…und Anfang – der erste Lauf nach dem Bänderriss (Hähnlein-Erlensee, 8,4 km)

27. März 2008

Der große Tag: 44 Tage nach dem Bänderris zur Nachuntersuchung beim Orthopäden. Natürlich mit der Erwartung, dass der Onkel Doktor kurz einen Blick drauf wirft, zufrieden grinst, und erklärt, dass alles wieder da ist, wo´s hingehört, und der Bänderriss damit endgültig vorbei ist.

Na ja, zumindest bis zum „Blick drauf werfen“-Part entsprach die Realität auch durchaus diesen Erwartungen – Dr. Koch bog ein bisschen an meinem Fuß rum (vor sechs Wochen hatte das höllisch weh getan, heute nicht) und machte eine Ultraschall-Untersuchung.
Ergebnis: Das Band schon wieder recht gut verheilt, aber immer noch ein leichter Bluterguss im Gelenk, der im Lauf der nächsten Wochen ganz verschwinden sollte.
Im Klartext: Noch nicht alles gut, aber immerhin viel, viel besser.

Leider nicht ganz so eindeutig, wie ich´s gerne gehabt hätte, deshalb fragte ich lieber noch mal nach: „Darf ich jetzt wieder Joggen?“
Antwort: Ein entschiedenes Hmjaaaaaneinvielleicht.
Konkret meinte Dr. Koch, dass er es zwar nicht unbedingt für die allerbeste Idee hielte, jetzt schon wieder mit dem Joggen anzufangen, aber verbieten wollte er es mir auch nicht. Stattdessen bekam ich die Maßgabe mit, wenn ich laufen müsste dann bitte nur auf kurzen, ebenen, asphaltierten Strecken, und das doch bitteschön auf eigene Verantwortung.
Wie gesagt, ein Hmjaaaneinvielleicht.
Kein grünes Licht. Aber auch kein rotes.
Gelb ist gut genug für mich.

Zeit zum Laufen!

Und ich wusste auch schon genau wo: Von Hähnlein zum Erlensee hoch, weiter bis zum Hartenauer Hof, dann und über den Radweg 19 wieder zurück.
Sehr gute Strecke für den Wiedereinstieg: Eben, nicht zu lang, fast ausschließlich asphaltiert/betoniert.
Und noch viel wichtiger: Die Strecke, auf der ich mir den Bänderriss geholt hatte. Die Strecke, mit der ich vor sechs Wochen aufgehört hatte. Genau das richtige um wieder anzufangen, hat irgendwie eine schöne Symmetrie.
(Ok, ausserdem bin ich ein kleinlicher, nachtragender Sack, der mit dieser verdammten Strecke noch eine Rechnung offen hatte – seit dem Bänderriss stand es: Strecke 1, Matthias 0. Zeit das Ergebnis zu korrigieren… 😉 ).

Also dann.
Zum ersten Mal seit sechs Wochen die Sportklamotten angezogen (Shirt und weite Jogginghose, eine Leggins wollte ich mir erstmal nicht an tun, fühle mich momentan fett genug ohne mich wie ´ne Wurst in eine Hautenge Lycra-Pelle zu zwängen).
Zum ersten Mal seit sechs Wochen die Laufschuhe geschnürt (vorher einen weichen Stützverband um den lädierten Knöchel, man weiss ja nie).
Nemo geschnappt, ins Auto, ab nach Hähnlein, auf den Parkplatz am Sportgelände Gänseweide.

Kurz umsehen, und los geht´s, auf dem Weg H1 nordwärts in die Felder.
Ich laufe!
Gut, es fühlt sich ein bisschen komisch an, mein rechter Fuß ist etwas steif und da ist ein leichter, komischer Druck, nicht schmerzhaft, aber irgendwie ungewohnt. Und natürlich bin ich langsam und übervorsichtig, immer darauf bedacht, meinen rechten Knöchel ja nicht zu sehr zu belasten oder gar umzuknicken.
Aber ich laufe.
Zum ersten mal seit anderthalb Monaten. Fühlt sich gut an.

Nach ein, zwei Minuten verfalle ich automatisch in meinen alten Rhythmus, es läuft, Nemo hat sich auch schnell wieder ans Joggen gewöhnt und trabt gut mit.
Ist fast so so, als ob es die Zwangspause nie gegeben hätte.

Na ja, zumindest für die ersten paar hundert Meter.
Kurz vor dem Erlenhof fange ich an, meinen Trainigsrückstand zu spüren:
Jeder Schritt braucht ein winziges bisschen mehr Energie, als er eigentlich sollte. Jeder Atemzug bringt ein winziges bisschen weniger Luft, als er eigentlich müsste. Die Beine kribbeln etwas und fühlen sich irgendwie ein ganz kleines bisschen Schwach an. Meine Hüften sind seltsam steif, es braucht einen winzige aber konstante Anstrengung, um den Oberkörper richtig zu halten.
Alles zusammen ist ein klein wenig anstrengender, als es eigentlich sein sollte. Vor meiner Pause hätte ich in solchen Gelände und bei einem solchen Tempo stundenlang durchlaufen können, und wäre hinterher immer noch frisch gewesen. Aber heute spüre ich, wie ich mit jedem Schritt ein winziges Quäntchen mehr Kraft aufwende, als ich wieder regeneriere – noch nicht schlimm, aber 20 Kilometer sind wohl erstmal nicht drin.

