Projekt Nordwärts Ende: Kelsterbach – Frankfurt-Schwanheim (13,6 km)

13. Dezember 2007

 Projekt Nordwärts ist eine Serie von Läufen, mit denen ich in den etappenweise vom südlichen Ende des Rhein-Main-Gebietes bis nach Frankfurt am Main laufen möchte, um die Strecke des Frankfurt-Marathons an mein übriges Streckennetz anzubinden. 

Wenn das Laufen im Spätherbst einen Effekt hat, dann den, dass man lernt, sich auch mal über die kleinen Dinge zu freuen.
Nehmen wir zum Beispiel mal heute morgen: Aufgestanden, schlaftrunken zum Fenster gewankt, rausgeguckt und – BLAUER HIMMEL!?!
Da klaffte doch tatsächlich eine Riesenlücke in der grauen Wolkendecke, durch die sogar ein bisschen Sonne bis auf den Boden drang (zumindest drüben in Rheinland-Pfalz. Aber die haben ja eh immer schönes Wetter, die Säcke in Rheinhessen). Das beste Wetter seit Tagen, instant fühlte ich mich gut gelaunt und hatte Lust aufs Laufen – das galt es natürlich auszunutzen.

Deswegen heute auf dem Programm: Der siebte und letzte Lauf von Projekt Nordwärts, von Kelsterbach bis nach Frankfurt-Schwanheim auf die Mauritiusstr. (= Strecke des Frankfurt Marathons) und wieder zurück.

Schon am frühen Nachmittag aufgebrochen, wer weiss, wie lange das freundliche Wetter halten würde. Start in Kelsterbach, auf einem großen Parkplatz an der Sandhügelstr. Von hier aus erstmal runter zur Mörfelder Str., unter den Bahnschienen durch, auf der anderen Seite durch den kleinen, namenlosen Hohlweg runter zum Mainufer – derselbe Weg wie beim letzten Lauf durch Kelsterbach.

Am Flussufer angekommen lief ich heute allerdings nicht nach links, sondern nach rechts, Flussaufwärts in nördlicher Richtung (Markierung: Blaues M, der Mainwanderweg). Sehr angenehm: Sonnenschein, eine gepflegte Uferpromenade, links der Main (der momentan augscheinlich gerade viel Wasser führt), direkt geradeaus die Hängekonstruktion der Werksbrücke West, dahinter der im Schatten der wolken liegende Hochtaunus. Schön, so macht laufen Spass.

Nach ziemlich genau 500 Metern bei einem Denkmal rechts ab, eine kleine Treppe hoch und an einer Fußgängerampel über die Mainstr., auf das Gelände der Bürgermeister-Hardt Schule, am Schulhaus vorbei und über den leeren Schulhof (keine Markierung mehr). Em Ende des Schulhofs dann durch ein offenes Tor, ein paar Stufen runter auf den asphaltierten Fußweg neben der Kelster: Eine Art Stadtpark, viel Wiese, ein paar alte Bäume, am Südende begrenzt durch die steile, hoch aufragende Böschung der Kelsterbacher Terasse , die das ganze noch Tal-artiger wirken lässt. Ich folgte dem Weg ein paar Meter nach Osten, bog dann rechts bis zum Fuß des bewaldeten Terassenhangs ab, dort dann wieder links, weiter ostwärts, und schließlich auf den sogenannten Amselpfad (der eigentlich gar kein Pfad ist, sondern ein bequemer, gut gepflegter Waldweg).

Hier dann ein ganzes Stück geradeaus, direkt rechts der Hang, links die Niederung der Kelster, ein augenscheinlich weitgehend naturbelassenes Feuchtgebiet voller Schilf, kleinerer Seen, und singender Vögel. Hübsch.
Nach ca. 600 m. schimmerte rechts oben am Hang eine etwas deplaziert wirkende blaue Wasserrutsche durch die Bäume (offensichtlich liegt da oben das örtliche Freizeitbad), hundert Meter weiter war dann der Amselpfad zu ende, stattdessen ging´s auf einem Asphaltweg vorbei an einem Sportplatz weiter ostwärts (ab hier dann auch wieder das blaue M des Mainwanderwegs) bis zur B43, unter der hier eine Unterführung in den Frankfurterr Stadtwald auf der anderen Seite der Bundesstrasse führt.

