Repetitio non placet (aber irgendwann muss es halt mal sein) (6,2 km)

8. April 2008

Wer über längere Zeit einen Laufblog führen möchte, der muss sich früher oder später die folgende Frage beantworten:

Worüber will ich eigentlich schreiben?

Auf den ersten Blick scheint die Antwort auf diese Frage ziemlich einfach zu sein: „Na ja, über´s Laufen halt„.
Tatsächlich kommt man damit aber nicht besonders weit. Laufen ist eine überraschend eintönige Angelegenheit, die aus wenigen, sich ständig wiederholenden Bewegungsabläufen besteht, über die es eigentlich nicht allzuviel zu sagen gibt. Entsprechend reichen die reinen Basics für einen halbwegs interessanten Laufblog kaum aus, denn mittel- und langfristig ist eine bloße Aneinanderreihung von Einträgen wie „Am Dienstag bin ich die kleine Runde gelaufen. Ich war schnell , es hat geregnet und meine rechte Wade hat gezwickt“ nicht so richtig interessant (nicht für eine breitere Öffentlichkeit, und in den meisten Fällen nicht mal für einen selbst).

Also versucht man als guter Laufblogger, den Rahmen zu erweitern. Nicht nur berichten, dass man läuft, sondern auch wie man läuft, wann man läuft, womit man läuft, mit wem man läuft, wo man läuft, warum man läuft, und was man dabei so alles erlebt oder nicht erlebt.
Kurzum: Beim Laufbloggen geht´s nicht nur ums laufen, es geht auch um das ganze Drumrum.

Was uns dann wieder zur Eingangsfrage bringt:
Worüber will ich eigentlich schreiben?
Oder auch: Welche Art von „Drumrum“ will ich zum Fokus meines Blogs machen?

Wenn man sich mal auf den deutschsprachigen Laufblogs im Netz umsieht, erkennt man schnell, dass es da ganz verschiedene Themen gibt, die je nach den Vorlieben und Prioritäten des jeweiligen Autors mehr oder weniger stark zum Einsatz kommen: Persönliche Meßergebnisse und Datenreiehen, Lauftheorie, Laufphilosophie, Equipment, Trainingsfortschritte, besuchte Orte, spezifische Erlebnisse, wichtige Erfahrungen und Eindrücke, praktische Tipps für Nachahmer, Meinungen zu diversen laufverwandten oder auch nicht laufverwandten Sachverhalten, usw. usw. usw.
Ein weites Feld aus Zutaten, aus denen jeder seinen persönlichen Prioritäten folgend das Profil des eigenen Laufblogs „zusammenkochen“ kann.

Für mich war von Anfang an klar, welche Prioritäten ich in meinem Blog (der ja eigentlich Ingos Idee gewesen war, aber schon sehr bald mehr mein Projekt als seins wurde) setzen wollte.
Technische Spielereien und spezielles Sportequipment interessieren mich nicht besonders (ausser vielleicht als Spottobjekt, wenn´s aus Kefir gemacht ist). Da ich mich selbst (nicht ohne einen gewissen Stolz) als Amateur und Spaßläufer verstehe, achte ich nicht auf verbrannte Kalorien oder Pulsraten oder anderweitig meßbare Trainigsfortschritte, die ich veröffentlichen könnte, das ist mir einfach nicht wichtig. Und von Lauftheorie verstehe ich inzwischen zwar ein ganz klein bisschen was, aber nicht genug, um guten Gewissens Sachartikel über Fettverbrennung, Regenerationszyklen oder die Funktion des menschlichen Knies beim Tempodauerlauf zu verfassen.
Alles einfach nicht so ganz mein Tässchen Tee.

Was für mir beim Laufen besonders wichtig ist, ist vielmehr der Spass am Erkunden meiner Umgebung und dem Erforschen neuer (und das Wiederentdecken alter) Orte, Sehenswürdigkeiten und Strecken.
Deshalb geht es in diesem Laufblog neben dem Laufen vor allem ums Entdecken.
Es geht um die Bergstrasse und den Odenwald und das Ried, und darum, wie es sich anfühlt, diese Regionen joggend zu erkunden und sie sich damit im wahrsten Sinne des Wortes zu erarbeiten.
Mein persönliches „Laufblog-Drumrum“ beruht entsprechend vor allem auf der Beschreibung neuer Routen, und der Eindrücke und „Abenteuer“ (manche davon sind so abenteuerlich, die brauchen eigentlich nicht mal die Anführungszeichen), die ich auf ihnen erlebe.
Das klappt jetzt seit über einem Dreivierteljahr bestens: Seit wir den Blog begonnen haben, bin ich keine Route zweimal gelaufen, sondern habe jeden einzelnen Lauf auf einer neuen Strecke absolviert (na gut, ein paar Strecken haben sich etwas überlappt, identisch mit einer anderen war aber keine).

