Alsbacher Schloss – Comoder Weg – Auerbacher Schloss – Herrenweg (12,3 km)

15. Januar 2008

Ich laufe seit Jahren am Melibokusmassiv. Sozusagen mein Hausberg, hier kenne ich mich ziemlich gut aus, bin fast jeden Weg, Pfad oder Trampelpfad mindestens schon ein Mal gelaufen.

Aber eben nur fast – einen bestimmten markanten Punkt habe bisher nämlich immer verpasst: Die Not-Gottes-Kapelle unterhalb des Auerbacher Schlosses.
Man stelle sich vor: Da steht irgendwo mitten im Wald – in MEINEM Wald – eine vollständige kleine Kirche rum, nicht mal 4 km Luftlinie von zu Hause entfernt, aber so gut versteckt, dass ich sie noch nie gefunden habe (ok, bisher hab´ ich auch nicht bewusst danach gesucht, aber trotzdem…).

Zeit, das zu ändern, deshalb heute mal wieder nach langer Zeit ein Lauf am Melibokusmassiv, vom Alsbacher Schloss aufs Auerbacher Schloss und zurück, bei dem ich ganz gezielt die Not-Gottes-Kapelle suchen und finden würde. Übrigens schon wieder mit Nemo, passendes Wetter, passende Umgebung, passende Streckenlänge, ideal um mit Hund zu Joggen.

Start auf dem Parkplatz am Alsbacher Schloss. Kurz gedehnt, Nemo abgeleint, einen besorgten Blick aufs Wetter geworfen (dünne Wolkendecke, hin und wieder etwas Sonne, zu warm für die Jahreszeit, aber vor allem: Starker Wind mit stürmischen Böen, nicht ideal für einen Lauf im Wald, aber nun waren wir schon mal hier…), und los ging´s, am Spielplatz vorbei südwärts, bis zur Wegscheide am hinteren Ende der Lichtung.

Wenn man vom Alsbacher Schloss ohne größrere Umwege aufs Auerbacher Schloss möchte, gibt es prinzipiell zwei mögliche Routen, die auf verschiedenen Höhenniveaus weitgehend parallel (teilweise sogar in Sichtweite voneinander) verlaufen, und sich schließlich am Not-Gottes-Parkplatz wieder vereinen:
– Der Comoder Weg verläuft weiter unten am Hang. Er ist genau das, was sein Name vermuten lässt, nämlich „kommod“ (= bequem), mit einer stetigen aber kaum merklichen Steigung, die äußerst angenehm zu laufen ist. Dafür ist er aber relativ lang: Da er weit unten am Berg liegt, folgt er dem Verlauf jedes Tales, was eine Strecke voller Windungen und Serpentinen ergibt, die insgesamt knapp 5 km lang ist. An schönen Wochenden dient er außerdem als Rennstrecke für Legionen von Walkern, Spaziergängern und Bikern, und kann dementsprechend manchmal relativ voll sein (an einem wechselhaften Dienstagnachmittag wie heute allerdings nicht…)
– Der Herrenweg verläuft je nach Position 20 bis 40 Höhenmeter weiter oben – nicht viel, aber dadurch spart er sich viele der Seitentäler ganz oder teilweise, und ist deshalb bei ähnlichem Verlauf wesentlich kürzer (ca. 3,2 km). Im Gegenzug ist er allerdings auch deutlich steiler, mit einigen etwas anstrengenden Passagen.

Da wir zur Not-Gottes-Kapelle wollten, die in einem tiefen Tal unterhalb beider Wege liegt, liefen wir an der Wegscheide halbrechts, auf den Comoder Weg (Markierung: Blaues B, der Burgenweg).
Und dem folgten wir dann erst mal.
Erste Ausbuchtung, um das Tal zwischen Alsbach und Zwingenberg herum. Tempo gut, Sonne schien schräg durch die Bäume, Wind blies mit furchtbarem Lärm durch die höheren Regionen des Berges, hier unten ging´s aber. Nemo lief aufgeregt vorneweg, hatte es offensichtlich eilig. Alles bestens.
Nach 600 m. etwas hoch, um den Vorsprung des Vorberges und gleich ins nächste Tal, oberhalb der Kneippanlage am nordöstlichen Zwingenberger Ortsrand, weiter über den Vorsprung der Orbis-Höhe, noch ein Tal, dann die Kreuzung am Luci-Berg (rechts steil nach Zwingenberg runter, links steil auf den Melibokus hoch).
Immer weiter geradeaus. Sonne inzwischen weg, Nemo hatte sich inzwischen eingelaufen und hielt konzentriert mit, hin und wieder mal ein schöner Blick durch die Bäume ins Rheintal bis nach Mannheim/zur Weinstrasse/Zum Donnersberg (Donnersberg, du bist auf meiner Liste…).
Noch ein steiles, tief eingeschnittenes Tal mit großen Findlingen an den Hängen hinein und wieder hinaus (zwischen Auerbach und Zwingenberg), dann waren wir ungefähr da, wo laut Wanderkarte ein Weg rechts runter bis zur versteckten Kapelle führen sollte.

