Um den Heiligenberg (10 km)

15. April 2008

Typisch April: Gestern war´s grau, kalt, regnerisch, kurzum: Einfach eklig!
Heute dagegen ein herrlicher Tag: Viel Sonne, wenig Wolken, kühl aber nicht kalt, eine leichte Brise aus Südwest, die nach Frühling duftete.
Wun-der-bar!
An so einem Tag muss man einfach raus. Und zwar nicht in die Rübenäcker.
Schöne Tage verlangen schöne Strecken!

Glücklicherweise hat der letzte Lauf ja gezeigt, dass auch mein Knöchel inzwischen auch wieder mit etwas anspruchsvolleren Strecken zurechtkommt, also beschloss ich spontan, mir Nemo zu schnappen und mal wieder eine Runde um den Heiligenberg zu laufen (hab´ ich so seit über einem Jahr nicht mehr gemacht) – einerseits, weil es eine landschaftlich unheimlich schöne Strecke ist (gerade im Früling, wenn alles blüht), andererseits, weil es da ständig auf und ab geht, und ich so meine Bergfestigkeit nochmals überprüfen konnte.

Gesagt getan: Schön gefrühstückt, in die Laufklamotten, den bereits ungeduldig wartenden Nemo geschnappt (war wohl nicht der einzige, dem das Wetter Lust aufs Laufen machte… 🙂 ), und schon ging´s los, auf dem Blütenweg (gelbes B) nordwärts durch Jugenheim. Im Pauerweg fiel mir auf, dass ich vor lauter Tatendrang vergessen hatte, meine Uhr anzuziehen und mir die Startzeit zu merken – glücklicherweise half mir ein freundlicher Passant an den Drei Mohren mit der Uhrzeit aus, das verbesserte meine ohnenhin gute Laune noch mal beträchtlich (freundliche Menschen sind super – davon sollte es viel mehr von geben! 🙂 ).

Am Haus Krone über die Strasse, dann die Hauptstrasse hoch in den alten Ortskern, vorbei an der Försterei, dem Eingang zum Heiligenberg (hier wollte Nemo gleich mal rein, aber wir hatten ja einen anderen Aufstieg zum Schloss geplant), dem Roseneck und dem alten Rathaus runter zum Eingang des Stettbacher Tals.

Hier rechts, die schmale Strasse talaufwärts („Stettbacher Tal“/Radweg 28). Nicht ideal zu laufen, weil die Strasse so schmal ist, dass es keinen Bürgersteig gibt, aber hübsch, gerade etwas weiter oben wo die älteren Häuser und Villen am Bachhufer stehen. Nach ein paar hundert Metern auf der Brücke am Haus Waldfrieden über den Stettbach, dann geradeaus auf den Waldweg, dort links auf den schmalen Pfad (unmarkiert), der sich in östlicher Richtung durch den Wald am Berghang bis zu den Obstwiesen hinter dem Schloss hinaufschlängelt.
Puha!
Zwei Jahre her, dass ich hier das letzte Mal gelaufen war, und so nicklig hatte ich den Aufstieg nicht Erinnerung gehabt: Die ersten paar Meter bis zum häßlichen Transformatorenhäuschen liefen noch ganz ordentlich, doch bereits kurz danach, auf Höhe der Holzschranke, wurde es zäh: Irgendwie waren meine Waden noch nicht so richtig warm (oder vielleicht noch von Vorgestern mitgenommen???), entsprechend rumorten sie den Großteil der 40 oder 50 Höhenmeter vor sich hin, nicht unerträglich, aber doch unangenehm nervig.
Aber hey, wo kämen wir als Jogger hin, wenn wir auf unsere quengelnden Waden hören würden?
Richtig: Nirgendwo! 😀
Also ignorierte ich sie erstmal und lief durch.

Nach knapp 400 m. das vorläufige Ende der Steigung am oberen Ende des Schlosstals, kurz hinter dem hübschen, einzeln stehenden Backsteinhaus. Kurzer Blick nach rechts über die Wiesen mit den blühenden Obstbäumen (und den beschis#*@=% häßlichen Parkplatz, den das Land Hessen vor einigen Jahren in die schöne Wiesenlandschaft planieren musste, weil den fussfaulen Lehrern, die hier oben fortgebildet werden, offensichtlich kein fünfminütiger Fußmarsch vom Nonnenbrunnen oder aus dem Dorf zuzumuten war) zum Schloss, das herrlich in der Morgensonne strahlte. Wunderbarer Anblick, aber wir würden ja heute nochmal hier vorbeikommen, also verweilten wir nicht, sondern liefen gleich weiter, links auf dem Wanderweg SJ1 in den Wald.

