Im Hagelsturm durchs Flachland: Griesheim – Wolfskehlen und Zurück (12, 8 km)

14. November 2007

Vorgestern Odenwald, heute ins Ried – ein gutes Kontrastprogramm.

Da ich mittelfristig vorhabe, die Route des Frankfurt-Marathon mit dem Rest meiner bisher gelaufenen Strecken im südlichen Rhein-Main-Gebiet zu verbinden, will ich mich in den nächsten Wochen verstärkt nordwärts orientieren, um die momentan noch recht große Lücke nach und nach zu schließen.

Deswegen heute auf dem Programm: Das nordöstlich-zentrale Ried, von Griesheim bis nach Wolfskehlen im Westen, dann in einem nordwärts geschwungenen Bogen wieder zurück.
Start: Willy-Brandt-Alle im Neubaugebiet (so neu, dass es bei Google Earth noch nicht mal auftaucht) im südwestlichsten Zipfel von Griesheim.
Wetter: Saukalt und wechselhaft-unberechenbar, von Sonnenschein bis Wintersturm war alles drin.

Von hier zuerst mal nach Süden, auf dem Pfungstädter Weg aus Griesheim raus, dieselbe Strecke, über die ich vor ein paar Wochen nach Griesheim reingelaufen war (Radweg 20).
Nach 300 Metern, am mitten in den Feldern liegenden Freizeitgelände Griesheim-Süd scharf rechts, dann ewig geradeaus, erst über die Strasse nach Pfungstadt, dann auf einem asphaltierten Weg 2 km durch die westwärts durch Felder.
Überraschend hübsche Strecke, links und rechts immer mal wieder Aussiedlerhöfe, dazwischen Hecken, Wäldchen, Wiesen und Felder, Hinweisschilder auf den irgendwo hier liegenden Griesheimer Solarpark abwechslungsreicher als erwartet (bei „Ried vor Griesheim“ hatte ich bisher vor allem endlose öde Spargeläcker vor meinem geistigen Auge, dem war aber offensichtlich nicht so). Dazu wunderbarer, schönster Sonnenschein, leider etwas getrübt durch die ominöse Präsenz einer heranziehenden schwarzblauen Wolkenfront im Norden, die nach Platzregen oder Schlimmeren aussah und sich immer näher schob…

Nach ca. 2 Kilometern ein kleiner Schlenker, erst links nach Süden, dann gleich wieder rechts, weiter westwärts, runter vom Fahrradweg 25, zu einem langezogenen Streifen aus nautrbelassenem Wald und Schilf mitten in den Feldern (laut Plan das Naturschutzgebiet Kuhweide).
Auch hier ging´s geradeaus weiter, auf einem deutlich schlechteren (nass, glitschig) Feldweg durch das Naturschutzgebiet hindurch, wobei ich – ohne es zu merken – den 1000 Blogkilometer vollendete. Yay!!!
Statt Feierlaune mit bunten Luftballons und Luftschlangen erwartete mich am anderen Ende des Wäldchens jedoch eine nicht besonders angenehme Überraschung – nachdem ich an den Bäumen vorbei war, hatte ich freien Blick nach Westen, über die nackten Äcker bis nach Wolfskehlen, wo das Wetter gerade so richtig schlecht war: Eine gewaltig, pechschwarz dräuende Wolkenfront, die das gesamte Panorama in eine Art verfrühte Dämmerung tauchte und dabei äußerst unheilvoll nach Wintersturm aussah.
Brrr. Und ich musste natürlich mitten rein.

Aber erstmal rechts, ein Stück nach Norden, 600 m. parallel zum bewaldeten Bogen des Naturschutzgebietes. Dann links, westwärts, in die Schwärze des Sturms.
Zuerst wurde es finster. Vor 10 Minuten war ich noch schön durch die strahlende Herbstonne gelaufen, plötzlich schien ich mitten in eine Winternacht geraten zu sein.
Dann der Wind, schneidend kalte, pappig-nasse Böhen aus dem Norden, teilweise so stark, dass man kaum gerade laufen konnte.
Schließlich der Hagel, kleine, harte Körner, die vom Sturm getrieben, fast senkrecht auf mich einprasselten, sich im Kragen meiner Laufjacke festsetzten, und auf der Haut wie kleine Nadelstiche ziepten.
Ekelhaft!
Und das alles im offenen Gelände, Möglichkeiten zum Unterstellen: Keine. Mir blieb also nichts weiter übrig, als so schnell wie möglich weiterzuhasten, auf das noch mehr als einen Kilometer entfernte Wolfskehlen zu.

