Projekt Nordwärts: Büttelborn – Klein-Gerau – Gross-Gerau (13,1 km)

22. November 2007

Projekt Nordwärts ist eine Serie von Läufen, mit denen ich in den nächsten Wochen etappenweise vom südlichen Ende des Rhein-Main-Gebietes bis nach Frankfurt am Main laufen möchte, um die Strecke des Frankfurt-Marathons an mein übriges Streckennetz anzubinden.

Heute also Lauf #3 im Rahmen von Projekt: Nordwärts.
Schauplatz: Die Gegend um Gross-Gerau.
Ein Gebiet, das mir faszinierenderweise zugleich sehr vertraut und praktisch unbekannt ist – als Autobahnbenutzer bin ich hier schon tausend Mal langgefahren, die Strecke auf der A67 ist mir quasi genauso vertraut wie mein Wohnzimmer.
Abseits von der Autobahn sieht´s aber gleich ganz anders aus: In Büttelborn war ich in meinem ganzen Leben höchstens vier oder fünf Mal, Gross-Gerau kenne ich nur vom sehr seltenen Durchfahren und ein paar Besuchen in der (übrigens sehr netten) Fasanerie, und nach Klein-Gerau hatte ich im Leben noch keinen einzigen Fuß gesetzt (um ehrlich zu sein, ich wusste noch nicht mal, welcher Ort „das da rechts von der Autobahn“ war).
Also eine ziemlich spannende Ausgangssituation: Ein Lauf in der vertrauten Fremde, der neue Perspektiven einer (ansatzweise) bekannten Gegend versprach.

Wetter: Trist. Trübes Mittelgrau, sah zu Anfang noch halbwegs freundlich aus, verfinsterte sich im Verlauf der Tour aber immer mehr und ging von Nieselregen zu richtigem Regen über.
Meh. Immerhin etwas wärmer als in den letzten Tagen…
Machte nicht gerade viel Lust, aber was muss, das muss…

Start: Friedrich-Ludwig-Jahn-Strasse in Büttelborn, also dort, wo ich beim letzten Lauf des Projektes Nordwärts wieder nach Süden abgeknickt war.
Heute ging´s natürlich in die andere Richtung, also nach Norden: Die Darmstädter Str. entlang in den Ortskern, vorbei an der Sparkasse in die Rhönstrasse, an deren Ende links in die Taunusstr. (die durch einen Grünstreifen zweigeilt ist). Recht hohes Tempo, der spröde Charme von Büttelborn bei schlechtem Wetter animierte nicht unbedingt zum Trödeln, ausserdem hatte ich furchtbaren Druck auf der Blase (wäre besser noch mal vor dem Start aufs Klo gegangen), und wollte so schnell wie möglich aus dem Dorf raus, um ein ruhiges Eckchen zum Ablassen dieses Drucks zu finden (am Ende war´s dann der bereits erwähnte Grünstreifen in der Taunusstr. – aaaah…).

200 Meter zwischen Ortsrand und Autobahnauffahrt westwärts durch die Taunnusstrasse, dann rechts, entlang der Landstrasse in Richtung Worfelden. Vorher hatte ich mir ein bisschen Sorgen gemacht, ob ich durch das Gewirr aus Autobahn, Landstrasse, Bundesstrasse und den Auf- bzw. Abfahrten dazwischen durchkommen würde, vor Ort stellte sich das dann aber als problemlos heraus – einfach auf den Radweg neben der Strasse (Radweg 25) und der Markierung unter/neben/über die Brücken gefolgt.