Auch hier immer geradeaus, auf der Langschneise immer weiter ostwärts, rechts weiterhin die steile Böschung der Kelsterbacher Terasse, das Teil ist ganz schön groß (Markierung keine, aber die Schneisen sind hier durch entsprechende Schilder namentlich gekennzeichnet, das erleichtert die Navigation ungemein).
Schönes, abwechslungsreiches Waldstück mit vielen verschiedenen Laub- und Nadelbaumarten und gut gepflegten Wegen, gut zu laufen, relativ viel los: Allenthalben Spaziergänger (mit oder ohne Hund), Walker, Radfahrer, andere Jogger (die meisten davon freundlich und grußbereit, so lob´ ich mir das) – man merkt, dass man hier schon am Rand der Großstadt ist.
Nach 700 Metern scharf links hoch, ein Stück nordwärts, dann wieder rechts, ein Stück am Waldrand entlang und schließlich an einer kleinen Schutzhütte hinaus ins freie Gelände der Schwanheimer Wiesen. Beeindruckend: Eine riesige offene Fläche mit heideartiger Graslandschaft, vollständig von Wald umschlossen, nur hin und wieder von ein paar einzelnen alten Bäumen und Heckengebüschen unterbrochen – im Sommer ist das sicher die reinste Steppe.

Auch hier blieb ich der bisherigen Hauptrichtung des heutigen Laufes treu: Ostwärts, erst ein holpriges Stück über die Wiese (hier war wohl mal ein Trampelpfad, aber der hatte sich durch intensive Wildschweineinwirkung in eine schlammig-durchgepflügte Kraterlandschaft verwandelt), dann auf einem schönen, breiten asphaltweg mitten durch Wiesenlandschaft hindurch. Insgesamt fast einen Kilometer geradeaus, schließlich eine Kreuzung bei einer größeren Hecke, hier ging´s links bis zum nördlichen Waldrand, dort dann noch mal kurz rechts, dann wieder links, noch mal 200 Meter auf der Lönsschneise durch den Wald bis zum Ortseingang von Schwanheim.

Geradeaus weiter nach Norden, über die Rheinlandstr. durch den Lönsweg. Sehr schöne, ruhige Wohngegend mit schönen alten, Häusern und großzügigen Gärten, noch kein echtes Villenviertel, aber auf jeden Fall großbürgerlich-komfortabel, vermutlich aus der Zeit um die vorletzte Jahrhundertwende – hat mir gut gefallen.
Nach 200 Metern war der Lönsweg zu Ende, deswegen ein kleiner Schlenker nach rechts in die Gerolsteiner Str., weiter nordwärts, vorbei an einer kleinen, etwas wucherigen Parkanlage mit einer hübschen Skulptur in der Mitte, in den alten Ortskern (schlichtere, enger beienander stehende Häuser, aber immer noch nett), bis ich schließlich die Mauritiusstr. im Norden des Ortes erreichte.
Ein leichtes Déjà-Vu, denn hier war ich schon mal gewesen, vor ca. sechs Wochen beim Frankfurt-Marathon, irgendwo zwischen Streckenkilometer 21 und 22 – geschafft, damit war die Marathon-Strecke endgülitg an den Rest meines Laufnetzes angeschlossen.
Gutes Gefühl!

Eigentlich hätte ich Projekt Nordwärts ja damit beenden können, dummerweise stand das Auto aber noch in Kelsterbach, zurück musste ich also auch noch, und das waren noch ein paar Kilometer. Folgerichtig musste ich natürlich noch weiter, erstmal ein paar hundert Meter auf der Mauritiusstr. ostwärts, vorbei an der stattlichen Mauritiuskirche, nach 350 m. dann wieder rechts runter, auf der Strasse „Alt-Schwanheim“ zurück nach Süden. Noch mal ganz durch den Ort durch, ruhige, dörfliche Geschäftsstrasse mit vielen kleinen Geschäften, teilweise Verkehrsberuhigt.

Am Südrand von Schwanheim dann wieder über die Rheinlandstr., vorbei am Verkehrsmuseum der Stadt Frankfurt entlang der recht stark befahrenen Schwanheimer Bahnstrasse in den Wald. Direkt hinter dem Verkehrsmuseum ein kleiner Weg links rein, zum Kobeltzoo, einem kleinen Tiergarten, der von einem gemeinnützigen Verein geführt wird – hätte ich mir wahnsinnig gerne mal angesehen, leider hat er aber gerade Winterpause (und selbst wenn nicht wäre er unter der Woche nicht geöffnet gewesen), also musste ich mich mit einem Blick auf die Volieren des direkt daneben liegenden Geflügelzuchtvereins begnügen. Ein Andermal vielleicht…
Gleich dahinter, auf der anderen Strassenseite ein großer Spielplatz, dann noch mal ein kurzes Stück durch die Schwanheimer Wiesen, vorbei an einem größeren Sportgelände, und schon war ich wieder mitten im Frankfurter Stadtwald, der mich erstmal mit 100 – 200 m. unerwarteter und recht ordentlicher Steigung begrüßte – offenbar reicht die Erhebung der Kelsterbacher Terasse selbst bis hier hinten.

