Blütenweg nach Malchen (12,1 km)

6. Mai 2008

Eigentlich hatte ich ja gedacht, ich hätte den Lauf durch Rheinhessen und die Pfalz am Samstag und die Tempoeinheit am Sonntag bestens weggesteckt.
Dummerweise eine Fehleinschätzung, und noch dazu eine ganz perfide: An den durch die neuen Laufschuhe ungewohnt stark beanspruchten Muskeln um meine Schienbeine herum waren diese Touren (vor allem wohl die Rennerei am Sonntag) nämlich nicht spurlos vorübergegangen, die waren hart, unflexibel, muskelkaterig.
Das Problem: Offensichtlich sind das Muskelgruppen, die ich beim alltäglichen Gehen/Stehen/Treppensteigen kaum brauche. Entsprechend hatte ich die letzten eineinhalb Tage das Gefühl gehabt, gut in Form zu sein, und den suboptimalen Zustand meiner Waden überhaupt nicht richtig bemerkt.

Folgerichtig erwartete mich heute beim Loslaufen eine unangenehme Überraschung. Ich kam überhaupt nicht in die Gänge, meine Waden waren hart, starr, steif, etwas taub (wenn sie was von sich gaben, dann war das ein unangenehmes Ziehen), ohne jede Spannkraft oder Dämpfung. Fühlte sich so an, als würde ich unterhalb der Knie auf zwei Holzklötzen laufen. Schwer, kraftraubend, ein ordentlicher Laufrhythmus sieht anders aus.


Dabei hätte es eigentlich ein schöner Lauf werden sollen: Das Wetter war schön sonnig und warm (fast etwas zu warm, wie sich später zeigen sollte), und ich hatte mir eine nette Strecke rausgesucht, von Jugenheim auf dem Blütenweg nordwärts bis Malchen, dann durchs Flachland am Fuß der Bergstrasse wieder zurück (zugegeben: Eigentlich hätte mir schon vorher klar sein müssen, dass das heute nicht gut werden würde, denn bisher war jeder Lauf, den ich jemals auf dem Blütenweg zwischen Seeheim und Malchen gemacht habe, mies. Keine Ahnung warum, eigentlich eine wunderschöne Strecke, nicht zu anstrengend oder anspruchsvoll, aber jedesmal wenn ich dort jogge, läuft irgendwas schlecht – ich kann wohl einfach nicht mit der Route…).

Bereits die ersten paar hundert Meter waren nicht besonders gut: Ich schleppte leicht gequält durch den Pauerweg bis zum Balkhäuser Tal, dann die Hauptstrasse hoch, vorbei am Heiligenberg, dem alten Rathaus und dem Roseneck, und lief schließlich durch die Seeheimer Str. zum nördlichen Ortsende. Vorgestern war ich hier leichtfüssig und schnell durchgesprintet, heute stampfte ich langsam, träge und unlustig vor mich hin.
Spass sieht anders aus.

Am Ende der Seeheimer Str. kurz rechts hoch auf den schattigen Fußweg am Rand der Felder über der Feuerwehr, (weiterhin Blütenweg: Gelbes B). Eigentlich ein schöne Stück, geniessen konnte ich die 300 m. bis nach Seeheim heute allerdings nicht. In Seeheim dann weiter auf dem Blütenweg, durchs „Villenviertel“ unterhalb der Lufthansa, am Haus Hufnagel durch den Fußgängerweg links runter auf die Bergstrasse, auf der dann nach Norden, vorbei am alten Rathaus, über die Ober-Beerbacher Str. und schließlich hoch in die Schloßstr.
Inzwischen ca. 2 km unterwegs, besser lief es nicht – mein Hoffnung, dass sich die anfänglichen Wehwehchen rauslaufen würden, war offensichtlich falsch gewesen.
Grgh!

Ab hier ging es dann langsam dann langsam ein bisschen bergauf: Rechts die Burgstr. hoch (wobei mir auffiel, dass man Alt-Seeheim unter der neuen Fassade hier und da fast ein bisschen an die kleinen Weindörfer in Rheinhessen und der Nordpfalz erinnert, durch die ich am Samstag gelaufen war. Eigentlich ja auch kein Wunder, denn auch Seeheim war ja mal Weinbaugebiet), dann weiter durch die Lohndorfstr. Eigentlich sehr angenehme Steigungen, aber sie strengten mich trotzdem ziemlich an.
Nach 300 m. Lohndorfstr. rechts hoch in den Hahnböhl (noch steiler. Autsch! Warum tat ich mir das eigentlich an?), an dessen oberem Ende dann links auf einen kurzen steilen (Uuuuurgh!) Trampelpfad am Ortsrand, über den ich die Strasse „Im Schecken“ erreichte und schließlich dem Blütenweg rechts hoch auf einen schmalen, etwas überwucherten Trampelpfad oberhalb des Ortsgebietes folgte (alles gelbes B).