Hinter der Autobahnbrücke dann erst mal Flachland: Trübe Äcker, links die A67, dahinter Groß-Gerau mit seiner charakteristischen Skyline aus Wasserturm, den dampfenden Schloten der Zuckerfabrik und dem Blauen Kasten des Wick-Hochregallagers an der Autobahn, geradeaus im Dunst die etwas geduckt wirkenden Häuser von Klein-Gerau, rechts das graue Nichts (bei klarerem Wetter hätte man hier wahrscheinlich Weiterstadt in der Ferne gesehen).
Neuer, asphaltierter Fahrradweg neben der Landstrasse, gut und schnell zu laufen, wenig los (ausser mir nur ein verschreckter Turmfalke und eine älterer Herr auf einem noch älteren Fahrrad) nach knapp einem Kilometer dann Klein-Gerau, das eigentlich einen ganz aparten Eindruck machte – klar, typisches Rieddorf mit Neubaugebiet außenrum und einem Kern schmuckloser, dicht aneinandergedrängten Altbauten, wirkte aber nichtsdestotrotz netter als erwartet, bei gutem Wetter wär´s vielleicht sogar richtig hübsch gewesen.

Ich lief weiter nordwärts, durch die kleine, gepflasterte Thüringer Str. weiter in die Bahnhofstr.
Da war dann allerdings erstmal Schluss: Schwer beschrankter Bahnübergang neben einem kleinen Provinzbahnhof (an dem wahrscheinlich kaum noch Züge halten), Schranken unten – warten.
Und warten.
Und warten.
Kein Zug in Sicht. Gottseidank war´s halbwegs warm und windstill, sonst wäre ich da weggefroren.
Und noch ein bisschen warten.
Dumdidumdidumdidum…

Schließlich, nach über 5 Minuten endlich ein Güterzug, die Schranken gingen auf, ich konnte weiter, war etwas aus dem Rhythmus. Blöde Warterei…
Die Waldstrasse entlang, durch ein unspektakuläres Wohngebiet und über einen kleinen Bach bis zum nördlichen Ende von Klein-Gerau, dort wieder ins offene Gelände (Weiterhin: Radweg 25). Auch hier: Eigentlich ganz hübsch, die obligatorischen Äcker von kleineren Feldern durchbrochen, hin und wieder ein Hof.

Nach ca. 700 m. dann Ende mit Feldern, hallo Bäume: Das südliche Ende des gewaltigen Forsts, der sich von hier mehr oder weniger ungebrochen bis nach Frankfurt hoch erstreckt. Für mich ging´s mittenrein, noch 200 Meter geradeaus dann dem Fahrradweg 25 folgend nach links, westwärts.
Viel Wald, gemischt aber Kiefernlastig, kahl, mit regelmäßigem Bodenbewuchs (Brombeerhecken usw.), offensichtlich nicht besonders alt, flach, nicht wirklich unansehnlich aber doch etwas langweilig – aber da werd´ ich mich dran gewöhnen müssen, schließlich stehen mir noch einige Kilometer in diesem Wald bevor. Immerhin: Wenig Ablenkung, guter, fester Waldweg, da war weiterhin Tempo Machen angesagt.

Nach 400 Metern ging´s über die Bahngleise, eine gewaltige, steile Bahnbrücke, die angesichts der Tatsache, dass sie mitten im Nirgendwo am Ende eine Waldweges lag, völlig überdimensioniert wirkte – da hatte wohl irgendjemand noch ein paar hunderttausend Euro Steuergelder übrig, die er schnell loswerden wollte…
Aber hey, geschenktem Gaul schaut man nicht ins Maul, Hauptsache ein ordentlicher Weg über die Gleise, also rüber.