Dummerweise war da aber keiner. Nur ein unkomfortabel wirkender Proto-Trampelpfad, der in westlicher (= offensichtlich falscher) Richtung steil den vorgelagerten Höhenrücken hinab führte.
Hmm.
Noch ein paar Meter weiter auf dem Comoder Weg… ja, da rechts unten, tief im steilen Seitental konnte man bei genauem Hinsehen in der Tat das Dach der Kapelle durch die kahlen Bäume entdecken, einen Weg da runter gab´s aber scheinbar nicht.

Na gut, dann eben doch der steile Proto-Trampelpfad, vielleicht würde der ja doch noch weiter unten die Kurve kriegen und zur Kapelle führen…

Tat er natürlich nicht.
Stattdessen 300 m. steil bergab durch den Wald gestolpert, dann hörte das bisschen Pfad, das bis hierher geführt hatte, abrupt auf.
Wald vorne, Wald hinten, Wald rechts, Wald link… oh, nein, halt, da links unten war doch tatsächlich ein Weg, nur 50 m. neben unserer jetzigen Position. Und der schien sogar talaufwärts, also in Richtung der Kapelle zu führen!
Besser als nichts, als runter auf den Weg (dabei beinahe über einen Ast gestolpert und auf den Hund gefallen, eine kurze Schrecksekunde für uns beide), dort umgeschaut. Links steil das Tal hoch, vielversprechend, besonders weil hier wieder markiert war (gelbe 1). Rechts nur ein paar Meter bis zum Waldrand, dahinter ein offener Hang an einem Weinberg irgendwo über Auerbach, möglicherweise der Höllberg.
Gut, also weiter, links hoch in den Wald. Erstmal ganz schön steil, nach ein paar Metern verflachte der Weg dann wieder auf ein erträgliches Maß und führte an der Nordwand eines steilen, schmalen, zugewucherten Tales nach aufwärts nach Osten. Auf der anderen Talseite übrigens die Fahrstrasse zu Auerbacher Schloss – sieh an, hier waren wir also.

Und schließlich, nach einem halben Kilometer, der Grund für den ganzen Hickhack – die geheimnisvolle Not-Gottes-Kapelle! Oder auch: Das letzte große Geheimnis des Melibokusmassivs, endlich enthüllt 😉 :
Lichtung am Ende des Talgrunds, darauf die kleine, quadratische Kapelle, ein Gebäude aus grauem Feldstein mit steilem Schiefer-Satteldach, davor ein Mäuerchen und ein großes Kreuz, vor dem ein paar relativ frische Blumengestecke lagen (die verlinkte Seite etwas runterscrollen) – friedlich und pittouresk, sehr hübsch.
Und das Beste: Hier war ich noch nie gewesen (meiner Mutter zufolge bin ich hier angeblich vor vielen Jahren mal mit meinen Eltern vorbeigekommen, aber ich hab´ keinerlei Erinnerung dran, also bleibt´s bei „noch nie hiergewesen“)! Ein nette kleine Überraschung mitten in bekanntem Gebiet, einfach schön.

Noch ein kurzer Blick auf die Infotafel neben der Kapelle (früher eine romanische Wallfahrtskapelle mit einsiedelndem Priester, irgenwann zerstört, erst in den 1960igern wieder aufgebaut – das erklärt wohl auch die schlichte, eher moderne Form), dann ging´s weiter, einen kurzen Weg an der südlichen Talwand hoch bis auf die Fahrstrasse, der dann 300 m. bergauf bis zum Not-Gottes-Parkplatz und der Abzweigung zum Melibokus gefolgt, dann scharf rechts, weiter auf der Strasse um die letzte kleine Kuppe vor dem Schloss.

