Über dem Nebel: Ober-Hambach – Krehberg – Pfalzbachtal (12, 8 km)

22. Dezember 2007

Der Winter ist da. Und das nicht nur kalendarisch…
Hier unten, am Fuss der Bergstrasse, bedeutete das heute vor allem Nebel.
Und zwar nicht so ein herbstlich-romantischer „bisschen dunstig, verzieht sich bis Mittag“-Nebel, oh nein. Wir reden hier von einer kompakten, grauen Suppe, sowas wie der Rolls Royce unter den Nebeln: Sichtweite deutlich unter 100 m. So dicht, dass man ihn fast schon mit dem Messer schneiden konnte. So zäh, dass er sich den ganzen Tag kein bisschen rühren, geschweige denn auflösen, würde.
Und kalt, richtig fies kalt, Alles in dicken, pelzigen Rauhreif gehüllt, Temperaturen um die -7 Grad.

Brrr. Nicht unbedingt die besten Laufbedingungen.

Tja, aber wie heisst es doch so schön: Wenn die Sonne nicht zum Jogger kommt, muss der Jogger eben zur Sonne.
In diesem Fall bedeutete das: In die Höhenlagen, denn angesichts der immer noch herrschenden Inversionswetterlage bestand berechtigter Anlass zur Hoffnung, dass sich irgendwo über dem zähen Bodennebel ein wunderschöner Frühwintertag abspielte, man musste ihn nur finden.
Da traf es sich natürlich gut, dass Jost und ich für heute sowieso einen Lauf im Odenwald geplant hatten, von Ober Hambach über den Südkamm der Knodener Höhe auf den Krehberg, dann durchs Pfalzbachtal wieder zurück. Ein großteil der Strecke über 400 Metern Höhe, wenn heute irgendwo Sonne zu finden sein würde, dann da oben…

Schon die Fahrt nach Ober-Hambach war da irgendwie spannend – würde sich der Nebel rechtzeitig lichten?

Heppenheim, 100 m.ü.NN – dichtest grauer Nebel, saukalt…

Unter-Hambach, 180 m.ü.NN – dichter grauer Nebel, saukalt…

Mittleres Hambacher Tal, 250 m.ü.NN – dichter Nebel (vielleicht etwas heller?!?), saukalt…

Unteres Ende von Ober-Hambach, 310 m. ü.NN – Nebel etwas weniger düster, saukalt…

Oberes Ende von Ober-Hambach, 370 m. ü.NN – Der Nebel wird dünner, heller, man sieht etwas blauen Himmel. Saukalt…

Schließlich unser heutiger Startpunkt, Parkplatz Goldbrunnen am obersten Ende des Hambacher Tals, 390 m. ü. NN:
JA!
Auf die letzten Meter lichtet sich der Nebel vollends, es ist als würde man aus einem grauen, tiefen Ozean aus Nebel auftauchen und ins Licht fahren: Hier oben herrschen strahlender Sonnenschein und blauer Himmel, ein traumhaftes Laufwetter.
Na ja, fast traumhaft, saukalt isses nämlich immer noch. Aber für sowas gibt´s ja Handschuhe.

Das würde ein guter Lauf werden!

Start also auf dem Parkplatz Goldbrunnen, oberhalb von Ober-Hambach (hier war ich vor ein paar Wochen vom Meerbachtal kommend schon mal durchgelaufen). Samstag, Wochenende, deswegen war Jost heute auch wieder mit von der Partie, sein erster richtiger Berglauf.

Und der ging auch schon gleich fordernd los: Ohne viel Aufzuwärmen (wie denn auch? Bei -6,5 Grad wird man nicht warm, wenn man ein bisschen am Strassenrand rumhampelt, da hilft nur laufen 😉 ) folgten wir der asphaltierten Strasse in grob östlicher Richtung, bergauf in Richtung Schannenbach (Radweg R9). Sehr bequem zu laufen, aber von Anfang an mit einer ordentlichen Steigung, da konnte man sich gleich mal richtig reinhängen. Bewusst langsames Tempo, damit Jost sich an die Steigung gewöhnen konnte (und ich noch genug Atem hatte, um ihn mit den üblichen Berglauftipps zuzumüllen: Kleine Schritte, Oberkörper gerade, tief aber kontrolliert atmen – nicht dass er die nötig gehabt hätte, er hielt ziemlich gut mit, aber wann krieg´ ich schon mal die Chance, mein ach so reichhaltiges Füllhorn der Lauferfahrung über einem hilf- und etwas atemlosen Opfer auszuschütten?
Eben, da nutzt man halt jede Gelegenheit, die sich bietet 😀 ).

