Laufblues im Ödland: Bickenbach – Hähnlein (10,6 km)

12. Oktober 2007

Was für ein Tag: Trüb, trist, müde, ein grauer, hartnäckiger Hochnebel erstickte jeden Anflug von Sonne und tauchte alles in ein deprimierend herbstliches Einheitsgrau. Dazu eine irgendwie dumpfe Grundstimmung, kühl und völlig windstill – eben die Art von Herbstwetter, bei man eigentlich zu gar nichts Lust hat.
Auch nicht zum Laufen, aber das musste natürlich trotzdem sein, zumal ich den langen Lauf von Vorgestern bestens weggesteckt hatte und mich eigentlich topfit fühlte (gestern noch ein klein wenig Steifbeinig, heute alles weg – super).

Also gab ich mir dann doch noch einen Ruck: Wenigstens ein paar km in der Nähe sollten es werden, und so entschied ich mich nach kurzem Überlegen für eine Tour von Bickenbach aus durch das Niemandsland zwischen den Autobahnen nach Hähnlein und wieder zurück – keine besonders hübesche oder aufregende Strecke, sondern eben einfach 10 km Pflichtprogramm zum runterspulen, genau das richtige für so einen lustlosen Tag (eine schöne Strecke wäre bei meiner grundlegenden Lustlosigkeit und der allgemeinen Tristesse auch irgendwie Verschwendung gewesen…).


Start wieder mal am Bickenbacher Bahnhof.
Durch die Unterführung auf die andere Seite der Gleise, geradeaus bis zur Kläranlage, links ca. 100 m. die Bertha-Benz-Strasse entlang, dann rechts ab, und auf der begrünten Brücke über die A5 (Markierung: Gelbes Plus, das ist der Saar-Rhein-Main-Weg).
Die Brücke wieder abwärts, vorbei an der Fohlenweide, der Abzweigung in Richtung Erlensee, und dem Lindenhof, immer geradeaus ins Nichts (ab dem Lindenhof: Markierung keine).
Äcker, Äcker, Äcker.
Und alles in eintönigstem Grau.
Sehr trübsinnig. Am Anfang noch ein paar weidende Pferde und ein weiterer Aussielderhof, dann ca. 1,5 km wirklich gar nichts, einfach nur ewig stupide geradeaus auf dem Schnurgeraden wenig aus alten Betonplatten.
Wirklich ewig.
Eeeeeeewig!

Schließlich, nach gefühlten 2 Wochen Laufen (waren wohl eher so 10 – 15 Minuten, aber in der grauen Einöde verlor man ziemlich schnell das Zeitgefühl…) das Ende der Strecke, am sogenannten „Prüf- und Vermehrungshof“ (Ziemlich prosaischer Name, aber einen anderen konnte ich nicht finden), einem weiteren Landwirtschaftlichen Betrieb, der mit seinem Baumbestand und den vielen Wellblechbarracken wenigsten ein klein wenig visuelle Abwechslung bot.
Hier ging´s erst nach links, dann nach rechts, vorbei an den Wirtschaftsgebäuden, eine paar glotzenden Ziegen zwischen den bereits erwähnten Wellblechbarracken, und einem irgenwie leicht Fehl am Platz wirkenden Bungalow mit gepflegtem Garten um den Hof herum, bis ich am hinteren Ende der Anlage schließlich den Radweg 19 erreichte und ihm nach Süden folgte.

Das folgende Stück war dann sogar noch trister als der Weg bisher: Hier gab es nichts, wirklich rein gar nichts. Keine Bäume. Keine Häuser. Keine Vögel. Keine Insekten. Keine Sicht (zu diesig).
Nicht mal ein Windhauch.
Eine regelrechte Einöde, durch die ich da lief, nur bestehend aus dem Weg, den umliegenden kahlen Äckern, die sich bis in die graue, dunstige Unendlichkeit am Rande meines begrenzten Sichtfeldes erstreckten, und den Hochspannungleitungen, die wie titanische Skelette nach und nach aus dem Nebel auftauchten.
Dazu die dumpfe Stille, die nur durch das leichte, einförmige Rauschen der Autobahnen jenseits des Dunstes, und dem gelegentlichen Dröhnen eines Flugzeuges irgendwo in der Wolkendecke über mir durchbrochen wurde.
Brrrr.
Ich dachte ja immer, im Wald wär´s einsam, aber dieses tote graue Niemandsland im Nebel toppte jede Gehölz.

Nach ca. 1 km überquerte ich den Landgraben auf einer kleinen Brücke (Abwechslung für´s Auge – da gab´s Sträucher!), ein paar hundert Meter weiter begegnete mir sogar ein älterer Herr auf dem Fahrrad, den ich mit leicht manischer Freundlichkeit grüßte (Ein Mensch! Ein echter Mensch!!!).
Inzwischen waren rechterhand schemenhaft die Ausläufer des Jägersburger Walds und der Verdichterstation am Waldrand aufgetauch, links begann sich ein überwucherter Hügel (wieder mal eine alte Mülldeponie?) ins Blickfeld zu schieben, den ein Schild als Naturschutzgebiet „Schächerlache“ auswies (hier draussen wird offensichtlich alles, was kein Acker oder Wald ist als „Lache“ bezeichnet). Der Weg machte einen Knick westwärts, führt ein paar hundert Meter am Hügel vorbei, und knickte dann an einem einsamen alten Nußbaum nach rechts in Richtung Hähnlein ab (immer noch Radweg 19).