Nach 700 m. der Parkplatz Auerbacher Schloss, geradeaus durch, südwärts den Burgberg hoch, auf der Brücke über den äußeren Graben, dann noch die kleine Steigung bis zum Tor hoch, und in den Innenhof hinein – geschafft, das Auerbacher Schloss.

Kurzes Verschnaufen im Vorhof, dann rechts hoch, die Steintreppe in die Kernburg, dort durch die Ruine des Palas auf den Wehrgang der Nordmauer und ein, zwei Minuten den Blick genossen (auf den weiteren Aufstieg zum Nordturm verzichtete ich Nemo zuliebe, die steile Wendeltreppe mit den offenen Stufen ist nicht sehr hundefreundlich, und tragen lässt er sich nicht gerne, da ist er zu stolz zu) – wie immer grandios, unter einem das gesamt Panorama der Rheinebene, unwirklich beleuchtet vom schrägen Licht der Nachmittagssone, klare Sicht bis weit nach Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg hinein. Großartig.

Danach wieder Abstieg, Palas, Kernburg, Vorburg, durchs Tor hinaus. Direkt hinter dem Tor durch eine schmale Bresche in der Brüstung auf einen schmalen Trampelpfad, der in südlicher Richtung den Burgberg abwärts führt (Markierung: Rotes S, Alemannenweg). Knapp 200 m. steil bergab bis auf einen größeren Weg, dort dann links, der gelben 4 folgend um die Bergkuppe herum nach Norden (tatsächlich bogen wir hier erst auf einen weiteren Trampelfpad ab, der links oberhalb der gelben 4 wieder den Berg hinauf führte, doch nach ein paar Metern bemerkte ich den Irrtum, und wir nahmen den richtigen Weg).

400 m. in nordöstlicher Richtung die Bergflanke entlang (dabei leicht abwärts), dann auf die Fahrstrasse vom Schloss runter in Hochstädter Tal, über die wir wieder zum nach oben bis zur Kreuzung am Schlossparkplatz gelangten. Hier rechts, den Blütenweg/die gelbe 4 entlang auf dem Fußweg zum Not-Gottes-Parkplatz (letztmalig vor fast einem halben Jahr benutzt), dort dann halblinks über die Melibokusstrasse und auf den Herrenweg nach Norden (Markierung gelbe 7).

Noch mal ordentlich anstrengend: Gerade die ersten Meter des Herrenwegs haben hier eine äußerst nicklige Steigung, die man sich erstmal hoch kämpfen muss, das kostet noch mal ganz schön Kraft. Oben dann zurück in Richtung Alsbacher Schloss. Prinzipiell derselbe Wegverlauf wie unten auf dem Comoder Weg (den man immer mal wieder weiter unten durch die Bäume erkennen) nur etwas unsteter und kürzer. Bergauf, Bergab, nach 350 m. rechts die Abzweigung zur Lichtung unterhalb des Melibokus, ein Stück weiter links unten die Herrenweg-Quelle, dann rechts der Rabenlochweg, Kreuzung mit dem Lucibergweg…
Irgendwann verschwand die Markierung auf einem Trampelpfad links oben am Hang, machte aber nichts, für uns ging es immer weiter den Herrenweg entlang, nach einem halben Kilometer hatten wir schon wieder eine neue (das rote S des Alemannenweges). Dabei relativ gemächliches Tempo, denn Nemo schwächelte schon etwas – hätte mal nicht gleich so schnell losrasen sollen, der Gute…
Schließlich nach etwas über 2,5 km. die Kreuzung unterhalb des Grillplatzes am Erlengrund, halblinks, 500 m. gemächlich bergab, und schon waren wir wieder am Freizeitgelände hinter dem Alsbacher Schloss und damit am Ziel.

