Projekt Nordwärts: Mönchbruch – Startbahn West (15,2 km)

28. November 2007

Projekt Nordwärts ist eine Serie von Läufen, mit denen ich in den nächsten Wochen etappenweise vom südlichen Ende des Rhein-Main-Gebietes bis nach Frankfurt am Main laufen möchte, um die Strecke des Frankfurt-Marathons an mein übriges Streckennetz anzubinden. 

Frage: Kann man mitten im Rhein-Main Gebiet 15 km laufen, ohne auch nur in Sichtweite einer Ortschaft zu kommen?

 Antwort: Yup. Gar kein Problem. Zum Beispiel in den weitläufigen Forstgebieten am Frankfurter Flughafen, da gibt es kilometerweit praktisch nichts ausser Wald, nur spärlich durchbrochen von Wiesen oder vereinzelten Strassen (und natürlich dem Flughafen, aber den zählen wir mal nicht als Ortschaft im klassischen Sinne…).

Und genau dort wollte ich heute Teil von von Projekt Nordwärts absolvieren: Von der Mönchbruchmühle an der B486 zwischen Rüsselsheim und Mörfelden aus (also da, wo ich beim letzten Lauf wieder nach Süden abgedreht war) nordwärts, durch das Naturschutzgebiet Mönchbruch, dann parallel bis fast an die A3 bei Kelsterbach, dann durch den Wald zurück nach Süden.

Gesagt getan.
Start also auf dem Parkplatz der Mönchbruchmühle. Schon wieder Glück mit dem Wetter, zwar kalt und etwas diesig, aber strahlender Sonnenschein – hach, wenn´s doch bloß immer so wäre!
Kurz gedehnt, dann gleich los, auf dem Radweg neben der Bundesstrasse (Radweg R8, allerdings keine Markierung in Sicht) ostwärts. Linkerhand, die weite, offene Fläche der Mönchbruchwiese, von einem durchgehenden Zaun von der Strasse getrennt. Mitten auf der Wiese, vom Radweg aus gut sichtbar: Ein Rudel Hirsche (wohl Damwild), das sich weder vom Verkehrslärm der Bundesstrasse, noch den tieffliegenden Flugzeugen beim Äsen stören liessen – wow, gleich zu Anfang des Laufes ein Highlight, so lob´ ich mir das!

Nach 600 m die Bundesstrasse überquert, auf der anderen Seite durch ein Gattertor im Zaun mitten rein ins Naturschutzgebiet (Laut AFC-Karte ist das u.a. der Radweg 8, davon war vor Ort allerdings nichts zu sehen – lediglich die schon arg verblassten Markierungen des Odenwaldclubs, ein weisses Dreieck und ein hohles gelbes Quadrat waren hin und wieder mal sichtbar).

Nordwärts auf dem sogenannten „Gundweg“, eine wunderschöne Strecke direkt am Waldrand – links direkt der Mönchbruch, eine urige Feuchtwiese, hohes Gras zwischen dem Wasser im Sonnenlicht schimmerte, vereinzelte uralte Bäume, die äsenden Hirsche, ein Graureiher, ganz weit hinten, schon fast vom leichten Nebeldunst verhüllt, die dunkle Wand der Bäume. Rechts derweil lichter Laubwald, hautsächlich alte Buchen und Eichen, durch die die Sonne ungehindert Muster auf den Waldboden zeichnen konnte, dazwischen ein (oder mehrere) meandernde natürliche Wasserläufe und hin und wieder mal eine Waldwiese.
Wunderschön, erinnerte mich landschaftlich total an die Gegend im Nationalpark von Białowieża im Osten Polens…

Ich folgte dem Gundweg ungefähr 1,5 km, erst nach Norden, dann graduell ostwärts, bis ich schließlich an der zweiten Abzweigung nach links abbog, aus dem Wald hinaus ins offene Gelände auf die „Zinswiese“, eine weitere große Feuchtwiese nordöstlich des Mönbruchs – ebenfalls eine urwüchsig-schöne Marschlandschaft, leider mit Strommasten zugepflastert ist und direkt unter der Ab- bzw. Einflugschneise der Startbahn West, das trübt den Gesamteindruck doch merklich. Nichtsdestotrotz immer noch hübsch, vor allem der Fußweg durch die Wiese, ein kleiner erhöhter Damm mit einem alleeartigen Spalier knorriger alter Bäume.

Am Nordrand der Wiese eine Wegscheide, ich lief rechts, an einem Birkenwäldchen vorbei auf die „Neuwegschneise“, die hier am Rand eines ewig langen Streifens offenen Geländes mitten im Wald (offensichtlich eine künstliche Schneise, wohl für die Strommasten) nach Nordwesten verläuft.
Gerader Weg, etwas zu grob geschottert aber insgesamt gut zu laufen, auch hier schöne Landschaft – links die offene Schneise, eine steppenartige sandige Heidelandschaft mit viel Buschwerk, rechts kiefernlastiger Mischwald, durch den hin und wieder das laut grummelnde Dröhnen eines startenden Großraumfliegers drang (die Startbahn West verläuft hier nur ein paar hundert Meter weiter westlich – nicht zu sehen, aber sehr deutlich zu hören).

