossen:

Strecke: 16,4 km
Zeit: 1:45 h (= 9,37 km/h bzw. ca. 6:24 min/km).
Karte:

Interaktive Streckenkarte
M.

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3 Antworten to “Gernsheim – Kühkopf am Rheinufer (16,4 km)”


  1. […] nämlich das rote R des Rhein-Neckar-Wegs). Das folgende Stück entlang der Strasse war ich vor zwei Monaten schon mal gelaufen, damals hatte ich es folgendermassen charakterisiert: “Bei schlechtem […]


  2. […] Zielgebiet: Das Flachland westlich von Biebesheim, da war ich zwar schon mal das Rheinufer hochgelaufen, das “Landesinnere” war aber bisher Terra Incognita. Zeit, das zu […]


  3. […] Schrebergartenkolonie in die Felder hinein (mal wieder eine nicht ganz unbekannte Strecke, hier war ich schon mal im September gelaufen, damals allerdings in entgegengesetzter Richtung). Laut Wanderkarte ist die Strecke mit der gelben […]


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