Der Tag vor dem Marathon: Matthias holt Startunterlagen

27. Oktober 2007

Heidenei!
Ein bisschen aufgeregt bin ich ja inzwischen schon: Weniger als 24 Stunden bis zum Start, noch ziemlich genau 24 Stunden bis zum Zieleinlauf (wenn denn alles glatt geht).

Entsprechend Zeit für die letzten Vorbereitungen.
Die Wichtigste: Abholen der Startunterlagen, in Halle 1 der Frankfurter Messe. Wäre zwar auch noch morgen früh vor dem Start möglich gewesen, aber ich wollte es lieber schon heute erledigen, um mir morgen unnötigen Stress zu ersparen – was man hat, das hat man.

Also schon heute ein kleiner Abstecher nach Frankfurt. Die Autobahn voller Idioten, Stau auf Höhe des Flughafens, das übliche halt. Am Westkreuz ab, über die A648 in Richtung Skyline, bis zur Messe. Da dann erste kleine Irritationen: Irgendwas falsch gemacht (im Zweifelsfall liegt das natürlich immer an der schlechten Beschilderung, nicht an mir), deshalb nicht direkt zum Parkhaus am Messeturm gefahren, sondern stattdessen erst eineinhalb mal ums Messegelände rumgeirrt, erst ein bisschen durch menschenleeres Ödland irgendwo zwischen Ausstellungshallen und Gallusviertel (ziemlich trostlos), dann kurz am Messeturm vorbei und noch schnell einen kleinen Abstecher in Richtung Bockenheimer Warte und wieder zurück – so nötig wie ein Kropf, aber immerhin bin ich so mal wieder am Senckenberg-Museum vorbeigekommen.

Schließlich, nach einer knappen halben Stunde sinn- und ziellosen herumirrens im Frankfurter Westend, dann doch noch wunderbarerweise in die Parkkatakomben unterhalb der Messe gefunden. Inzwischen schon leicht angenervt, ein Zustand der auch nicht gerade dadurch verbessert wurde, dass hier unten augenscheinlich die Hälfte der Parkdecks ganz gesperrt war, und ein erklecklicher Teil der übrigen Parkplätze mit fetten „Reserviert“-Schildern versehen war (die standen natürlich alle leer).
Ganz am Ende des Parkhauses dann doch noch fündig geworden, und von nun an zu Fuss weiter geirrt: Erst durch diverse schlecht ausgeschilderte Parkdecks (aaah, der Geruch von konzentrierten Autoabgasen am Mittag…), dann durch den wirren Untergrund der Messe, dann noch ein bisschen überirdisch, zwischen City-Eingang des Geländes, Messeturm und Festhalle.
Die reinste Odyssee, instant kam mir wieder in Bewusstsein, warum ich das labyrinthische Messegelände über alles verabscheue.

Doch selbst ein dummes Landei wie ich kann sich hier nicht ewig verirren, nachdem ich mich anhand des Standes der Sonne, der Richtung des Vogelfluges, dem Moos an den Baumstämmen und der Beschilderung (ok, war vor allem die Beschilderung…) orientiert hatte, schaffte ich es doch irgendwie aufs zweite Stockwerk von Halle 1.
Hier gab´s also die Startunterlagen, aber bevor man die abholen konnte, hatten die Veranstalter des „Dresdner-Kleinwort Frankfurt Martahon ´07“ noch ein letztes Hindernis gesetzt: Die Marathon Mall!

