Rückkehr in den Odenwald: Lautertal/Modautal (15,1 km)

4. November 2007

So!

Heute war´s soweit: Der Marathon vorbei, die Muskelreizung im linken Oberschenkel auch, also kein Grund mehr, im Flachland zu laufen. Deswegen, nach fast eineinhalb Monaten auf platter Piste zwischen Rhein und Rübenäckern, endlich, endlich mal wieder eine Tour durch den Odenwald, genauer gesagt das mittlere Modautal – Yaayyyy!!!!
Hab´ ich mich jetzt schon seit Wochen nach gesehnt!

Wetter trüb und kühl, aber immerhin war die geschlossene Wolkendecke dünn genug, um etwas mehr als nur einen bleigrauen Schimmer restlicht durchzulassen, zudem war die Luft glasklar, also tolle Fernsicht in alle Richtungen – kein perfekter Tag, aber Anfang November kann man wohl auch nicht mehr allzu wählerisch sein…

Start auf dem „Dach“ von Seeheim-Jugenheim, im kleinen, hübschen, hochgelegenen Ortsteil Steigerts, auf dem Parkplatz vort dem Talblick (Ohlystr.). Schon hier eine Wahnsichtsaussicht nach Norden bis zum Taunus, vor dem sich – gestochen scharf und scheinbar zum Greifen nah – die Frankfurter Skyline abzeichnete.
Schön, sowas haste zwischen Bensheim und der Autobahn nicht…

Von hier in südöstlicher Richtung, gleich links von der Ohlystrasse ab, auf den Weg, der unterhalb des Ortes einen sanften, leicht abfallenden Bogen durch die Weiden (besetzt mit zotteligen Kühen) beschreibt und dann im Wald am Steigerts verschwindet (Markierung: Gelbe 1). Und was für ein Wald: Herbstlich bunt, eine wahre explosion aus verschiedenen Gelb- und Rottönen, wunderschön! Dazu ein weicher Untergrund mit moderaten Steigungs- und Gefällestücken, super, so macht laufen Spass!

Nach einem knappen Kilometer das andere Ende des Wäldchens und die Hutzelstrasse (Beim Parkplatz „An der Hutzelsstrasse“, oberhalb der Strasse von Ober- nach Schmal-Beerbach). Hier bog ich scharf rechts ab, zuürck in den Wald rein nach Südwesten, und lief ein kurzes Stück die Hutzelstrasse in Richtung Kuralpe entlang (Markierung: Immer noch die gelbe 1), dabei erstmals eine ordentlich steile Passage in die man so richtig reinpowern konnte – sowas hab´ ich echt vermisst!

Nach knapp 200 m. dann links auf einen kleineren, abfallenden Weg, der zwischen Waldrand und Wiesen um den Steigerts und das Wäldchen herum führte (Markierung: OB2), und einen wunderbaren Blick auf die Neunkircher Höhe auf der anderen Seite des Tales bot. Zwischen diversen Spaziergängern hindurch laviert (hier war einiges los, besonders der verspielte Hundewelpe war sehr nett…), und schließlich nach einigen hundert Metern scharf links in die Wiesen, den Hang hinunter in Richtung Modautal.
Auch hier sehr hübsch, Obstbäume, weidende Pferde, weiterhin ein toller Blick, dazu ein angenehm laufbarer asphaltierter Weg, der nach einem kurzen Stück einen kleinen Schlenker auf die andere Seite des schmalen Hochtals machte, aber ansonsten unbeirrt weiter bergab lief.

Unten angekommen dann kurze Desorientierung: Vor mir lag offensichtlich der untere Teil der L3098 (also der Strasse zwischen Ober- und Schmal-Beerbach).
Hm. Hier hätte ich laut Planung eigentlich nicht landen sollen, sondern stattdessen weiter unten im Tal, direkt in Schmal-Beerbach rauskommen müssen. Seltsam (nachträgliche Recherchen haben inzwischen Ergeben, dass ich am Steigerts zu früh nach links ins Tal runter abgebogen war, und deshalb, statt wie geplant den Radweg 28 zu nehmen, einen unmarkierten Wirtschaftsweg erwischt hatte, der eben weiter oben rauskommt. Rätsel gelöst).