Auf der anderen Seite: Noch mehr unspektakulärer Wald, und das mehr als einen Kilometer lang (Immer noch Radweg 25, nordwestliche Richtung). Schließlich eine kleine Abzweigung. Ich musste eigentlich geradeaus weiter, allerdings verkündete ein Wegweiser, dass es links zur „Denksäule“ ginge, offensichtlich eine lokale Sehenswürdigkeit, die wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen.
Folgerichtig ein kurzer Abstecher nach links, kleiner Waldweg, gesäumt von ein paar seltsamen Rampen (für Biker mit dem unstillbaren Wunsch nach einem Schädel-Hirn-Trauma?), ca. 150 m. lang, am Ende eine kleine Lichtung mit einem etwas unmotiviert in der Landschaft rumstehenden Obelisken drauf, der Denksäule.
Durchaus hübsch, das Highlight war aber fraglos die Inschrift, die in drolligem, verschwurbelt-archaischen Deutsch den Sinn des Obelisken erklärte – der wurde nämlich von den stolzen Gerauern Ende des 18. Jahrhunderts installiert, um daran zu erinnern, dass irgendein Fürst samz Hofstaat hier mal zwei Wochen campiert hat. Wie gesagt, war furchtbar äusserst drollig, leider war die Inschrift viel zu lang, um sie sich zu merken (und im Netz gibt´s gleich gar nichts zur Location), sonst hätte ich sie hier verbatim wiedergegeben.
Sehr schön auch der Gedanke, dass das gemeine Volk so Happy war, dass ihr Landesvater bei ihnen Urlaub gemacht hat, dass sie deswegen gleich mal spontan ein Monument aufbauen. Da sieht man mal, wie die Zeiten sich geändert haben – wenn heute Roland Koch hier bei mir zwei Wochen im Wald hinterm Haus biwakieren, das lokale Wild in rauhen Mengen massakrieren, und seine Notdurft an den Wegen verrichten würde, wo ich sonst mit dem Hund gassi gehe, wäre mir das keine Stele wert. Aber vielleicht bin ich ja voreingenommen weil ich Roland Koch nicht mag…

Anyway, nach kurzer Bewunderung dieses bedeutenden historischen Monuments wieder zurück auf den Radweg 25, und nach ein paar Metern halb aus dem Wald raus (= links offenes Gelände, ein großer, eingezäuntes Acker, laut Schild ein „Versuchsfeld. Rechts Waldrand mit ein paar Häusern) und geradeaus auf einem aspahltierten Weg („Am Woogsdamm“) bis zur B44.
Kurz über die Bundesstrasse rüber, vorbei an einem muslimischen Freizeitzentrum (hübsch gelegen am Waldrand) auf den Waldparkplatz Gross-Gerau-Nord/Am Woogsdamm, von dem aus ich die nächste Tour in der Gegend starten will, dann wieder zurück, entlang der Bundesstrasse nach Süden, in Richtung Gross-Gerau.

Nach ca. 500 m. Gross-Gerau Nord, die sogenannte Heimstädtensiedlung. Erst Tankstelle und Autohändler, dann unspektakuläres Wohngebiet, an dessen Rand ich weiter südwärts lief (Frankfurter Strasse), bis ich das Industriegebiet an der Autobahn erreichte (ungewohnter Anblick: Der blaue Kasten des Wick-Hochregallagers von hinten – bisher kannte ich das nur von vorne, von der Autobahn aus).
Auch hier weiter geradeaus, unter der Autobahnauffahrt durch, dann steil auf die Autobahnbrücke rauf, über die A67 und von Norden her in den eigentlichen Ortsbereich von Groß-Gerau.

Ganz ehrlich: Von Norden kommend macht die Stadt keinen besonders einladenden Eindruck: Dröges Industriegebiet, durchbrochen von brachigem Bauerwartungsland, dahinter Blick auf die rauchenden Schlote der Zuckerfabrik, rechts die mehrspurige Fahrstrasse, die auf einer erhaben auf einer Hochtrasse unbehelligt über dem Industriegebiet verläuft.
Allerdings ohne den Fuß/Radweg, der führt mittendurch, nicht wirklich hübsch, passte stimmungsmässig dafür aber um so besser zu dem rapide beschissener werdenden Wetter, dass sich inzwischen zu „dunkelgrau, mit leichtem Dauerregen“ gewandelt hatte.
Yay.