Gemächlich laufen wir weiter den Weg H1 hoch, biegen am Erlenhof links ab, dann hinter der Hainlache rechts auf den Saar-Rhein-Main-Weg (gelbes Plus) zum Lindenhof. Zumindest Nemo scheint glücklich und entspannt, ich schwitze und schnaufe ein bisschen.

Am Lindenhof weiter geradeaus auf den Radweg 28 zum Erlensee. Die Kurve, dann ein paar hundert Meter die Stelle, an der es vor sechs Wochen passiert ist – sieht eigentlich gar nicht gefährlich aus, einfach eine ein ein paar Zentimeter tiefe Vertiefung, dort wo der Asphalt aufhört.
Ich spucke einmal aus und laufe verächtlich vorbei.
Ha! Nimm das, du blöde Strasse! Wer lacht jetzt, hä?

Weiter geradeaus bis zum Hartenauer Hof, dann links auf den Radweg 19. Nach ein paar Metern eine kleine Erhebung, drei, vier Höhenmeter wenn´s hochkommt. Ich merke sie. Ganz schön anstrengend.

Danach weiter, um den Prüf- und Vermehrungshof und weiter nach Süden, auf die Gerade in Richtung Hähnlein (immer noch Radweg 19). Ewig durch die kahlen Äcker.
Mannomann, das ziiieht sich aber auch schier endlos.
Ist aber auch kein Wunder – wir sind heute extra langsam, und ich fokussiere meine Aufmerksamkeit voll auf den Weg. Bloß kein Fehltritt, bloß keine Unachtsamkeit, Augen geradeaus und nach unten, immer die nächsten drei Schritte im Blick haben. Da kann man nicht im Joggen aufgehen und den Geist treiben lassen, bis man fast nur noch auf Autopilot läuft – stattdessen: Durchgängige Konzentration, das strengt zwar an, ist aber sicherer.

Schließlich erreichen wir den Grenzgraben. Hier geht´s links, am Grabenrand entlang nach Osten.
Die Feuerprobe für den Knöchel, denn die nächsten paar hundert Meter sind keine Betonplatten oder asphalt, sondern ein unebener, steiniger Feldweg. Also besonders vorsichtig, jeden Schritt bedächtig setzen, den rechten Fuss möglichst wenig belasten. Hilft aber nichts, bereits nach wenigen Metern drückt und zwickt es unangenehm. Ist nicht schlimm, aber irritierend.
Trotzdem, wir schaffen´s bis zum Waldrand, weiter geradeaus durch die Fasanenlache (H1), hier hat´s wieder Betonplatten als Untergrund, das ist gut.

Am Ende des Waldes links runter, H1, die letzten Meter. Ich bin nassgeschwitzt, ein klein wenig erschöpft, atme etwas schwerer, meine Beine fühlen sich zittrig an.
Und das nach nicht mal acht Kilometern…
Aber wir erreichen den Parkplatz. Etwas schlammig, schwer atmend, etwas müde (Müde! Ich! Nach 8,4 popligen Kilometern!!!!!!) aber glücklich und ohne das was gerissen ist.

Fazit: Laufen geht wieder. Mit viel Vorsicht und mehr Anstrengung als gewohnt, aber es geht.
Bis es allerdings wieder so gut wie früher hinhaut – naja, das wird wohl noch ein langer, steiler, steiniger Weg.

Gut dass ich mich mit sowas auskenne… 🙂

Strecke: 8,4 km
Zeit: 0:56 h (= 9 km/h bzw. 6:40 min/km)
Karte:
hahnlein-erlensee.jpg

Interaktiver Streckenplan

M.

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7 Antworten to “…und Anfang – der erste Lauf nach dem Bänderriss (Hähnlein-Erlensee, 8,4 km)”

  1. Gerd Says:

    Hi Matthias… hört sich doch Klasse an. Bis in zwei, drei Wochen läuft es wieder wie geschmiert. Und flott warst Du auch unterwegs.
    Gruß Gerd

  2. matbs Says:

    Hi Gerd,

    na ja, zumindest schon mal ein halbwegs ordentlicher Anfang, der allerdings auch bewiesen hat, dass da doch Einiges im Argen liegt – direkt nach dem Lauf war ich ein bisschen Müde (und das nach gerade mal 8,4 km in der Ebene – das ist mir das letzte Mal irgendwann 2006 passiert), und heute (am Tag danach) habe ich doch tatsächlich ein bisschen leichten Muskelkater in den Beinen und im Rücken…

    Na ja, werd´s wohl über die nächsten Wochen langsam angehen, solange der Bluterguss im Fuß noch nicht ganz weg und das Band nicht wieder absolut todsicher stabil ist, muss ich eh noch auf meine geliebten Cross-Strecken durch die Berge verzichten…

    Aber es wird, das ist die Hauptsache :)!