Da ich ja runter nach Schmal-Beerbach wollte, blieb mir hier also nichts anderes übrig, als die letzten paar hundert Meter an der Landstrasse zu laufen.
Alles andere als joggerfreundlich: Extrem schmale Fahrbahn, hat weder Seitenstreifen noch Radweg (in der Tat hat gibt´s noch nicht mal eine Fahrbahnmarkierung), da ist Vorsicht angesagt.
Glücklicherweise war Sonntagmittag wenig los (die ganzen suizidal-pathologischen Odenwaldheizer mit ihren tiefer gelegten Golf GTIs waren wohl gerade beim Essen), und so erreichte ich wenig später unbehelligt Schmal-Beerbach, das zusammen mit dem direkt angrenzenden Ortsteil Wurzelbach den nördlichsten Ausläufer der Gemeinde Lautertal bildet (und das, ohne im Lautertal zu liegen. Sachen gibt´s…). Wer schon mal über die Kuralpe in den Odenwald gefahren ist, weiss ja, wie´s hier aussieht: Kleine Ansiedlung am Talgrund mit ein paar hübschen alten Häusern, ein Getränkemarkt, eine Tankstelle, dann ist man auch schon wieder durch.
Das ging mir auch nicht anders, erst die Lindenfelser Strasse bergab bis zur Durchgangsstrasse (Jugenheim Str.), der dann ostwärts an der Tankstelle vorbei zum Ortsausgang gefolgt, dann an der T-Kreuzung kurz hinter dem Dorfende nach links auf die Landstrasse nach Allertshofen.

Auch hier wieder: Kein Seitenstreifen, kein Radweg. Glücklicherweise ist die Ortsdurchfahrt Alertshofen/Hoxhohl ja seit Ewigkeiten gesperrt, so das der Verkehr sich auch hier deutlich in Grenzen hielt, und ich entsprechend relativ entspannt die Strasse entlangjoggen konnte.
Hübsch hier, das war mir vom Auto aus noch nie so aufgefallen: Linkerhand eine hübsche alte Mühle (auffällig: Eine Horde weisser Tauben auf dem Dach), dann ein paar nette kleine Weiher, rechts ein kleines Seitental (ebenfalls mit Weihern), wo´s heute Ponyreiten für Kinder gab – schön.

In Allertshofen erstmal weiter geradeaus auf der Dorfstrasse „Alt Allertshofen“ (hier bleibt einem wenig Anderes übrig, denn der Ort ist eines dieser langezogenen Dörfer, die praktisch nur aus einer einzigen Strasse bestehen). Neuer Strassenbelag, überall steht Baumaterial, da ist klar, warum die Durchfahrt immer noch gesperrt ist.

Nach ca. 200 Metern durch den Ort rechts, auf einer kleinen Brücke über den Wurzelbach, bergauf aus dem Dorf hinaus, und auf einer sanften Serpentine durch Wiesen die östliche Talwand hinauf (Markierung: M1, Strassenname laut Stadtplan „Am Hasenberg“, vor Ort stand aber „Alt Allertshofen“ auf dem Strassenschild).
Auch hier wieder ein ordentlicher Anstieg, bei dem man schon so ein bisschen ins Schnaufen kam. Sehr schön!
Am oberen Ende des Tals der kleine Allertshofener Friedhof, idyllisch gelegen am Waldrand (hier hatte ich ein instantes Déja Vu an irgendeinen Schulausflug vor 15-20 Jahren, auf dem ich hier mal vorbeigekommen war, und an den ich seitdem nie wieder gedacht hatte – anscheinend ein markanter Punkt, wenn mein Gedächtnis bei seinem Anblick so lange verschüttete belanglose Erinnerungen vorkramt).
Dann wieder mal Wald, natürlich ebenfalls wieder in herbstlichem bunt, konnte mich gar nicht sattsehen!

