Endlich wieder Berge! Blütenweg zwischen Jugenheim und Zwingenberg (12,6 km)

13. April 2008

Seit Ende März laufe ich jetzt wieder.
Und die ganze Zeit hab´ ich mich brav an die Maßgabe gehalten, nur in der Ebene zu laufen.

Mal ganz ehrlich: Das hängt mir ja sowas zum Hals raus!!!!
Ich kann sie einfach nicht mehr sehen, die endlosen Rübenäcker, die schlichten Flachlandwälder, die drögen Gewerbegebiete und langweiligen Hauptverkehrsstrassen. Und ich hab´ genug vom monotonen Flachlandlaufalltag, bei dem man Kilometer um Kilometer unspektakulär durch bügelbrettartige (und eigentlich gar nicht vorhandene) Topographie wassert, bis man schließlich irgendwann sang- und klanglos einfach so ankommt, ohne was Richtiges geleistet zu haben.
Auf Dauer ist das einfach nix.
Ich will Abenteuer, Abwechslung, Anstrengung (zumindest in Maßen 😉 ).
Ich will endlich wieder in die Berge!!!!!

Und heute war´s soweit: Nachdem mein lädierter Fuß jetzt zweieinhalb Wochen ohne größere Probleme überstanden hat, stand heute endlich mal wieder ein bisschen Steigung auf dem Programm. Natürlich nicht zuviel, nur mal zum Antesten kurz in die Weinberge zwischen Auerbach und Zwingenberg, 100 Höhenmeter am Stück und danach ein bisschen Auf und Ab auf dem Blütenweg (der im Frühling ja eigentlich eh Pflichtprogramm an der Bergstrasse ist) um zu sehen, wie´s klappt.

Jost hatte gemeint, dass er heute lieber eine etwas kürzere Tour hätte, während ich gerne wenigstens 11 oder Kilometer 12 runterreissen wollte, um die 40 Wochenkilometer vollzukriegen. Passenderweise ließ sich beides unter einen Hut bringen, indem ich einfach alleine in Jugenheim starten und Jost auf dem Weg nach Süden bei sich zu Hause aufsammeln würde.
Perfetto!

Start also alleine in Jugenheim (Nemo hatte der Lauf gestern ziemlich mitgenommen, deswegen durfte er heute aussetzen). Auch heute wieder freundlich-wechselhaftes Frühlingswetter mit einer angenehmen frischen Brise und Temperaturen um die 11 Grad, eigentlich ideal zum Laufen.
Dummerweise war ich etwas spät dran (Startzeit: 10:48 Uhr, Verabredung mit Jost um 10:55), also machte ich von Anfang an richtig doll Tempo, sehr zum Mißfallen meiner Waden und Oberschenkel.

Südwärts auf der Alsbacher Str. aus Jugenheim raus (Blütenweg, gelbes B), nach 80 m. rechts über den Feldweg runter an die L3100 zwischen Jugenheim und Alsbach, rüber, dann nach 50 m. auf Höhe des Rückhaltebeckens links und auf dem Karnickelpfad durch die Felder zum nordwestlichsten Zipfel von Alsbach. Kurzer Blick auf die Uhr – 10:53, das würde ich nicht mehr pünktlich schaffen, also nur schnell weiter, auch wenn mir inzwischen schon ein bisschen die Puste ausging. Am Alsbacher Ortsrand geradeaus nach Süden, am Beuneweg auf die andere Seite der Strassenbahn gewechselt, dann weiter zum Weilerweg und dem Alsbacher Hinkelstein. Inzwischen 10:57 aber auch nur noch ein paar hundert Meter, schnellschnellschnellschnellschnell, am Hinkelstein rechts und westwärts durch die Felder bis zur B3 und dem Treffpunkt an der Pfarrtanne, den ich um Punkt 11:00 erreichte – leicht verspätet, schwer atmend, und nach insgesamt 11,5 Minuten auf 2,3 km (also ziemlich genau 12 km/h bzw. 5 min/km. Meine Herren, hätte nicht gedacht, dass ich so ein Tempo momentan für mehr als fünf Minuten durchhalten kann).