Netter kleiner Lauf zwischendurch, zur Abwechslung mal wieder in bekanntem Terrain (fast ein bisschen, wie wenn man nach längerer Abwesenheit nach Hause kommt). Schöne, angenehme Strecke mit gleich zwei Burgen, ein paar wunderbaren Ausblicken, schönem Wald und guten Wegen. Höhepunkt natürlich die „Entdeckung“ der Not-Gottes-Kapelle, ein tolles Gefühl, dass sich selbst quasi im eigenen „Hinterhof“ noch die ein oder andere Überraschung verstecken kann. Nemo hat auch wieder relativ gut mitgehalten, wie immer war er mit Feuereifer bei der Sache und über den Großteil der Strecke hochkonzentriert, lediglich auf den letzten Kilometern wollte er nicht mehr so, aber das ist ok – wenn ich so kurze Stummelbeinchen hätte, würde ich zweifellos viel früher schlapp machen…

Strecke: 12,3 km
Zeit: 1:25 h (= 8,68 km/h bzw. 6:54 min/km)
Karte:
alsbacher-schloss-auerbacher-schloss.jpg

Interaktive Streckenkarte

M.

6 Antworten to “Alsbacher Schloss – Comoder Weg – Auerbacher Schloss – Herrenweg (12,3 km)”


  1. […] Alsbacher Schloss – Comoder Weg – Auerbacher Schloss – Herrenweg (12,3 km) […]

  2. Chrissi Says:

    Hallo.
    vielen Dank für den schönen Beitrag, der Weg ist auch meine Lieblingsstrecke. Bis zum Auerbacher Schloß bin ich noch nicht gelaufen, das werde ich demnächst dann austesten. Mein Wendepunkt war bisher die Schranke. Übr. : Ist nicht an Christi Himmelfahrt die Not Gottes offen, soweit ich weiß, gibt es dann einen Gottesdienst unter freiem Himmel. Also, an dem Vormittag rennen und dem himmlischen Gesang folgen!
    Liebe Grüße, vielleicht werde ich mal auf Nemo aufmerksam.
    Chrissi

  3. matbs Says:

    Hallo Chrissi,

    dankeschön, freut mich, dass es Dir gefallen hat 🙂 .
    Wenn es Dir nichts ausmacht, denselben Weg zweimal zu laufen, würde ich Dir empfehlen, vom Not-Gottes-Parkplatz zum Auerbacher Schloss und wieder zurück auf der gelben 4/dem Burgenweg (Blaues B) zu laufen, das ist der Fußweg der hinter der Schutzhütte am Parkplatz vorbeigeht, das ist die kürzeste und bequemste Strecke.
    Wenn Du es stattdessen so machst, wie im Laufbericht beschrieben, verlierst Du hinter dem Schloss nämlich eine ganze Menge Höhenmeter, die Du dann wieder mit viel Kraftaufwand bis zum Parpklaptz hochlaufen musst (und dann hast Du ja gleich noch mal den fiesen Anstieg hinter der Schranke, das ist schon recht tough…).

    Noch mal vielen Dank für den netten Kommentar (und den Tipp mit Christi Himmelfahrt) und viele grüße von Nemo, vielleicht sieht man sich ja mal (wir sind leicht zu erkennen, so viele schlecht rasierte Jogger mit noch schlechter rasierten kleinen Hunden gibt´s am Melibokus schließlich nicht 😉 )

    Matthias


  4. […] 300 m. aufwärts, vorbei an Weinbergen, zugewucherten Gärten und einer der für die Gegend typischen Lösswände (hellbraun und pockennarbig), am Waldrand schließlich halbrechts (noch steiler! Aargh!). Trampelpfad über einem weiteren Wingert, teilweise regelrecht als kleiner Hohlweg in den Löss gefräst, schließlich ein bekanntes Stück, der Waldrand oberhalb des Höllbergs, andem ich letzten Herbst bei meiner Suche nach der Not-Gottes-Kapelle herumgeirrt war. […]

  5. Jan Says:

    Hallo Matthias, mal schöne Grüße von Deinem Nachbarn ^^ Auf der Suche nach einem schönen Wanderweg in der Umgebung bin ich über den Blog hier gestolpert und muss sagen Respekt 🙂
    Damit kann man wirklich was anfangen und es macht Laune die Umgebung zu erkunden!

    Herzliche Grüße
    Jan

  6. matbs Says:

    Hi Jan,

    danke für die Blumen, freut mich dass es dir gefällt – und wenn du einen guten Wanderweg suchst, meld´ dich einfach mal, da kann ich dir auf jeden Fall weiterhelfen… 😉

    Gruß

    Matthias


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