Auch hier ging es noch mal ewig geradeaus durch die Äcker, doch immerhin waren hier ein paar Spaziergänger/Nordic Walker/Jogger unterwegs, außerdem hatte sich der Dunst etwas gelichtet und man konnte die Häuser von Hähnlein erkennen, entsprechend war es nicht ganz so surreal-eintönig.

Schließlich Hähnlein: Bis zum nordwestlichsten Dorfrand, dann die erste links in die Spießgasse, eine erstaunlich adrettes Wohngebiet mit vielen Bäumen und neueren Häusern, das eine Facette des ansonsten so ländlichen Hähnlein bot, die ich noch gar nicht kannte, und die – gerade nach der Einöde bisher – freundlich und belebt wirkte. Auch hier immer geradeaus, vorbei an gepflegten Vorgärten, einem Kindergarten und einer Grundschule, dann weiter in die Weilerstrasse und schließlich am nordöstlichen Zipfel Hähnleins wieder aus dem Dorf hinaus.
Über die kleine Kreuzung, vorbei an den Sportanlagen und dem Grillplatz Gänseweide in nordöstlicher Richtung (Markierung H1) in die Felder, die gleich mal deutlich weniger unfreundlich wirkten, weil es etwas aufgehellt hatte (wenn man den Kopf in den Nacken legte und direkt nach oben sah, konnte man sogar ein Fetzchen blauen Himmel sehen).

Wie üblich auch hier: Geradeaus. Irgendwann kam vor mir der Erlenhof an der Autobahn in Sicht, links erhob sich der einsame, bewaldete Weilerhügel aus den Niederungen, der (soweit ich mich erinnerte) mal eine Wasserburg beherbergt hatte.
Grund genug um sich das mal anzusehen, entsprechend bog ich kurz vor dem Erlenhof spontan nach links auf einen kleinen Feldweg ab und näherte mich der Erhebung. Links ein offeneres Stück, das jedoch durch ein Schild als Privatgelände („Betreten Verboten“) ausgezeichnet war, rechts der Hügel. Wege gab´s hier keine mehr, also kämpfte ich mich so durchs wild wuchernde Unterholz, gepiesackt von Ästen, Dornen und Brennesseln, bis ich schließlich einmal halb um und ganz auf die kleine Kuppe gekraxelt war – zu sehen gab´s aber sonst nichts, keine Mauerreste oder Fundamente mehr, nur noch Wildnis (immerhin ergab eine kurze Nachrecherche gerade eben, dass mich meine Erinnerung nicht getrogen hatte, und der Hügel tatsächlich bis ins 12. oder 13. Jahrhundert der Standort der alten Bickenbacher Wasserburg gewesen war).

Also wieder runter und durchs Unterholz zurück auf den Weg und ca. 300 m. nach nordwesten, vorbei am großen, schilfbewachsenen Naturschutzgebiet „Hainlache“, dann rechts in nordöstlicher Richtung, bis ich wieder am Lindenhof und der Autobahnbrücke angekommen war. Von dort aus dann wieder auf dem Saar-Rhein-Main-Weg (immer noch gelbes Plus) zurück bis zum Bickenbacher Bahnhof.

Ein seltsamer Lauf, der angesichts der tristen Stimmung gefühlt eine kleine Ewigkeit gedauert hatte, in Wirklichkeit jedoch gerade mal eine Stunde lang war. Wie erwartet nicht besonders schön, aber durchaus erträglich, zumal das Tempo moderat war, und keinerlei phyische Beschwerden auftraten.
Mehr Pflicht als Kür, aber das muss auch mal sein.

Strecke: 10,6
Zeit: 1:05 h reine Laufzeit, abzüglich ca. 5 Minuten Pause bei der Erkundung des Weilerhügels (= ca. 9,8 km/h bzw. ca. 6:10 min/km).
Karte:

Interaktive Streckenkarte

M.

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3 Antworten to “Laufblues im Ödland: Bickenbach – Hähnlein (10,6 km)”


  1. […] Laufblues im Ödland: Bickenbach – Hähnlein (10,6 km) […]


  2. […] Dauerregen zwischen Bickenbach und Hähnlein (10,6 km) 19. April 2008 Regen, Regen, Regen, Regen, den ganzen Tag nichts als Regen. Äußerst bescheidenes Laufwetter, aber der Samstagslauf musste natürlich trotzdem absolviert werden. Um keine gute neue Strecke an so einen schlechten ollen Tag zu verschwenden sollte heute wieder eine “alte” Strecke aufgewärmt werden, nämlich die kurze Runde von Bickenbach durch die Felder westlich der A5 bis nach Hähnlein und wieder zurück, die ich schon mal im Oktober gelaufen war. […]


  3. […] wieder sein, also kramte ich der Einfachheit halber mal wieder ´ne alte Route vor, nämlich den Zehner durchs Flachland zwischen Bickenbach und Hähnlein. Nicht doll, aber unkompliziert, weil in erster Linie aus ewig […]


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