Bereits nach wenigen hundert Metern verflachte der Anstieg dann deutlich zu einer angenehm sanften konstanten Steigung, die sich sehr angenehm lief, und einem Zeit und Atem liess, ein bisschen zu Plaudern und die herrliche Umgebung zu geniessen: Lichter Hochwald, unter strahlendblauem Himmel durch die schräge Sonne in ein wunderbares Spiel aus hellem licht und tiefen, langen Schatten getaucht, teilweise mit einer dünnen Reifschicht überzogen, die wunderschön im die wunderschön in der Sonne glänzte. Hin und wieder noch eine vereinzelte dünne Nebelschwade, strahlend hell im Sonnenlicht, dazu kalte, scharfe, klare Luft.
Schön!

Im Verlauf der nächsten Viertelstunde arbeiten wir uns so immer weiter nach Osten und nach oben vor, immer auf der Strasse durch den Wald an der Südostflanke des Kesselbergs (531 m. ü.NN) aufwärts, bis wir nach ca. 2,5 entspannten Kilometern schließlich die Anhöhe oberhalb von Schannenbach erreichten (Gesprächsthema zu diesem Zeitpunkt: Wie schreibt man die Wortkonstruktion „Happy-Hour-Preise“ richtig? Antwort: So wie´s hier steht [hoffe ich…]).

Hier aus dem Wald raus, ein paar Meter auf dem Bergrücken durch die offene Wiesenlandschaft am Schannenbacher Eck (538 m.ü.NN) – laut Wanderkarte ein guter Aussichtspunkt, doch dank des allgegenwärtigen Nebels (selbst hier oben war´s nicht wirklich klar) war nicht viel mit Fernsicht – links konnte man gerade noch die letzten Häuser von Ober-Schannenbach sehen, die stimmungs- und geheimnisvoll aus dem grauweißen Dunst hervorlugten, vor uns ragte der Funkturm auf dem Krehberg aus dem kahlen Wald, rechts hätte man an einem klaren Tag wahrscheinlich das Pfalzbach- oder gar das Weschnitztal überschauen können, heute gab´s lediglich mehr weisslich leuchtetenden Nebel.
Trotzdem superschön hier oben.

Nach knapp 100 m. bereits wieder in den Wald, dieses mal das Waldstück am Krehberg – da wollten wir jetzt natürlich auch noch hoch – wenn schon Berglauf, dann doch bitte auch gleich auf den höchsten Punkt des Massivs. Deshalb geradeaus weiter, Markierung gelbe 1. Bequemer Forstweg, asphaltiert, sehr sanfter Anstieg. Beidseitig des Weges noch mehr schöner, sonniger Hochwald, offensichtlich intensiv bewirtschaftet (zumindest lag hier alles voller frisch geschlagener Baumstämme), dazwischen viele große und weniger große Felsen und Findlinge, und ein paar andere interessante topographische Features (besonders interessant fand ich den großen, hohen Vorsprung, nach ein paar hundert Metern rechts des Weges wie eine Terasse in den Abhang hinein ragte – sah fast so aus wie von Menschenhand gemacht, konnte allerdings im Netz keine Infos dazu finden).

600 m. weiter östlich erreichten wir eine Kreuzung mitten im Wald. Eigentlich hätten wir hier auf dem OWK-Weg HW 13 (Markierung: blauer Balken) südwärts die Bergflanke runter gemusst, aber in nördlicher Richtung waren es nur noch 200 m. bis zum Gipfel, also nahmen wir den noch schnell mit – kurz links ab (ebenfalls HW 13/blauer Balken), noch etwas bergauf bis zum Tor des Funkturms auf dem Gipfel, und schon waren wir fast ganz oben, auf knapp 575 m.ü.NN. (der höchste Punkt ist leider Teil des umzäunten Bereiches um den Funkturm, da kommt man nicht hin) – geschafft.
Kurze Pause, unsere Leistung mit einem pappig-süssen Energieriegel gefeiert, dann ging´s wieder zurück zur Kreuzung und weiter auf der geplanten Route, HW 13 südwärts den Hang hinab. Vorsichtig, denn hier war der Weg nicht so richtig gut und relativ steil.
Gesprächsthema inzwischen übrigens: Marathon.
Genauer gesagt: Berlin-Marathon.
Sieht so aus, als würden wir da nächstes Jahr mitlaufen.
Mir war das bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht so richtig bewusst gewesen, bisher hatte ich es ja eigentlich nur angedacht. Entsprechend war ich dann auch ein klein wenig überrascht, als Jost mir erklärte, er fände es fände es gut, dass wir das nächstes Jahr machen (wohlgemerkt, nicht „falls“, sondern „dass“).
Wow, schnelle Entscheidungsfindung, hat mich angesichts der absoluten Sicherheit, mit der Jost das vorbrachte, schon ein klein wenig überrumpelt – aber hey, besser früh als nie…;) .