    Gruß

    Matthias


  3. […] …und Anfang – der erste Lauf nach dem Bänderriss (Hähnlein-Erlensee, 8,4 km) […]

  4. Dany Says:

    Hi Matthias,
    ich hoffe, es geht Dir wieder so richtig gut und Du kannst wieder laufen wie als wäre nie was gewesen :-).

    Ich bin gerade durch Zufall nach der Google-Suche auf Deinen Bericht gestoßen. Denn ich bade gerade so richtig im Selbstmitleid – habe mir beim Mitternachtslauf Samstag Nacht auch einen Bänderriss am linken Fuß geholt, erst umgeknickt bei einer Unebenheit in der Straße, dann hingefallen, mit dem rechten Knie aufgekommen, alles blutig. Bin noch tapfer ins Ziel (immerhin noch 2,4 km), in meiner AK sogar noch Dritte geworden, wusste aber schon, dass da was nicht stimmt. Mein erster Halbmarathon, der Baden-Marathon am 21.09., hat sich gerade in Luft aufgelöst. Auch ich bin zu 6 Wochen Zwangspause verurteilt und heule mir die Augen aus.

    Lieber Gruß,
    Dany

  5. matbs Says:

    Hi Dany,

    o je, das klingt aber wirklich schlimm!

    Ich weiss genau, wie man sich da fühlt, das ist wie ein Schlag in die Magengrube, und die Vorstellung, Wochenlang kalt gestellt zu sein, ist irgendwie fast schon beängstigend.
    Und ganz ehrlich: Zumindest bei mir waren das auch keine schönen Wochen, ich hab´ ziemlich darunter gelitten, nicht Laufen zu dürfen.

    Aber – und das ist ganz wichtig – der Bänderriss geht irgendwann vorbei! Das ist einfach nur ein kleines Schlagloch auf der (metaphorischen) Strasse, und nicht das Ende der Welt! Bevor´ Du Dich versiehst, ist die Orthese ab, der Riss verheilt, und Du kannst wieder los.
    Also lass´ Dich jetzt bitte, bitte nicht unterkriegen. Schmiede Pläne, setz´ Dir neue Ziele, freu´ Dich aufs Weitermachen, und fahr ein bisschen Rad oder geh´ Schwimmen, sobald Du das darfst (i.d.R. darf man damit schon früher wieder anfangen)!
    Und wenn Du den Baden-Halbmarathon nicht dieses Jahr läufst, dann läufst Du ihn eben nächstes Jahr, ist doch keine große Sache! 🙂

    Also: Kopf Hoch, Dany, das stehst Du durch, und danach wird alles noch viel besser und schöner, weil Du´s dann so richtig zu schätzen weisst. Hat bei mir ja auch geklappt, denn mein rechter Knöchel ist inzwischen wie neu und trägt mich wieder ohne zu jammern selsbt über die schlimmsten Rumpelpfade am Berg.
    😉

    Gute Besserung wünscht

    Matthias

    PS: Und wenn Du Dich irgendwann ein bisschen ausheulen magst, komm ruhig vorbei – das hilft ja manchmal 😉

  6. Dany Says:

    Danke, das ist sooo lieb von Dir, lieber Matthias! Hast ja Recht, was sind schon 6 Wochen…. Hatte vor 2 Jahren schonmal das gleiche Außenband gerissen. Aber da war ich eher so ein 5-km-Läufer… Mittlerweile trainiere ich (pardon, ich habe trainiert) mit Axel Hansert-Berger, dem coolsten Typen unter der Sonne, gezielt auf diesen HM hin… Und das macht alles sooo viel Spaß, in der Gruppe und mit ihm zu Laufen, dass das alles noch viel schlimmer macht. Wie Du lesen kannst, mein Selbstmitleid ist echt nicht mehr schön. Es gibt Schlimmeres, hätte mein Opa gesagt, seufz. So, ich werde den Klumpen mal wieder hochlegen und kühlen. Noch ist es trocken auf dem Balkon, aber es donnert schon… Wenn wir die Tage nochmal mailen, vielleicht bin ich dann schon positiver eingestellt – nur noch 5 Wochen und X Tage :-).

    Vielen Dank für Deinen Trost,

    lieber Gruß,
    Dany

  7. matbs Says:

    Ja, wenn´s einmal gerissen ist, ist die Chance, dass es in Zukunft reisst, wohl deutlich erhöht (hat zumindest mein Orthopäde behauptet).

    Aber das mit den fünf Wochen +X ist schon mal die richtige Einstellung – wie gesagt: Irgendwann ist es vorbei, und dann kannst Du wieder richtig durchstarten. 🙂

    Was war denn eigentlich deine angepeilte Zielzeit für den Halbmarathon?

    Gruß

    Matthias

    PS: „Der coolste Typ unter der Sonne?“
    Was ihr Frauen nur immer an diesen langhaarig-romantischen Abenteurereumeln findet… 😉


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