Nach ca. 1,5 Kilometern am Rand des großen Heidestreifens erreichte ich die Mönchbruch-Schneise (Radweg 25/Regionalparkweg), auf der ich halbrechts in den Wald einbog, 500 m geradeaus lief, und dann noch mal halbrechts auf die Hohewart-Schneise/Riedlinie (Blauer Kreis) einschwenkte. Hier bereits ein schwacher Kerosingeschmack in der Luft, der Geruch von Flughafen, Urlaub, Abenteuer, weiter Welt… Es heisst ja, dass bestimmte Gerüche unmittelbar intensive Empfindungen hervorrufen können, bei mir war´s in diesem Fall ein akuter Anfall von Fernweh – da starten hier im Minutentakt die Maschinen zu irgendwelchen fremden, aufregenden Orten, und man selbst ist schon seit Jahren nicht mehr richtig rausgekommen…

<Seufzer>

<Doppelseufzer>

Und nochmal:
<Seufzer>

Aber was willste machen?
Eben, nix!
Also weiter!

Noch ein paar hundert Meter auf der Riedlinie ostwärts durch den Wald, und ich war direkt an der Startbahn West angekommen, von der man allerdings nichts sah – statt offenem Blick auf die Piste war da nur ein massiver Betonzaun mit Stahlträgern als Streben, dahinter mehr Wald, aus dem hin und wieder ein Flutlicht-Mast mit Überwachungskamera ragte.
Doch auch wenn von der Startbahn selbst nichts zu sehen war, zu überhören war sie nicht. Ich bin normalerweise ja überhaupt nicht an Technik interessiert, die meisten Leistungen moderner Ingenieurskunst lassen mich eher kalt, aber ganz ehrlich: Das tiefe Dröhnen, das entsteht, wenn 150 m. neben einem ein mehrere hundert Tonnen schwerer Metalkoloss von vier gewaltigen Turbinen mit über 300 km/h in den Himmel geprügelt wird, das geht einem wirklich durch Mark und Bein und ist schon ganz arg beeindruckend (andererseits muss ich sagen: Die Vorstellung, diese Geräuschkulisse in leicht abgeschwächter Form Tag für Tag 16 oder 18 Stunden um sich zu haben, ist nicht gerade angenehm – da kann ich die Gegner des Flughafenausbaus voll und ganz verstehen)

Für mich ging´s hier auf jeden Fall weiter nach Norden, auf einem breiten, leicht schlammigen Kiesweg am Flughafenzaun entlang (Immer noch Riedlinie, also blauer Kreis). Nach 1,2 km teilte sich der Weg nach links und rechts, ich lief rechts, zwischen Zäunen hindurch bis zur Ausichtsplattfrom am Anfang der Startbahn West, von der aus man einen guten Blick auf das Flughafengelände hat.

Ach du Scheisse, ist das riesig!!!!
Wenn man im Flieger sitzt und drüberrollt, merkt man das gar nicht so, aber wenn man erst mal davorsteht – Boah!
Rechts runter die Startbahn West, eine drei Kilometer lange und 500 Meter breite Schneise im Wald, geradeaus die beiden anderen Bahnen, vier Kilometer nach Nordosten, so weit, dass man die Terminalgebäude am Nordende der Bahnen im Dunst nicht mehr richtig sehen konnte.
Mannomann, nicht schlecht, Herr Specht, da sieht man erstmal, wie groß ein Großflughafen wirklich ist!

Ein, zwei Minuten Aussichtspause, dann weiter, auf einem kleinen Fußpfad an den Airport-Ring, den dann auf einem breiten Fahrradweg entlang, erst kurz nach Westen, dann nordwärts, weiterhin guter Blick auf das Flughafengelände (von dem hier ein seltsames, fluktuierend-pfeiffendes Summgeräusch zu hören war. Etwas nervig), vorbei an einem Parkplatz (das wird wohl der Ausgangspunkt für den nächsten Lauf von „Projekt Nordwärts sein), bis zur alten „Hegwaldschneise“, einer Asphaltstrasse die kurz vor der A3 vom Airportring weg in westlicher Richtung in den Wald führt.

Der folgte ich nun einen knappen Kilometer (vorsichtig, hier gibt´s keinen eigenen Rad- oder Fußgängerweg, dafür aber regen LKW-Verkehr) und erreichte schließlich die Kiesgrube am Mönchofdreieck, am oberen Ende der langen Schneise, der ich nach der Zinswiese schon ein Stück gefolgt war. Hier links, der Strasse entlang der Kiesgrube folgend zurück nach Süden (Radweg 4 [aber wieder mal keine entsprechende Markierung zu sehen]/Regionalparkweg [=die dreiteilige magenta-Pyramide]). Um mich herum geschäftiges Treiben, behäbige Kieslaster auf dem Weg von oder zur Kiesgrube, dazu ein Wald ominös brummender Strommasten, rechts ein Miniaturgebirge aus Schutt- und Sandbergen (die im Sonnenschein so ein bisschen was von Sahara hatten).