Auf deutsch: Eine ganze Messehalle, vollgestopft mit Ausstellungsständen, wo die Marketender des modernen Laufsportes in großer Zahl all das feilbieten, was man unbedingt braucht, um joggen zu können (oder auch nicht): Power-Riegel, Organisierte Marathon-Reisen, Energy-Drinks, Superschuhe, modische Funktionsleibchen, Schweissabsaugende Unterwäsche, Wundersalben und -pülverchen, Ipod-taugliches Schuhwerk das mit einem redet, Mobilfunkvertäge.
Natürlich brechend voll, eine unheilige Mischung aus permanent grinsenden Standhostessen, handzettelverteilenden Nervtötern, und rauhe Mengen an Besuchern, die unkoordiniert von Stand zu Stand wankten (einige so unkoordiniert, dass ich mich nach dem dritten Rempler [mit einer dicklichen älteren Dame, die in einer vollbesetzten Halle nichts besseres zu tun hatte, als rückwärts zu laufen und ihrem skeletthaft-ausgemergelten Gatten dabei debil-unnötige Hinweise zum besseren Sitz der Sporthose, die der gerade anprobierte, zu geben] fragte, ob hier nicht gerade ein Nervengas-Anschlag stattgefunden hatte, und die taumelnde Masse nicht durch die Wirkung von Senfgas oder Sarin beschädigt worden war – war aber wohl nur gewöhnliches Menschenmassen-Delirium) und sich im kommerziellen Licht ihrer Sportlichkeit sonnten.

Ja, ich geb´s zu, große Menschenmengen mag ich am liebsten, wenn ich nicht mittenrein muss…

Persönlich am schlimmsten fand ich übrigens die bedrückend Zahlreichen Jogger-Nerds, die in voller Joggingmontur durch die Halle fielen bzw. teilweise joggten (sah das dämlich aus? Aber hallo!) – Leute, der Marathon ist erst morgen, wer heute schon seine hautenge Leggins, das Funktionsshirt mit Monogramm, die 500 Euro-Nike Sportsonnenbrille, und die hautschonenden Nippelpflaster anlegt und damit zeigen will, was er für ein toller Hecht ist, erreicht damit nur das Gegenteil…
Trottel!
(Wir sehen: Mein Gemütszustand hatte sich nach dem ganze Herumirren inzwischen von „leicht angenervt“ zu „mittelschwer angenervt und sarkastisch“ gewandelt).

Puha!

Irgendwie gelang es mir dann, das Chaos halbwegs unbeschadet zu überstehen, indem ich mich am Hallenrand bis in die hinterste Ecke des Raumes zu Starnummernausgabe durchquetschte.
Hier war´s deutlich weniger voll, entsprechend konnte ich zügig meine Startnummer und die obligatorische Bonuskram Wundertüte für Teilnehmer aus den Händen einer freundlichen älteren Dame in Empfang nehmen.
Geschafft. Nix wie raus und heim!

Na ja, zumindest in der Theorie. In der Praxis verirrte ich mich auf dem Weg ins Parkhaus noch ein bisschen in den Katakomben unter der Messe (U-Bahnhof, Friedrich-Ebert-Anlage von der Falschen Seite, beinahe noch in die Azubi-Messe in Halle 2 gestolpert).
Immerhin kam ich wieder problemlos aus Frankfurt, dem verwirrenden Moloch im Zentrum des Rhein-Main-Gebietes, raus. Auch was wert…

Ok, vielleicht hab´ ich ein bisschen übertrieben und es war gar nicht so schlimm…

Auf jeden Fall habe ich jetzt also meine Startunterlagen und die Startnummer (ist übrigens die 5854). Jetzt kann´s also losgehen!

Aber halt, bevor ich den Eintrag beende, werfen wir doch noch mal einen Blick in die Wundertüte mit dem Gratis-Gedöns, die man als Marathon-Teilnehmer automatisch erhält.
Was ist denn da so alles drin?

– Ein grünschwarzes Frottee-Teil mit dem Aufdruck „Dresdner Kleinwort“. Möglicherweise ein Handtuch. Ganz sicher bin ich aber nicht, denn mittendrin hat es einen seltsamen Schlitz, der nicht so ganz mit meiner Vorstellung eines klassischen Handtuchs vereinbar ist.
Wahrscheinlich was ganz anderes, aber da ich´s nicht besser weiss, werd´ ich´s bis auf Weiteres als Handtuch behandeln.

– Ein „Gilette Fusion“ Naßrasierer. Laut Verpackung „The Best Shave Ever“, und geeignet zum Stutzen von Bart, Schnurrbart und Koteletten. Ob die weiblichen Teilnehmer das auch kriegen?