So.
Wer bis hierher gekommen ist, wird sich jetzt vielleicht fragen, was das ganze Geschwafel eigentlich soll.

Ganz einfach: Ich glaube nicht, dass ich das, was ich bisher hier gemacht habe, auch in Zukunft noch mit derselben Konsequenz durchziehen kann. Seit Juli 2007 ist es mir gelungen, jede Tour auf einer anderen Strecke zu absolvieren, aber nun gehen mir (der geneigten Leser mag es bereits angesichts früherer Posts geahnt haben) die Strecken in der Nähe aus – inzwischen sind die nächsten wirklich unerlaufenen Gebiete 20 bis 25 Autominuten (einfach) entfernt, und da ich momentan nicht unbegrenzt Zeit habe, kann ich mir das einfach nicht bei jedem Lauf leisten.

Entsprechend ist es dann heute passiert.
Die Serie ist gerissen.
Nach mehr als 9 Monaten und über 100 Läufen bin ich heute zum ersten Mal seit letztem Juni eine Strecke gelaufen, die ich schon mal absolviert habe.
Oh Graus!
Ok, ganz so schlimm ist es nicht, aber doch irgendwie ein komisches Gefühl. Irgendwie schade.
Und vor allem frage ich mich jetzt: Wie soll ich das bloggen?
Einfach noch mal dieselbe Beschreibung wie beim ersten Mal?
Oder nur einen Link zum ersten Eintrag?
Oder vielleicht was ganz Anderes?

Wie beantworte ich die Frage „Worüber will ich eigentlich schreiben?“ für Strecken, die ich schon mal gebloggt habe?

Ganz ehrlich: Ich weiss es nicht genau.
Heute habe ich die Frage einfach mal mit einem langatmigen Post zum Thema „was schreibt man in seinen Laufblog?“ gelöst, aber eine Dauerlösung ist das wohl eher nicht.
Auf jeden Fall eine neue Situation, bei der die bisherhigen Prioritäten vielleicht nicht mehr ganz so gut funktionieren – bin selbst gespannt, wie sich das entwickelt… 😉

Ach ja richtig, noch was zum heutigen Lauf: Wollte eigentlich gestern aber da war Schneesturm (echt! Und das im April!), also stattdessen heute, aus Zeitgründen nur eine ganz kurze Strecke durch Alsbach, Bickenbach und Jugenheim, die ich schon mal Ende September gelaufen bin. Recht schönes Wetter, Nemo dabei, etwas zu strammes Tempo aber viele Pausen (weil wir während der nachmittäglichen Haupt-Gassigehzeit unterwegs waren und Nemo entsprechend ständig irgendwelchen anderen Hunden Hallo sagen musste), aber keine echten Probleme.

Strecke: 6,2 km
Zeit: 0:37 h (=10,05 km/h bzw. 5:58 min/km)
Karte:
minilauf.jpg

Interaktive Streckenkarte

M.

Werbeanzeigen

7 Antworten to “Repetitio non placet (aber irgendwann muss es halt mal sein) (6,2 km)”

  1. Gerd Says:

    … und, hat doch gar nicht wehgetan. Ich hatte schon Angst Du würdest das Bloggen aufgeben. Ich mache mir nie Gedanken um die Strecke die ich angehe. Manchmals weiß ich beim loslaufen noch gar nicht wo mich die Reise hinführt.
    Dafür habe ich mein GPS-Schnickschnack 😉 Ich laufe einfach los und freue mich das ich überhaupt Laufen kann. Interessante Erlebnisse, schöne landschaftliche Ansichten, nette Begegnungen! Es ist bei der gleichen Strecke immer ein anderer Lauf. Ich möchte zum Beispiel öfter mit Kamera laufen.
    Ich wünsch dir weiterhin viel Spaß beim Laufen und Bloggen… auch wenn ab und zu mal eine Strecke zweimal dran glauben muss. Auch ihr tut es nicht weh.

    Gruß Gerd

  2. matbs Says:

    Ach, ich weiss ja nicht. Das ist einfach nicht richtig so… 😀


  3. […] Repetitio non placet (aber irgendwann muss es halt mal sein) (6,2 km) […]


  4. […] Repetitio non placet (aber irgendwann muss es halt mal sein) (6,2 km) Kategorien […]


  5. […] wichtiger sind). Und ausserdem gehen mir so langsam wirklich die neuen Strecken in der Nähe aus. Das ist an sich nichts Neues, aber langsam wird´s immer akuter. Mag jetzt auf den ersten Blick gar nicht so tragisch klingen, […]

  6. Evchen Says:

    Done. 😉

    Du denkst zu viel nach. Kenn ich. Und machen tut man es doch anders, auch wenn man die totsichere Lösung hat. 😛

  7. matbs Says:

    Ich sach´ ja immer: Lieber zuviel nachgedacht als zuwenig… 😆


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: