Dreariness As Usual: Allmendfeld – Gernsheim – Biebesheim (11,3 km)

11. Dezember 2007

Man kann die Dinge ja immer aus mehreren Blickwinkeln sehen.
Zum Beispiel den heutigen Lauf:
Objektiv betrachtet war der wieder mal nicht besonders angenehm, aus den üblichen Gründen: Unlust, physisch nicht so wirklich auf der Höhe, deprimierend finsteres Scheisswetter.
Subjektiv betrachtet war er aber in jeder Hinsicht besser als die Quälerei von Vorgestern: Unlust kleiner, Müdigkeit geringer, zickendes linkes Bein etwas umgänglicher, und das deprimierend finstere Scheisswetter war insgesamt ein klein wenig weniger deprimierend und finster (unfreundliches Mittelgrau statt feindselig-dunklem Bleigrau – ja, inzwischen bin ich schon soweit, dass ich nicht mehr über gutes oder schlechtes Wetter schreibe, sondern über die verschiedenen Abstufungen bei den Grautönen des ja ohnehin permanent schlechten Wetters…).
Man könnte also auch sagen: Es geht aufwärts, alles wird besser!
Yuppiduh!

Aber fangen wir doch mal von vorne an: Start in Allmendfeld in der Raiffeisenstr., nordwestlicher Ortsrand. Von hier aus südwestwärts, auf einem namen- und markierungslosen Betonplattenweg durch die Felder in Richtung Gernsheim. Lange gerade durch die meist öden, leeren Äcker (hin und wieder war mal ein Erdbeerfeld dazwischen, dessen leuchtend rot-gelb-braune Blätter willkommene Farbkleckse im uniformen Grau bildeten), unangenehm kalter Nordwind, der ungehindert über die Ebene fegte. Eben Business as usual. Nach 800 m. ein paar Aussiedlerhöfe und ein kleiner Knick halbrechts, dann noch mal 800 m. dasselbe, bis ich die Umgehungsstrasse westlich von Gernsheim erreichte.

Laut Wanderkarte und Google Earth sollte der Weg hier einfach die Strasse überqueren und nach Gernsheim reinführen.
Früher war das sicher auch mal so, inzwischen hat man aber zwischen Umgehungsstrasse und gernsheimer Ortsrand einen 7 oder 8 m. hohen grasbewachsenen Lärmschutzwall aufgeschüttet, und dabei vergessen, einen Übergang oder Durchlass für den Weg einzubauen – da ging´s also nicht so richtig weiter.
An der Umgehungsstrasse Entlanglaufen war keine Option, die ist stark befahren und hat weder Fuß/Radweg noch einen Seitenstreifen, zurück wollte ich auch nicht.
Na gut. Dann eben doch geradeaus, über den Wall. Glücklicherweise ist der keine senkrechte Wand, sondern eher ein sehr steiler Hügel – erklimmbar.
Also über die Strasse (schon das angesichts des intensiven, ungehemmten Verkehrs nicht ganz einfach), die Flanke des Lärmschutzhügels erklommen, auf der anderen Seite wieder runter – da lief dann auch der Weg weiter, als ob nicht gewesen wäre, und erreichte nach wenigen Metern die Schöfferstadt Gernsheim.

Dort gleich die erste rechts (Frankensteiner Str.), durchs Neubaugebiet im Nordosten der Stadt, komfortable Einfamilienhäuser und Bungalows mit viel Weihnachtsschmuck, Querstrasse die nach prominenten Punkten um Odenwald benannt sind (Trommstr., Felsbergstr., Breubergstr….). Nach knapp 500 Metern die breitere Adenauer-Allee, die rechts hoch bis zur Pfungstädter Str. (= die Hauptzufahrtsstrasse nach Gernsheim rein).

Hier gab´s weder Radweg noch Bürgersteig, lediglich den normalen Strassenrandstreifen – nicht gerade ideal zum laufen, aber ich musste ja irgendwie über die Bahntrasse, und da war die Pfungstädter Str. mit ihrer Bahnbrücke nun mal die beste Möglichkeit (was ich nicht wusste: Es gibt auch einen Fuß/Radweg, der erst kurz vor der Bahntrasse auf die Brücke hochgeht, mit dem hätte ich mir das laufen an der Fahrbahn sparen können – na ja, hinterher ist man immer klüger…).
300 m. auf dem Randstreifen in Richtung West-Südwest bis auf die Höhe der Bahnbrücke, dort kurz über die Leitplanke auf den bereits erwähnten Fußgängerweg gewechselt und auf der anderen Seite der Schienen abwärts, von der Brücke runter auf einen kleinen Fußweg an einem Feld unterhalb der Strasse. Noch ein Stück geradeaus, über den Kreisel an der hoch aufragenden Malzfabrik bis zur Mainzer Str., der Durchgangsstrasse am Rheinufer.

Hier knickte ich dann nordwärts ab, um zwischen Rhein und Industriegebiet nach Biebesheim zu laufen (Markierung: Ja, es gab eine, nämlich das rote R des Rhein-Neckar-Wegs).
Das folgende Stück entlang der Strasse war ich vor zwei Monaten schon mal gelaufen, damals hatte ich es folgendermassen charakterisiert:

Bei schlechtem Wetter wäre das sicher kein besonders schönes Stück gewesen, aber in der milden Herbstsonne wirkte es durchaus interessant, mit einem eigenen, postindustriell-sperrigen Charme.

Tja, heute war nun das besagte schlechte Wetter, milde Herbstsonne gab´s dagegen keine. Und ich muss sagen: Wer sich für dröge-trostlose Backsteinschlote, blockig-triste industrielle Zweckbauten, schäbig-verlassene Hafenanlagen voller Schutt, sowie von dürren Unkrauthecken umwucherte halbleere Parklätze unter einem tiefhängenden, grauen Schlechtwetterhimmel begeistern kann, der wäre hier heute voll auf seine Kosten gekommen.
Leider bin ich ja eher der „tiefe Wälder, grüne Wiesen, weite Aussichten, und hübsche alte Gebäude, am besten alles bei Sonnenschein“-Typ, ensprechend fand ich´s nicht ganz so prickelnd.
Immerhin konnte man sich ein bisschen auf den Rhein konzentrieren, der wirkte angesichts der äußeren Umstände auch nicht unbedingt erhebend, war aber immer noch besser als nix…

1,6 km an der Mainzer Str. nordwärts, dann kurz vor dem offiziellen Biebesheimer Ortseingang links, der Rheinschleife folgend auf den Damm, kurz zwischen dem Rheinstadion, kahlen Alleebäumen und dem Rhein westwärts, dann vor dem „Bootshaus“ rechts, über den Parkplatz am Stadion auf die Heidelberger Str. (Plattenbauten unter grauem Himmel…), dort gleich noch mal rechts, Richtung Nordosten.

Der Plan sah vor, dass ich ab hier der Justus-Liebig-Str. am südlichen Ortsrand entlang folgen sollte, das war allerdings nicht machber: Wieder mal eine reine Fahrstrasse ohne Seitenstreifen oder Radweg, zu eng und zu stark befahren, um direkt an der Fahrbahn zu laufen. Also nahm ich stattdessen einen kleinen Feldweg, hinter den letzten Häusern von Biebesheim parallel zu Strasse verlief.
Problem: Nach 400 Metern kamen die Bahnschienen. Die Strasse hatte sich inzwischen zur Bahnbrücke erhoben, der Feldweg nicht. Einfach so über die Gleise ging nicht, einerseits aufgrund meiner bekannten Zurückhaltung bei solcherlei Aktionen, andererseits, weil sie durch eine 2-3 m. hohe Mauer abgeschirmt waren – da ging gar nix.
Glücklicherweise entdeckte ich am Fuß der Brücke eine schmale, überwucherte Treppe, die bis zur Strasse hinauf führte – daneben stand zwar eines dieser an solchen Stellen üblichen „Dienstweg“-Schilder, aber es stand nichts davon da, dass es verboten sei, die Treppe auch als Normalsterblicher a.D. zu verwenden, also machte ich genau das: Schmale Treppe hoch auf die Brücke (da gab´s einen schmalen Weg neben der Leitplanke), über die Bahn, auf der anderen Seite auf genau so einer Treppe wieder runter.
Bahn überquert.