Ein Kilometer auf der Strasse entlang, dann rechts ab, nach Süden in den Wald (Die „Stegwaldschneise“ – Theoretisch Radweg 6, aber mal wieder nicht markiert).

Von da an: Einfach nur geradeaus. Eeeeeeewig geradeaus. Genauer gesagt: Mehr als drei Kilometer. Wald, wald, wald, nichts als Wald. Weiterhin ganz sonnig und hübsch, aber auf Dauer doch etwas Monoton, besonders wenn das Interessanteste, was man unterwegs sieht,
ein vorbeifliegender Buntspecht und die Hütten der Naturfreunde Bischofsheim und des Odenwaldclub Rüsselsheim sind
Ansonsten: Gut laufbarer aber unspektakulärer Weg durch den Flachlandwald, der sich ganz ordentlich zog, dabei irgendwann wieder zur Riedlinie (Blauer Kreis) wurde.

Schließlich, nach einer gefühlten halben Ewigkeit ein kleiner Schlenker auf die leicht versetzt nach Süden verlaufende Mönchbruch-Schneise (Radweg 25), noch ein paar Minuten weiter, dann der Waldrand am Nordende der Mönchbruch-Wiese.
Fast geschafft.

Den letzten knappen Kilometer noch mal mitten durch die Mönchbruch-Wiese: Auf der Mönchburch-Allee, einem großartigen, von alten Kastanien gesäumten Weg, durch die Feuchtwiesen, herbstlich-goldener Sonnenschein, der vom im Wasser zwischen dem dichten Gras reflektiert wurde, in der Ferne ein paar Nebelschwaden über dem Marschland – herrlich, einfach herrlich, wunderbarste Natur, und das mitten im Rhein-Main-Gebiet!
Sah ziemlich genau so aus wie bei diesem Link.
Perfekt!
Am Ende der Allee ein Aussichtsturm, da kletterte ich natürlich auch noch mal rauf und besah mir das ganze von oben (von da hatte man auch noch mal einen schönen Blick auf die immer noch friedlich weidenden Damhirche), dann noch ein paar hundert Meter bis zum Jagdschloss, das ebenfalls sehr hübsch ist (wenn auch mit etwas viel Patina, wird aber wohl gerade renoviert), über die B486 und zurück zum Auto.

Fazit: Hat viel Spass gemacht. Schönes Wetter und eine reizvolle Strecke, vor allem natürlich um den großartigen Mönchbruch herum, das ist ganz zweifellos eine der schönsten Ecken des Rhein-Main-Gebietes. Faszinierend auch der Spannungsbogen zwischen urwüchsiger Natur auf der einen, und dem hochmodernen Frankfurter Flughafen auf der anderen Seite – kaum zu glauben, wie nah diese beiden Extreme hier beieinander liegen.
Sehr guter Lauf in gemütlich-moderatem Tempo.

Strecke: 15,2 km
Zeit: 1:36 h (= 9,5 km bzw. ca. 6:20 min/km)
Karte:
flughafen.jpg

Interaktive Streckenkarte

M.

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6 Antworten to “Projekt Nordwärts: Mönchbruch – Startbahn West (15,2 km)”

  1. Josch Says:

    Hallo & herzlichen Glückwunsch zu Eurem wirklich tollen und gelungen Läuferblog!

    Ich selbst wohne in Alsbach (Sandwiese) und hätte evtl. Interesse mich Eurer Laufgruppe anzuschließen – wenn ihr noch Novizen aufnehmt ;-). Leider habe ich keine Mailadresse auf Eurer Website gefunden. Ich habe in diesem Jahr einen Halbmarathon (1:56h) absolviert.

    Über eine Kontaktaufnahme würde ich mich freuen.

    Grüße


  2. […] also Lauf #6 von Projekt Nordwärts. Letzte Woche hatte ich es ja immerhin schon bis in den Hegwald am Westrand des Frankfurter Flughafens geschafft, heute wollte ich endlich bis an den Main vorstossen (und zwar bei […]


  3. […] Da meldet sich doch vor zwei Wochen jemand namens Jost, wohnhaft in der Sandwiese mit, einem freundlichen Kommentar und fragt, ob wir nicht mal zusammen laufen wollen. Machte einen sehr netten Eindruck, und und […]


  4. […] Eine wirklich wunder-, wunderschöne Naturlandschaft, wie ich bereits bei einem herrlichen Lauf im Herbst 2007 festgestellt […]


  5. […] pur: Schwarzbachwiese, NSG Mönchbruch und Horlache (10,6 km) « Laufblog on Projekt Nordwärts: Mönchbruch – Startbahn West (15,2 km)Natur pur: Schwarzbachwiese, NSG Mönchbruch und Horlache (10,6 km) « Laufblog on […]


  6. […] (geradeaus würde ich weiter in Richtung Mönchbruchwiese und Jagdschloss Mönchbruch kommen, da ist es zwar wunderschön, aber heute passt das nicht mehr). Links die Hochschneise (Radweg 23) am Rand der Birkensee-Wiese […]


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