Rasen durchs Ried: Hahn – Allmendfeld – Hof Wasserbiblos (12,3 km)

18. Oktober 2007

Heute war ich spät dran – erst kurz nach fünf konnte ich los, da war natürlich nicht mehr allzuviel Strecke drin, bevor es dunkel wurde. Passte aber ganz gut, schließlich will ich die letzten Tage vor dem Marathon ja insgesamt etwas ruhiger angehen. Also nur ein kürzeres Stück, Lückenfüllen im Ried, von Pfungstadt-Hahn nach Allmendfeld, dann nordwärts bis zum Hof Wasserbiblos bei Crumstadt, und wieder zurück nach Hahn.

Start um kurz nach halb sechs bei der Infotafel in der Gernsheimer Strasse, am westlichen Ende von Hahn. Kühles, wechselhaftes Wetter, und die Sonne stand auch schon ziemlich tief, deshalb hielt ich mich nicht lang mit Dehnen auf, sondern lief zügig los. Erst ein paar Meter in Richtung Ortsausgang, dann aber gleich links, auf einer Strasse etwas bergab, hinter die letzten Häuser des Dorfes, dort dann ostwärts. Etwas über einen halben Kilometern zwischen Weiden/Feldern und dem Ortsrand entlang, ausser einer gruppe zotteliger Kühe war wenig los.
Schon jetzt ziemlich schnell, im Gegensatz zu vorgestern muckste sich mein leicht angeschlagenes linkes Bein überhaupt nicht und machte das hohe Tempo klaglos mit; fast zu reibungslos, das gab mir ehrlich gesagt etwas zu denken – lief das jetzt so gut, weil alles bestens war, oder war das vielleicht nur die Diclofenac-Tablette, die ich kurz vor Laufbeginn geschluckt hatte, und die nun jegliches Unbehagen ausschaltete, während ich mir unbemerkt das Bein zuschanden lief?

Ja, ja, so isser der Matthias: Wenn´s schlecht läuft, macht er sich Sorgen, und wenn´s gut läuft auch…

Dergestalt meinen leicht trübsinnigen Hypochonderphantasien nachhängend erreichte ich nach ein paar Minuten den südlichsten Zipfel von Hahn und knickte nach Süden ab: Erst durch den Geschwister-Größmann-Weg (= Kiesparkplatz hinter den Häusern), dann „Im Wiesengrund“ (leicht belästigt von einem gelangweilt-stupiden Gör auf einem zu großen Fahrrad, das nix besseres zu tun hatte, als ständig um mich rumzukurven), und schließlich in die Obergasse, die – genau wie beim letzten Mal, als ich hier durchgekommen war – immer noch eine einzige Baustelle war.
Der folgte ich dann, und erreichte weniger später den südlichen Ortsausgang mit dem Naturdenkmal Schillereiche (das ist – oh Wunder – eine große Eiche), und einem hübscher großer Spielplatz mit vielen Bäumen drumrum.

Aus Hahn raus in die Felder, parallel zur A67, die wenige hundert m. weiter links verläuft: Erst über die Modau, dann vorbei an ein paar Gehöften, dann das übliche Programm im Ried, nämlich Äcker, Äcker, Äcker. Asphaltierter Feldweg, schnurgerade, entsprechend weiterhin schnell.
Die Sonne stand inzwischen schon ziemlich schräg, was einerseits etwas blendete, andererseits die linkerhand glasklar sichtbare Bergstrasse in ein herrliches Abendlicht tauchte – wunderschön!
Nach ein paar Minuten dann knickte der Weg leicht nach Südwesten, dann erreichte ich die einsame Autbahnbrücke in Richtung Bickenbach (an der ich natürlich vorbeilief, denn da sollte es ja nicht hingehen), schließlich verschwand der Asphalt und wurde durch etwas weniger laufruhigen Erd/Schotter-Untergrund erstetzt (Markierungen gab´s bisher keine).

Inzwischen war ich schon ungefähr auf der Höhe von Allmendfeld, entsprechend bog ich nach einem kleinen Graben rechts ab und lief auf einem grasigen Trampelpfad durch die Äcker, bis ich nach ein paar Minuten einen weiteren Feldweg erreichte, der – mit ein paar kleinen Knicken und Wendungen – über den Landgraben und bis nach Allmendfeld führte (Auch hier wieder: Keine Markierung).

Hier angekommen hätte ich eigentlich gleich nach rechts gemusst, um den Ort in nördlicher Richtung wieder zu verlassen, aber da ich eine Verbindung zur letzten Strecke durch Allmendfeld herstellen wollte, lief ich stattdessen erstmal geradeaus auf der Rathausstrasse weiter, um kurz den Ortskern zu touchieren.
Dort lief ich dann ein kleines Karree, durch die Hauptstrasse und die Raiffeisenstrasse vorbei am Gemeindehaus, dann vor dem alten Rathaus rechts, und wieder durch die Rathausstrasse zurück (u.a. vorbei an einem Garten voller Hühner, die mein Anblick unwillkürlich dazu animierte, gackernd auf mich zuzustürmen, mir bis zum Ende des Zaunes zu folgen, und mir dann verständlislos hinterher zu glotzen. Weird…). Insgesamt dauerte dieser kleine Umweg überraschend lange (waren fast 1,4 km), ein weiterer Beleg dafür, wie extrem weitläufig Allmendfeld im Vergleich zu anderen Rieddörfern ist.
Wieder am östlichen Ende des Dorfes angekommen bog ich dann wie geplant links in nördlicher Richtung in die hintere Strasse ein (Markierung: Radweg 25), auf der ich noch weitere 600 m durch Allmendfeld lief, vorbei an pittouresk-verschlafenen Höfen (die mich teilweise ein bisschen an Masuren erinnerten, hat mir sehr gefallen), adretten Einfamilienhäusern und einem Komplex, der mit einer etwas seltsame architektonische Mischung aus Bauernhof, semindustrieller Produktionsstätte und dem Verkaufsraum eines Autohauses aufwartete (laut Schild davor der Nibelungenhof).

Schließlich am nordöstlichen Ende Allmendfelds auf einer kleinen Brücke über den Fanggraben, und weiter dem Radweg 25 nach Norden gefolgt. Anstatt der üblichen Felder gab es linkerhand eine pedantisch gepflegte Rasenfläche, die durch liberal verteilte Verbotsschilder (Tenor: „Das ist unser Rasen, Fremder, also denk nicht mal dran, den mit deinen unwürdigen Nicht-Golferfüssen zu besudeln“) als Golfplatz ausgewiesen wurde – auch nicht wirklich spannender, aber immerhin mal was anderes (der hat auch ´ne Website, aber nach den unfreundlichen Verbotsschildern verlinke ich die hier nicht – selbst Schuld, ihr arroganten Golfer, seid halt beim nähsten Mal etwas freundlicher…).
Kurz hinter dem Golfplatz erreicht ich einen Aussiedlerhof („Hof Gräbenbruch“) mit schönen alten Häusern, wo der bis hierher angenehme Asphalt durch grobes Kofsteinplaster ersetz wurde – schön anzusehen, nicht ganz so schön zu laufen. Auf einer weiteren Brücke zum Zweiten Mal heute über die Modau, und auf dem holprigen Pflasterweg bis zur B426 zwischen Hahn und Gernsheim. Inzwischen war die Sonne hinter eine dunklen Wolkenfront am Horizont verschwunden, enstprechend wurde es trüb, relativ kühl, und dämmrig, und ich beeilte mich noch ein bisschen mehr.

Über die Bundesstrasse drüber und halblinks bis zu einem weiteren Aussiedlerhof, dort dann rechts auf einen schnurgeraden, ebenen Feldweg in Richtung Crumstadt (immer noch Radweg 25). Es folgte ein ewig langes, eintöniges Stück durch die Felder. Nichts Interessantes zu sehen (ich hoffte immer noch ein bisschen darauf, dass die untergehende Sonne noch mal unter der dichten Wolkenbank auftauchen und alles in ein goldenes Sonnenuntergangslicht tauchen würde, aber da wurde nichts mehr draus), immer geradeaus, ideal zum Tempo machen, also schon fast im Semi-Sprint weiter.
Nach ca. 1,5 km war der Weg dann zu Ende, ich bog nach rechts auf eine Art kleine Landstrasse ein (Markierung: Keine), die in ein kleines Gehölz führte. Nette Abwechslung nach den unendlichen Äckern bisher: Linkes und rechts viele Bäume mit buntem Herbstlaub, hin und wieder schimmerten mehrere große Teiche durch das Gehölz, dazu gab´s als Bonus ein ganzes Rudel Fasane, die bei meiner Annäherung indigniert schreiend davonstoben. Am Ende des Wäldchens erreichte ich ein großes, gepflegtes weisses Gebäude, den Hof Wasserbiblos. Vor dem Hof rechts ab, auf einen unebenen Feldweg in Richtung Hahn (Markierung wie immer nicht vorhanden).
Inzwischen war es schon ziemlich düster, was weiter anspornte, entsprechend das hohe Tempo trotz inzwischen merklich schwerer Atmung gehalten und bis zum Erreichen der Pumpwerk-Kläranlagen-Kleintierzüchtervereinsheim-Kombination (schon etwas seltsam, oder? Züchten die da Karnickel und Meerschweinchen ohne Geruchssinn?) nördlich von Hahn.

Dort dann über die Umgehungsstrasse und an den Sportplätzen vorbei ins Dorf, und im letzten Tageslicht einen etwas verwinkelten Kurs („Im Hain“, „Gartenstr.“, „Claudiusstr.“, „Hebbelstr.“, „Lessingstr.“) durch die properen Wohngebiete des Hahner Westend wieder zurück zur Gernsheimer Str. und dem wartenden Auto.

Wie üblich mitten im Ried: Schnelle, schnörkellose Strecke mit wenig Ablenkung. Eben, dazu heute überwiegend sehr guter bis guter Laufuntergrund. Insgesamt ein reibungsloser Lauf, trotz sehr hohen Tempos keine Probleme, ob das allerdings auf eine gute Verfassung meinerseits oder die Wirkung der Diclofenac zurückzuführen ist – keine Ahnung.

Strecke: 12,3 km
Zeit: 1:07 h (= 11,01 km/h bzw. ca. 5:27 min/km )
Karte:

Interaktive Streckenkarte

M.

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3 Antworten to “Rasen durchs Ried: Hahn – Allmendfeld – Hof Wasserbiblos (12,3 km)”


  1. […] samt großer Eiche (”Am Eichbaum”) links in die Obergasse – als ich die beiden letzten Male hier vorbeigekommen war, war das hier alles noch eine einzige Riesenbaustelle, inzwischen sind […]


  2. […] Glattbach Goddelau Griesheim Gronau Groß-Breitenbach Groß-Gerau Groß-Rohrheim Großsachsen Hahn Hähnlein Harxheim Heidelberg Heidelberg-Handschuhsheim Hemsbach Heppenheim Herchenrode […]


  3. […] bin ich im Lauf des letzten Jahres ja schon ein paar Male vorbeigekommen, zum letzten Mal im Dezember 07. Damals war die Strasse noch eine einzige Baustelle […]


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