Hier war dann Schluss mit lustig (ok, lustig war´s heute eh nie gewesen, aber jetzt wurde es noch mal ein gutes Stück unlustiger): Durch die Blütenhänge über Seeheim, landschaftlich sehr reizvoll – Gärten, Wiesen, kleine Seitentäler mit plätschernden Bächen, wunderbarer Blick in die Ebene – aber eben auch mit einigen kurzen aber durchaus steilen An- und Abstiegen, die zwar eigentlich kein Problem sein sollten, aber bei denen ich, wie gesagt, traditionell schwer tue.
Tja, und heute?
Natürlich mies!
Bergauflaufen ist vor allem eine Frage der Waden, die den Löwenanteil der Hubarbeit verrichten müssen – wenn die mal nicht wollen, wird´s nicklig.
Und meine Waden wollten heute partout nicht. Entsprechend war das auf- und ab eine einzige, unangenehme Quälerei, die Unmengen an Kraft kostete.
Mist!
Zudem ist das hier alles offener Westhang, entsprechend war´s in der gnadenlos herabknallenden Frühsommersonne fast schon unerträglich heiß.
Mist!
Oh, und Durst hatte ich auch. Natürlich nichts dabei, auch kein Geld, um unterwegs was zu kaufen!
Mist!
Und Müde war ich auch. Reichte das nicht eigentlich schon bis hier?
Mist!
Und meine Füße taten weh. Mein dumpfer, schwerer Laufstil ging voll auf die eigentlich schon fast verheilten Blasen am vorderen Innenfuß kurz hinter den Ballen, fühlte sich nicht gut an.
Mist!
Und dann bekam ich auch noch Sodbrennen! Quasi als Bonus zu den ganzen anderen Unanehmlichkeiten rülpste mir jetzt auch noch alle paar Schritte der aparte Geschmack des halbverdauten Fischfilets mit Kartoffelsalat Remulade vom Mittagessen die Kehle hoch.
MistmistmistmistmistMIST!!!

Ob soviel ungerechten Elends in weinerliches Selbstmitleid („Ach, warum ich? Und warum jetzt? Warum nur…“) versunken (das lenkte wenigstens ein bisschen ab 😉 ), quälte ich mich langsam voran, ohne allzuviel von der schönen Umgebung zu genießen.
Nach ca. 600 m. ging es durch einen schmalen Hohlweg rechts hoch in den Wald („Ach, warum muss der denn jetzt auch noch so steil sein!“). Ab hier war´s immerhin schattig und kühl. Noch ein kurzes Stück geradeaus, dann an der Wegscheide oberhalb des Mundklingen halbrechts, runter vom Blütenweg, stattdessen auf den unmarkierten Waldweg, der hier mit moderater Steigung den Hang hinauf führt („Moderat! Das soll moderat sein!?!?! Mir geht´s ja sooo mies!“).

600 m. geradeaus, dann in einer Kurve schaft links und durch einen kleinen, steilen, schlechten Hohlweg geradewegs den Hang runter (eigentlich hatte ich hier gar nicht entlanggewollt, aber vor lauter Piensigkeit hatte ich nicht so richtig auf die Strecke geachtet, und war deshalb zu früh abgebogen). Hier musste ich dann gehen, denn auch bergab lief es nicht besser, und angesichts der Steifheit und Unflexibilität in meinen Waden, fehlte es heute an der nötigen Trittsicherheit, um das Stück halbwegs sicher zu Joggen.

Unten angekommen rechts, am Rand eines kleinen, steilen Bachtales über Malchen entlang aufwärts („Och nee, nicht schon wieder aufwärts!“), um das Tal herum, auf der anderen Seite dann noch ein ebenes Stück („Och nee, nicht schon wieder eben!“) am nordwärts am Hang entlang, schließlich bei den Blütenhängen am Anfang von Malchen aus dem Wald heraus und abwärts ins Dorf („Och nee, nicht schon wieder abwärts!“).

Langer Abstieg auf der Frankensteiner Str. durch Malchen, vorbei an Dorflinde und der kleinen Kapelle bis runter zur alten Bergstrasse. Lief natürlich auch nicht gut, zwar weniger anstrengend als bergauf, aber dafür verweigerten meine abtrünnigen Waden, die sadistischen Drecksäcke, die richtige Dämpfung beim Auftreten. Grgh!

