Bensheim – Lorsch (10,4 km)

6. April 2008

Es gibt ja so Zeiten, die sind einfach nicht für´s Laufen gemacht.
Frühmorgens zum Beispiel (also per Definition alles vor 11:00 Vormittags), da fehlt einem immer so ein bisschen der richtige „Flow“, und ausserdem hat man i.d.R. wichtigere Dinge zu tun (wie Schlafen, Wach Werden, Frühstücken, oder Nicht-läuferischen Beschäftigungen Nachgehen).
Aber manchmal lässt es sich eben nicht vermeiden, doch in der frühmorgendlichen No-Comfort-Zone loszujoggen, da muss man dann eben das Beste draus machen 😉 .

So z.B. heute: Die Mittagszeit war bei mir für Essengehen mit der Familie verplant, und nachmittags hatte Jost (Wochenende = Laufen mit Jost) eine dringende Verabredung (ich glaube, mit seinem Flachbildfernseher und der Bundesliga, kann aber sein, dass ich das falsch verstanden habe… 😀 ). Also mussten wohl oder übel im frühen Sonntagmorgengrauen, sprich 10:30, los.

Immerhin war die Streckenauswahl heute mal kein so großes Problem, da ich schon vorgestern auf ein noch halbwegs unerlaufenes Stück Ried zwischen Bensheim, Einhausen und Lorsch aufmerksam geworden war, in dem sich eine durchweg asphaltierte 10-Km-Strecke hatte unterbringen lassen (Yay, die erste Tour in zweistelliger Kilometerlänge seit dem Bänderriss!!!), die dröge Äcker, triste Industriegebiete, und versmogte Durchgangsstrassen bis zum Abwinken versprach.
Ok, ganz so schlimm war´s dann gar nicht.

Start auf dem Parkplatz des Obi-Baumarktes am Berliner Ring (Hausnummer 100) in Bensheim. Das Auto schön subversiv quer über drei Parklätze gestellt (ok, da hier Sonntags tendenziell eher wenig los ist, war´s vielleicht nicht so doll richtig subversiv, aber fürs Parken auf einem ausgewiesenen Behindertenparklplatz ist mein Subversionsquotient einfach zu niedrig), ins wechselhaft-feuchtkühle Aprilwetter ausgestiegen, und los ging´s.

Den Parkplatz in südlicher Richtung verlassen und an der großen Kreuzung links die Brücke in der Schwanheimer Str. hoch und über die vergleichsweise leere A5. Gleich zu Anfang ein ordentliches Tempo, das aber gut klappte. Direkt hinter der Brücke dann über die Strasse und links runter in die Neuhofstr. am Südrand des Bensheimer Industriegebiets West, auf der dann am Nordufer des Neuen Grabens bis in die Felder. Ca. 250 m. nach dem Ende des Industriegebietes biegt der Asphalteg nach rechts ab, wir folgten (der Trampelfpad geradeaus am Grabenufer sah mit seinen hohen Alleebäumen zwar sehr apart aus, wirkte aber auch deutlich weniger trittfest als die geteerte Alternative, und wurde entsprechend auf „Ein Andermal“ verschoben).

Nach 200 m. dann wieder links und 1 km geradeaus in den südlichsten Zipfel des Jägersburger Waldes am Kannengießerberg, der in der zwischen den Wolken hervorschauenden Vormittagssone richtiggehend hübsch ausschaute. Dort dann links auf die Riedlinie (blauer Kreis), dabei ein bisschen in Erinnerungen an Ingos und meinen Lauf nach Mannheim im Frühherbst letzten Jahres geschwelgt, bei dem ich hier das letzte Mal vorbeigekommen war. Damals war´s wärmer gewesen.

Nach sehr zügigen Knappen halben Kilometer durch den Wald (Jost machte in ganz schönes Tempo) erreichten wir die pittoureske Wattenheimer Brücke über die nicht ganz so pittoureske Weschnitz (die Renaturierungsmaßnahmen, die hier schon letzten Oktober im Gange waren, sind immer noch nicht weit genug vorangeschritten, um das adjektiv „pittouresk“ auch nur ansatzweise zu rechtfertigen [ausser man findet nackte, schlammige Flussbetten, Dreckhaufen oder gelbe Schaufelbagger pittouresk – ich tu´s nicht]).