Auf der anderen Seite des Wäldchens erwartete mich die offene die Hochebene zwischen Beedenkirchen und Brandau. Äcker („ist ja wie im Ried hier…“ ;)), Wiesen, Blick auf die Neunkircher Höhe. Ich folgte weiter dem Weg M1, über die Landstrasse, vorbei an einem uralten, verwitterten Wegkreuz, und erklomm schließlich den kleinen Kamm auf der anderen Seite, auf dem ich das letzte Mal bei der Ersteigung der Neunkircher Höhe gelaufen war.

Hier kurz links, in Richtung Brandau (M1/weisser Balken). Bereits nach wenigen Metern bog ich jedoch spontan vom Weg ab: Auf der Kuppe links lockte der kegelförmige Turm der Kriegsgräberstätte, eines der markantesten Merkmale der Gegend – schon hundertmal dran vorbeigefahren, aber noch nie dort gewesen (wenn meine Mutter das hier liest, wird sie bestimmt wieder ´ne Geschichte rauskramen, wie wir im Winter ´81 mal da oben waren – aber da ich keinerlei Erinnerung an einen solchen Ausflug habe, belassen wir´s weiterhin bei „noch nie dort gewesen“ ;)), das sollte sich heute ändern.
Also eine kleine Ehrenrunde um die von Hecken umschlossene Gedenkstätte und den Turm, der eigentlich nur ein Metalldach ist (und nicht, wie ich immer gedacht habe, eine richtige Kirche).

Weiter nach Brandau hinein, über Bensheimer Weg, Hechlergasse und „Im Eck“ in den alten Ortskern im Talgrund, am Rathaus vorbei kurz die Odenwaldstrasse entlang, dann links den Mühlberg hoch bis zur gleichnamigen Gaststätte, dann rechts auf einen schmalen Weg ca. 300 m. hinter den Häusern am nördlichen Brandauer Ortsrand entlang.

Auf der Friedhofsstrasse (Markierung: Blauer Balken) links in die Wiesenlandschaft oberhalb von Brandau, vorbei am etwas ausserhalb liegenden Brandauer Friedhof (wirkt angesichts der hohen, alten Mauer beeindruckend wuchtig) nach Norden. Asphaltierte Weg, der auch von Autos und Motorrädern genutzt wird, aber keine richtige Landstrasse – eher so eine Art Schleichweg für Ortskundige Fahrer.
Nach ca. einem Kilometer mit moderatem Aufstieg erreichte ich die Weggabelung am Johannesberg – wieder mal ein bekanntens Fleckchen, denn hier waren Ingo und ich bei unserem ersten größeren Lauf in den Odenwald vor ein paar Monaten vorbeigekommen.
Um sicherzugehen, dass sich beide Strecken auch wirklich berührten, lief ich hier kurz rechts in den Wald hinein, bis zum Parkplatz am Johannesberg, machte dann aber wieder kehrt, und nahm stattdessen den linken Weg am Waldrand entlang in Richtung Herchenrode, der nach einigen hundert Metern links abknickte und ins Tal über Hoxhohl führte (Markierung: MV).

Angenehmes Gefälle, weiterhin hüsche Wiesenlandschaft, noch mehr zottelige Kühe (als ich klein war, gab´s irgendwie mehr Holstein-Kühe, die sieht man hier oben jetzt kaum noch), dann schließlich im Talgrund die Landstrasse zwischen Brandau und Hoxhohl.
Wie üblich nicht fußgängergeeignet, deswegen überquert, und auf der anderen Seite des engen Tals in den Wald auf einen sehr schmalen Trampelpfad, der am Hang parallel zur Strasse bis nach Hoxhohl führte (Markierung weiterhin MV, nicht ideal zum joggen, aber machbar).