Nach 200 Metern wurde es dann noch etwas finsterer, der Fuß/Radweg verlief nun direkt unter der Hochtrasse, stockdunkel aber immerhin trocken, bis zum Bahnhof, dort eine Unterführung, dahinter endlich auf der Frankfurter Str. ins eigentliche Groß-Gerau (wie gesagt: Absolutes Neuland für mich, hier war ich noch nie…).
Das war dann zugegeben schon deutlich netter: Belebt, beleuchtet, und zum Ortskern hin mit einer Reihe schöner alter Häuser mit viel Fachwerk (allen voran das schöne historische Rathaus), und eine nette kleine Fußgängerzone – durchaus ansehnlich, wenn nur das Wetter nicht so beschissen gewesen wäre…

Ich lief insgesamt noch ca. 600 m. die Frankfurter Str. nach Süden durch die Stadt und bog dann rechts in einen kleinen Fußweg mit Grünstreifen ab („Friedrich-Ebert-Anlage“), der mich schließlich auf die Darmstädter Str. in Richtung Südwesten führte. Hier einen knappen Kilometer geradeaus, durch eine breite, baumbestandene Allee, etwas südlich vorbei am markanten Wasserturm bis zu einer großen Kreuzung.
Hier links, unter den Gleisen durch und aus dem Ort hinaus in das offene Stück zwischen Gross-Gerau und dem bereits sehr nahen Büttelborn. Richtung Südost, Fahrradweg entlang der B42. Inzwischen strömender Regen, verfrühte Dämmerung, dröger Ausblick, links düstere Äcker, rechts eine schlammige Grossbaustelle, laut Schild entseht hier das Gewergebebiet GG-08 mit Großmärkten und Fastfood-Schuppen. Unschön (und überhaupt: Wie kann es sich eigentlich lohnen, noch mehr Toom-Märkte u.ä. aus dem Boden zu stampfen – mal ehrlich, wir sind doch schon überversorgt, und weder Bevölkerung noch Kaufkraft werden in Zukunft groß ansteigen, trotzdem werden momentan neue Super- und Großmärkte gebaut, als gäb´s kein Morgen. Da stimmt doch irgendwas nicht…).

Ein Kilometer die Bundesstrasse entlang, dann über die Ampel am Ortseingang von Büttelborn, die Mainzer Strasse in Richtung Dorfmitte. Weiterhin strömender Regen, kalt, also Endspurt um es schnell hinter mich zu bringen – zog sich noch mal ordentlich, fast 1 km die Mainzer Str., dann rechts in die Darmstädter Str. und schließlich die Jahnstrasse mit dem Auto, klitschnass, ausser Atem, leicht unterkühlt. Brrr.

Hmm. Ein schneller Lauf auf gutem Untergrund, aber kein schöner. Einerseits wegen dem Scheisswetter, das keine Rechte Laune aufkommen liess, andererseits aber auch, weil es keine wirklich hübsche Strecke ist – zuviel davon führt durch Industriegebiete oder direkt an Bundes- oder Landstrassen entlang, das macht einfach nicht so viel Spass.
Andererseits kein Totalausfall, es gab ja auch ein paar reizvolle Ecken, Klein-Gerau war relativ nett, die Denksäule hat mir gefallen, und auch Gross-Gerau dürfte – Sonnenschein vorausgesetzt – noch mal einen Blick wert sein.
Zudem wieder ein Stück nordwärts gekommen, und dabei ein scheinbar vertrautes Gebiet aus einem ganz neuen Blickwinkel kennengelernt, das ist gut!

Strecke: 13,1 km
Zeit: 1:13 h (= 10,77 km/h bzw. 5:35 min/km)
Karte:
gross-gerau.jpg

Interaktive Streckenkarte

M.

2 Antworten to “Projekt Nordwärts: Büttelborn – Klein-Gerau – Gross-Gerau (13,1 km)”


  1. […] Projekt Nordwärts: Büttelborn – Klein-Gerau – Gross-Gerau (13,1 km) […]


  2. […] in Klein-Gerau, in der Waldstrasse hinter dem Bahnübergang. Hier war ich vor anderthalb Jahren an einem trüben Novembertag schon mal durchgelaufen und hatte es so lala gefunden. Heute, an einem semisonnigen Junitag, war´s hingegen hübsch und […]


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