Die Strecke führte inzwischen übrigens oberhalb von Seidenbuch in mehreren langen Windungen und Serpentinen grob südwärts immer weiter bergab, und erreichte schließlich nach 1,6 km die Asphaltstrasse von Seidenbuch nach Seidenbach (Hmmm – zwei fast gleich klingende Orte nebeneinander – ob die lokalen Ureinwohner da durcheinander kommen?), auf der wir weiter nach Süden aus dem Wald hinaus liefen.
Vor uns eine große, offene Hochwiese direkt oberhalb des Bergtierparks in Erlenbach („Auf dem Eck“). Natürlich auch hier Sonne, dazu ein unglaublicher Blick nach Norden und Osten, über die völlig zugenebelten tief Tälern zu ein paar entfernten Höhenzügen, deren Spitzen wie einsame, wuchtige Inseln aus der grauen Suppe hervorragten – faszinierend!

Wir folgten der Strasse ein Stück bis zu einer Kreuzung mitten auf der Wiese, dort bogen wir scharf rechts ab und liefen – weiterhin auf bequemen Asphalt – nach Südwesten, relativ steil abwärts ins Tal hinunter (Markierung: Gelbe 9). Es folgte eine lange, abschüssige Gerade durch Wiesen, Weiden, und Obstbaumhaine, nach 700 m. schließlich ein scharfer Knick, hinter dem wir direkt in den Fürther Ortsteil Seidenbach gelangten, einem hübschen, idyllisches Dörfchen mit vielen alten Höfen, netten Fachwerkhäusern, einem rücksichtslosen Trekkerfahrer (der uns fast plattwalzte) und der obligatorischen Wochenendausflugskneipe, das wir langsam von oben nach unten durchquerten (dauerte relativ lange, denn Seidenbach ist eines dieser langestreckten Ein-Strassen-Dörfer). Am unteren Ortsende schließlich halbrechts, weiterhin der gelben 9 folgend eine kurze aber steile Bergschulter (mit mehr Wiesen und mehr Obstbäumen) hinauf – ordentlich anstrengend, Jost hielt aber weiterhin gut mit. Danach gleich wieder bergab, westwärts bis in den nächsten Ort, Scheuerberg im oberen Pfalzbachtal. Vielleicht etwas größer als Seidenbach, ebenfalls recht langgezogen, ebenfalls idyllisch, pittouresk, und hübsch, allerdings von

An der einzigen Kreuzung des Ortes links, nun die gelbe 8, auf der Landstrasse nach Süden, immer tiefer ins Tal hinunter. Inzwischen waren wir schon so tief, dass wir in die oberste Schicht des Nebels eindrangen. Einerseits sehr stimmungsvoll, andererseits kühlte es dadurch auch sofort aus, was sich u.a. dadurch bemerkbar machte, dass meine verschwitzten Haare zu gefrieren angingen – nicht schmerzhaft oder unangenehm, aber irgendwie ein total seltsames Gefühl (Zumindest kann ich mich nicht erinnern, die Feststellung „Hey, meine Haare sind gefroren“ schon mal irgendwann anders gemacht zu haben…).

Das Tal selbst wurde hier übrigens immer tiefer, bald verschwand die Sonne hinter der östlichen Bergwand, es wurde noch etwas kühler. Immerhin hielt sich der Verkehr auf der Strasse (die – wie im Odenwald üblich – weder Seitenstreifen noch Radweg hatte) in Grenzen, das war sehr angenehm.
Bereits nach wenigen hundert Metern erreichten wir die ersten Häuser von Mittershausen, liefen einen kleinen, unnötigen Umweg am Pfalzbach entlang, und schwenkten schließlich 250 m. hinter dem Ortseingang rechts in eine Nebenstrasse („Am Auwiesenberg, weiterhin gelbe 8, ausserdem der Winkelbalken von HW 24) ein, über die wir schnell aus Mittershausen hinaus in ein kleines Seitental gelangten, in dem es in östlicher Richtung bergauf ging – der letzte Anstieg zurück nach Ober-Hambach.