Kurze Pause um wieder zu Atem zu kommen und Jost zu begrüssen, dann ging´s auch schon weiter, auf dem Fahrradweg an der B3 nach Süden, glücklicherweise in einem deutlich gemäßigteren Tempo: Ein paar hundert Meter nach Süden, rechts hoch an die L3112 nach Hähnlein, über die Bahn, auf der anderen Seite über den Fußgängerweg runter in die Sandwiese und neben den Schienen weiter südwärts durchs Feld bis nach Zwingenberg. Eigentlich ein angenehmes Stück, vor allem in der Frühlingssonne, aber so richtig rund lief´s weder für Jost (der vormittags nicht so gerne läuft und wohl noch den gestrigen Lauf in den Knochen hatte) noch für mich (der 2-km-semi-Sprint vom Anfang der Tour rächte sich).

In Zwingenberg ein Stück die Rieslingstr. entlang, dann halbrechts („Am Falltor“) und durch das Neubaugebiet an der Platanenallee (Pierrefondstr. und Rodauer Str.) zum Beginn des Berliner Rings am Autohaus Vogel. Dort dann auf den Radweg R8 neben dem Berliner Ring (der hat übrigens einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Na sowas!) – überraschend angenehmes Strecke, breit und bequem, teilweise durch eine fast parkartige Wiesenlandschaft, links ein wunderbarer Blick auf die sonnigen und blühenden Bergstrassenhänge, den Melibokus und das Auerbacher Schloss. Wunderbar, da fiel das Laufen gleich wieder etwas leichter (zumindest mir, Jost hatte wohl immer noch etwas zu knabbern und verweigerte sich deswegen meinen beharrlichen Versuchen, eine gepflegte Konversation in Gang zu bringen. Schließlich kapitulierte ich, und beschränkte mich auf einen Monolog, in dessen Verlauf ich ihm ihm den Unterschied zwischen Altwelt- und Neuweltkamelen erklärte. Keine Ahnung, ob er zugehört hat, werde das demnächst aber durch gezieltes Nachfragen überprüfen [Jost: Du bist gewarnt :D]).

Nach 1,4 km, kurz vor dem Häuschen/Pavillon (oder was immer das sonst ist) am Auerbacher Ortseingang links hoch, zwischen fasanenstrotzenden Schrebergärten ostwärts, unter der Bahn durch und schließlich an die B3 zwischen Auerbach und Zwingenberg.
Kurz links die Bundesstrasse hoch in Richtung Zwingenberg, dann ging es rechts hoch in eine Seitenstrasse, die scheinbar keinen eigenen Namen hat.

Und da war er dann: Der erste richtige Anstieg seit über zwei Monaten (das letzte Mal, dass ich eine ordentliche Steigung hochgejoggt bin war am 11.2., zwei Tage vor dem Bänderriss): Ein namenloser Trampelfpad zwischen Gärten und Weinbergen den Hang hoch, 400 m. aufwärts, 60 Höhenmeter, durchschnittlich 15% Steigung.

😀

Aaaaaah!
Was für ein geiles Gefühl!
Endlich wieder ein Berg, in den man sich so richtig reinverbeissen kann! Oberkörper gerade, Schrittfrequenz hoch, Schrittlänge verkürzen, Puls und Atmung kontrolliert in die Höhe schnellen lassen, und gegen die Steigung den Berg hochpowern! Klappte alles fast noch so gut wie vor dem Bänderriss (offensichtlich hat die Zwangspause zwar Ausdauer gekostet, aber die schiere Muskelkraft in den Beinen ist noch da!). Obwohl ich bereits nach wenigen Metern schwer atmete und wie blöde schwitzte, musste ich die ganze Zeit grinsen – so einen Spass hatte ich schon lange nicht mehr gehabt, diese Art von punktueller Extrembelastung hatte ich seit Wochen vermisst!
Oben angekommen dann als Bonus noch die an der Bergstrasse übliche Belohnung für die Mühen: Ein grandioser Ausblick auf die Rheinebene, die Weinstrasse, den Donnersberg, Rheinhessen, den Taunus, alles in einen wunderschönen Flickenteppich aus Sonne und schnell ziehenden Wolken gehüllt.
Wunderbar, einfach wunderbar!
Mann, hat mir das gefehlt, da kann kein flacher Rübenacker im Ried gegen anstinken, weder landschaftlich noch vom Lauferlebnis her.