Dort angekommen auf einem kleinen Feldweg bis runter zur Hauptverkehrsstrasse („Alt Hoxhohl“), begleitet von zwei freundlichen orstansässigen Hunden über den Wurzelbach, dann gleich links in den Lochmühlweg, eine hübsche, feldwegartige Strasse die hinter den Häusern des Ortes leicht ansteigt und bis zum östlichen Ende von Allertshofen führt.

Dort südwestwärts (wieder „Alt Allertshofen“), vorbei an mehr Baustelle durch den hübschen alten Ortskern bis zur Strasse „In der Steinkaut“, dort rechts, aus dem Dorf hinaus und den langen Aufstieg zur Hutzelstrasse auf der Neutscher Höhe in Angriff genommen (Markierung: M1). Ca. 800 m. auf asphaltiertem Weg stetig bergauf durchs Weideland. Anstrengend, aber auf eine gut Art.
Schließlich endete der asphaltierte Weg an einer kleinen Kreuzung; M1 ging steil weiter bergauf, ich hingegen lief einen kleinen, aber weniger steilen Umweg, etwas hundert Meter nach links, dann am Rand eines kleinen Wäldchens entlang, bis ich wieder auf M1 traf (Anfang Allertshofer Tanne). Dort dann links (M1/gelbe zwei), vorbei an einem einsamen Bauernhof mit mißtrauischen, langbeinigen Hühnern bis auf die Hutzelstrasse kurz oberhalb der L3098.
Hier links (Markierung Weisses Andreaskreuz), über die Landstrasse zum Parkplatz „An der Hutzelsstrasse“, von dort wieder durch den wunderschönen Herbstwald zurück durch den wunderschönen Herbstwald nach Steigerts.

Fazit:
Boah, da merkt man erstmal, wie sehr einem das gefehlt hat!
Superschöner Lauf. Nach eineinhalb Monaten durchs dröge Flachland endlich mal wieder ein paar anständige Steigungen in die man sich reinkämpfen konnte, das hat richtig, richtig viel Spass gemacht.
Dazu die wunderschöne Landschaft des vorderen Odenwalds, die – zumindest meiner Meinung nach – doch noch etwas ansehnlicher ist als die ewigen Rübenäcker im Flachland. Und natürlich das Gefühl, mal wieder ein paar richtig neue Wege zu erkunden (das hab´ ich zwar die ganze Zeit im Ried auch gemacht, aber es macht nun mal einen deutlichen Unterschied, ob man schon ewig lange vorher sieht, wo man hinläuft, oder ob man um eine Wäldchen oder über ein Kuppe läuft und dahinter unvermittelt was Schönes/Interessantes/Spannendes entdeckt).
Ok, ganz perfekt war´s vielleicht nicht, wenn´s sonnig gewesen wäre, hätte das ganze sicher noch mehr Spass gemacht, aber auch so war´s superschön, einfach mal wieder im Odenwald unterwegs zu sein. Sowas macht glücklich!

Strecke: 15,1 km
Zeit: 1:39 h (= 9,15 km/h bzw. 6:33 min/km – ordentliches Tempo fürs Bergland!)
Karte:

Interaktive Streckenkarte

M.

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4 Antworten to “Rückkehr in den Odenwald: Lautertal/Modautal (15,1 km)”


  1. […] Rückkehr in den Odenwald: Lautertal/Modautal (15 km) […]


  2. […] Rückkehr in den Odenwald: Lautertal/Modautal (15 km) […]


  3. […] nicht kannte – besonders der versteckte Weiler Herchenrode hatte es mir angetan, seitdem ich beim letzten Lauf im Modautal auf einen Wegweiser gestossen war, auf dem dieser Name verzeichnet war. Bisher war ich noch nie […]


  4. […] been everywhere, man” von Johnny Cash vor sich hinsummen… ): Albersbach Albisheim Allertshofen Allmendfeld Alsbach Alsbach-Sandwiese Asbach Auerbach Balkhausen Beedenkirchen Bensheim Bobstadt […]


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