Wieder mal Rübenäcker zwischen Hähnlein und Bickenbach (13,3 km)

26. April 2008

Heute hatte Jost mal die Streckenplanung übernommen, und sich eine Flachlandroute durchs Ried westlich der A5 ausgesucht. Nicht unbedingt kreativ, aber er lernt ja noch… 😉

Brühwärm, ein bisschen schwül, windstill, diesig – nicht ganz perfekt, aber immerhin konnte man in kurzen Sachen laufen, das ist viel wert. Um kurz nach halb fünf liess ich mich also auf dem Aldi-Parkplatz in der Sandwiese absetzen, joggte rüber zu Jost um ihn aufzusammeln, und los ging´s.

Wie üblich erstmal an die B3, dort rechts bis zur Auffahrt auf die L3112 nach Hähnlein, rauf, 100 m. an der Landstrasse entlang, dann auf Höhe der Bushaltestelle auf dem kleinen Fussweg rechts die Böschung runter ins Gewerbegebiet Sandwiese. Übrigens alles mit moderatem Tempo, was mir sehr recht war, lief irgendwie ein bisschen zäh. Unten dann links, am Fuss der Böschung bis zur Sandwiesenstr., die dann rechts hoch durch das wie immer unspektakuläre Gewerbegebiet (an solchen Orte werden Dorfverschönerungsvereine irgendwie nie tätig, dabei wäre es gerade hier dringend nötig). Am nördlichen Ende des Gewerbegebiets weiter geradeaus nach Norden, auf dem Radweg 17 durch Felder und Grossgärtnerei bis ins Bickenbacher Gewerbegebiet (hmm. Irgendwann könnte man mal eine 30-km Einöd-Tour machen, bei der man – am besten bei Dauerregen – nur durch die Gewerbegebiete und Rübenäcker Südhessens läuft – das wäre entweder total psychedelisch oder zum Brechen langweilig. Ok, wahrscheinlich eher letzteres).

Kurz die Berta-Benz-Str. entlang, dann links auf den Saar-Rhein-Main-Weg, über die A5 und am Lindenhof rechts auf den Radweg 28, am Erlensee vorbei, dann auf Höhe des Hartenauer Hofs links auf den Radweg 19 nach Süden (Ich beschreib´ das heute mal alles ganz schnell, denn unterwegs gab´s absolut nix Berichtenswertes).

Josts Plan hatte eigentlich vorgesehen, dass wir bereits am Prüf- und Vermehrungshof wieder links laufen und auf dem asphaltierten Weg zurück zum Lindenhof laufen sollten. Dummerweise ist seine Ortskenntnis noch nicht ganz perfekt, und ich hatte mißverstanden, was er vorhatte, deshalb verpassten wir die Abzweigung und liefen geradeaus um den Prüf- und Vermehrungshof herum und weiter auf dem Radweg 19 ins große und rübenäckerige Niemandsland zwischen den Autobahnen (das laut Wanderkarte den irgendwie etwas seltsamen Namen „In der Sackpfeife“ trägt).

Als uns nach ein paar hundert Metern klar wurde, dass wir vom Kurs abgekommen waren, riss ich das Ruder dann an mich, wie immer ernsthaft bemüht, verschlimmzubessern was es zu verschlimmbessern gab.
Im Verschlimmbessern bin ich nämlich total gut… 🙂

Mein praktisch untrüglicher Orientierungssinn sagte mir, dass das Wäldchen da links hinter den Rübenäckern die Fasanenlache sein musste. Und vor der Fasanenlache verläuft der bequeme Saar-Rhein-Main-Weg, auf dem wir problemlos wieder zum Lindenhof gelangen würden.
Also bogen wir bei der erstbesten Gelegenheit links auf einen einladend aussehenden Asphaltweg durch die Rübenäcker ab, um dorthin zu gelangen.

Dumm nur, dass das Wäldchen gar nicht die Fasanenlache war, sondern die westlich davon liegende Waldlache, vor der definitiv kein Saar-Rhein-Main-Weg verläuft. Statt einem bequemen, zertifizierten OWK-Wanderweg erwarteten uns unbequeme, unmarkierte Holperpfade. Erst verwandelte sich der einladend aussehende Asphaltweg in uraltes, ruckelig-überwuchertes Kopfsteinpflaster, bei dem jeder Schritt der letzte vor dem nächsten Bänderriss zu sein schien, und bot dann schließlich am Waldrand die Wahl zwischen noch mehr uraltem ruckelig-überwucherten Kopfsteinplaster, das nach Süden (und damit in die komplett falsche Richtung) führte, oder einem unsäglich schlechten Proto-Feldweg (gegen den selbst das Kopfsteinpflaster noch die reinste Prunkallee war) am Rand der Waldlache nach Norden.
Wir nahmen den Proto-Feldweg.

Autsch. Stellen wir uns mal einen schlechten, kleinen Trampelpfad an einem Feldrain vor. Stellen wir uns weiter vor, eines Tages regnet es so lange, bis der Boden hier vollständig aufgeweicht ist.
Und dann fährt ein Traktor drüber. Nicht so ein popliger Rasenmähertraktor für neureiche Spiesser mit zuviel Geld und dem Bewegungsdrang einer toten Unke. Nein, ein richtiger Traktor, ein Gefährt mit der Tonnage eines kleinen Fischkutters und Reifen von der Grösse eines handelsüblichen Kleinwagens (nur mit mehr Profil).
Das tut unserem hypotethischen Feldweg gar nicht gut.
So. Und dann wiederholen wir diesen Vorgang noch ein paarmal, bis der arme kleine Feldweg eine Kraterlandschaft ist, gegen die das Gesicht von Jürgen Prochnow wie ein Kinderpopo wirkt.
Und dann lassen wir es trocknen, bis die Krater hart, und brüchig und so uneben sind, dass man hier eigentlich nicht mehr joggen kann.
Ok. Konnten alle bisher folgen?
Gut, denn jetzt kommt der krönende Abschluss: Dann lassen wir Gras auf unserem hypotethischen kleinen Feldweg wachsen, so dicht und so hoch, dass man die Kraterlandschaft nicht mehr sehen kann und sie nunmehr versteckt darauf lauert, eines Tages den Fussapparrat eines zufällig vorbeikommenden Joggers zu zermalmen.
Klingt fies, hä?