Am Ende des Aufstiegs dann ein kurzes Ebenes Stück auf dem man etwas verschnaufen konnte, dann der asphaltierte Hohlweg am Höllberg, den wir nach rechts/bergauf liefen, bis wir auf den Blütenweg (gelbes B) stiessen. Auf dem Blütenweg dann noch etwas weiter bergauf um eine Kehre, oben dann eine kleine Verschnaufpause (Jost tat sich mit den teils extremen Steigungen etwas schwerer als ich, und wir hatten´s ja nicht eilig) und schließlich durch die wunderschönen, frühlingshaft sonnigen Weinberge mit Blick auf die Zwingenberger Altstadt und blühende Kirschbäume über die „Lange Schneise“ runter nach Zwingenberg.

Auch dort immer weiter auf dem Blütenweg nach Norden, erst etwas abwärts durch eine Pulk von Kirchgängern, die gerade aus der Bergkirche strömten, dann wieder ein Stück steil bergauf auf die Anhöhe hinter den hässlichen modernen Reihenhäusern („Auf der Ebene“), schließlich wieder bergab, durch die Stuckertstr. und „Auf der Heide zum nordöstlichen Zwingenberger Ortsende. Hier trennten sich dann unsere Wege: Jost, der keine Lust auf noch mehr Steigungen hatte, bog links runter in Richtung Sandwiese ab, ich folgte weiter dem Blütenweg, aufwärts durch die Weinberge bis nach Alsbach, dort dann durch Hochstr., Lindenstr., Am Katharinenberg und Jugenheimer Str. zurück nach Hause.

Der beste Lauf seit Langem! Landschaftlich endlich mal wieder was Anderes als triste Stoppelfelder und öde Kiefernwälder, läuferisch endlich mal wieder ein paar wohltuend fordernde Passagen am Berg. Entsprechend gut hat das Ganze auch getan: War ich nach den Flachlandläufen gestern und am Mittwoch ziemlich müde, fühle ich mich heute frisch und wach, so als hätte die Anstrengung mal wieder alles so richtig durchgepustet. Und der Fuss hat klaglos mitgemacht, also sollte sowas in Zukunft wieder öfter möglich sein.

Strecke: 12,6 km
Zeit: 1:19 h (= 9,57 km/h bzw. 6:16 min/km)
Karte:

Interaktive Streckenkarte

M.

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3 Antworten to “Endlich wieder Berge! Blütenweg zwischen Jugenheim und Zwingenberg (12,6 km)”

  1. Gerd Says:

    Wenn ich mir deine Laufbeschreibung und den Streckenplan anschaue, werde ich irgenwann doch mal mit dem Auto eine Ausfahrt machen um neue Strecken zu erkunden. Ist schon ne Klasse Runden sie Du da beschreibst. Auch wenn es teilweise h´ganz schön giftig ist.

    Gruß Gerd

  2. matbs Says:

    Hi Gerd,

    mach´ das mal, es gibt nix Besseres 🙂 .
    Wenn du dabei die Bergstrasse, das nördliche Ried oder den nördlichen vorderen Odenwald anpeilst, kannst du dich ja noch mal melden, da kann ich dir nämlich ein paar echte Geheimtipps verraten (giftig oder ungiftig 😉 )

    Gruß

    Matthias


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