Am Ende des Abstiegs über die Strassenbahn und die Alte Bergstrasse, um den Malcher (Malchener? Keine Ahnung, wie das heisst…) Friedhof herum auf den unmarkierten Weg, der am Waldrand südwärts bis nach Seeheim führt. Insgesamt 1,6 km, auch hier wieder ein an sich sehr hübsches Stück (vorbei an Wiesen, Gärten und einer dämlich blökenden Schafherde), das ich aber nicht wirklich geniessen konnte, dazu lief es einfach zu schlecht. Immerhin: Auch hier war´s wenigstens halbwegs schattig…

In Seeheim angekommen mitten durch den Ort: Uhlandstr., am Eichendorfplatz in die Str. „Am Stützelbaum“, dann den Rosenweg bis zum Weedring, über den dann links hoch, vorbei an Tannenbergschule und Kindergarten zum Grundweg.
Mann war der Asphalt hart! Und heiss war´s hier auch wieder! Und dieser blöde Durst! Alles Mist!
Am Grundweg kurz rechts, über die Durchfahrt neben der Post runter in den Beethovenring, 150 m. geradeaus, links auf der kleine Treppe („Ack! Treppe!“) in die Karlstr., an deren Ende, die Sandstr. runter und schließlich hablinks auf den Weg zum Stock-Stadion.
Ab hier dann etwas schneller: Lief zwar immer noch beschissen, aber inzwischen war ich ja fast wieder zuhause und war zu fertig, um mich noch zu sehr in Weinerlichkeit zu ergehen, deswegen beschleunigte ich meinen Schritt.

Vorbei am Stadion, durch das Feld (boah, war das heiss hier) bis zum Strassenbahnübergang an der alten Bergstr., rechts in Richtung große Kreuzung, kurz davor aber nochmal links, durch den Bachwinkel und den kleinen Fußweg neben dem Landbach (Aaah. Schattig und kühl!) in den Ortskern, dort dann die Hauptstr. runter und – aus dem letzten Loch pfeifend – über die Alsbacher Str. zurück nach Hause zur Nachsorge in 5 Schritten:
1) 1 l. kalte Apfelschorle runterkippen
2) Davon etwas Bauchweh haben.
3) Die gewaltigen neuen Blasen an meinen Füßen verarzten
4) Kurz hinsetzen und dabei unwilkürlich eine halbe Stunde einnicken.
5) Kalte Dusche!!!

Autsch! Das war ja mal sowas überhaupt nix. Von Anfang an ein verkorkster Lauf mit richtig schlechten Beinen, dazu zu heiss, zu lustlos, zu durstig. Ursprünglich hatte ich ja vorgehabt morgen oder übermorgen auf den Frankenstein hochzulaufen, aber das lasse ich liber erstmal – solange sich meine Waden nicht erholt und die Blasen am Innenfuß nicht wieder etwas abgeschwollen sind, mache ich lieber erst mal langsam.
Immerhin hat sich ein weiteres Mal bestätigt: Der Blütenweg von Seeheim nach Malchen und ich, wir sind keine Freunde…
Strecke: 12,1 km
Zeit: 1:20 h (9,08 km/h bzw. 6:37 min/km)
Karte:

Interaktive Streckenkarte

M.

Advertisements

6 Antworten to “Blütenweg nach Malchen (12,1 km)”

  1. Gerd Says:

    So was kenne ich auch….
    Was mich ein wenig irritiert sind die Blasen an deine Füßen. Da habe ich zum Glück überhaut keine Problem mit.
    Aber normal ist das nicht. Liegt vielleicht daran, dass Du „Jahrzehnte“ den gleichen Schuh an hattes 😉
    Und dann noch 1L kalten Apfelsaft… !?!

    Gute Besserung.
    Gruß Gerd

  2. matbs Says:

    Was meinst du, wie die mich erst irritieren? 😀

    Aber im Ernst: Bei mit ist das leider normal. Wenn ich neue Laufschuhe habe, geben die immer (wirklich immer!) erst mal einen Satz Blasen – dieses Mal ist es sogar noch relativ harmlos, denn immerhin sind sie nicht blutig wie beim letzten Mal (meine alten Schuhe hab´ ich gleich beim ersten Lauf mit meinem eigenen Blut getauft, und das nicht zu knapp).
    Normalerweise legt sich das dann irgendwann, und um die nächsten Blasen dann solange wie möglich rauszuzögern, trage ich die Schuhe dann wieder, bis sie auseinanderfallen. 😉

    Bin nun mal nicht für Kleidung von der Stange gemacht…


  3. […] Blütenweg nach Malchen (12,1 km) […]


  4. […] Blütenweg nach Malchen (12,1 km) Abschied (7,6 km) […]


  5. […] bekannt vorkam. Hmm, sah aus wie der Viehrechsweg direkt oberhalb von Malchen, den ich mal irgendwann im Mai gelaufen war… […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: