Am Fuß der Bergstrasse: Bensheim – Heppenheim und zurück (12,6 km)

7. November 2007

Ach ja. Es gibt Tage, die sind wie gemacht zum Laufen: Wunderbares Wetter, angenehme Temperatur, frische Luft, das macht so richtig Laune…

Tja.

So ein Tag war heute nicht.
Stattdessen der Herbst von seiner traurigsten Seite: Kalt. Düster. Trübsinnig. Gräulich (in diesem Fall sowohl von „Grauen“ als auch von „grau“ ableitbar, trifft beides zu). Ekelhaft kalter Nordwind. Nieselregen.

Lust auf Laufen?
Wenig.

Andererseits: Schon wieder zwei Tage Pause. Und die nächsten Tage soll es nicht besser werden. Deshalb: Raus und laufen, auch wenn´s Überwindung kostet!

Eigentlich hatte ich mir gestern schon eine besonders interessante Strecke ausgesucht, durch die Weinberge und Täler hinter Bensheim. Aber an so einen Tag wollte ich sie nicht verschwenden, die heb´ ich mir auf bis es schön ist (vorausgesetzt, das ist irgendwann mal wieder der Fall…).
Blieb dann trotzdem bei Bensheim als Ausgangsort und entschied mich für eine kürzere Strecke im Flachland, entlang der B3 nach Heppenheim, dann durch den östlichsten Riedrand wieder zurück (bisher hatte ich die Strecke Bensheim-Heppenheim ja nur über die Höhenrücken zurückgelegt, heute also im Prinzip dasselbe in flach).


Start also in Bensheim, genauer gesagt auf dem Parkplatz am Friedhof Bensheim-Mitte. Übrigens unter eher schlechten Vorzeichen, denn sobald ich losgelaufen war, verwandelte sich der bis dahin sehr moderate Nieselregen in einen ausgewachsenen kalten Schauer.
Na Prima.
Lustlos im Regen joggte ich erstmal etwas bergauf, den Röderweg entlang (Markierung: Gelbes Dreieck), dann rechts („Am Hinkelstein“, ausserde Blütenweg, Markierung gelbes B), knapp 200 – teilweise steil – bergab, bis auf die Gronauer Strasse im Talgrund.
Hier ging´s dann nochmal rechts, dem Blütenweg folgend zurück nach Bensheim rein, dem Lauf des Meerbaches folgend vorbei an ein paar durchaus ansehnlichen alten Häusern, teilweise noch mit (zugegeben etwas schäbig aussehenden) Holzschindeln verkleidet.

Nach weiteren 200 Metern, an einer größeren Fabrik mitten im Ort, nach links, auf die Hemsbergstrasse in Richtung Süden (am Anfang immer noch Blütenweg, später dann nicht mehr).
Hier erstmal immer geradeaus, fast einen Kilometer lang. Wohngebiet, wenig los. Mittdenrin eine verkehrsberuhigte Zone (wohl vor einem Kindergarten) mit groß auf die Strasse geschriebener Geschwindigkeitsbegrenzung: 7 km/h. Das hat mich gleich mal ordentlich aufgeheitert – so oft kriegt man als Jogger schließlich nicht die Chance, ein Tempo-Limit zu durchbrechen, so eine Chance will genutzt werden: Eiskalt lief ich mein Tempo durch, mindestens mal 9 km/h!
Ha! Ich bin aber auch so ein abgebrühter Desperado…

Irgendwann erreichte ich die Arminstrasse, hier ging´s rechts den Hang runter bis zur B3 am Bensheimer Ortsausgang. Auf den Fahrradweg auf der anderen Strassenseite gewechselt, dann südwärts, aus der Stadt raus gen Heppenheim (Radweg R9).
Eigentlich gar keine so unschöne Strecke: Links die Weinberge mit diversen kleinen Hütten und Tempelchen, gekrönt von den waldigen Kuppen des Hemsbergs und der Hubenhecke (und dabei überraschend niedrig – richtig hoch ist hier erst die zweite Reihe Hügel dahinter), links vorne schon der markante Berg mit der Starkenburg. Dazu der Fahrradweg, recht breit, von einer Reihe Bäume von der Bundesstrasse getrennt, bis auf eine etwas unangeneme Neigung quer zur Laufrichtung sehr gut zu Joggen – wenn nicht so ein dröges Scheisswetter gewesen wäre, hätte das alles richtig hübsch sein können…

Nach etwas über einem Kilometer Heppenheim: Links erst ein einzelstehendes Haus, laut Aufschrift der „Hessische Rebmuttergarten„, dann der Ortseingang.