Normalerweise ist es hier immer ein bisschen düster und schattig, aber so früh im Jahr haben die Bäume noch kein Laub, entsprechend konnte die freundlich-milde Morgensonne voll zu uns durchdringen, und man hatte einen guten Blick auf den gegenüberliegenden Tannenberg und das sich nach oben öffnende pittoureske Stettbacher Tal mit seinen sattgrünen Wiesenhängen. Ausserdem ging es nun wieder langsam bergab, ideal zum Durchschnaufen, Schauen, Geniessen, ein wunderbares Stück. An der Wegscheide über dem Brandhof halblinks (weiterhin SJ1) und runter in den Talgrund. Ziemlich steil, das erste längere starke Gefälle seit dem Bänderriss, und das auf einem nicht ganz perfekten Waldweg, eher unangenehm (tatsächlich beschwerten sich meine Waden noch mehr als beim Bergauflaufen. Die Jammerlappen).

Unten angekommen über den Brandhofparkplatz an die Landstrasse, Nemo angeleint und der gelben 2 rechts Hoch in Richtung Stettbach gefolgt. Kein Verkehr, sehr moderate Steigung dazu das hübsche Tal und der rauschende Stettbach neben der Strasse, einfach nur schön.

Nach einem halben Kilometer, kurz bevor die Strasse aus dem Wald hinaus ins offene Gelände führt, nach rechts auf den asphaltierten Weg in Richtung Hainzenklingen/Hechlergsgrund, durch die sattgrünen sonnigen Wiesen bis an den Waldrand unterhalb des Goschenrod, dort dann rechts, erst ein Stück am Waldrand entlang westwärts, dann nach Süden in den Wald hinein (Alles gelbe 2). Und schon wieder klettern. Ging inzwischen zum Glück besser, meine Beine hatten sich wohl damit abgefunden, dass das heute keine faule Landpartie werden würde und verzichteten bis auf Weiteres auf nutzlose Beschwerden.

Nach ein paar hundert Metern eine Wegscheide mitten im Wald, hier links auf die gelbe 6 und weiter bergauf, dabei ein bisschen in Erinnerungen geschwelgt: Das letzte Mal war ich diesen Weg vor ca. zwei Jahren gelaufen, kurz nachdem angefangen hatte, bewusst neue Strecken zu erkunden und meine Läufe auszudehnen. Damals war alles noch neu, unbekannt und spannend, und so ein bisschen was von der alten Freude am Entdecken spürte ich heute auch wieder, obwohl ich inzwischen genau wusste, wohin der Weg führen würde (Der Luxus des „Freien Drauflosentdeckens“ ist mir inzwischen leider verwehrt, dazu kenne ich die Gegend einfach viel zu gut – leider kann man neue Orte, Strecken und Eindrücke nur einmal entdecken, danach sind sie nicht mehr neu, und man empfindet nie wieder denselben Entdeckerstolz, wenn man mal wieder vorbeikommt…).

Nach ca. 900 m. auf der gelben 6 (die hier eine sehr angenehme, kaum merkliche Steigung hat, die sich perfekt laufen lässt) erreichten wir die Asphaltstrasse auf der Anhöhe, hier rechts auf die Hochwiesen über dem Hechlersgrund, von wo man schon wieder einen großartigen Ausblick hatte, dieses Mal auf das ebenfalls sattgrüne Balkhäuser Tal, Balkhausen und die beeindruckenden Höhenzüge des Felsbergmassivs und des Melibokus. Wunderschön, diese Täler hinter Jugenheim, einfach nur wunderschön!

Wir folgten dem Weg bis zum Stumpf der Kaiserbuche und bogen kurz dahinter links ab, auf den Asphaltweg runter ins Balkhäuser Tal. Auch hier wieder relativ großes Gefälle, das sich aber aufgrund des guten Untergrunds gut bewältigen liess. Unten am Talhof ging´s schließlich rechts auf den Weg mit der gelben 3/dem weissen V, der auf der Westseite des Balkhäuser Tals in Richtung Jugenheim führt. Kurze Pause um Nemo aus dem rauschenden Balkhäuser Bach trinken zu lassen, dann ging´s auch schon wieder bergauf, vorbei an der Talsperre und dem alten Forsthaus im Talgrund hoch in den Wald, dann langsam aufwärts bis wir schließlich wieder am Schloss ankamen.