700 m. geradeaus, mal steil, mal weniger steil, durch leicht neblige und dick zugereifte Wiesen, eine zuckrig-weisse, fast schon etwas surreal anmutende Traumlandschaft, sehr apart. Schließlich der Waldrand, noch etwas mehr Steigung, einen weiten Bogen auf der gelben 8 nach Süden, dann wieder nordwärts bis auf den Förster-Lenz-Weg, dort dann links, nach Westen bis zum Kreuzweg an der „Jägerrast“-Hütte, die ich ja erst vor einigen Tagen aus Richtung Heppenheim kommend passiert hatte. Damals war ich von hier aus auf dem Weitwanderweg Odenwald-Vogesen über den Bergrücken in den Ober-Hambacher Talkessel gelaufen, heute nahmen wir stattdessen den Weg rechts davon, der durch den Wald oberhalb des Tales bis zum Parkplatz Goldbrunnen führt (weisses Andreaskreuz, das ist der eurpäische Fernwanderweg 1). Der ging erst noch mal recht steil nach oben, kreuzte dann den breiten Grenzweg, und wand sich dann an der Bergflanke entlang nach Norden. Links tauchten hin und wieder mal die Wiesen des Ober-Hambacher Tals auf, aber da wir hier immer noch unterhalb der Nebelgrenze waren, gab´s da ausser viel grauem Dunst wenig zu sehen. Entsprechend zügig und konzentriert die letzten 1,3 Kilometer geradeaus durch den vereisten Wald (Nebel = Kälte + Feuchtigkeit = Viel Rauhreif), lief alles gut (na ja, bis auf Josts Entschluß, meinen allgemeinen Hinweis zum ärztlichen Check-Up vor dem Marathon als implizite Kritik an seiner Leistungsfähigkeit mißzuverstehen, das war ein bisschen unglücklich [ja ja, bei gestandenen Journalisten muss man halt immer aufpassen, was man sagt, das sind nämlich alles wortklaubende Ganz-Genau-Nehmer. Für einen Schwätzer wie mich ist das gar nicht so einfach… 🙂 ]),
schließlich etwas oberhalb des Parkplatzes wieder auf den Radweg 9 und den zurück bis zu den parkenden Autos.

Hach, des woar wirre schee!! Sonne, Hügel, schöne Landschaft, angenehme Strecke in angenehmen Tempo, der vierte richtig gute Lauf in Folge.
Hat wieder viel Spass gemacht, mit Jost zu laufen, und nachdem er sich auch auf den Steigungen gut gehalten hat, können wir demnächst ja auch mal was richtig Steiles in Angriff nehmen 😉 …
Alles in Allem eine rundum gelungene Tour!

Strecke: 12,8 km
Zeit: 1:28 min (= 8,74 km/h bzw. 6:51 min/km)
Karte:
knodener-hoehe-sued.jpg

Interaktive Streckenkarte

M.

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5 Antworten to “Über dem Nebel: Ober-Hambach – Krehberg – Pfalzbachtal (12, 8 km)”


  1. […] über den Rhein, den Main und den Neckar gelaufen, und zusammen haben wir die Neunkircher Höhe, den Krehberg, und den Königstuhl bei Heidelberg bezwungen. In ihnen habe ich sowohl den größten Triumph als […]


  2. […] die Knodener Höhe bin ich bisher zweimal gelaufen, einmal von Ober-Hambach und einmal von Reichenbach aus, entsprechend gehört sie für mich vom Gefühl her irgendwie noch […]


  3. […] tolles, ungewöhnliches, faszinierendes Wetter, bei der man herrliche Läufe machen kann (vgl. z.B. hier) Am besten natürlich in den Bergen, über dem Nebel, wo es klar, und schön und sonnig […]


  4. […] hinter Ober-Hambach, rechts auf zwei Wegen runter ins Pfalzbachtal (auf einem bin um vorletzte Weihnachten rum mal hochgekommen, zusammen mit Jost an einem herrlichen Wintertag bei Schnee, Eis un…), und nach hinten (und folgerichtig nicht im Bild) geht der Weg runter, den ich gerade hochgekommen […]


  5. […] Zipfel des Weschnitztals, da ist die lokale Geographie ein bisschen inexakt…). Bin ich vorletzten Winter schon mal durchgelaufen, allerdings nur durch den obersten Dorfteil, heute geht´s hingegen weiter unten los, auf Höhe des […]


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