Auch hier: Immer weiter geradeaus, die Darmstädter Strasse entlang nach Süden, auf einem eigenen Fußgängerweg rechts der Strasse. Der große Getränkemarkt am Ortseingang, Wohnhäuser, ein paar Kneipen und Geschäfte, mehr Wohnhäuser die Bergsträsser Winzergenossenschaft, eine Tankstelle, zwischenzeitlich immer wieder mal ein Blick links hoch zum wolkenverhangenen Schloßberg und den Häusern am Starkenburgweg (Mann, haben die eine geile Hanglage, das fällt gar nicht so auf, wenn man oben an ihnen vorbeiläuft).

Einen weiteren Kilometer später die Darmstädter Strasse verlassen, links hoch in den Bensheimer Weg (Markierung: H1) – noch nicht wirklich Altstadt, aber immerhin schon mal Kopfsteinpflaster – bis auf den Starkenburgweg, den wir ja schon verschiedentlich gejogged waren – wieder eine Lücke geschlossen (Markierungen zuhauf: Blütenweg, Burgenweg, Roter Balken – you name it…)!
Auf dem Starkenburgweg weiter nach Süden und über Lehrstr./B47 auf den „kleinen Markt“ (da wo dieses unsäglich hässlich-klotzige Geschäftshaus steht…). Beim letzten Mal waren Ingo und ich hier links hoch in die wunderschöne Altstadt gelaufen, dieses Mal bog ich stattdessen rechts ab und lief durch die kleine Heppenheimer Fußgängerzone in der Friedrichstr. westwärts (Markierung: Ähh, ja, und zwar ein Längsbalken auf einem Querbalken. Alles in gelb). Alles recht beschaulich und nett: Kleine Geschäfte, ein Wurststand, ein russischer Akkordeonspieler…

Am Ende der Fußgängerzone über Darmstädter Str. und den Postplatz in die Ernst-Schneider-Strasse (ruhigere Wohngegend mit schmaler Grünanlage in der Strassenmitte). Der folgte ich etwas über 300 m, dann vor einer kleinen Brücke rechts hoch auf die Kalterer Str., vorbei am Bahnhof, dahinter dann links, durch die Unterführung an der Lorscher Strasse unter der Bahnlinie durch.

Hier mal ein kurzer Exkurs: Heppenheim ist eine regelrechte „Jekyll und Hyde“-Stadt: Der östliche Teil, zum Hang hin, ist größtenteils idyllisch, pittouresk, und wunderhübsch, vor allem natürlich die tolle Altstadt um den Marktplatz rum. Wendet man sich allerdings nach Westen lässt das alles ziemlich schnell nach, und spätestens hinter der Bahnlinie verwandelt es sich schnell in ein großes, arg unansehnliches Gewerbegiebet mit dem Charme eines… na ja, eben mit dem Charme eines großen, unansehnlichen Gewerbegebietes (wer schon mal von der Autobahn nach Heppenheim reingefahren ist, weiss was ich meine – selten so eine hübsche Stadt gesehen, die beim ersten Eindruck so hässlich wirkt…).

Und genau da war ich jetzt – im hässlichen Teil von Heppenheim. Bei der nächsten Gelegenheit überquerte ich die Lorscher Str. in nördlicher Richtung und lief in die Weiherhausstr., rein ins große, unansehnliche Gewerbegiet, vorbei an der üblichen Ansammlung von Lagerhallen, Gebrauchtwagenhändlern und Firmen mit seltsamen Namen, die seltsame Produkte herstellen, hin und wieder durchbrochen von etwas exotischeren Lokalitäten wie einem Lehrerausbildungszentrum (wer hat denn das hierhin gebaut?).
Nach ca. 400 m. links, in die Benzstrasse, westwärts. Noch mal 350 m. Gewerbegebiet mit mehr seltsamen Firmen (Hmm. Was macht eigentlich ein Fernsteuergerät?), dann geradeaus auf einen Feldweg an einem kleinen, tümpligen und ziemlich übelriechenden Kanal, noch mal ein paar hundert Meter bis zu einer Umgehungsstrasse mitten im Nichts der Äcker („Bürgermeister-Kunz-Str.“). Der kurz gefolgt, nach wenigen Metern aber links raus auf einen asphaltierten Feldweg, durch die Äcker und parallel zur Autobahn (die war links, ca. 300 m. entfernt) nach Norden.