Nochmal neben den Bahnschienen unter der Brücke durch, dann auf einem weiteren schlammigen Feldwegf südlich der Liebig-Strasse weiter ostwärts. Rechts Felder, links schon wieder Industriegebiet, dieses Mal das von Biebesheim, das offensichtlich vor allem von Chemieunternehmen bevölkert wird: Schlote, ganze Batterien riesiger Druckkessel, Geruch nach Lack, Silikon, irgendwelchen anderen Chemikalien.
1,2 km geradeaus, durch eine Unterführung unter der B44 durch, auf der anderen Seite nochmal 300 Meter neben einer weiteren Tank- oder Kesselbatterie her, dann war das Industriegebiet zu Ende und ich hatte den Fanggraben erreicht, einen kleinen Wasserlauf, der hier träge durchs Ried fliesst, und dem ich bis zurück nach Allmendfeld folgen wollte.

Entsprechend hier rechts, auf einem schmalen Trampelfpad am Südufer des Grabens entlang durch die Felder, eine ziemlich schlammige angelegenheit. Etwas Ablenkung durch den Müll im Graben („war das gerade eben eine eingesaute Herren-Feinripp-Unterhose, die da im Schilf gehangen hatte – brrr, besser nicht drüber nachdenken…“) und die überraschend gut vertretene lokale Fauna (Fischreiher, zwei Feldhasen, lustige Bleßhühner die im Graben paddelten und sich bei meinem Näherkommen unter indigniertem Glucksen im Schilf versteckten)
Nach 700 Metern ein hübscher Aussiedlerhof direkt am Graben, der sogenannte „Fängerhof“. Wohl auf Reitpferde spezialisiert, zumindest liessen die vielen Koppeln und die für die Gegend eher untypische Ansammlung ostentativ-stylischer Neureichenfahrzeuge auf dem Parkplatz davor darauf schliessen…
Hier ging´s dann kurz vom Graben weg, an die B426, dort links an den Graben zurück und noch 600 m. weiter ostwärts bis zum nordwestlichsten Zipfel von Allmendfeld. Noch mal rechts, die Hahner Str. runter (das übliche Allmendfelder Ortsbild – hübsche Wohnhäuser und Höfe mit viel Garten, in großzügigem Abstand voneindander an der Strasse), im Ortskern noch einen kleinen Schlenker durch die Lagerhausstr. (einfach so, weil mir danach war), und schon war ich wieder am wartenden Auto.

Wie gesagt: Kein wirklich doller Lauf, wie üblich blödes Wetter, vor allem Äcker und Industriegebiete, dazu viele unerwartete Hindernisse, mein linkes Bein störte ein bisschen. Nichtsdestotrotz in praktisch jeder Hinsicht besser als das Gewürge vorgestern, also will ich mal nicht darauf rumreiten, was alles nicht perfekt war, sondern stattdessen feststellen: Es wird wieder besser!

Strecke: 11,3 km
Zeit: 1:11 h (= 9,55 km/h bzw. ca. 6:17 min/km)
Karte:
biebesheim-sud.jpg

Interaktive Streckenkarte

M.

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2 Antworten to “Dreariness As Usual: Allmendfeld – Gernsheim – Biebesheim (11,3 km)”


  1. […] Dreariness As Usual: Allmendfeld – Gernsheim – Biebesheim (11,3 km) […]


  2. […] dem Parkplatz des Rheinstandions an der Heidelberger Str., südlich des Ortes (war ich schon mal im Dezember vorbeigelaufen). Von hier aus ein paar Meter in Richtung Rhein, dann hinter dem “Bootshaus” nach […]


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