Irgendwie ist es komisch: Wenn ich länger nicht auf dem Heiligenberg bin, vergesse immer so ein bisschen, wie reizvoll es hier oben ist – man denkt einfach nicht drüber nach, nimmt Schloss, Berg, und Park irgendwie als gegeben hin.
Umso schöner ist es, wenn es einem dann mal wieder bewusst wird. Zum Beispiel an so einem herrlichen Frühlingstag wie heute: Erstmal das natürlich das Schloss selbst, Stammsitz der Battenberger und während des 19. Jahrhunderts regelmässige Sommerfrische der Romanows, ein schöner, hellgetünchter Gebäudekomplex mit einer schnörkellosen, geradlinigen Eleganz, die perfekt in die Umgebung passt, dahinter das weite Tal mit den Obstwiesen (und dem verfluchten Parkplatz, an den wir lieber nicht denken), die gerade im Frühling einfach nur toll aussehen. Wenn man um des Schloss herum läuft (was wir machten) dann erst die Terasse mit einem unglaublichen Blick zwischen den Höhenzügen hinunter ins Ried (heute ergänzt durch den Anblick der dort stehenden Magnolie in voller Blüte), dann rechts die etwas repräsentativere Frontpartie des Schlosses, davor der kleine gepflegte Park mit Mammutbäumen und Pavillon. Weiter die Strasse runter erreicht man nach nicht einmal 100 m. den stillen, grünen Weiher, dann geht es links etwas hoch, wo man (über Burgenweg [blaues B] und Alemannenweg [rotes S] innerhalb von ein paar Metern die idyllische Klosterruine, die uralte Zentline, das Mausoleum der Battenberger und schließlich die Kreuzwiese mit einem wunderbaren Blick in die Rheinebene und dem prächtigen goldenen Kreuz findet.
Alles zusammen an einem sonnigen Frühlingstag ist einfach nur schön!

Wir liessen uns Zeit und genossen die Sonne und die Umgebung (zumindest ich, Nemos Sinn für schöne Landschaft und Baudenkmäler beschränkt sich weitgehend auf regelmässiges Bein Heben…) – einfach wunderbar, das war die ganze Kletterei wieder mal voll wert gewesen.
Dann ging´s wieder bergab, quer über die Kreuzwiese auf den Eselspfad, den runter zum Nonnenbrünnchen im Balkhäuser Tal, dort dann rechts runter zum Jugenheimer Ortseingang.
Eigentlich hatte ich geplant, ab hier geradewegs durchs Dorf nach Hause zu laufen, aber gerade lief es so gut, dass ich spontan beschloss, noch einen kleinen Schlenker durch den Wald unterhalb der Bauernhöhe (die wirklich so heisst, und nicht „Bayernhöhe“, wie die Wanderkarte fälschlicherweise behauptet). Deshalb am Ortseingang gleich links hoch, am Blauen Haus vorbei in den Helene-Christaller-Weg, geadewegs hoch in den Wald (Markierung SJ2), dann an der ersten Kreuzung rechts, zur Wegscheide am Pürschweg, dort halbrechts und am Merck´schen Wasserturm vorbei auf den Burgenweg (Blaues B), auf dem wir dann zurück nach Jugenheim liefen.

Toller Lauf: Eine wunderschöne Strecke, deren Topographie ein bisschen an einen Riegel Toblerone erinnert (Hoch [alter Jugenheimer Ortskern], runter [Anfang Stettbacher Tal], hoch [Heiligenberg], runter [Stettbacher Tal], hoch [Goschenrod], runter [Balkhäuser Tal], hoch [Heiligenberg], runter [Balkhäuser Tal], hoch [Bauernhöhe], runter [nach Hause]), großartiges Wetter, ganz viel Spass, keine größeren physischen Probleme. Und das Beste: Kein einziger Rübenacker in Sicht 😉 .
Fast schon wie Urlaub. Herrlich!!  

Strecke: 10 km
Zeit: 1:10 h (8,7 km/h bzw. 6,54 min/km)
Karte:

Interaktive Streckenkarte

M.
 

4 Antworten to “Um den Heiligenberg (10 km)”

  1. Gerd Says:

    Tolle Strecke,
    wobei mir der Schlussabstieg bergab am besten gefällt 😉

    Gruß Gerd


  2. […] Um den Heiligenberg (10 km) […]


  3. […] Um den Heiligenberg (10 km) […]


  4. […] (wenn auch kalt), also suchte ich mir was Nettes raus: Einmal um den Heiligenberg (zuletzt gelaufen im letzten Frühling). Und weil´s nicht so weit war, und zudem viel durch Wald und Wiesen führt, nahm ich auch gleich […]


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