Nach ein paar Minuten liess immerhin der Hagel nach, und verwandelte sich stattdessen in fette, klebrige Schneeflocken, zudem trieb die Schlechtwetterfront langsam aber sicher weiter, weg von mir.
Nach ca. 600 Metern erreichte ich das Ende des Feldwegs und bog nach rechts ab, in nordwestlicher Richtung genau auf Wolfskehlen zu. Kurzer Stopp an einer Fußgängerämpel an der Umgehungsstrasse um den Ort herum (auch die so neu, dass sie bei Google Earth nocht nicht auftaucht), und ich war mitten drin in Wolfskehlen. Typischer alter Riedort: Alte, eng beieinander stehende Häuse, enge Strassen, an sich ganz hübsch, besonders weil es hier Windstill war. Ich lief ein Stück geradeaus ins Dorf rein (Espenstrasse) und bog dann links in die Ernst-Ludwig-Str. ein, auf der ich Wolfskehlen auch schon wieder verliess, und an einer einzeln stehenden Scheune vorbei über den Radweg 25 nach Nordosten lief. Wetter übrigens schon wieder besser, der Hagel/Schneesturm war weitergezogen, stattdessen weniger dunkle Wolken ohne Niederschlag, dahinter schon wieder blauer Himmel erkennbar.

Auch hier wieder mehr als einen Kilometer geradeaus, erst durch die Äcker, dann an am Waldrand entlang, schließlich über eine sehr hübsche, von Bäumen umschlossene Wildwiese bis zu einer kleinen alten Steinbrücke („Hohe Brücke), die hier über einen schilfbewachsenen Bach führe. Nett!

Dahinter weiter westwärts, rechterhand mehr Äcker (mit Kohl oder sowas), links ein schnell fließender begradigter Kanal, dahinter eine schönes, größeres Waldstück. Hübsche Gegend, besonders in der prächtigen Licht der schrägen Sonne, die hier noch mal für ein paar Minuten unter den Wolken hervorlugte und alles in einen wohlig-goldenen Schein tauchte.

Für mich ging´s schließlich scharf rechts nach Süden, Radweg 18 in Richtung Griesheim. Mehr Felder, rechts ein künstlicher Hügel (der sich später beim Vorbeilaufen als „Erdaushubdeponie“ herausstellte), ein paar nette Obstbaumwiesen, dann eine graduelle Linkskurve, bis es schließlich wieder direkt nach Osten ging. Über die Landstrasse, und schon war ich wieder in Griesheim, genauer gesagt auf der Pfützenstr. am westlichen Ortsrand, der ich nun einfach nach Süden folgte.

Erst Industriegebiet, kein Bürgersteig, dafür ein Trampelpfad am Strassenrand zwischen Birken und Lattenzaun, dann Wohngebiet. Viel Wohngebiet. Wow, selbst in Nord-Süd-Richtung zieht sich Griesheim ganz schön lange hin. Irgendwann passierte ich die Haupt-Ost-West-Achse des Ortes (Verlängerung der Wilhelm-Leuschner-Str.) und lief nun auf der Oberndorfer Str. weiter, bis ich schließlich am südlichen Stadtende links in die Magdalenenstr. einbog und durch das Neubaugebiet zurück zum Auto lavierte.

Guter Lauf, zügig, keine Problem, spektakuläres Wetter (nicht immer angenehm, aber spektakulär, das ist doch auch mal was), dazu eine Strecke, die vielleicht nicht das größte Highlight im Rhein-Main-Gebiet ist, aber auf jeden Fall mehr hermacht, als ich erwartet hätte.
Und natürlich der eintausendste Blogkilometer, das allein ist auf jeden Fall schon mal ein kleines, selbstgefälliges Grinsen wert… 😀

Strecke: 12,8 km
Zeit: 1:15 h (= 10,24 km/h bzw. 5,51 min/km)
Karte:

Interaktive Streckenkarte

M.

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5 Antworten to “Im Hagelsturm durchs Flachland: Griesheim – Wolfskehlen und Zurück (12, 8 km)”


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