– Eine Ausgabe des Runner´s Point Kundenmagazins „Run “ (das „hoch zwei muss ich ausschreiben, weil ich nicht weiss, wie man das hier darstellt). Themen u.a. „Laufen bei jedem Wetter“, „Laufschuhe für den Winter“ (mit Bewertung) und „wenn die Sehne Schmerzt“. Hrm.

– Ein Schwamm. Aufschrift „HR1 bewegt“.

– Eine Dose Haargel „Well Shockwaves Ultra-Strong Power Mess Constructor Creme“. Klingt ein bisschen wie Schnellbeton, hat wohl auch dieselbe Funktion. Wird mir beim Marathon sicher total doll viel helfen, danke Wella.

– Ein Dinkel Power Snack, geschmacksrichtung „Frucht“. Nicht dabei die Geschmacksrichtungen „Gänseleberpastete“, „Dinkel“, „Alte Socken“

– Vier Eier. Hartgekocht und bunt bemalt, im Eierkarton. Das ist kein Witz, da sind wirklich vier Eier drin.
Wtf?

– Eine Flasche Shampoo „Pantene Pro V“. Geschmacksrichtung (oder wie man das bei Haarpflegeprodukten halt nennt) „Ice Shine“ – offeriert laut Beschreibung „faszinierenden Glanz für stumpf aussehendes, glanzloses Haar“. Ok, ich werd´s mal benutzen – wenn ihr morgen beim Marathon ´nen typen mit so ´ner Art gleißendem Heiligenschein seht, das bin dann wahrscheinlich ich nach der Anwendung von dem Zeug.

– Eine Tüte Wick Blau Halsbonbons. Auch nicht wirklich ideal für den Marathon, macht aber immerhin mehr Sinn als 4 hartgekochte Eier.

– Ein Tuch zum Einreiben müder Beine („mit Rosskastanie und Latschenkiefer“), gestiftet von der VerkehrsGesellschaft Frankfurt am Main. Danke, das werde ich wahrscheinlich wirklich brauchen können.

– Ein Müsliriegel der Marke „Seeberger Sport“. Geschmacksrichtung Pfirsich-Aprikose. Sieht unappetittlich gesund aus.

– Ein Stück Traubenzucker (wirklich nur eins), gestiftet vom HR – mehr ist bei der momentanen Gebührenlage wohl nicht drin.

– Ein Mini-Schuhlöffel des Sportschuherstellers Asics. Die haben wohl nicht sehr viel Vertrauen in die gute Passform ihrer Produkte…

– Sowie ungefähr eine halbe Tonne broschüren, u.a. zum Thema „warum Eier gut sind“ (das erklärt wohl auch die Eierkarton samt Inhalt), „Hey du, Lauf doch mal den Düsseldorf-Marathon“, „Klappräder von Riese & Müller“, „Bestelle dein persönliches 3D-Kunstwerk“, „Red Bull – total super für Sportler“ (den Handzettel hab´ ich bei bisher jeder größeren Laufveranstaltung gekriegt…), „Irgendwelche Kopfhörer“, sowie zwei Broschüren, deren Inhalt auf den ersten Blick nicht erkenntlich ist, und die zu uninteressant aussehen, um sich genauer damit zu beschäftigen.

Und das war´s. Gar nicht mal so übel.
So, jetzt muss ich aber los, mir die Koteletten stutzen, die müden Beine einreiben, meine Haare mit hippen Schnellbeton einschmieren, und ein paar Eier essen.

Oh, und ein bisschen laufen will ich auch noch, das blog´ ich dann vielleicht noch nachher.
Bis dann

M.

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2 Antworten to “Der Tag vor dem Marathon: Matthias holt Startunterlagen”

  1. XYZ Says:

    Nach dieser guten Vorbereitung und den heutigen absonderlichen Anmeldeerfahrungen zum Frankfurt Marathon kann ja nun wirklich nix mehr schiefgehen. Viel Glück und Durchhaltevermögen! D.


  2. […] Der Tag vor dem Marathon: Matthias holt Startunterlagen […]


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