Ich folgte weiter der Schwanheimer Bahnstrasse nach Süden durch den Wald, auf einem teilweise recht unebenen Pfad, insgesamt ziemlich genau einen Kilometer, bis zu einem beschrankten Bahnübergang, auf dem ich über die Gleise lief. Direkt dahinter dann scharf rechts, auf derHinkelsteinschneise direkt an der Bahntrasse 700 Meter westwärts, dann links, über die Hainbuchenschneise zum Wasserwerk Hinkelstein, das hier mitten im Wald steht.
An sich ja nichts Besonderes, aber zum Wasserwerk dazu gehört auch ein wunderschöner historischer Kuppelbau aus Backstein, der eine echte Augenweide ist.

Für mich ging´s weiter nach Süden, um das Wasserwerk herum und dahinter weiter die Hainbuchenschneise entlang (Markierung: Reginalparkweg, das ist diese komische magentafarbene Pyramide aus drei Teilen), und nach 700 Metern schließlich rechts (=westwärts) in die Fichtenschneise, an deren Ende das obligatorische Gattertor wartete (hier oben ist wirklich jedes Waldstück eingezäunt – einerseits angesichts des hohen Verkehrsaufkommens und der dichten Besiedelung verständlich, da es Wildunfälle vermeidet, andererseits hat man immer das Gefühl, gerade in einem Safaripark unterwegs zu sein – und auf Dauer kann es ja auch nicht gut für den Genpool der lokalen Fauna sein, wenn die nur noch aus eingepferchten, isolierten Populationen besteht, oder?).
Dahinter zwei große Brücken, erst eine über eine weitere Bahntrasse, dann der Waldrand und die zweite Brücke, über die B43 ins Mittelfeld vor Kelsterbach. Auf dieser zweiten Brücke gab´s dann auch noch mal das krönende Finale des Laufs: Wegen der Erhöhung ein toller Blick über die Baumwipfel in alle Richtungen, dazu kam noch mal die Sonne, die sich in der letzten halben Stunde eher bedeckt gehalten hatte, unter der dichten Wolkendecke hervor und tauchte das gesamte Panorama in ein wunderschönes, helles, weiches, goldenwarmes Herbstlicht: Kelsterbach, Hattersheim, Frankfurt, den Main, die Berge – alles sichtbar, alles spektakulär illuminiert. Besonders am Taunus konnte ich mich gar nicht sattsehen, so nah bin ich den Anblick einfach nicht gewöhnt, dazu noch so klar in der kalten Herbstluft, dass man die Türme auf dem Feldberg gestochen scharf erkennen konnte (da muss ich unbedingt noch mal raufjoggen – Feldberg, du bist auf meiner Liste!).
Wunder-, wunderschön!!!!!!! Ahhhhhhh, wenn´s doch bloß immer so wäre…

Hinter der Brücke ging es wieder abwärts, in die Felder/Wiesenlandschaft vor Kelsterbach und auf den sogenannten Längerweg, einen komfortablen Asphaltweg, der hier in nordwestlicher Richtung nach Kelsterbach führt. Super zu laufen, die Sonne tauchte weiterhin alles in wunderbares Nachmittagslicht, das flutschte jetzt. Nach 500 Metern ein Tunnel unter der Ringstrasse hindurch, dahinter noch mal 300 Meter bis zum Ortsrand von Kelsterbach, den ich auf einem kleinen Trampelpfad noch kurz folgte, um dann auf dem Gladiolenweg in das hübsche Neubaugebiet im Kelsterbacher Nordosten einzulaufen, und über die Lilienstrasse (hier sind alle Strassen nach Blumen benannt, fand ich irgendwie nett) zurück zum Parkplatz mit dem wartenden Auto zu laufen.

Hach, heute war´s endlich mal wieder richtig schön. Angenehmes Wetter, die Strecke war spannend, abwechslungsreich, interessant und hübsch, der Lauf verlief reibungs- und problemlos, und war erfrischend, entspannend, stimulierend. Schon Wahnsinn, was so ein bisschen gutes Wetter ausmacht (bin eben wirklich ein Schönwetterjogger, da merkt man sowas)…

So, und das war´s erstmal mit Projekt Nordwärts.
Die Vorgabe, den Frankfurt-Marathon an mein restliches Streckennetz anzuhängen, ist mit dem heutigen Lauf erfüllt. Hat viel Spass gemacht und meinen läuferischen und geographischen Horizont ein gutes Stück erweitert, also alles in allem ein voller Erfolg.
Und wer weiss, vielleicht setze ich ja irgendwann noch mal hier an und mache weiter, schließlich harren noch 880 Meter Feldberg darauf, läuferisch bezwungen zu werden…

Strecke: 13,6 km
Zeit: 1:21 h (= 10,07 km/h bzw. 5:57 min/km)
Karte:
kelsterbach-schwanheim.jpg

Interaktive Streckenkarte

M.

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