Dahinter weiter südwärts auf der Riedlinie, über die Landstrasse nach Einhausen, dann auf einer schmalen Brücke über die B47 (die hat wie alle Brücken im Lorscher Stadtgebiet auch einen Namen, den ich mir aber nicht gemerkt habe. Deshalb taufe ich sie hiermit auf den neuen Namen „Die schmale Brücke über die B47 bei Lorsch, auf der es nach frischem Holz gerochen hat und die in die Friedhofstrasse mündet“.) und schließlich auf die Friedhofstr. im Lorscher Stadtgebiet, die überraschenderweise am Friedhof entlang nach Süden führt. Die entlang, über die Bensheimer Str. an den Bahnübergang, knapp 2 Minuten Pausen an den geschlossenen Schranken (kurz durchatmen), dann über die Gleise und direkt dahinter links in die Karlstr. („Adieu, Riedlinie“) und neben den Gleisen in dann zurück nach Osten, wo Lorsch nach 150 m. abrupt zu Ende war und durch die Ried-typischen Äcker und Wiesen ersetzt wurde. Weiterhin strammes Tempo, das aber dadurch etwas gedrosselt wurde, dass Jost beim Laufen versuchte, mir die Vorzüge von John Rawls Theory of Justice zu vermitteln (Grungedanke: Wenn wir wieder von vorne anfangen würden, wäre die Welt gerecht. Oder so ähnlich 😉 ).

Nach 1,4 km auf der Geraden (Gewürzt mit einer ordentlichen Portion Philosophy 101, sowie der Sichtung von 2 phlegmatischen Langhaarziegen und einem Rudel Rehe) erreichten wir den Bensheimer Golfplatz, wo wir halbrechts abbogen und weiter bis ans Nordufer der Erlache liefen. Dort dann wieder links und weiter bis zur Autobahnunterführung (besondere Ereignisse: Wurden von einem etwas verkrampft wirkenden aber immerhin nett grüßenden Tempojogger überholt. Überholt werden ist doof.)., unter der A5 durch 150 m. danach auf eine kleine (namenlose, wir waren schließlich nicht mehr in Lorsch) Brücke. Da sich das Gespräch inzwischen von allgemeiner Gerechtigkeitsphilospophie weiter zu spezifischer Kapitalismuskritik entwickelte hatte, nutzte ich die Gelegenheit, und ließ Jost auf der Steigung zur Brücke hoch den Refrain der Internationalen singen. Kriegte er gut hin, und verdiente sich damit sowohl das Recht zu fortgesetzter Kapitalismuskritik, als auch eine gute B-Note fürs Singen beim Bergauflaufen 😀 !

Auf der anderen Seite der Brücke der Berliner Ring mit seiner scheinbar endlosen Anneinanderreihung von Reifehändlern, Speditionen und Bürozweckbauten, immerhin gibt´s hier einen breiten Bürgersteig und nur spärlichen Sonntagmittagsverkehr, so dass wir zügig nach Norden durchlaufen konnten, bis wir schließlich nach ca. 1,7 km (inkl. einer Unterführung an Wormser Str) wohlbehalten und durchaus noch frisch wieder auf dem Obi-Parkplatz ankamen.

Guter Lauf auf einfachem Untergrund, teilweise in nicht ganz so toller Umgebung aber immerhin bei freundlichem Wetter, gutes Tempo. Und natürlich zum ersten Mal seit zwei Monaten wieder über 10 km gelaufen, ohne dass es dabei irgendwelche Probleme gegeben hätte. Wat willste mehr?

Strecke: 10,4 km
Zeit: 1:01 h (= 10,43 km/h bzw. 5:48 min/km)
Karte:

Interaktive Streckenkarte

M.

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2 Antworten to “Bensheim – Lorsch (10,4 km)”

  1. Gerd Says:

    Ich bin mir nicht sicher ob ich dein läuferisches Vermögen oder besser dein schriftstellerisches mehr bewundern soll.
    Mach weiter so.. ich schmeiße mich jedesmal weg vor Lachen über deine Tourenbeschreibungen.
    Ich hätte nie gedacht das man aus 10 Kilometern so viel rausholen kann.

    Gruß an die Bergstraße
    Gerd

  2. matbs Says:

    Hi Gerd,

    am besten weder noch, denn – sind mal ehrlich – es gibt da draussen eine ganze Menge besserer Schreiber und besserer Läufer als mich, die deine Bewunderung wesentlich eher verdienen 😉 (man denke nur an Achim Achilles von Spiegel Online, der zwar ein selbstherrlicher arroganter Bastard ist, aber trotzdem [oder wahrscheinlich gerade deshalb] auch verdammt gut schreibt, und offensichtlich auch noch ein ganz ordentlicher Läufer ist: http://www.spiegel.de/sport/achilles/0,1518,k-5794,00.html ).

    Nichtsdestotrotz geht so ein bisschen Lob am Abend natürlich runter wie Öl, also wieder mal vielen Dank für die netten Worte 😀

    Gruß

    Matthias


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