Eigentlich ein ganz nettes Stück: Erst eine kleine Brücke über den Hambach, dann vorbei an einem Bauernhof mit Schafen (vor dem Jochimsee) und weiter durch eine recht naturbelassenes Naturschutzgebiet mit altem Baumbestand, und einem Bussard (die Heppenheimer CDU hat netterweise ein Luftbild auf ihre Website hochgeladen, das zeigt, wie das ungefähr aussieht, nämlich so – nur das Wetter muss man sich scheisser vorstellen…).
Tatsächlich war´s aber nicht wirklich nett: Der Regen hatte wieder eingesetzt, die Bergstrasse war vor lauter Wolken kaum zu sehen (und das, was man sehen konnte, war so deprimierend grau, dass man´s eigentlich nicht sehen wollte), und zudem fing mein rechtes Bein an, zwischen Achillessehne und Unterschenkel irgendwie auf noch erträgliche aber dumpf-nervende Art und Weise weh zu tun (und hörte bis zum Ende des Laufes auch nicht mehr auf).
Gah! Scheisstag!

Aber was will man machen, ich hatte´s mir ja ausgesucht, also weiter. Hinter dem Naturschutzgebiet wieder mal die obligatorisch-öden Äcker, dahinter das Bensheimer Gewerbegebiet Süd (auch nicht hübscher als das, aus dem ich gerade gekommen war). Ich lief noch ein paar hundert Meter weiter nordwärts und bog schließlich nach rechts, in Richtung Gewerbegebiet ab. Dort angekommen überquerte ich auf einem Trampelpfad einen Schienenstrang (meine bereits an anderer Stelle ausgiebig diskutierten Vorbehalte gegen das wilde Überqueren von Schienen mussten angesichts dem Wunsch, schnell wieder zum Auto zu kommen, zurückstehen – sah auch nicht aus wie ´ne ICE-Trasse, da kann man das schon mal riskieren) und lief dann auf dem Berliner Ring weiter nach nordwärts, bevor ich dann kurz darauf in die Werner-von-Siemens-Str. nach Westen einbog.

Yayyy. Noch mehr Gewerbegebiet. Noch mehr Autohändler, Lagerhäuser, Werkhallen und Firmen mit seltsamen Produkten/Dienstleistungen (Was zur Hölle sind „Powder Coatings“. Und wozu ist ein Kabelaufbereiter gut?) und/oder noch seltsameren Namen, die eher nach Kloreinigern oder irgendwelchen Dörfern auf dem Balkan als nach mittelständischen Firmen klangen („Akzo“, „Zirec“).
Irgendwie alles leicht seltsam, wenn man nur mal drüber nachdenkt…

900 m. weiter war die Siemens-Str. zu Ende, ich bog nach links in die äußerst einfallsreich benannte Fabrikstrasse ein, folgte ihr ein Stück, und knickte dann auf der Wormser Str. nach Norden/rechts ab. Vorbei am Ramada-Hotel, durch die Unterführung unter der Bahn durch, dann die Rodensteiner Str. hoch zur B3/Schwarzwaldstr. kurz hinter dem Bahnhof.
Überquert, in die Hermannstr., immer geradeaus, über die Hauptstrasse auf die Friedhofstrasse zum Parkplatz am Friedhof und dem Auto.
Ende.

Pfft. Wetter scheisse, Laune unten, dazu ab Hälfte leichte Schmerzen im rechten Bein (übrigens Neuartige – sowas hatte ich bisher noch nicht. Vielleicht wird´s ja mal Zeit für neue Schuhe, meine jetzigen sind nach 1500 bis 2000 km Strecke doch schon etwas runtergenudelt) – Spass sieht anders aus.
Dabei war die Strecke teilweise gar nicht so schlecht, bis auf die Verzögerungen bei diversen Ampeln in den Städten gut zu laufen, und bei besserem Wetter wäre das eine oder andere Stück sicher auch ganz hübsch gewesen (ok, bei den Gewerbegebieten kann wahrscheinlich auch die Sonne wenig ausrichten) – naja, hat halt nicht sollen sein, so war´s eben kein Superlauf, aber immerhin der Beweis, dass ich in der Lage bin, auch an so einem mistigen Tag den Hintern hochzukriegen.
Auch was wert…

Strecke: 12,6 km
Zeit: 1:18 h (9,7 km/h bzw. ca. 6:12 min/km)
Karte:

Interaktive Streckenkarte

M.

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4 Antworten to “Am Fuß der Bergstrasse: Bensheim – Heppenheim und zurück (12,6 km)”


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  2. […] Am Fuß der Bergstrasse: Bensheim – Heppenheim und zurück (12,6 km) […]


  3. […] Weg bin ich schon mal gelaufen, letzten November bei Scheisswetter, damals kam er mir eher hässlich vor, heute hingegen ist er wunderschön: Bequemer Radweg neben […]


  4. […] Groß-Rohrheim Großsachsen Hahn Hähnlein Harxheim Heidelberg Heidelberg-Handschuhsheim Hemsbach Heppenheim Herchenrode Hochstädten Hofheim (bei Biblis) Hohensachsen Hoxhohl Jugenheim Juhöhe Kelsterbach […]


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