Tja, genau so einen Weg hatten wir jetzt erwischt. Das war gar nicht angenehm. Jost schien etwas besser klarzukommen, aber der hatte ja auch keinen gerade verheilten Bänderriss, um den er sich Sorgen machen musste. So holperten wir also zwischen Feld und sumpfigen Niederwald gen Norden, erschreckten ein paar Rehe und zwei kopulierende Stockenten (die Ferkel! Und das am hellichten Tag! Wie die Tiere!!!) und stiessen schließlich am Ende der Lache auf einen quer verlaufenden Weg, der genauso beschissen war. Immerhin war der Wald zu Ende, so dass man freien Blick über die endlosen Felder hatte, und somit wenigstens mal sehen konnte, wo wir ungefähr hinwollten.
Kurz nach rechts (au, au, au), dann links (au, au, au) und wieder rechts (au, au, au) bis wir endlich auf einen gnädigerweise mit Betonplatten gepflasterten Weg stiessen, der nordwärts auf den Fahrweg zwischen Lindenhof und Prüf- und Vermehrungshof führte (also den Weg, den wir laut Josts ursprünglichem Plan eigentlich vor einer Viertelstunde und ohne die holprigsten Todespisten im Landkreis hätten erreichen sollen).
Unternehmen „Josts Ersten Streckenplan Ruinieren“ – geglückt 😉 !

Auf dem Fahrweg liefen wir dann wieder zurück nach Osten, vorbei am Lindenhof und über die A5 bis ins Bickenbacher Gewerbegebiet. Hier trennten sich dann unsere Wege: Jost lief rechts die Berta-Benz-Str. runter in Richtung seiner Wohnung, ich folgte dem Saar-Rhein-Main-Weg nach links, um durch Bickenbach und Jugenheim nach Hause zu laufen. Am Bahnhof unter den Schienen durch, dann geradeaus durch die ewig lange Banhofstr., die Bachgasse (die ihren Namen wirklich mal zurecht trägt, da Bickenbach einer der wenigen Orte in der Gegend ist, in dem noch ein offener Bach durch das gesamte Ortsgebiet fliesst), den Bachwinkel, die Schulstr., die Darmstädter Str. und die Jugenheimer Str. bis zum östlichen Ortsrand. Dabei machte ich dann übrigens so richtig schlapp: Es war stickig, zu warm, ich hatte Durst, meine Füsse taten weh, und Bickenbach wollte und wollte kein Ende nehmen. Unangenehm. Aber es half ja nix.
Also auf dem Radweg neben der Landstrasse durch ein Meer von hüsch grellgelbem aber etwas übelriechenden Raps nach Jugenheim, dort dann durchs Dorf aufwärts bis nach Hause. Puh!

Kein richtig doller Lauf. Von Anfang an nicht in Topform, dazu die superanstrengende Holperstrecke, und die stehende, stickig-warme Luft das war irgendwie nicht so ganz das Wahre (übrigens alles Faktoren, für die Josts Plan nichts konnte – entsprechend muss ich mir leider die Bemerkung, dass sowas passiert wenn man´s nicht selbst plant, leider verkneifen… 😉 ). Mein Füsse tun mir übrigens immer noch ein bisschen weh, wohl auch weil es mit der Federung und Dämpfung meines inzwischen mehr als 2500 km alten Schuhwerks nicht mehr so weit her ist – wird wohl doch langsam Zeit, die seit Jahresanfang immer wieder verschobene Anschaffung neuer Laufschuhe endlich mal anzugehen

Strecke: 13,3 km
Zeit: 1:24 h (= 9,5 km/h bzw 6:19 min/km)
Karte:
 
Anm: Hier ist mir wieder mal ein Fehler unterlaufen: Der Weg vom Lindenhof zum Erlensee ist nicht der Radweg 26, sondern der Radweg 28. Sorry!

Eine interaktive Runmap-Streckenkarte gibt´s heute mal keine, die guten Teile der Route hab´ ich an anderer Stelle schon in- und auswendig dokumentiert, und die schlechten sind niemandem zuzumuten, deswegen braucht´s da auch keine Beschreibung.

M.

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3 Antworten to “Wieder mal Rübenäcker zwischen Hähnlein und Bickenbach (13,3 km)”

  1. Gerd Says:

    2500km…. dann läufst Du ja doch besser barfuß 😉
    Für so einen vermurksten Lauf ward ihr aber flott unterwegs!

    Gruß Gerd

  2. matbs Says:

    Kann sein, dass wir etwas langsamer waren – ich hatte beim Start verpasst, auf die Uhr zu gucken (passiert mir sonst nie), und musste die Laufzeit deshalb am Ende schätzen, entsprechend könnten es auch drei oder vier Minuten mehr gewesen sein, was die Durchschnittsgeschwindigkeit schon merklich reduzieren würde.

    Zum Schuhwerk: Na ja, weisst du, meine Schuhe und ich, wir haben inzwischen so viel zusammen erlebt, da fällt das Abschied Nehmen nicht leicht…


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